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Methooden der empirisch-politikwissenschaftlichen Sozialforschung
VorwortDie folgenden vier Fragen werde ich einzeln bearbeiten, wobei ich mich bemühen werde, einen Zusammenhang herzustellen: 1. Was möchten sie unter Objektivität verstehen? 2. Welches sind die für sie wichtigsten Prinzipien empirischer Forschung? 3. Wozu benötigt die Politikwissenschaft empirische Forschung? 4. Welches der dargestellten Experimente/Untersuchungen fanden sie besonders interessant und warum? Da die Arbeit durch die Fragestellung hinreichend gegliedert ist, habe ich auf ein Inhaltsverzeichnis verzichtet. 1. Was möchten sie unter Objektivität verstehen?An dieser Stelle sollen zwei Fragen beantwortet werden: 1. Was sollte Objektivität sein? 2. Gibt es Objektivität, ist Objektivität möglich? 1. Objektivität sollte die Fähigkeit eines Menschen sein, eine Situation, eine Handlung, einen Sachverhalt etc. neutral zu beurteilen und zu bewerten. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. - Ist eine Person aktiv oder passiv an der Situation beteiligt? - Hat die Person eine Vormeinung, Vorurteile, ist sie parteiisch? - Hat die Person die Situation zur Gänze „erfaßt“, war sie in der Lage, alle relevanten Faktor in ihr Urteil einzubeziehen? 2. Bei Berücksichtigung der o. g. Faktoren ist Objektivität bei einem Menschen nicht möglich. Zwar ist man nicht an allen Situationen beteiligt, aber es kann immer sein, das man eine ähnliche Situation bereits vorher erlebt hat und sich daran erinnert. Es ist wahrscheinlich, daß man sich damals bereits eine Meinung gebildet hat und damit „vorbelastet“ ist. Diese Vormeinung in Verbindung mit bestimmten Vorurteilen gegenüber bestimmter Menschengruppen können mehr oder weniger unbewußt eine Entscheidung beeinflussen, außerdem neigen Menschen dazu, andere in bestimmte Kategorien einzuteilen, wobei sie hauptsächlich nach optischen Gesichtspunkten vorgehen. Weiterhin selektiert der Mensch die Informationen des Alltags in „wichtig“ und „unwichtig“, wobei der Maßstab individuell angelegt wird, dies ist zwar notwendig, da der Mensch nicht in der Lage ist, die vielen Informationen des Alltags zu speichern und zu verarbeiten. Andererseits passiert es leicht, das Informationen, denen objektiv Bedeutung zukommen würde, „übersehen“ werden. Aus diesen Gründen bin ich der Meinung, daß es Objektivität in zwischenmenschlichen Beziehungen nicht geben kann. Es ist mehr ein Ideal, dem man nahe zu kommen versucht bzw. man sollte versuchen, der Objektivität nahe zukommen. 2. Was sind die für sie wichtigsten Prinzipien der empirischen Sozialforschung?Die Prinzipien der Forschung stehen in direkter Abhängigkeit von dem verfolgten Ziel. Möchte man ein bestimmtes Ergebnis erreichen, zum Beispiel beweisen, daß Frauen dümmer seien als Männer, so kann man dies durch subtile Manipulation von Untersuchungen oder Statistiken „beweisen“. Solche Manipulationen sind allerdings mehr oder weniger leicht nachzuweisen, daher empfiehlt es sich, methodologisch vorzugehen: 1. Fragestellung: Die Formulierung des Problems in Hypothesen 2. Die Wahl der Mittel: Welches Instrument (Fragebogen, Interview, Umfrage) ist für die optimale Bearbeitung des Gegenstandes am sinnvollsten? 3. Die Durchführung der Forschung und die Auswertung der Ergebnisse 4. Die Nutzung der gewonnenen Ergebnisse Unschärfe Bei Untersuchungen können Unschärfen auftreten. Bei der gezielten Hinführung zu einer Frage kann man den Befragten in seiner Antwort beeinflussen. Die Frage, ob man für oder gegen die Todesstrafe sei, kann durch die vorhergehende Verwendung von Begriffen wie Vergewaltigung, Mord, Justizirrtum und ähnlichem in ihrer Beantwortung beeinflußt werden. Diese Unschärfen lassen sich nicht zur Gänze ausschließen, sollten aber soweit wie möglich vermieden werden. Repräsentativität Aussagekräftige Untersuchungen sollten eine möglichst große Menge an Personen abdecken. Es hängt davon ab, welche Gruppe untersucht werden soll. Möchte man das Wahlverhalten der deutschen Bevölkerung untersuchen, sucht man willkürlich Personen aus und befragt diese. Möchte man das Wahlverhalten von Männern gegenüber Frauen oder von Ost und West untersuchen, sollte man wiederum gleichgroße Gruppen wählen. Vergleichbarkeit von Daten Bei dem Vergleich von Ergebnissen, die zu anderen Zeiten, an anderen Orten und auf unterschiedlichen Wegen gewonnen wurden, sollte man vorsichtig sein. Ein gutes Beispiel ist die Erstellung der Arbeitslosenstatistik. Vergleicht man diese mit anderen Ländern, so sollte man nicht übersehen, daß diese dort anders berechnet werden. Es ist auch fraglich, ob es sinnvoll ist, den gleichen Fragebogen, der vor 50 Jahren vorgelegt wurde, heute noch einmal zu benutzen. Einerseits ändert sich die Bedeutung von Begriffen, andererseits sollte es klar sein, daß bestimmte Fragen heute anders beantwortet werden als vor 50 Jahren. Wird der Fragebogen dagegen verändert, läßt sich ein Vergleich nur schwierig erzielen. Verkürzte Darstellung von Daten Rundfunk und Presse verwenden häufig statistische Ergebnisse, um bestimmte Sachverhalte zu untermauern oder zu negieren. Dabei werden die Informationen verkürzt dargestellt. Der Leser oder Zuschauer erfährt meistens nicht, wie die Statistik/Umfrage zu Stande kam, wer sie in Auftrag gab, wer befragt wurde etc. Um den Wert einer solchen Erhebung beurteilen zu können, sollte einem Interessenten ein Mindestmaß an Hintergrundinformation zukommen. Wird diese Anforderung nicht erbracht, sollte man die Zahlen ignorieren. 3. Wozu benötigt die Politikwissenschaft empirische Forschung?Die Aufgabe der Wissenschaft liegt darin, Informationen zu produzieren und darzustellen. Die Frage wäre nun, für wen diese Informationen interessant sind. Bei der Marktforschung sind dies in erster Linie die Auftragsgeber, also Firmen, die an dem Absatz ihrer Produkte interessiert sind. Bei der Untersuchung des Wahlverhaltens der Bürger agieren Parteien, aber auch Presse und Rundfunk als Auftraggeber. Die Ergebnisse werden teilweise veröffentlicht, wobei sich die Frage stellt, ob dies zur Information des Bürgers dient und nicht auch zur Manipulation seines Wahlverhaltens mißbraucht werden kann. Ein wesentlich wichtigerer Teil der Forschung ist jedoch die Aufdeckung bestimmter Muster, um bisher unbekannte Zusammenhänge zu entdecken. Dazu einige Beispiele: 1. Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten: Gibt es einen Zusammenhang zwischen hohem Konsum von Fast Food und erhöhter Aggressivität? 2. Gibt es einen Zusammenhang zwischen sozialer Umgebung und den Aufstiegschancen in höhere Berufe. 3. Ist kriminelles Potential bereits in den Genen vorhanden oder ist Kriminalität ein Ergebnis gesellschaftlicher Benachteiligung? Die Ergebnisse solcher Forschungen können dazu verwendet werden, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um letztlich eine Verbesserung des Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die jeweiligen Auftraggeber verwenden diese Erkenntnisse, um ihr Wahlprogramm, ihr Produkt etc. an das Interesse ihres potentielles Wählers, Konsumenten etc. anzupassen. In der Politikwissenschaft kann man zwei wichtige Ziele der empirischen Sozialforschung erkennen: 1. Das Erkennen von Problemfeldern, solange ein Problem als solches nicht erkannt wird, kann man auch keine Lösung dafür finden. Entdeckt man beispielsweise einen Zusammenhang zwischen Gewalt und der Besiedelungsdichte eines Ortes, so kann man hier gezielt nach den Ursachen forschen. 2. Die Frage, ob ergriffene Maßnahmen Erfolge gezeitigt haben oder nicht und warum diese Maßnahmen erfolgreich waren oder erfolglos blieben. Wenn die Bundesregierung oder die Länder mehr Lehrer einstellt, die Schulklassen verkleinert, die Unterrichtspläne neu strukturiert etc., um die Qualität der Schulausbildung zu verbessern, muß sie irgendwie feststellen, ob und wie dieses Ziel erreicht worden nicht bzw. warum es nicht erreicht worden ist. 4. Welches der dargestellten Experimente/Untersuchungen fanden sie besonders interessant und warum?Das Milgram-Experiment war meiner Meinung nach das interessanteste Experiment. Es ist relativ simpel gestaltet, liefert dabei aber viel Raum für Interpreationen, von denen ich einige kurz darlegen möchte: 1. Es beweist eine starke Autoritätshörigkeit der Menschen. Eine Person, die als Wissenschaftler auftrat, die eine starke Autorität ausstrahlte, konnte den „Lehrer“ im „Namen der Wissenschaft“ dazu veranlassen, bis an die Grenze zu gehen und einem Menschen starke Schmerzen zuzufügen. 2. Durch diese Autoritätshörigkeit schaltete die Versuchsperson ihre ethischen und moralischen Bedenken aus; mit der Begründung, Befehle auszuführen und die Verantwortung trage man nicht selbst, sondern der Befehlende. Es erinnert ein wenig an Soldaten, die auch nur Befehle ausführen, wenn sie andere Menschen erschießen (vgl. Adolf Eichmann). 3. Im Experiment steckt auch eine hierarchische Struktur: A (der Wissenschafter) sagt B (dem Lehrer), was der zu tun hat. B kann wiederum C (dem Schüler) befehlen, was dieser zu tun hat. 4. Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet könnte man auch auf eine sadistische Grundeinstellung schließen, der Genuß, einem mir unterstellten Schmerzen und Leid zuzufügen. Man hört es zwar nicht gerne, aber auszuschließen ist es nicht. 5. Mein letzter Punkt wäre eine Betrachtung aus einer philosophischen Perspektive. Man geht zwar davon aus, daß alle Menschen grundsätzlich vernünftig seien und auch so handeln würden. Es gibt aber auch Philosophen, die glauben, der Mensch sei grundsätzlich unvernünftig und könne nur durch Belohnung und Sanktionierung von der Auslebung seiner Triebe, wenn man das so nennen darf, abgehalten werden. Kurz gesagt: der Mensch hält sich an Gesetze, nicht weil sie ihm sinnvoll erscheinen, sondern weil er die Bestrafung bei Nichteinhaltung fürchtet. Es bedeutet im Umkehrschluß, der Mensch wäre bereit, jedes Gesetz (oder jeden ethischen Grundsatz) zu brechen, wenn er nicht mit Bestrafung rechnen muß, um, was auch immer er damit erreichen möchte zu erreichen. Ich möchte nicht behaupten, daß dies alles zutrifft. Es sind nur mehr oder weniger großzügige Interpretationen. Ich möchte auch keine allgemeingültigen Aussagen über „den“ Menschen machen, weil alle Menschen verschieden sind. Ich bin nur der Meinung, daß alle Menschen bestimmte Eigenschaften gemein haben, die man nicht wahrnimmt oder nicht wahrnehmen will. Solche Experimente können dabei helfen, kein allzu idealistisches Menschenbild aufkommen zu lassen. |
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