Hintergrundgraphik
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Wissenschaftliches Schreiben - Der Stil

Der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit sollte vorher festgelegt werden. Bei länger andauernden Arbeiten kann es passieren, dass man sich plötzlich bewusst oder unbewusst für einen anderen Stil entscheidet, wodurch der Rhythmus des Textes verloren geht. Der Leser wird sehr irritiert sein. Wenn du es allerdings noch merkst, wird es dich einen erheblichen Mehraufwand kosten den Stil nachträglich zu verändern.
Man sollte versuchen, den Stil allgemein verständlich zu halten. Das heißt, Fachjargon nur dann verwenden, wenn es wirklich notwendig ist. Keine Anglizismen (englische Begriffe, für die es auch deutsche gibt) oder gar Mischungen aus Deutsch und Englisch, wie in vielen Werbespots üblich. Dies zeugt einerseits nicht unbedingt von Respekt vor der eigenen Sprache, andererseits gibt es viele Leute, die hier sehr empfindlich reagieren können.
Der Stil sollte möglichst locker sein, ohne leger zu wirken. Man kann durchaus eine leichte Ironie mitschwingen lassen, schlechter ist hingegen übermäßiger Zynismus, der auch als zu emotional und damit nicht objektiv genug gesehen werden kann. Auch wenn man sich persönlich über eine Sache aufregt, sollte man sich bemühen, die Dinge sachlich, klar und ohne persönliche Wertung darzustellen.
Auch wenn der Stil gleichmäßig sein sollte, ist eine gewisse Abwechslung vor allem in längeren Texten angebracht. Kurze, mittellange und lange Sätze sollten sich abwechseln. Generell gilt zwar, dass Sätze möglichst kurz sein sollten, um die Verständlichkeit zu erleichtern, doch eine Anreihung kurzer Sätze kann stakkatohaft wirken und langweilen. Bei langen Sätzen mit mehreren Kommata etc. sollte versucht werden, die Sätze durch Verkürzen verständlich zu machen.
Hauptsachen gehören in Hauptsätze, Nebensachen in Nebensätze. Nebensätze werden an den Hauptsatz angehängt und nicht umgekehrt. Also nicht:

Die Straße, welche ich entlang fuhr, war feucht.

sondern

Ich fuhr eine feuchte Straße entlang.

Wenn neue Gedankengänge begonnen werden, sollte dies durch einen Absatz kenntlich gemacht werden. Wenn ich einen Text lese, dessen Informationen mir teilweise schon bekannt sind und ich darin eine bestimmte Information suche, überspringe ich Absätze. Es ärgert mich dann häufig, dass die Autoren ihre Gedanken nicht sauber trennen, wie es sinnvoll wäre.
Adjektive sind böse, Verben sind gut. Adjektive stellen häufig eine Wertung dar: Der große Präsident, der kleine Diktator, das viele Geld usw. Abgesehen davon, dass diese Bewertungen teilweise unzulässig sein können, sind sie häufig auch für das Verständnis nicht hilfreich, sie können also meistens weggelassen werden. Auf jeden Fall sollte auf Superlative a la der größte ... aller Zeiten verzichtet werden, dass ist ziemlicher Unsinn, es kann einen größten geben, der uns aus irgendeinem Grund entgangen ist oder es kommt noch ein größerer. Wichtig hingegen sind Verben, denn sie geben unseren Sätzen erst den Sinn. Dabei sind aktive Verben besser als passive. Also nicht

Das Auto wurde von mir über die nasse Straße gefahren.
sondern
Ich fuhr das Auto über die nasse Straße.
Das Adjektiv nass kann später noch von Bedeutung sein, deshalb kann man es ruhig benutzen.
Ein Satz sollte nicht mehr als einen Gedanken enthalten. Bestimmte Satzzeichen wie Gedankenstriche oder Semikola sollten sparsam verwendet werden, sofern die richtige Verwendung überhaupt bekannt ist.
In der Uni nimmt man es, im Gegensatz etwa zur Schule, mit der Rechtschreibung häufig nicht so ernst. Ich habe einige E-Mails von Professoren gelesen, die voller Tippfehler waren. Auch wirken sich Rechtschreib- und Grammatikfehler meistens nicht auf die Note aus. Dennoch ? oder gerade deswegen ? sollte auf eine korrekte Anwendung geachtet werden. Abgesehen von den umstrittenen Änderungen durch die neue Rechtschreibung (ss statt sz usw.) sollte auf die Korrektheit geachtet werden. Dies vermeidet einerseits einen schlechten Eindruck beim Dozenten, andererseits gewöhnt man sich auch keine Schlampigkeit an, die dann gefährlich werden könnte, wenn es darauf ankommt, also etwa in Abschlussarbeiten, bei Bewerbungen usw. Wenn du es selber nicht kannst, sorge dafür, dass jemand anderes Korrektur liest. Es kommt häufig vor, dass man die eigenen Fehler überliest. Ich achte inzwischen sogar in meinen E-Mails auf korrekte Rechtschreibung.
Übrigens, auch wenn Professoren auf korrekte Anrede oder Sorgfalt verzichten heißt das nicht, dass du auch darauf verzichten kannst.

Ein Problemfall sind die Füllwörter wie "nämlich", "nun" usw. Sie sollten sparsam eingesetzt werden und auf keinen Fall in mehreren Sätzen hintereinander.
Um einem allgemeinen Irrtum vorzubeugen: Guter Stil bedeutet nicht guten Inhalt, guter Inhalt braucht keinen guten Stil. Man kann den größten Unsinn in wunderschöne Worte verpacken. Viele der Massenschriftsteller haben einen guten, weil einfachen und ungeschliffenen Stil. Dennoch ist ihr Gehalt gleich Null. Ja, auch viele Boulevard-Zeitungen und Wochenmagazine haben den einfachen Stil übernommen. Die Texte, Sätze und Bildunterschriften dürfen eine bestimmte Länge nicht überschreiten und sie müssen eindeutig zweideutig sein. So etwas wird dann als hintergründige Ironie bezeichnet.
Es ist von daher ganz entschieden davon abzuraten, den Stil eines Magazins oder einer Zeitung nachzuahmen, es sei denn, man möchte sich über denselben lustig machen, dies sollte dann aber deutlich werden. Auch als seriös geltende Magazine, die sogar für den Erhalt der alten Rechtschreibung eintreten, um die deutsche Sprache zu retten, begehen dabei haarsträubende Fehler.
Schlecht sind auch parteipolitische Verlautbarungen, Pressemitteilungen, Reden, Flugblätter. Sie sind manchmal so grottenschlecht, dass man sich für dumm verkauft fühlt. Phrasen wie: kompetent, hilfsbereit, kommunikativ sind ermüdend nichtssagend.
Dann solltest du eher wissenschaftliche Publikationen als Vorbild nehmen, die sind zwar auch nicht immer treffend, aber trefflich lässt sich auf sie verweisen.
Vor allem deutsche Akademiker haben die ärgerliche Angewohnheit, so zu schreiben, dass sie vom interessierten Laien nicht verstanden werden können. Viele Soziologen schreiten hier im negativen Sinne voran.
In dieser Hinsicht heben sich die angelsächsischen Autoren vielfach von ihren deutschen Kollegen ab. Ich empfehle hierzu die Ökonomen Joseph Stiglitz, Jeffrey Sachs und Paul Krugman, die letzten beiden schreiben regelmäßig für größere Tageszeitungen. In der Naturwissenschaft ist u. a. Richard Dawkins lesenswert, der sich vor allem in Fragen der Evolution äußert, sowie Desmond Morris, Stephen J. Gould oder Jared Diamond. Dazu noch zwei Anmerkungen: 
1. Dass ich diese Autoren empfehle, bedeutet nicht, dass ich in jedem Falle deren Positionen teile. 
2. Diese Autoren sind echte Profis, die über zahlreiche Lektoren verfügen, ihre Texte werden vermutlich ein Dutzend Mal von Experten gegen gelesen, bevor sie erscheinen, da kann kaum ein Laie mithalten.

Mittlerweile ist die Neue Rechtschreibung verbindlich in Schulen und staatlichen Einrichtungen. Der Normalbürger darf weiterhin schreiben, wie er will, eine rechtlich verbindliche Orthographie gibt es für den Normalbürger nicht. Dennoch ist es aus einigen Gründen empfehlenswert, sich an die korrekte Orthographie, also Rechtschreibung und Grammatik zu halten: - Viele Leser "stolpern" über Rechtschreibfehler oder fehlende Kommata. Satzzeichen strukturieren den Text, steuern den Lesefluss und Gedankenfluss des Menschen. Wenn ein Komma an der richtigen Stelle fehlt, bleibt der Leser kurz hängen, weil er etwa Haupt- und Nebensatz nicht voneinander unterscheiden kann. Bei Tippfehlern weiß er gelegentlich schlichtweg nicht, was das Wort bedeuten soll und ist gezwungen, länger nachzudenken, als es nötig wäre. - Orthographische Fehler werden als Schlampigkeit ausgelegt. Der Schreiber erweckt den Eindruck, der Leser sei ihm nicht wichtig genug, als das der Schreiber seiner Sorgfaltspflicht nach käme. Die Neue oder die Alte Rechtschreibung, Hauptsache, du entscheidest dich und hälst es den ganzen Text lang durch. Tückisch kann es werden, wenn du deine Textverarbeitung wechselst und die Rechtschreibfunktion oder Autokorrektur aus "dass" "dass" macht oder ähnliches.
Ersetze Nominalstil durch Verbalstil: "Die Durchsetzung der Steuererhöhung durch das die Zuständigkeit inne habende Innenministerium stieß bei dem Unternehmertum auf große Zustimmung." Das Aneinanderreihen von Nomen ist ein Lieblingssport vieler Geisteswissenschaftler, das ist Nominalstil. 

Wissenschaftlich arbeiten

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