Corporate Social Responsibility und die Barrierefreiheit

Früher oder später wird es vermutlich allgemeine Vorschriften geben, die Privatunternehmen und nichtstaatliche Organisationen zur Barrierefreiheit ermuntern oder sogar verpflichten. Abgesehen davon werden durch die Alterung der Bevölkerung jene Unternehmen im Vorteil sein, welche die Barrierefreiheit von Anfang an umffassen berücksichtigen.
Neben den eher harten – also wirtschaftlichen und rechtlichen – Faktoren spielen auch die weichen Faktoren eine zunehmende Rolle. Das sind Diversity Management – also die Förderung der Vielfalt – und CSR – die Anerkennung und Übernahme sozialer Verantwortung durch Unternehmen. Weder DM noch CSR werden von Unternehmen aus reiner Barhmherzigkeit durchgeführt. Sie zielen auf die Verbesserung ihrer Gewinne ab, auch wenn man das mit blumigen Worten umschreiben möchte.
Das muss nicht unbedingt negativ sein. Bekanntermaßen stehen alle Maßnahmen, die nicht direkt mit Gewinnerzielung zu tun haben nicht nur in Krisenzeiten zur Disposition. Wer Barrierefreiheit als Teil einer Business-Strategie versteht, wird sie nicht bei der ersten Gelegenheit fallen lassen, sobald es schwierig wird.
Grundsätzlich kann man zwei Bereiche unterscheiden, in denen Barrierefreiheit umgesetzt werden kann: unternehmensintern und extern.

Intern

Barrierefreiheit kann intern damit beginnen, Arbeitsplätze möglichst barrierefrei zu gestalten. Dazu gehört zum Beispiel die Beachtung der Bildschirmarbeitsverordnung und anderer Regelungen.
Dazu gehört aber auch die ergonomische Gestaltung von Arbeitsumgebungen, also rückengerechte Stühle und Tische, eine ausreichende Beleuchtung, Belüftung und so weiter.
Interessant wird es, sobald es um die Anschaffung oder Programmierung von barrierefreier Software geht. Einige Unternehmen basteln ihre eigenen Lösungen, weil sie am Markt keine passenden Produkte finden oder weil die Programmierer unterbeschäftigt sind. Die Produkte müssen – da sie normalerweise nicht verkauft werden – nicht einmal minimale Voraussetzungen der Benutzerfreundlichkeit oder Barrierefreiheit erfüllen. Mit dem Kauf barrierefrei bedienbarer Programme fördert man direkt die Anbieter dieser Produkte und ihr Know-How.
Häufig vergessen wird auch die barrierefreie Gestaltung der Prozesse. Interne Abläufe, Dokumente, Vorlagen, aber auch Redaktionssysteme und Intranets müssen ebenfalls barrierefrei gestaltet werden.

Extern

Mit Extern ist hier vor allem die Beziehung zum Kunden gemeint. Barrierefreiheit muss hier vor allem im Bereich Information umgesetzt werden. Das heißt: Internet, aber auch Informationsbroschüren und natürlich auch die Produkte sollen möglichst barrierefrei sein. Auf vielen Arzneimitteln sind zum Beispiel die Namen in Braille aufgedruckt, außerdem gibt es teilweise die Beipackzettel im Internet.
Wer häufig Kundenbesuch hat, kommt natürlich nicht herum, auch wesentliche Teile der Geschäftsräume barrierefrei zu gestalten. Barrierefreiheit beginnt buchstäblich vor der Haustür mit einem rollstuhlgerechten Zugang.
Das Ziel sollte es sein, eine Willkommenskultur für behinderte Kunden und Mitarbeiter zu schaffen, ohne gönnerhaft zu werden. Eine barrierebehaftete Webseite deutet zum Beispiel nicht darauf hin, dass sich das Unternehmen um Behinderte kümmert. Und die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt und hat ihre Hausaufgaben hoffentlich besser gemacht.
Kurios wird es, wenn die Unternehmen Barrierefreiheit ablehnen, weil sie keine Behinderten beschäftigen. Wenn man keine Barrierefreiheit schafft, kann man auch keine Behinderten einstellen – ein Teufelskreis, der nur von den Unternehmen selbst durchbrochen werden kann.
Es ist schade, dass Barrierefreiheit im CSR-Bereich in Deutschland bisher keine Rolle spielt. Im angloamerikanischen Bereich sieht es ganz anders aus.

Entscheidend ist die öffentliche Meinung

Nur wenige Unternehmen können es sich heute leisten, auf einen geregelten Umweltschutz zu verzichten. Zugleich ist Umweltschutz normalerweise kein unternehmerisches Ziel in einem betriebswirtschaftlichen Sinn. So ähnlich sollte auch die Barrierefreiheit betrachtet werden.
Ähnlich wie beim Umweltschutz gibt es natürlich immer die Gefahr, dass das Ganze nur als Pro-Forma-Thema betrachtet wird. Es ist daher sinnvoll, dem Ganzen mehr Bedeutung zu verleihen. Das kann man zum Beispiel machen, indem man einen Barrierefreiheits-Beauftragten einsetzt oder konkrete, überprüfbare Ziele ausgibt. Außerdem sollte ein Bekenntnis zur Barrierefreiheit und ein Überblick umgesetzter und geplanter Maßnahmen auf der Webseite, im Geschäftsbericht und wo es noch passt veröffentlicht werden.
Das heißt, Barrierefreiheit sollte ähnlich wie der Umweltschutz als Ziel der Nachhaltigkeit betrachtet werden. Sie sollte als Prozess betrachtet werden, der nach und nach umgesetzt und nicht nach der Durchführung einer bestimmten Zahl von Maßhnahmen abgeschlossen ist.
Barrierefreiheit sollte als soziale und nicht als technische Herausforderung verstanden werden. Was die Barrierefreiheit angeht, schneiden viele Organisationen aus dem Nonprofit- oder Social-Business-Bereich nicht besser ab als kommerziell orientierte Unternehmen. Das heißt, selbst sozial handlnde Akteure haben die Bedeutung von Barrierefreiheit nicht verinnerlicht.

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Rollt Apple den Bildungsmarkt auf?

Normalerweise schreibe ich nicht über die neuesten Trends, aber der Einstieg von Apple in den Bildungssektor könnte wesentlich spannender werden als irgendein weißes iPhone.
Apple hat sehr gute Chancen auf dem amerikanischen Bildungssektor, weil seine aktuellen Geräte und Betriebssysteme einen sehr guten Stand im Bereich Barrierefreiheit haben. Die USA haben mit der Section 508 und dem Americans with Disabilities Act die wahrscheinlich strengsten Regeln zur Barrierefreiheit und Gleichstellung weltweit. Zum deutschen Pendant sage ich lieber nichts.
Die Geräte verfügen über einen eingebauten Screenreader, Vergrößerungssoftware, eine zumindest rudimentäre Spracheingabe. Sie gelten als beliebt bei Menschen mit kognitiven Einschränkungen – ob zu Recht oder Unrecht vermag ich nicht zu beurteilen.
Apples Schritt dürfte zumindest zwei Größen der New Economy weh tun: der eine ist Amazon, der andere Microsoft.
Amazon hat ebenfalls Ambitionen auf dem Buchmarkt als Verleger aufzutreten. Mit der Kindle-Plattform versucht Amazon ebenso wie Apple die Käufer in einen goldenen Käfig aus Hardware, Software und Multimedia-Konsum einzusperren. Amazons Ambitionen, mit dem Kindle DX in den Bildungsmarkt einzusteigen sind grandios gescheitert, weil es die Geräte nicht für Blinde oder Sehbehinderte nutzbar gemacht hat. Bis heute nicht. Apples Anwendung zur Erstellung von Enhanced eBooks zielt exakt in das Herz der Kindle-Plattform, einer Plattform, auf der Autoren ihre Werke so simpel wie selten zuvor einstellen können. Allerdings hängt das Kindle-Format dem Standard ePub immer ein wenig hinterher.
Microsoft Windows hingegen muss um seine Stellung als führendes Betriebssystem in Bildungseinrichtungen bangen. MS hat es noch länger als Amazon verschlafen, seine Plattformen für Blinde von Haus aus nutzbar zu machen. Wobei Microsoft natürlich wesentlich größer als Amazon ist und das passende Know-How im Haus sitzen hat. MS und Applle gewähren bereits Rabatte für Bildungseinrichtungen. Aber die wenigsten Schulen werden es sich leisten, ihren Schülern zwei Computer-Arbeitsplätze bzw. Geräte bereit zu stellen.

Open ist besser

Man kann Apple mögen oder nicht – mit der Kontrolle über seine Plattformen übt es auch eine Form von Zensur aus. Werden demnächst Bücher nicht im Store zugelassen, die über Aufklärung, Sklaverei oder andere in den USA brisante Themen handeln, weil bestimmte Bilder oder Begriffe eingesetzt werden? Und ist die US-Regierung tatsächlich bereit, das relativ geschlossene Windows-System gegen das absolut verschlossene Apple-System einzutauschen?
kleines Update: Offenbar möchte Apple nicht wie angekündigt das offene ePub-Format unterstützen, sondern sein eigenes Format in den Markt drücken. Das ist eine sehr bedenkliche Entwicklung.
Nur zur Erinnerung: Ein günstiges Netbook kostet zwischen 200 und 300 Euro, verfügt über eine vollständige Tastatur und ist eine nur durch die Performance eingeschränkte Universalmaschine. Ein iPad ist ein Gerät zum Surfen und Multimedia abspielen, auf das man ohne iTunes nicht einmal Daten spielen kann. Und Apple wird nicht unbegrenzt Preisnachlässe gewähren. Ein Schulcomputer ohne vernünftige Tastatur ist ohnehin ein Witz. Das Problem, dass man längere Texte nur schlecht auf einem hintergrundbeleuchteten Bildschirm lesen kann will Apple offenbar über Multimedia statt Text lösen. Bei aller Liebe – das ist sicher nicht wünschenswert.
Die Alternative heißt XO und wurde von der Initiative One Laptop per Child entwickelt. OLPC ist dadurch bekannt geworden, dass es jedes Kind in einem Entwicklungsland mit einem 100 Dollar teuren Laptop ausstatten wollte. Auf dem Gerät ist Software zum Lernen vorinstalliert. Die Geräte sollen recht robust sein und dank PixelQi-Technik auch in der Sonne gut ablesbar sein. PixelQi soll die Vorteile von elektronischem Papier und klassischen Displays kombinieren, zum besseren Lesen kann die Hintergrundbeleuchtung abgeschaltet werden. Wenn man die Kurbel zur Stromversorgung weglässt spricht nichts dagegen, das Gerät auch im reichen Westen einzusetzen. An der Accessibility wird gearbeitet.
Der zweite Kanidat für ein Konkurrenzangebot heißt Google Books. Je stärker Apple Druck auf die Lehrbuch-Verlage ausübt, desto attraktiver dürfte ein Konkurrenzangebot von Google werden. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Google eine Alternative zu Apples Plattform anbieten wird. Mit Text und Tabellen will Google eindeutig gegen Microsofts Office antreten und wird an den chronisch unterfinanzierten Schulen offene Türen einrennen.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht Zeit ist, Schulbücher unter einer CC-Lizenz zu entwickeln und anzubieten. Das Modell Schulbuch-Verlag mag für das 20. Jahrhundert angemessen gewesen sein. Mittlerweile ist es kaum noch einzusehen, warum der Steuerzahler die Schulbuch-Verlage subventioniert, Lehrer und Schüler mit den Büchern aber dank des Urheberrechts nicht machen können, was sie wollen. Oder ist es sinnvoll, wenn Afrikas Schulbücher in Großbritannien produziert werden??
Es passt an der Stelle nicht ganz, aber das Projekt Udacity zeigt, wie Bildung im 21. Jahrhundert aussehen kann. Die Betreiber haben ganz nebenbei die größte Lerveranstaltung der Welt abgehalten.

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Die Zukunft des Fachbuches heißt eLearning

eLearning hat in Deutschland noch keinen besonders guten Status. Die klassischen Anbieter von Fernstudiengängen, Fernlehrgängen und Fernkursen bieten online Möglichkeiten, Material hoch- oder runterzuladen, mit Studienkollegen zu diskutieren oder aktuelle Infos in Erfahrung zu bringen. Mit elLearning hat das nur am Rande zu tun. eLearning heißt, dass der Lehrstoff am Computer oder einem mobilen Endgerät bearbeitet werden kann. Dabei können Animationen, interaktive Schaubilder, Audio- und Videoelemente integriert sein.
Dazu gehören aber auch Möglichkeiten, Aufgaben online zu lösen. Das geht offen, indem man eine eigene Antwort auf eine Aufgabe formuliert oder geschlossen, indem man Multiple-Choice-Aufgaben ausfüllt und diese direkt mit der Lösung abgleichen kann.
Viele Fachbücher sind bereits an Lernende adressiert. So werden häufig am Ende eines Kapitels Fragen gestellt, die der Leser beantworten soll, um zu kontrollieren, wie viel er verstanden hat. Bei Softwarebüchern muss er kleine Projekte oder Programme erstellen – natürlich am Computer.
Es ist also naheliegend, diese beiden Bereiche zu kombinieren. Mit den enriched oder enhanced eBooks werden solche Formate durchaus realisierbar. Mit ePub 3.0 lässt sich z.B. schon JavaScript in eBooks einsetzen, was eine Voraussetzung für Interaktivität ist. Formulare für Multiple-Choice-Abfragen lassen sich bereits mit HTML umsetzen, das bei eBooks verwendet wird. Pocketbook im Querformat
Ein Problem könnten die großen Datenmengen sein, die für Multimedia eingesetzt werden müssen. Eventuell muss man hier einige Abstriche machen, da die Displays klassischer eBook-Reader nicht leistungsfähig sind – und außerdem schwarz-weiß.
Es geht aber noch weiter: die Verlage könnten ein Programm für Zertifikate anbieten. Ein Präsentationskurs könnte optional die Möglichkeit enthalten, für sagen wir 50 Euro eine Prüfung zu absolvieren, wofür ein Zertifikat ausgestellt wird. Natürlich hat ein solches Zertifikat nur einen begrenzten Wert, aber zumindest kann der Betreffende damit belegen, dass er sich mit der Materie beschäftigt hat. Viel mehr bringen die Urkunden zugelassener Fernschulen auch nicht. Und die Verlage könnten die Preise der Fernschulen unterbieten.
Die Fernschulen haben gleich mehrere Probleme: Ihre Strukturen sind nicht auf Selbständige ausgelegt, was man daran sieht, dass die meisten Schulen keine Rechnungen mit ausgewiesener Mehrwertsteuer ausstellen. Damit zusammen hängt ihre Preisstruktur, die sich eher an dem Festangestellten mit ordentlichem Einkommen orientiert. Das große Problem ist aber die mangelnde Modularisierung: ein Kurs kann über ein bis zwei Jahre gehen und entsprechend zwischen 1000 und 3000 Euro kosten. Und das, obwohl sich die Kurse leicht in Module zerlegen ließen, die aufgeteilt sogar ein wenig mehr kosten könnten als der komplette Kurs – aber im Endeffekt für Selbständige attraktiver werden. Denn sie wissen durchaus nicht, was in einem halben Jahr sein wird. Für sie können deshalb einzelne Module eines Kurses interessanter sein als das Gesamtpaket.
Auch mit der Barrierefreiheit der Kurse ist es nicht weit her. Gedrucktes Material ist für Blinde ohnehin ungeeignet, aber auch Großdruck für Sehbehinderte wird normalerweise nicht angeboten. Auch bei eLearning-Kursen ist natürlich nicht garantiert, dass sie barrierefrei sind: es gibt Kurse auf CD, die für Tastaturnutzer einfach nicht nutzbar sind. Aber Barrierefreiheit ist im digitalen Bereich eher umsetzbar als im Printbereich.

Fazit

Ein Autor ist allerdings kein eLearning-Autor. Die oben beschriebenen Werke verlangen neben den Fachexperten auch eLearning-Autoren, die sich mit der Didaktik auskennen und eventuell auch Infografiker oder Multimedia-Designer. Solche Bücher werden zunehmend nicht mehr von Einzelautoren, sondern von Gruppen abgefasst werden.
Das Buch der Zukunft wird außerdem nicht mehr statisch sein. Um Bücher herum werden kleine Communities entstehen, sich über einzelne Stellen austauschen und die Autoren direkt auf schlechte Formulierungen oder Fehler hinweisen können. Man könnte das als Crowd-Lektorat bezeichnen, auch wenn das Wort nicht gerade hübsch ist. Es wird dann ähnlich wie bei Software verschiedene Versionen von Büchern geben, die Bücher werden stetig aktualisiert. Vielleicht werden wir Bücher nicht mehr kaufen, sondern abonnieren.
Entscheidend ist das vernetzte Lernen. Der Kobo-Reader hat das soziale Lesen in seine Software integriert, so dass Leser sich über einzelne Stellen im Buch austauschen können.
Damit eng zusammen hängt das mobile Lernen. Dabei werden mobile Endgeräte zum Lernen eingesetzt. Das ist sicher nicht für jeden Bereich geeignet, aber dort, wo Informationen häppchenweise aufgenommen werden wie beim Vokabeln lernen erscheint es sinnvoll.

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eBook-Reader für Sehbehinderte

Die Zeit der flimmernden Röhrenmonitore ist mehr oder weniger vorbei. Dennoch ist es nach wie vor eher unangenehm, auf einem hintergrundbeleuchteten Display längere Texte zu lesen. Für Sehbehinderte dürfte das noch stärker gelten, zu der Anstrengung der Augen kommt die Belastung des Körpers durch eine angespannte Körperhaltung.Pocketbook Pro 602 mit einem Ausschnitt aus Im Zeichen der Vier von Artur Conan Doyle
Zumindest der letztere Punkt fällt bei EBook-Readern weg. Das Gerät kann nah ans Gesicht geführt werden, es sei denn, es handelt sich um ein Gerät mit reinem Touchscreen.
Für Sehbehinderte, die sich einen eBook-Reader zulegen möchten, habe ich hier einige Erfahrungen zusammengestellt. Es gibt zwar ausführliche Tests von INCOBS, die meisten dieser Geräte entsprechen allerdings nicht mehr dem Stand der Technik.

Für Blinde ungeeignet

Weder Tablets noch reine E-Book-Reader sind heute für Blinde geeignet. Einige Geräte verfügen zwar über Vorlesefunktionen, aber das Gerät will schließlich auch bedient werden. Gerüchteweise war zu vernehmen, Amazon wolle seinem Kindle einen Screenreader verpassen, was aber bis heute nicht passiert ist. Für bei Amazon gekaufte Bücher kann sogar die Vorlesefunktion vom Verlag abgestellt werden.
Einige der Geräte verfügen über ein Android-Betriebssystem, es sollte also theoretisch möglich sein, den Screenreader Talkback zu installieren. Das wiederum scheint aber nur zu funktionieren, wenn das Gerät mit dem Android-App-Store verbunden ist, was nicht bei allen Geräten geht. Bei meinen Erfahrungen mit Talkback auf Android 2.1 kann ich von dieser Kombination leider nur abraten, das Ganze ist mehr als unbefriedigend.
Für Blinde ist es daher sinnvoller, auf ein funktionierendes System wie Nokia/Talks oder Apple-Geräte mit VoiceOver zu setzen, dafür reicht sogar ein gebrauchter iPod Touch aus, den man für unter 200 Euro bekommen kann. Ebenso kann man ein iPhone verwenden, sofern man bereits eines hat. Wer es sperriger mag kann ebensogut auf ein Netbook mit Ubuntu oder Windows/NVDA zurückgreifen.
Außerdem verfügen einige DAISY-Player über Vorlesefunktionen für Dokumente. Ob das mit den gängigen DRM-Verfahren funktioniert oder ob ePub unterstützt wird, kann ich leider nicht sagen.

Vorteile von elektronischem Papier

Die tragbaren geräte bieten für Vielleser zahlreiche Vorteile, die anderswo schon ausführlich behandelt wurden. Für Sehbehinderte ergeben sich aber noch weitere Vorteile:

  • Die Augen werden langsamer ermüdet, weil das Display weder flackert noch hintergrundbeleuchtet ist.
  • In der Regel gibt es mehrere Grade der Schriftvergrößerung und des Zoomens.
  • Einige Reader wie der Kindle DX, Pocketbook, Onyx, Asus verfügen über ein großes 9,7-Zoll-Display, was auch großformatige Tabellen zugänglicher macht
  • Es steht nur wenig Literatur in Großdruck zur Verfügung. Mit eBook-Readern erübrigt sich der Großdruck, wenn die Geräte gut genug vergrößern.

Leider sind vor allem die großen 9,7-Zoll-Geräte noch überdurchschnittlich teuer. Solche Geräte werden von Pocketbook, Amazon, Asus , Hanvon oder Onyx angeboten, wobei nicht alle in Deutschland lieferbar sind. Datenblätter zu sehr vielen Geräten gibt es bei CME.AT.
6 Zoll ist die Durchschnittsgröße des Displays, das entspricht etwa der größe eines Reclam-Taschenbuchs.

Display und Darstellung

Die Qualität der Displays verbessert sich stetig. Deshalb sollte man vor Ort aufprobieren, mit welchem Displaytypen man am besten arbeiten kann. Auch zwischen Displaytypen der gleichen Generation kann es deutliche Qualitätsunterschiede geben. Im Augenblick gelten Pearldisplays als am lesefreundlichsten. Dafür hat zum Beispiel der iRiver Story HD eine deutlich bessere Auflösung als andere Geräte. In aktuellen Geräten aus den Jahren 2010/2011 sind vor allem Vizplex-Displays verbaut. Die müssen aber nichtschlechter sein als die Pearl-Displays. Einige wenige Geräte haben Sipix-Displays verbaut, die auf anderer Technologie basieren als die eInk-Geräte. Sipix kann derzeit mit dem Kontrast der eInk-Geräte nicht mithalten.
Wie oben gesagt lässt sich die Schrift vergrößern. Wenn man die Schrift vergrößert, passt entsprechend weniger Text auf das Display, so dass häufiger umgeblättert werden muss. Für Sehbehinderte ist daher ein Gerät mit schneller Umblätterzeit sinnvoll. Je nach Leistungsfähigkeit der Geräte kann es sogar mehrere Sekunden dauern, bis das Gerät umschaltet.

PDF

Da PDFs standardmäßig keine Strukturinformationen enthalten, kann hier einiges schief gehen. Bei ePub weiß der Reader, wann er den Text umbrechen muss, wo das Inhaltsverzeichnis ist und er hat normalerweise auch keine Probleme mit Zeichensätzen. Bei PDF kann es deutlich schwieriger werden.
Man muss zwischen der Zoomfunktion und der Reflow-Funktion unterscheiden. Die Zoomfunktion ist nützlich, wenn man sich etwa Diagramme anschauen möchte. Beim Lesen von Text müsste man hingegen bei Vergrößerung sowohl vertikal als auch horizontal scrollen, was niemand freiwillig machen wird. Bei Reflow versucht der Reader, den Text an der richtigen Stelle umzubrechen, was nicht immer funktioniert. Beim Pocketbook Pro 602 ist die Möglichkeit zur Schriftvergrößerung bei PDF aus einem nicht ersichtlichen Grund eingeschränkt.
Das ist natürlich tödlich für jedes Gerät. Ein großformatiges PDF nicht angepasst auf einem 6-Zoll-Gerät zu lesen dürfte sogar Sehenden schwer fallen. Auch hier würde ich dazu raten, die entsprechenden Funktionen auszuprobieren, bevor man sich für ein Gerät entscheidet.
Häufiger als man denkt stößt man noch auf PDFs, die nur aus Rastergrafiken bestehen, sozusagen echtes DRM. Damit wird aber kein eBook-Reader umgehen können.
Von den bekannteren Geräten sollen die Sony-eBook-Reader übrigens die beste PDF-Unterstützung haben.

Betriebssysteme

Die meisten Geräte scheinen auf einer angepassten Linuxvariante zu beruhen. Einige Systeme sind offen für Erweiterungen wie etwa die Reader von Pocketbook. Einige Geräte basieren auf Android, in der Regel haben sie aber keinen Zugriff auf den Appstore von Google, so dass Erweiterungen erst nach dem Rooten des Gerätes installiert werden können. Deren Funktionsfähigkeit ist entsprechend nicht garantiert. Das ist vor allem schade, weil kostenlose Screen Magnifier oder Screenreader, die für Android bereit stehen vermutlich nicht laufen werden.

Ausstattung

Die Kernfunktion ist das Lesen und rudimentäre Verwalten von Texten. Daneben verfügen einige wenige Geräte über eingebaute Vorlesefunktionen, etwa der Pocketbook, Onyx, Asus und der Kindle. Beim Pocketbook ist die Vorlesefunktion recht gut für Leute, die künstliche Stimmen gewohnt sind.
Dazu gibt es die üblichen Zugaben: Spiele, Browser und so weiter. Nette Spielereien, aber ohne leistungsfähige Hardware und einen Touchscreen eher komplex im Handling. Die wenigsten Geräte kommen mit einer vollständigen Tastatur, einige Geräte haben aber Bluetooth, so dass eine externe Tastatur verbunden werden kann. Damit ist es wesentlich leichter, Notizen zu machen oder sogar kurze Texte zu schreiben. Wer zum Beispiel Zitate übernehmen möchte, wird mit einer Tastatur eher zurecht kommen als mit einer Touch-Bedienung.
Für Sehbehinderte interessant ist aber zum Beispiel der Lagesensor. Pocketbook im QuerformatBei den 6-Zöllern bietet es sich an, sie quer zu halten, damit die Zeilen ein wenig länger werden, außerdem wird die Schrift der Menüs auch ein wenig größer. Daher ist ein automatischer Lagesensor sinnvoll, damit man nicht ständig in den Menüs rumfummeln muss.

Adobe Digital Editions und Lesestoff

Einen Haken hat das Ganze dann doch und der heißt Adobe Digital Editions. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine Software zum Digital Rights Management. Viele Shops haben als Voraussetzung, dass diese Software auf dem Rechner installiert wird, bevor man Bücher kaufen und auf das Gerät spielen kann. Mittlerweile soll sie accessible sein. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich digitale Bücher zu kaufen, sollte vorher ausprobieren, ob er mit Adobes Programm klar kommt.
Eine Alternative ohne “hartes DRM” ist beam eBooks. Der Shop setzt vermutlich auf digitale Wasserzeichen, die in die Dateien eingebettet sind und den Käufer identifizierbar machen. Ansonsten gibt es gemeinfreie Bücher beim Projekt Gutenberg.
Wer ein Stichwort mit dem Zusatz filetype:epub oder filetype:pdf bei Google eingibt, findet genug Lesestoff für den Rest seines Lebens. Mit der Firefox-Erweiterung GrabMyBooks kann man aus jeder Webseite ein ePub produzieren. Die freie Software Calibre wandelt auch PDFs in ePub um, wie gut das funktioniert, muss im Einzelnen geprüft werden. Calibre ist übrigens mit Screenreadern nicht nutzbar.
Mit der Onleihe bieten einige Bibliotheken die Möglichkeit, Bücher digital auszuleihen. Die Verfügbarkeit von Fachliteratur ist allerdings noch überschaubar. Der Dienst PAPERC bietet Fachliteratur zum Lesen im Browser, allerdings ist der Dienst bisher nicht barrierefrei nutzbar.
Eine kleine Warnung muss ich noch nachschieben: Amazons Format lässt sich nur mit dem Kindle oder spezieller Kindle-Anwendungen lesen. Der Kindle selbst beherrscht hingegen kein ePub.
Andere auf dem PC gängige Formate wie ppt oder doc oder gar pptx oder docx werden ebenfalls nicht ohne Weiteres unterstützt. Wer das Gerät etwa bei der Arbeit nutzen möchte und mit solchen Formaten arbeiten muss sollte auch darauf achten, dass die Geräte die benötigten Formate unterstützen.

Erst schauen – dann kaufen

Die eBook-Reader werden allmählich erschwinglich, erste Geräte sind schon unter 100 Euro zu haben. Dennoch sollte man als Sehbehinderter nicht das erstbeste Gerät nehmen. Eine ganze Reihe von Faktoren sind dafür entscheidend, ob man sich in sein Gerät verlieben wird. Man sollte sich daher einige Geräte ansehen, bevor man zugreift. Wer zum Beispiel mit großen Tabellen arbeiten muss, wird mit einem 6-Zöller sicher nicht glücklich werden. Wer hingegen noch ein wenig Zeit hat sollte warten, bis sich die Pearl-Displays von eInk oder andere moderne ePaper-Technologien am Markt durchgesetzt haben, die einen besseren Kontrast oder eine bessere Auflösung versprechen.
Mit der Verbreitung Android-basierter eReader mit Touchsteuerung werden auch die Apps aus dem Android-Store interessant, die die Barrierefreiheit der Reader verbessern können. Nathan erklärt zum Beispiel, wie auf dem gerooteten Sony eine Vorlesefunktion installiert werden kann.

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Warum das Schreiben auf dem iPad für Kreative schwierig ist

Jahrzehntelang haben Stift, Block und Tastatur den Schreibprozess bestimmt. Mit IPad, Smartphone und Handy haben sich neue Probleme für Vielschreiber ergeben, die ich im Folgenden betrachten möchte.

Kreativ versus logisch-rational

Auf der guten alten Schreibmaschine hatte man nicht allzuviele Formatierungsmöglichkeiten. Das hat sich mit dem Personalcomputer geändert. Heute würde man gewaltigen Ärger bekommen, wenn man unformatierten Text abgeben würde.
Dabei fällt auf, dass das Schreiben von Text und das Formatieren kognitiv zwei völlig unterschiedliche Aufgaben sind. Logisch wäre es, einen Satz zu schreiben, ihn wenn nötig zu formatieren, den nächsten Abschnitt zu schreiben, ihn zu formatieren und so fort. Der Vorteil liegt darin, dass man kaum eine Formatierung vergisst, die man für nötig hält. Hinterher müsste man den gesamten Text noch einmal durchgehen und gucken, wo eine Formatierung nötig ist.
In der Praxis verfährt meiner Erfahrung nach keiner so. Wir kennen alle die Geschichte über die zwei Hirnhemisphären, die eine kreativ, die andere rational. Aus der Sicht des Schreibprozesses könnte da was dran sein. Niemand unterbricht gerne seinen Schreibprozess, wenn er gerade in Fahrt ist. Da stünde die Formatierung einfach im Wege. Für mich ist das wie das Umschalten zwischen zwei Arbeitsmodi, der eine kreativ, der andere rational. Die Umschaltung würde so lange dauern, dass man am Ende keinen kreativen Gedanken zustande bekommt. Mir ist das sowohl beim Formatieren von Text mit der Textverarbeitung als auch mit HTML-Tags aufgefallen. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Rechtschreibkorrektur oder für die logische Gliederung mit Überschriften.
Deswegen darf sich jeder glücklich schätzen, der sehr schnell schreiben kann. Denn das Aneinanderreihen von Worten ist beim Schreiben der eigentlich kreative Prozess, während das Aufschreiben als körperlicher Vorgang vollkommen rational ist. Wer schon mal einen Schnellschreiber in seiner kreativen Phase erlebt hat, weiß, was ich meine. Schneller Schreiben als Denken könnte die Devise lauten. Oder besser: Schneller schreiben als Sprechen.
Das Sprechen wäre der einzige wirklich kreative Prozessbestandteil beim Schreiben. Heute ist absehbar, dass wir in einigen Jahren nicht mehr mit der Tastatur schreiben werden – sofern wir irgendwo alleine sind – sondern Text unserem Lieblingsgadget diktieren werden. Das Gesprochene wird dann unmittelbar in Text umgewandelt und wir können zumindest diesen Teil des Prozesses vom Tippen ungebremst ablaufen lassen.
Denn die Tastatur ist nur ein Notbehelf. Wenn man nicht gerade Steno beherrscht, wird man nie schneller denken als Schreiben können. Der physische Prozess des Schreibens bremst immer das Denken aus.
Mir ist das aufgefallen, als ich auf meinem iPad zu tippen begonnen habe. Man mag über Tablets sagen, was man will, aber zum Schreiben von texten sind sie ungeeignet. Das Gerät reagiert auf Eingaben von Buchstaben sehr träge. Das Zehn-Finger-System funktioniert hier nicht.
Aber das schlimmste ist, dass man nachdenken muss, bevor man einen Buchstaben tippt. Jeder Tastaturschreiber wird bestätigen, dass man besser fährt, wenn man nicht mehr auf die Tastatur guckt. Nach einiger Zeit geht einem das Tippen auf einer Tastatur so flüssig von der Hand, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss. Das bilt übrigens auch für das Schreiben von SMS auf den alten Handys mit einfachen haptischen Nummernblock. Selbst hier kann man halbwegs flott schreiben und muss nicht auf die Tastatur gucken. Beim iPad muss man hingegen immer darauf achten, ob man den richtigen Buchstaben gedrückt hat. Hier kollidiert die Rationalität mit der Kreativität und würgt sie rücksichtslos ab.
Ich sehe hier auch die Ursache dafür, dass überwigend noch auf Notizblöcke geschrieben wird, Papier hat eben doch einige Vorteile. Das man flüssig auf dem iPad schreiben kann, halte ich bisher für Zukunftsmusik. Das Schreiben als physischer Prozess muss immer intuitiv erfolgen. Sobald man Aufmerksamkeit auf den physischen Prozess lenken muss, fehlt die Aufmerksamkeit an anderer Stelle.
Letzten Endes ist es aber eine Frage der Gewönung. Die meisten Maschinenschreiber tun sich zunächst schwer, wenn sie von einer Schreibmaschine auf eine Tastatur oder von einer Desktop-tastatur auf eine Notebook-Tastatur umsteigen müssen. Es ist im Wesentlichen eine Frage der Gewöhnung. Deswegen kann es durchaus sein, dass man mit anderen Eingabegeräten bald ebensogut schreiben kann wie auf der klassischen Tastatur.

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