Vom Input zum Output – jenseits von Bildschirm und Lautsprecher

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Im letzten Beitrag habe ich mich mit Methoden der Eingabe beschäftigt. Aber wie schon ein berühmter Mann sagte, wichtig ist, was hinten raus kommt. Deswegen wollen wir heute einen kurzen Blick auf die Ausgabe von Inhalten werfen, der zweiten Hälfte der Mensch-Maschine-Interaktion.

Die grafische Ausgabe

Die erste Ausgabemethode war natürlich grafisch. Die seinerzeit riesigen und gleichzeitig nicht besonders darstellungsstarken Bildschirme waren für das ausreichend, was die meisten Experten brauchten. Eine Shell, um Befehle einzugeben und die Ergebnisse abzulesen und ein Editor, um Programme zu schreiben und zu editieren. Computer waren Expertensysteme, grafischer und auditiver Schnickschnack waren weder nötig noch überhaupt sinnvoll, da Rechenleistung knapp und teuer war. Die Systeme waren in gewisser Weise auch elitär, weil praktisch nur Wissenschaftler und Studenten Zugang hatten. Wer schlechte Augen hatte oder keine Tastatur verwenden konnte hatte eben Pech gehabt.

Der Computer wird hörbar

Das änderte sich recht schnell spätestens mit dem Aufkommen der Flipperautomaten. Sie wären wohl nur halb so erfolgreich ohne die comic-mäßige Grafik und die schaurige Geräuschkulisse.
Aber auch die Computer wurden leistungsfähiger. Innovationstreiber war dabei nicht zuletzt die Spieleindustrie, die dafür sorgte, dass sich die Menschen bessere Grafikkarten und Bildschirme zulegen wollten.
Nach und nach wurde aber auch Sounddesign wichtig. Zunächst waren die Soundkarten eher unterentwickelt. Die Soundausgabe war oft ins Computergehäuse eingelassen, Viele erinnern sich wohl noch an die gewöhnungsbedürftigen Sounds der frühen 90er mit Wolfenstein 3 D, Doom oder Monkey Island. Diese Speaker gibt es nach wie vor und sie geben manchmal etwas von sich, wenn man mit der Eingabeaufforderung arbeitet. Wesentlich mehr als ein paar piepsige Laute kann man diesen Lautsprechern nicht entlocken.
Mit den grafischen Benutzeroberflächen kam auch das auditive Feedback auf. So ab Windows 95 gab es Sounds als Feedback, wenn man zum Beispiel den Ordner gewechselt hat oder versuchte eine Eingabe zu machen, obwohl ein Dialogfeld geöffnet war. Vor allem für Sehbehinderte ist das enorm hilfreich. Wegen der oft starken Vergrößerung können sie nicht erkennen, ob sie zum Beispiel keine Eingabe machen können, weil irgendwo ein Dialogfeld geöffnet ist.
Das Soundsystem ist vor allem als Feedback enorm wichtig und wird von den Entwicklern der grafischen Oberflächen vernachlässigt. Bedenkt man, wie viele Ressourcen in die grafische Entwicklung gesteckt werden bekommt man eine Vorstellung davon, wie cool ein Audiodesign werden könnte, wenn ähnlich viele Ressourcen dafür aufgewendet werden würden. Falls die Gestensteuerung einmal blindentauglich werden sollte wäre ein akustisches Feedback sehr hilfreich ähnlich wie es das bereits bei Gesten im iOS gibt. Auch für eine blinde Sprachsteuerung wäre ein Audiofeedback hilfreich, damit man zum Beispiel weiß, ob der Computer einen Sprachbefehl verstanden hat oder nicht. Das würde es übrigens auch Sehenden erleichtern, ihren Computer blind über Sprache zu steuern.
Heute gibt es bei fast allen Systemen per Default nur die grafische Schnittstelle für Benutzereingaben und –ausgaben. Selbst der Ein-Platinen-Rechner Raspberry Pi braucht zumindest ein Display für die Inbetriebnahme, aus meiner Sicht würde nichts dagegen sprechen, standardmäßig weitere in- und Output-Möglichkeiten zu schaffen.

Mit den Soundkarten wurden auch die Sprachausgaben möglich. An der prinzipiellen Funktionsweise von Sprachausgaben hat sich bis heute nicht viel verändert. Es werden Phoneme verwendet, die nach bestimmten Regeln und Wörterbüchern zusammen gesetzt werden. Ich verwende ungefähr seit 13 Jahren Jaws und kann mich nicht erinnern, dass die verwendete Sprachausgabe Eloquence seit den Anfangszeiten wesentlich anders geworden ist, zumindest hat sie zwischenzeitlich gelernt, so unwichtige Worte wie Microsoft oder Jaws korrekt auszusprechen.
Was sich gewandelt hat ist die Qualität kommerzieller Sprachausgaben, wie sie etwa von Nuance angeboten werden. Der Antreiber dürften hier vor allem die Anbieter von automatischen Dialogsystemen – sprich Telefonschleifen – oder die Hersteller von Navis gewesen sein, die eine weniger roboterartige Stimme als Eloquence bevorzugten. Mittlerweile können auch Jaws und NVDA diese Sprachen verwenden. Die Qualität ist erstaunlich gut, auch wenn der Unterschied zur natürlichen Sprache schnell auffällt.

Haptisches Feedback – der Output wird fühlbar

In den 90ern kamen die ersten Braillezeilen auf. Die Ausgabe von Inhalten als Blindenschrift war eine feine Sache und ist es bis heute oder vielmehr könnte sie es sein, wenn die Zeilen billiger wären. Allerdings gibt es einige Entwicklungen für billigere Braille-Ausgabegeräte und sogar ein Braille-Handy.

In die Kategorie des haptischen Feedbacks fällt auch der Vibrationsakku oder Vibrationsmotor, der Anrufe oder SMS fühlbar ankündigt. Der Vibrationsakku hat sich in den letzten Jahren meiner Erinnerung nach kaum weiter entwickelt.

Beim haptischen Output liegt meines Erachtens auch noch viel Potential. Verschiedene Entwickler arbeiten an haptischen, sich dynamisch ändernden Displays.
Ein Entwickler hat ein Navi für die Zunge erfunden, das Gerät gibt Impulse an die Zunge weiter, mit denen sich der Blinde orientieren kann.
Es ist aber noch mehr denkbar. Aktuell gibt es für taubblinde Menschen nur eine Möglichkeit, um Inhalte am Computer zu rezipieren: die Braillezeile. Wie wäre es mit einem Gerät, das Inhalte als Lorme als haptischen Output ausgibt? Aktuell wird zum Beispiel ein Lorme-Handschuh entwickelt.

Tragbarer Output

Google Glass ist natürlich noch so eine Geschichte, es ist im Prinzip die Weiterentwicklung von Cyberbrillen und Smartphone-Displays. Auch die angeblich von Apple geplante und von anderen Unternehmen bereits veröffentlichen Smartwatches schlagen eine ähnliche Richtung ein. Das Handy müsste nicht mehr aus der Tasche geholt werden, um wichtige Informationen abzurufen, was z.B. für die Navigations-Funktion hilfreich wäre. Auch hier wäre ein haptisches Feedback hilfreich, damit man sich nicht so blöd vorkommt, weil man die ganze Zeit den Arm vor das Gesicht hält.
Der nächste logische Schritt sind Wearables. Glass und Smartwatch gehen bereits in diese Richtung, aber man kann noch weiter gehen, indem man den Geräte zum Output in die Kleidung einbaut oder gleich in den Körper einsetzt.
Während die vorgestellten Konzepte bereits realisiert sind ist die eigentlich spannende Entwicklung das Verschmelzen von Input- und Output-Schnittstelle. Wie schon berichtet forschen Samsung – und sicher noch viele andere – daran, wie der Computer über das Gehirn direkt gesteuert werden kann. Das klingt komplizierter, als es ist. Die Quantified Self-Bewegung benutzt bereits ausgiebig Sensoren, die diverse Biosignale wie den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel und so weiter messen. Diese Signale in irgendeiner Weise nutzbar zu machen, um den Computer darauf reagieren zu lassen sollte keine große Sache mehr sein. Wir bräuchten dann nur noch Output-Systeme, die uns zum Beispiel einen kleinen elektrischen Schlag geben, wenn etwa der Puls zu hoch oder zu niedrig ist. Das Ganze mit dem Gehirn zu koppeln ist dann nur noch eine Frage der Zeit – und der Ethik, aber das sollen andere diskutieren.

Was bringt uns das?

Wir als Behinderte können natürlich davon profitieren. Als Blinder träumt man davon, nicht permanent auf irgendwelche Audiosingale achten zu müssen, weil man sich dann nicht mehr auf andere wichtigere Geräuschquellen wie rückwärts ausparkende Autos konzentrieren kann. Ich bin sicher einige Dutzend Male fast angefahren worden, weil ich mich auf etwas anderes konzentriert und ein ausparkendes auto- nicht gehört habe – dass die Fahrer nicht geguckt haben steht auf einem anderen Blatt. Insofern ist ein haptisches Feedback für uns eine großartige Sache, die meines Erachtens bisher zu wenig weiter entwickelt wurde.
Auch für Menschen, die sich nicht so gut bewegen können sind möglichst viele Eingabemethoden hilfreich. Eine einzige Eingabemethode ist oft nicht ausreichend, um alle nötigen Aufgaben am Computer zu erledigen, auch wenn es prinzipiell machbar wäre. Maus oder Touch sind ideal für Drag and Drop, aber ziemlich schwierig für die Texteingabe. Die Tastatur ist ideal zum Schreiben von Text, aber ziemlich hakelig, wenn es etwa um das Markieren von Bildauschnitten geht. Eyetracking ist ein guter Mausersatz, aber für das Schreiben von Text ist die Spracheingabe komfortabler. Um eine bestimmte Stelle im Text zu korrigieren und den Cursor darauf zu positionieren ist Eyetracking besser als die Spracheingabe.
Hinzu kommt, dass eine Behinderung oft nicht alleine kommt. Motorisch Behinderte können auch seh- oder sprachbehindert sein, so dass sie einige der Eingabemethoden für motorisch Behinderte nicht verwenden können.
Am ende ist es wichtig, so viele Ein- und Ausgabe-Möglichkeiten wie möglich zu haben und sie nach Belieben kombinieren zu können. Und wiederum sind die Entwickler von Smartphones und Tablets die Innovationstreiber. Es kommt nicht darauf an, dass diese Schnittstellen speziell für Behinderte entwickelt werden. Wichtig ist, dass sie offen sind für Entwickler, die sie für Behinderte nutzbar machen können. Die Spracheingabe SVoice von Samsung ist ganz nett, solange man nur Samsung verwendet und nur kompatible Apps nutzt, aber wer möchte das eigentlich?

Neue Bedienkonzepte – jenseitsvon Maus und Tastatur

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EingabemethondenAuch wenn einige Hardcore-Nutzer heute noch auf die Eingabe-Shell schwören werden die klassischen Eingabegeräte bald nur noch eine von vielen Bedienungsmöglichkeiten sein.

Die heutigen Tastaturen sind ein Nachfahre der alten Schreibmaschinen. Das QWERTZ-Layout bzw. QWERTY-Layout geht darauf zurück, dass sich die Drucktypen beim schnellen Tippen nicht verhaken sollten. Da jede Generation aufs Neue das Zehn-Finger-System auf diesen Tastaturen lernt ist es uns bis heute erhalten geblieben, sogar auf den Bildschirm-Tastaturen, wo kaum jemand mit zehn Fingern schreiben dürfte.

Die Maus als Zeigegerät kam erst mit den grafischen Benutzeroberflächen in Mode. Sie wurde schon in den 60er Jahren entwickelt, allerdings gab es lange Zeit kaum grafische Bedienoberflächen, so dass sie erst in den 80ern weite Verbreitung fand.

Beide – Maus und Tastatur – sind in gewisser Weise Abstraktionen. Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass es uns gar nicht auffällt, aber das Arbeiten mit einem externen Gerät, um ein Element auf einem Bildschirm zu steuern oder Eingaben zu machen ist durchaus gewöhnungsbedürftig. In Star Trek IV reist die Crew der Enterprise in unsere Gegenwart und der Chefingenieur Scotty sieht sich mit einem Computer alter art konfrontiert. Zunächst versucht er mit ihm zu sprechen, Als ihm jemand eine Maus hinstellt versucht er in die Maus zu sprechen. Wenn man noch nie mit einem Computer zu tun hat würde man spontan eher auf dem Bildschirm rumtatschen bevor man die Maus zur Hand nimmt.

Neue Bedienkonzepte

Die Touchscreens hatten mit dem Aufkommen der Smartphones ihren großen Durchbruch. ++Auch Navis und einige Organizer hatten Touch-Screens, die mit dem Finger oder mit einem Stift bedient werden konnten. Aber erst die Erkennung von mehreren Fingern und die Touch-Gesten haben das Ganze für den Massenmarkt attraktiv gemacht.

Auch die Spracheingabe ist schon betagt, die Software Dragon Naturally Speaking erlaubt schon seit langem das Diktieren und teilweise steuern des PCs. Den Massenmarkt hat sie kaum durchdrungen, immerhin muss sie eine Zeit lang durch das Vorlesen von Texten trainiert werden, um einigermaßen zuverlässig zu arbeiten. Ein wichtiger Grund für ihre geringe Verbreitung dürfte aber auch darin bestehen, dass es noch immer ungewöhnlich ist, den PC vollzuquatschen und bevor man flüssig arbeiten kann muss man die Steuerungsbefehle auswendig lernen.

Erst mit Siri und ähnlichen Systemen ist die Spracheingabe wirklich massentauglich geworden: es müssen keine festen Befehle mehr auswendig gelernt werden und auch das Training der Spracherkennung ist weggefallen.

Noch neuere Bedienkonzepte

Das nächste große Ding dürften aber Systeme mit Augen- oder Bewegungssteuerung werden. Bei letzterem haben Nintendo mit der WII und Microsofts Kinect den Weg in den Massenmarkt geebnet. Leider hat Microsoft es nicht so mit innovativen Neuerungen, ansonsten hätten sie die Gestensteuerung konsequent in ihre Betriebssysteme integriert. Das wollen sie offenbar anderen überlassen.

Auch günstige Augensteuerungssysteme sind im Anmarsch. Angeblich will Samsung in seinem neuen Flagschiff S 4 bereits eine Augensteuerung verbauen, schauen wir mal)

Behinderte als Vorreiter

Natürlich profitieren auch Behinderte von solchen Systemen. Menschen mit motorischen Störungen setzen schon seit langer Zeit Spracheingabe und Augensteuerung zur Steuerung des PCs ein, so dass sie als Vorreiter solcher Systeme gelten dürfen. Wir dachten immer, Braillezeilen wären teuer, aber so ein Eye-Tracking-System speziell für Behinderte ist wirklich, wirklich teuer, es kostet zwischen 20.000 und 30.000 Euro.

Insofern dürfen wir uns darüber freuen, dass diese Systeme für einen Spottpreis in den Massenmarkt einziehen. Apple hat es geschafft, Touchscreens für Blinde zugänglich zu machen, die Gestensteuerung dürfte also auch nutzbar sein. Natürlich brauchen das andere dringender als wir Blinde. Ansonsten ist es eine phantastische Idee, sein Smartphone mit dem Auge zu steuern, wenn man seine Hände nicht benutzen kann. Und jede Gestensteuerung dürfte intuitiver sein als die Bedienung mit der Maus. Stell dir vor, du müsstest nur den arm nach rechts oder unten ziehen, um eine Seite zu scrollen statt am Mausrad zu drehen oder gar einen Scrollbalken zu bewegen.

Zu hoffen bleibt, dass die Innovationen von mobil den Weg in den PC finden. Ich persönlich glaube nicht, dass wir ihn bald abschreiben müssen. Natürlich muss man nicht für jeden Tweet den PC hochfahren, aber für viele Bereiche bietet er nach wie vor Vorteile. Ich tippe darauf, dass der Desktop-PC vom Notebook verdrängt wird, das ebenso leistungsfähig, aber eben mobil ist. Hier kommt es darauf an, die Technik in das Gerät zu integrieren und es nicht wie früher mit anzuschließender Peripherie aufzuplustern. Es ist einfach unsinnig, wenn ein kleines Smartphone mehr technische Möglichkeiten hat als ein Notebook. Der Vorteil für uns Behinderte wäre die freie Wahl, wie wir unseren PC steuern und für jeden Zweck die passende Eingabemethode wählen zu können. Eine solche Entwicklung könnte auch Menschen an den Computer und an das Internet heranführen, für die Maus und Tastatur zu kompliziert und zu abstrakt sind. Wenn die Technik erst einmal in die Geräte integriert ist werden sich bald auch Läute finden, die behindertengerechte Einsatzmöglichkeiten entwickeln.

Neues Design wird erforderlich

Es wird sich nicht nur die Art verändern, wie wir mit Computern interagieren, auch das Design von Webseiten und Anwendungen wird sich ändern müssen. Die Ausklappmenüs zum Beispiel werden wesentlich besser werden müssen, damit sie auch mit weniger feinmotorischen Bewegungen bedient werden können. Formulare mit viel Tipparbeit lassen sich schon heute schlecht mit Touchscreen-Tastaturen vereinbaren. Winzige Schaltflächen werden hoffentlich der Vergangenheit angehören. Da die Leute auch weiter weg vom Bildschirm sitzen und eventuell nicht optimale Licht-Verhältnisse herrschen wird man stark an der Erkennbarkeit arbeiten müssen. Alles in allem dürfte das auch der allgemeinen Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit zugute kommen.

Was noch zu erwarten ist

Das Tempo der Entwicklungen hat sich enorm beschleunigt. Es hat noch einige Zeit gedauert, bis die Tastaturen von Maus und Joystick Gesellschaft bekamen. Touchscreens für den Konsumentenmarkt kamen erst in den 90ern auf. Eyetracking und Bewegungssteuerungen drangen erst vor wenigen Jahren auf die großen Märkte vor und warten noch auf den allgemeinen Durchbruch. Und schon wird in den Laboren an der Steuerung via Gehirnwellen und dem affective Computing gearbeitet.

Kurioserweise sieht es so aus, als ob die Consumer-Industrie den Behinderten das bringen wird, was die Hilfsmittelindustrie und die Wissenschaft uns lange Zeit versprochen haben: Günstige und einfache Hilfsmittel. Die Hilfsmittelhersteller stemmen sich gegen diesen Trend, sie wollen zum Beispiel keine Bluetooth-Schnittstellen in ihre Geräte einbauen, so dass sie mit Smartphohnes ausgelesen oder gesteuert werden können. Die meisten Braillezeilen-Entwickler wollen keine Treiber für NVDA anbieten, wäre ja noch schöner, wenn sich die Blinden selber aussuchen, mit welchen Programmen sie arbeiten. OpenSource scheint für diese Firmen eher eine ansteckende Krankheit als ein Geschäftsmodell zu sein.

Sorry, offenbar kommt keiner meiner Texte ohne Seitenhiebe aus. Ich hoffe darauf, dass sich neue Firmen etablieren werden, die Behinderte als mündige Kunden und nicht als Anhängsel von Kostenträgern betrachten werden. Insofern stehen wir heute am Anfang einer spannenden Entwicklung.

Barrierefreiheit prüfen – nützliche Werkzeuge für Redakteure

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Die meisten Werkzeuge zur Barrierefreiheit richten sich an Entwickler, viele Tools können aber auch für Menschen interessant sein, die Inhalte online bereit stellen wollen, ich bezeichne sie hier der Einfachheit halber als Redakteure.
Liste von Überschriften
Die wichtigsten Aufgaben bestehen dabei in der Überprüfung der Auszeichnungen, sowie der Prüfung von Links und Bildern. Unser wichtigstes Tool ist die Firefox Accessibility Evaluation Toolbar (FAE), die naturgemäß nur im Firefox funktioniert.

Semantik prüfen

Die meisten von euch werden in einem Redaktionssystem arbeiten. Dabei gibt es grob zwei Formen von Editoren: Die WYSIWYG-Editoren, wo die Formatierung ähnlich wie bei einer Textverarbeitung unmittelbar sichtbar wird und die Code-Editoren, die HTML oder eine Wiki-Syntax verwenden. Da die Werkzeuge natürlich nur fertiges HTML überprüfen können wird die Prüfung meistens erst in der Vorschau oder im Live-Betrieb möglich sein. Wenn ihr mit HTML arbeitet empfiehlt sich auch der Einsatz eines HTML-Editors wie Phase 5, mit dem man über das Syntax-Highlighting sofort sehen kann, ob irgendwo die Tags nicht richtig geschlossen wurden.

Mit der FAE könnt ihr im Online-Betrieb sehr einfach prüfen, ob ihr Zwischenüberschriften, Listen, Abkürzungen und das ganze andere Zeug richtig ausgezeichnet habt.

Wir prüfen als erstes mal die Überschriften. FAE klinkt sich nach der Installation als weiteres Menü in die Menüleiste ein. Um die Überschriften zu prüfen wählen wir also Accessibility -> Navigation -> Headings. Es taucht oben links ein Fenster auf, das ihr irgendwo hin schieben könnt, wo es nicht stört. Es werden die Überschriften der verschiedenen Ebenen angezeigt. Bewegt man sich mit den Pfeiltasten durch die Liste wird auf der Website der zugehörige Bereich farbig hervorgehoben. Ihr müsst also darauf achten, dass tatsächlich alle Überschriften hervorgehoben werden, wenn ihr euch durch die Liste bewegt. Dabei wird auch die vergebene Überschriftenebene angezeigt. Die FAE kann nicht zwischen Gestaltungs- und Inhaltselementen unterscheiden, es werden also auch Navigationen als Listen oder ansonsten unsichtbare Bereichsüberschriften angezeigt. Einfach ignorieren und zum Inhalt weiterspringen.

Ähnliches kann man mit weiteren Elementen machen, die ich der Faulheit halber hier einfach mal ohne Fließtext aufliste.

Element
Zu finden unter Accessibility ->
Listen
Style -> Lists
Abkürzungen
Text Aquivalents -> List of Abbreviations
Sprachwechsel
Navigation -> Language Changes
Alternativtexte für Bilder
Text Aquivalents -> Show Text Aquivalents
Datentabellen
Navigation -> Data Tables
Links
Navigation Links

Es gibt zwei mögliche Fehler: Entweder ist ein Element nicht ausgezeichnet oder es ist nicht korrekt ausgezeichnet. Ihr müsst also nicht nur darauf achten, was die FAE euch anzeigt, sondern auch darauf, was sie nicht anzeigt, aber anzeigen sollte. Die Links sollten möglichst sprechend sein, auf jeden Fall sollte es nicht mehrere Links mit dem selben Linktext geben.

Mit der Web Accessibility Toolbar für den Internet Explorer kann man ähnliches anstellen, sie klinkt sich allerdings als Symbolleiste in den Browser. Die meisten der oben genannten Funktionen finden wir hier unter dem Punkt Struktur. Unter Bilder können wir uns Alternativtexte anzeigen lassen. Die Toolbar bietet unter Farben Zugriff auf verschiedene Analysewerkzeuge, die auch für Bilder genutzt werden können. Dazu gehört ein Kontrastanalyser.

Ein recht einfacher Weg, um sich Strukturelemente anzeigen zu lassen ist ein benutzerdefiniertes Stylesheet. Wer ein wenig CSS schreiben kann wird damit kein Problem haben. Wir können zum Beispiel sagen, dass er Überschriften, Listen und Zitate einfärben soll. Dann laden wir das Stylesheet in den Firefox und aktivieren es jedes Mal, wenn wir eine Seite prüfen wollen, z.B. im Firefox unter Ansicht -> Ansicht -> Webseiten-Stil.

Texte prüfen

Die Komplexität von Texten zu prüfen ist aktuell mit technischen Mitteln kaum möglich. Aber zumindest gibt es Werkzeuge, die einem helfen können. In Word ist seit Ur-Zeiten der Flesch- Test integriert. Er berechnet aufgrund der durchschnittlichen Satzlänge, der Zahl der Langen Wörter und weiterer Faktoren einen Wert, der zumindest grobe Anhaltspunkte für die Lesbarkeit liefert. Ähnliches macht der Bla-Bla-Meter, wo man einen Text begrenzter Länge prüfen lassen kann.

Ich persönlich finde diese Tools nicht hilfreich: Zum einen geben sie keine Hilfestellung dabei, problematische Stellen aufzuspüren, zum anderen verleiten sie dazu, auf die jeweiligen Tools hin zu optimieren. Aber wenn ich einen langen Satz in zwei Stücke zerhacke habe ich nicht unbedingt etwas verbessert. Die Flesch-Prüfung aktiviert ihr in Word unter Extras –> Optionen -> Rechtschreibung und Grammatik -> Lesbarkeitsstatistik. Die Statistik wird angezeigt, wenn die Rechtschreib- und Grammatikprüfung abgeschlossen wurde. Man kann den Score aber auch im Internet ermitteln lassen. Achtet darauf, dass deutsche Wörter und Sätze meistens länger sind als englische, deutsche Texte schneiden deshalb im Schnitt auch schlechter ab als ihre englischen Pendants.

Die Anwendung der Rechtschreib- und Grammatikprüfung gehört natürlich zu unserer Routine, ich erwähne sie dennoch. Der Duden-Korrektor soll eine wesentlich bessere Prüfung abliefern, was ich allerdings bisher nicht verifiziert habe. Falsche Orthographie ist nicht unbedingt eine Barriere, aber hilfreich ist sie auch nicht.

Die Autorensoftware Papyrus Autor soll eine recht gute Stilprüfung integriert haben, eine solche Prüfung könnte uns auch dabei helfen, schlechte Formulierungen oder Bandwurmsätze aufzuspüren. Da ich das Programm mangels Barrierefreiheit selbst nicht benutzen kann verfüge ich allerdings nicht über Erfahrungen damit.

Arbeit automatisieren

Manche Aufgaben sind einfach, aber zeitaufwendig, man könnte auch nervtötend sagen. Dazu gehört die Auszeichnung von Abkürzungen, Akronymen und Sprachwechseln. Warum sich also die Arbeit nicht erleichtern?

Wir können zum Beispiel die Autokorrektur zweckentfremden. Das ist nur sinnvoll, wenn wir das jeweilige Programm nur für Texte nutzen, die ausgezeichnet werden müssen und funktioniert auch nur für Redaktionssysteme, die auf HTML oder einer anderen Auszeichnungssprache basieren. Wir würden dazu zum Beispiel in Word einmal eine komplette Liste unserer Abkürzungen, Akronyme und fremdsprachigen Ausdrücke anlegen, und als Autokorrektur-Ausdruck den kompletten zugehörigen Code eintragen. Ein Beispiel, links die Abkürzung, rechts das Ganze als HTML-Code, ich habe die HTML-Klammern weggelassen, da mir WordPress ansonsten den Code verschluckt:

z.b. abbr title=”zum Beispiel”>z.B.

Wie gesagt ist das nur sinnvoll in einer Textverarbeitung, die ausschließlich für auszuzeichnende Texte eingesetzt wird, ansonsten würde das jeweilige Programm all unsere Texte auf einmal mit Auszeichnungen schmücken.

Das klingt aufwendiger als es ist, in der Praxis decken wir mit ein Dutzend Akronymen und noch mal so vielen Abkürzungen 90 Prozent unseres Bedarfs ab. Bei fremdsprachigen Begriffen dürften es ein paar mehr sein, das sollte aber alles machbar sein.

Es wäre auch eine Überlegung wert, einfach ein Makro anzulegen, das solche Aufgaben erledigt. Dafür könnten wir die Suchen-und-Ersetzen-Funktion nutzen. Wie bei der Autokorrektur setzen wir wiederum auf unsere Liste, nur das das Makro dieses Mal erst auf Befehl unseren Text durchsucht und die entsprechenden Ausdrücke ersetzt. Dazu sollte man ein wenig Ahnung von Makroprogrammierung haben: es ist einfach, aber zeitaufwendig, das Makro mit den einfachen Funktionen des Programms anzulegen. Probleme gibt es dann, wenn das Makro angepasst werden soll, wenn wir eine neue Abkürzung anlegen wollen. Wer hier keine Programmierkenntnisse hat oder ein wenig mit dem Quellcode experimentieren will müsste das komplette Makro neu anlegen. Falls jemand eine elegantere Lösung kennt freue ich mich über einen Hinweis. Ich hatte auch überlegt, ob man Anwendungen wie Textexpander oder Phraseexpress für solche Zwecke verwenden könnte. Sie dienen normalerweise dazu, häufig verwendete Textschnipsel einfach an gewünschter Stelle einfügen zu lassen. Phraseexpress verfügt in der Kaufversion über Makrofunktionen.

Bilder

Mit Daltonize kann man Bilder online oder in Photoshop auf verschiedene Farbenblindheiten hin prüfen. Das Gleiche kann man auch mit Vischeck machen.

Zu beachten ist dabei, dass natürlich nur Inhalte getestet werden können, die auch online öffentlich zugänglich sind. Für Inhalte innerhalb eines Redaktionssystems braucht ihr ein Programm auf eurem Computer.

Jede Bildbearbeitung bietet einen Graustufenmodus, wo ihr eure Grafiken darauf hin prüfen könnt, ob sie auch bei einer solchen Ansicht noch gut zu erkennen sind. Ausgefeiltere Programme bieten außerdem Werkzeuge zur Kontrastanalyse, wo ihr testen könnt, ob die Grafik gut zu erkennen ist oder ob das Bildobjekt einen ausreichend hohen Kontrast zum Vordergrund hat, in Gimp gibt es Filter dafür.

PDFs

Wie ihr PDFs auf generelle Benutzbarkeit prüfen könnt habe ich an anderer Stelle schon erklärt. Für die Prüfung auf Barrierefreiheit gibt es die im Acrobat Reader integrierte Prüfung, die keine große Hilfe ist.

Ansonsten gibt es den kostenlosen PDF Accessibility Checker der Stiftung Zugang für Alle. Er bietet einen recht brauchbaren Vorschaumodus, der Rest ist allerdings nur hilfreich, wenn man seine PDFs mit den Profi-Programmen von Adobe erstellt hat und weiß, was sich hinter den Fehlermeldungen verbirgt, ansonsten wird man die Fehler auch nicht reparieren können.

Der Screenreader

Wer schon mit Screenreadern gearbeitet hat wird sie auch zur Prüfung seiner Texte einsetzen können. Grundsätzliches dazu habe ich bereits für Entwickler beschrieben. Redakteure können einfach die Funktionstasten nutzen, um sich Zitate oder Listen vorlesen zu lassen. In NVDA kann man zur Prüfung von Links oder Überschriften einfach Einfg + F7 verwenden. Die FAE scheint mir für diesen Zweck aber einsteigerfreundlicher zu sein, da die Lernkurve geringer ist und sie für Sehende ausgelegt ist.

Was fehlt

Der schlechte Ruf der Barrierefreiheit ist nicht zuletzt der aufwendigen Kleinbarbeit zu verdanken, die jeder vollbringen muss, wenn er Inhalte online bereit stellen und sich an dien BITV halten will. Ein Großteil dieser Arbeit könnte dem Redakteur abgenommen werden, wenn die Logik in das Redaktionssystem integriert wird. Es ist keine große Aufgabe, zum Beispiel ein Glossar der gängigsten Abkürzungen, Akronyme und fremdsprachigen Ausdrücke anzulegen, um diese bei ihrem Auftreten im Text automatisch auszeichnen zu lassen.

Stattdessen stehen einem die Systeme meist im Weg, WordPress filtert – wenn nicht angepasst – einfach alles an HTML raus, was es nicht kennt. Andere CMS wie die geschlossenen kommerziellen Systeme dürften noch deutlich schlimmer sein. Mir ist kein System bekannt, dass Hilfen zur Analyse oder Fehlerbehebung für die Barrierefreiheit eingebaut hat.

Screenreader für Sehende – eine Anleitung für NVDA

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Für Sehende kann es ab und zu nützlich sein, einen Screenreader einzusetzen, zum Beispiel um Programme oder Webanwendungen zu testen. Natürlich ist es sinnvoller, solche Anwendungen von Blinden testen zu lassen, aber auch die haben auch gelegentlich keine Lust und ein schlechter Test ist besser als keiner. Ich habe einige wichtige Tastenkürzel in der Präsentation zusammen gefasst, ansonsten gibt es reichlich Listen im Netz bzw. in der Programmdokumentation selbst. Einige allgemeine Informationen zu NVDA habe ich in einem anderen Artikel zusammengefasst.

NVDA statt Jaws

Man mag von Jaws halten was man will, aber zum Testen ist NVDA generell besser geeignet. In Jaws laufen eine ganze Reihe von Skripten im Hintergrund, welche die Macken von Windows und teilweise auch die Schwächen der Barrierefreiheits-APIs ausgleicht. Diese Anpassungen mögen auf den ersten Blick vorteilhaft sein, sie schaden aber oft mehr, als sie nutzen. Kein Blinder beschwert sich über die mangelnde Barrierefreiheit dieser Software, so dass sich der Hersteller nicht veranlasst sieht, seine Programme zu verbessern. Jede Änderung des Programms kann dazu führen, dass der Screenreader nicht mehr mit dem Programm arbeiten kann. Die Anpassungen sind teuer und können in der Regel nicht selbst vorgenommen werden.

An dieser Stelle ist aber entscheidend, dass der Nutzer nie wissen kann, ob ein Programm brauchbare Infos über die Accessibility-API liefert oder ob irgendein Skript im Hintergrund läuft, mit NVDA ist das kein Problem. Außerdem hat kaum jemand die 2600 Euro, die Freedom Scientific für Jaws verlangt.

Erste Schritte

NVDA kann installiert oder ohne Installation verwendet werden. Ich habe noch keine Unterschiede zwischen den beiden Varianten festgestellt, das muss aber nichts heißen. Auf jeden Fall sollte das Programm immer vor dem Browser oder einer anderen zu prüfenden Anwendung gestartet werden.

NVDA hat keine grafische Benutzeroberfläche, sondern nur das Konfigurationsmenü. Dieses erreicht man mit der Tastenkombination Einfg + N. Das Menü selbst ist mit der Maus bedienbar.

Die Sprachausgabe von NVDA heißt eSpeak. Sie klingt ein wenig blechern, ich habe an anderer Stelle schon erklärt, wie man eine andere Stimme einstellen kann, die für meine Ohren besser klingt. Ab Windows 8 ist der einfache Screenreader Narrator integriert, der auch eine deutsche sprachausgabe hat. Diese Sprachausgabe hat einen recht guten Klang und sie kann problemlos in NVDA integriert werden, damit hat sich auch das Problem mit 32-Bit und 64-Bit-Sprachen erledigt. Um diese Sprache zu übernehmen gehen wir unter NVDA -> Einstellungen -> Sprachausgabe, dort wählen wir “Microsoft Speech API 5″. Damit ist die Standardstimme von Windows in NVDA integriert.

Standardmäßig speichert NVDA die Einstellungen nicht, das ist aber meistens sinnvoll. Wir rufen also das Menü auf und wählen unter Einstellungen -> Allgemeine Einstellungen Einstellungen beim Beenden speichern.

Um zu hören, welche Information über ein bestimmtes Element ausgegeben wird kann die Cursoransage aktiviert werden. Dazu gehen wir unter Einstellungen -> Mauseinstellungen und aktivieren Objekttyp unter dem Mauszeiger ansagen.

In der Standardeinstellung ist NVDA ein wenig geschwätzig insbesondere wenn wir eine Website mit Tabellenlayouts haben. Natürlich landen alle Webdesigner, die Tabellenlayouts einsetzen in der Hölle, aber es kann ja sein, dass du die Website eines anderen schon Verdammten checken willst. In diesem Fall ist es sinnvoll, unter Einstellungen -> Dokumentformatierungen die drei Felder zur Tabellenansage zu entchecken. Diese Funktionen sind überwiegend eher für die Textverarbeitung interessant, leider haben die Macher das mit den Einstellungen für die Objektansage im Browser zusammengepackt.

Nützliche Tools

Für Entwickler gibt es Einige hilfreiche Tools wie den Sprachbetrachter. Der Sprachbetrachter gibt die Informationen als Text aus, die normalerweise als Sprache oder als Braille ausgegeben werden. Wir finden ihn unter Extras -> Sprachbetrachter. Das Fenster legt sich über den Bildschirm, kann aber wie bei Windows gewohnt in eine Ecke geschoben werden, wo es nicht weiter stört. Der Sprachbetrachter funktioniert auch, wenn die Sprachausgabe abgeschaltet ist, dazu gehen wir unter Einstellungen -> Sprachausgabe und wählen im Ausklappfeld Keine Sprache.

Interessant könnte außerdem das Protokoll sein. Ich bin selber kein Entwickler, deswegen überlasse ich euch die Einschätzung. Zunächst können wir den Protokollierungsmodus festlegen. Dazu gehen wir unter Einstellungen -> Allgemeine Einstellungen und wählen dort die Protokollierungsstufe. Dort gibt es auch einen Debug-Modus, der könnte aber auch nur zum Debuggen von NVDA selbst gedacht sein. Nach getaner Arbeit könnt ihr euch das Protokoll unter Einstellungen -> Extras Protokoll anzeigen anschauen.

Wenn ihr euch schon mit den Accessibility-Schnittstellen beschäftigt habt, könnt ihr nützliche Informationen zur aktuellen Anwendung mit Einfg + F1 aufrufen. Dort gibt es verschiedene Infos zur verwendeten API und noch einiges mehr.

Mit Einfg + F7 können wir uns im Browserfenster sämtliche Überschriften, Links oder Sprunganker anzeigen lassen. Damit kann man so schöne Fehler wie diesen hier identifizieren.
Liste von Links des Basic Marktes
Mit Einfg – Pfeil nach unten wird alles vorgelesen, was hinter dem Cursor steht. Wenn ihr also am Anfang der Seite steht wird die Seite vollständig vorgelesen samt Links, Navigationselementen, Fußzeile und was es noch so gibt. Ich kenne allerdings niemanden, der sich das freiwillig anhören würde zumal es einige Minuten dauern kann, bis der Screenreader zum Ende der Seite gelangt. Das ist keine Möglichkeit, sich einen guten Überblick über die Seite zu verschaffen, weil einfach zu viele Elemente vorhanden sind und sich das niemand merken kann. Wenn ihr mit dem Mauscursor über ein Element wie zum Beispiel einen Button fahrt könnt ihr hören, welches Informationen NVDA aus diesem Element auslesen kann. Auch das wird im Sprachbetrachter angezeigt.

Ansonsten gibt es einige Anleitungen zum Testen mit Screenreadern imNetz. Falls ich noch ein interessantes Plugin oder eine weitere Funktion finde wird das hier nachgereicht. Ansonsten gibt es ja noch die Firefox Accessibility Extension, die einige Funktionen mehr liefert, aber eben nicht so plastisch ist wie ein Screenreader.

Achtet darauf, dass der Cursor nicht in der Adresszeile oder dem Suchfeld des Browsers sein darf, sondern im Browserfenster sein muss. Falls ihr ein Einrastgeräusch gehört habt ist der Screenreader in den Formularmodus gewechselt, in dem Formulare ausgefüllt werden können. In diesem Fall drückt schnell Escape.

Fazit

Für Leute, die nicht regelmäßig mit Sprachausgaben arbeiten dürfte der Sprachbetrachter die einfachste Möglichkeit zum Testen von Webanwendungen sein. Die größte Herausforderung dürfte darin bestehen, dass Elemente nicht einfach dargestellt, sondern lediglich beschrieben werden. Allerdings habe ich festgestelt, dass die meisten Nutzer erst den Sinn von Semantik verstehen, wenn sie den Screenreader einmal praktisch genutzt haben.

Visual Literacy – zur Verständlichkeit von Grafiken

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Vor einiger Zeit hatte ich eine kleine Artikelserie zum barrierefreien Einsatz von Bildern geschrieben, dort ging es vor allem um technische Fragen. IN diesem Beitrag möchte ich die Faktoren für verständliche Grafiken darstellen.
Straßenschilder
Der Einfachheit halber unterscheide ich zwischen Grafiken und Bildern. Ein Bild ist nach meiner Definition immer dekorativ, das heißt, man kann den textlichen Inhalt verstehen, auch wenn man das Bild nicht sehen kann, das Bild selbst enthält keine Information, die das Verständnis des Inhalts befördert. Auch dekorative Bilder erfüllen einen Zweck, in unserem Zusammenhang geht es allerdings um die Verständlichkeit von Grafiken, bei dekorativen Bildern muss das Verständnis nicht erlernt werden. Es ist eine Person, ein Gegenstand oder ein Tier abgebildet, da muss man nicht großartig interpretieren. Eine Ausnahme sind Fotoreportagen, wo die Bilder die eigentliche Geschichte sind.

Das Konzept der Visual Literacy geht davon aus, dass das Verständnis von Grafiken erlernt werden muss wie das Lesen von Texten. Anders als beim Text-Lesen wird die visuelle Lesefähigkeit nicht bewusst erlernt, sondern ist ein kultureller Prozess. Wir werden von Kindesbeinen an mit Millionen von Symbolen konfrontiert, die uns oft nicht erklärt werden müssen. Wir lernen aus dem Kontext, was sie bedeuten. Oder wir bekommen eins aufs Dach, wenn wir einen Schluck aus der Flasche mit dem schwarzen Totenschädel trinken wollen.

Piktogramme und Symbole

Piktogramme sind am einfachsten zu verstehen. Sie spielen in Form von Straßenschildern, Hinweisen auf Verpackungen oder als Teil von Orientierungssystemen eine große Rolle. Sie sollen idealerweise interkulturell verständlich sein. Ihre Bedeutungen werden tatsächlich im Wesentlichen intuitiv ohne weitere Anleitung erlernt,

Die meisten Piktogramme sind stilisierte Abbilder realer Objekte, so wird aus ein paar Strichen und Bögen ein Rollstuhl zur Kennzeichnung von Behindertenparkplätzen, Messer und Gabel stehen für den Essensbereich und beim durchgestrichenen Hund müssen die geliebten Vierbeiner draußenbleiben. Niemand weiß, welche Hunderasse da abgebildet sein soll.

Andere Symbole vor allem zur Softwarebedienung werden aus einfachen geometrischen Grundformen und weiteren Objekten zusammen gesetzt. Ähnlich wie die Schilder im Straßenverkehr müssen sie tatsächlich bewusst erlernt werden. Sie sollen die Programmbedienung intuitiver gestalten als die klassischen Menüs.

Komplexe Grafiken

Anders sieht es bei komplexen Grafiken aus. Das fängt an mit einfachen Kreisdiagrammen und geht hin zur komplexen interaktiven Infografik oder zum UML-Prozessdiagramm. Sie bestehen aus zahlreichen Formen, Linien, Pfeilen und anderen Objekten, die einzeln erfasst werden müssen, die aber erst in ihrem Zusammenspiel verständlich werden. Hier wird das Konzept der Visual Literacy auch sehr deutlich: ein Experte sagen wir für Logistik-Systeme kann relativ schnell die wesentlichen Fakten einer Logistik-Kette erfassen. Der Laie sieht nur einen Wust aus Formen und Linien.

Damit haben wir auch die wesentlichen Kriterien der visual Literacy erfasst:

  1. Der Nutzer muss verstehen, was abgebildet ist, dass ist das inhaltliche Verstehen.
  2. Dann muss er verstehen, warum es abgebildet wird, das ist das indikatorische Verstehen.

Text-Grafik-Kombinationen

Für komplexere Aufgaben ist eine Text-Grafik-Komposition am sinnvollsten. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Text-Grafik-Informationen zu kombinieren:

  1. Redundanz
  2. Komplementarität

Bei Redundanz haben Text und Grafik genau die gleiche Aussage. Wenn wir das klassische Stopschild als Text-Symbol-Komposition interpretieren, haben Farbe und Form des Schildes sowie der Text exakt die gleiche Aussage. Sehr kurze und häufig vorkommende Texte wie “WC” oder “OK” können wir ähnlich schnell erfassen wie ein entsprechend bekanntes Symbol.

Komplementarität hingegen bedeutet, dass Text und Grafik sich gegenseitig in Ihrer Aussage ergänzen, also jeweils unterschiedliche Aussagen haben, die zusammen ein geschlossenes Ganzes ergeben. Das klassische Beispiel dafür ist natürlich der Comic.

In der Praxis ist das nicht so trennscharf, ein Zustand lässt sich leichter grafisch abbilden als ein Prozess. Ihr kennt sicher auch diese schönen Anleitungen zum Zusammenbau von Möbeln oder anderen komplexen Gegenständen. Diese Anleitungen sind meistens ein Zusammenspiel aus Abbildung und textlicher Anleitung, wenn eines von beidem fehlt, wird es zwar schwieriger, generell könnte man das aber auch nur mit grafischer Anleitung oder auch nur mit textlicher Beschreibung hinbekommen. Ist das Redundanz oder Komplementarität? Eine rein akademische Frage, die uns hier nicht weiter interessieren muss. Eine prozessuale Darstellung würde oft viele Einzelbilder erfordern, das wäre dann so ähnlich wie ein Daumenkino. Das scheint wenig praktikabel zu sein, ich kann mir eher vorstellen, dass künftige Anleitungen eher als Video angeboten werden, dabei bleiben aber blinde und sehbehinderte Nutzer oft auf der Strecke.

Ein Sonderfall sind Texte in Leichter Sprache. Ich habe überrascht festgestellt, dass in den Richtlinien zur Leichten Sprache Wert darauf gelegt wird, dass die Texte auch mit Grafiken ergänzt werden. In diesem Fall haben wir im Idealfall Redundanz: wer den Text nicht ganz versteht begreift ihn eventuell mit Hilfe der Grafik und umgekehrt.

Ideal ist daher eine Text-Bild-Kombination etwa bei der Bedienung von Programmen, Automaten oder anderer programmierter Oberflächen. Damit ist das Multikanal-Prinzip erfüllt und die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass entweder Bild, Text oder beides zusammen dazu führen, dass die Funktion verstanden wird.

Verständnis-Probleme

Eine klassische Regel der Barrierefreiheit ist natürlich, dass keine Information ausschließlich über Farbe oder Farbänderung vermittelt werden darf. Ein hoher Kontrast sollte selbstverständlich sein, schließlich wissen wir heute weniger denn je, ob ein Nutzer mit seinem 3,5-Zoll-Smartphone oder mit dem 42-Zoll-Superflachbild-Fernseher auf unsere Seite kommt. Das gilt natürlich auch für nicht-digitale Grafiken. Ein Symbol muss auf den ersten Blick, bei großer Entfernung und unklaren Lichtverhältnissen erkennbar sein. Das ist aber eher ein Kriterium der Erkennbarkeit und hat nur mittelbar mit Verständlichkeit zu tun.

Interaktive Grafiken erfreuen sich großer Beliebtheit, neben Katzenvideos werden sie besonders gerne auf Twitter oder Facebook geteilt. Die eigentlich interessante Frage ist, ob sie verstanden werden. Vieles deutet darauf hin, dass Informationsgrafiken insbesondere für Informationsprofis interessant sind. Leute, die sich ohnehin für Social Media interessieren finden solche Infografiken über Social Media verständlicher als die Nicht-Profis. Vielleicht werden die Grafiken nur geteilt, weil man sie ästhetisch ansprechend oder wichtig findet. Die Programme verleiten oftmals dazu, den Schwerpunkt auf Ästhetik statt auf Verständlichkeit zu legen, deshalb werden oft zu viele Farben oder überflüssige 3D-Effekte eingesetzt.

Bei Info-Grafiken spielt es meist keine große Rolle, ob sie verstanden werden oder nicht. Anders sieht das bei der Orientierung in Gebäuden aus. Besonders wichtig ist dabei der konkrete Kontext. Ein größerer Bahnhof besteht aus Gleisen und Bahnhofsgebäude, eventuell gibt es noch Toiletten, Schließfächer und Aufzüge. Die Zahl der Symbole ist also relativ begrenzt, es gibt keine Symbole für Eincheck-Schalter oder für Sicherheitsschleuesen. Dadurch erhöht sich die Möglichkeit, dass ein Symbol erkannt oder zumindest erraten werden kann. Mir ist es öfter passiert, dass ich Arbeitskollegen auf der Straße nicht an der Stimme erkannt habe – ich vermute zumindest, dass es Kollegen waren – am Arbeitsplatz wäre mir das nicht passiert.

Wir stoßen bei der Verständlichkeit von Grafiken auf unterschiedliche Probleme, die wir jeweils nach Nutzergruppen einteilen können.

Blinde und hochgradig Sehbehinderte

Menschen, die von Geburt an schlecht oder gar nicht sehen beherrschen die Visual Literacy schlichtweg nicht. Ich habe schon an anderer Stelle ausgeführt, zu welchen Schwierigkeiten das führen kann.

Deswegen brauchen Blinde keine Beschreibung von Piktogrammen, es spielt für sie einfach keine Rolle, ob das Symbol ein Drucker oder ein Briefsymbol ist. Auch bei einer komplexen Grafik halte ich eine Beschreibung nicht für sinnvoll. Als Blinder bräuchte man schon viel Phantasie, um sich die Darstellung visueller Elemente anhand einer textlichen Beschreibung vorstellen zu können. Eine großflächige taktile Grafik ist zwar einfacher zu erschließen als eine textliche Beschreibung, aber auch hier haben wir das Problem, dass der Blinde das Diagramm nur Stück für Stück und nie als Ganzes erfassen kann. Hilfreicher ist hier eine barrierefreie Tabelle.

Ich halte es für sinnvoller, einen Text zur Grafik zu schreiben, in dem erläutert wird, worum es in der Grafik geht und welche Zusammenhänge zwischen den Elementen besteht. Diese Beschreibung muss nicht erschöpfend sein, sondern sie muss dem Blinden die Möglichkeit geben, den Sachverhalt zu einem gewissen Maße zu erfassen und ihn in die Lage versetzen, gegebenenfalls weitere Informationen selbst zu recherchieren. Eine Beschreibung des graphischen Aufbaus würde ihm normalerweise nicht helfen. Ein hervoragendes Beispiel für gute Grafikbeschreibungen liefert der Statistikdienst Statista.

Weil blind geborene Menschen die visuelle Symbolik nicht erlernt haben erscheint es mir auch nicht sinnvoll, diese Symbole in haptischer Form anzubieten. Blinde lernen zwar, wie gedruckte Buchstaben aussehen, das sind schließlich auch nur abstrakte Symbole, und sie wissen vielleicht, welche Form ein Auto hat, dennoch ist es unwahrscheinlich, dass sie ein stilisiertes Auto haptisch erkennen können. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Daher dürften einfache Symbole wie Pfeile, geometrische Grundformen oder Text in Braille für Blinde sinnvoller sein als erfühlbare Piktogramme. Die Sache würde anders aussehen, wenn Blinde ständig mit haptischen Grafiken zu tun hätten.

Sehbehinderte

Bei Menschen, die noch gut mit ihrem Sehrest arbeiten können sieht die Sache ein wenig anders aus. Sie werden einen Großteil der visuellen Codes erlernt haben und wenn sie diese Codes einmal erlernt haben reicht oft auch ein unscharfer Blick, um die Funktion einer Grafik erraten zu können. Für diese Gruppe sind einfache Grundformen am sinnvollsten, je komplexer die Grafik bzw. die Zahl ihrer Unterelemente ist, desto schwieriger ist das Erkennen.

Für Menschen mit Ausfällen im Gesichtsfeld ist es schwierig, großflächige Grafiken als Ganzes zu erfassen. Ein gutes Beispiel dafür sind Landkarten, die fast per Definition komplex sind. Sie sind zusammengesetzt aus mehreren Teilgrafiken wie den eingezeichneten Straßen und Wegen, diversen Detailinformationen wie Haltestellen, Geschäften oder Bodenschätzen.

Für Sehbehinderte ist es daher hilfreich, wenn eine Grafik auch schrittweise erschlossen werden kann. Am besten wird eine Leserichtung vorgeschlagen, die ähnlich wie bei Text links oben beginnt.

Bei Karten ist es hilfreich, einige große Orientierungspunkte und Leitlinien zu haben. Bei einer Karte von NRW könnten etwa die großen Städte sowie die Autobahnen diese Funktion erfüllen. Bei einer digitalen Karte wäre es ideal, wenn Detailinformationen zu- und abgeschaltet werden könnten, so dass die Karte nicht mit im konkreten Kontext irrelevanten Informationen überfrachtet ist. Ein Beispiel dafür ist die Karte der Aktion Mensch.

Kognitive Behinderung

Bei einer kognitiven Behinderung haben Menschen Probleme dabei, Inhalte zu verstehen oder zu behalten. Für diese Gruppe sind Grafiken am nützlichsten, weil es für sie leichter ist, visuell zu arbeiten.

Eine Studie des BKB zeigt, dass geistig Behinderte einfache Piktogramme mit stilisierten Objekten gut erkennen konnten. Schwieriger war es für sie, die Kombination mehrerer Objekte zu erkennen, zum Beispiel das Symbol für Rolltreppe, eine Person auf einer Treppe.

Von vielen Menschen wurde hingegen das Mann-Frau-Symbol nicht als Toilette erkannt. In der Tat weist ja auch nichts darauf hin, dass dieses Symbol für Toilette stehen soll, es gehört zu den erlernten Symbolen

Wie oben erwähnt sollen bei Texten für geistig Behinderte ergänzend Grafiken angeboten werden, die das Verständnis des Textes erleichtern oder sogar die Information doppelt kodieren, einmal als Text und einmal als Grafik. Das dürfte in der Praxis nicht immer möglich sein. Grafiken lassen sich eher dort einsetzen, wo es starke Konventionen wie in der Prozessmodellierung gibt. Das wiederum würde ein Wissen voraussetzen, dass bei den meisten Menschen nicht vorhanden sein dürfte. Eine interessante Frage, die meines Wissens nach bisher nicht untersucht wurde ist, ob geistig Behinderte von einfachen interaktiven Grafiken profitieren würden. Denkbar wäre zum Beispiel eine Grafik, die zu Beginn sehr einfach ist und Stück für Stück aufgebaut wird ähnlich wie viele Profis ihre Ideen stufenweise am Flipchart aufmalen.

Verständlichkeit prüfen

Man kann es als Vor- oder Nachteil sehen, aber visuelle Verständlichkeit lässt sich ebenso wie Textverständlichkeit nicht automatisch prüfen. Wir können sehr leicht prüfen, ob eine Grafik bei Graustufen-Darstellung noch gut zu erkennen ist, aber das war es auch schon mit den hilfreichen Tools. Am Ende – da dürfen sich die Grafiker freuen – braucht man Expertenwissen oder Praxistests, um die Verständlichkeit einer Grafik zu beurteilen.

Bei komplexen Grafiken, die ein allgemeines Publikum erreichen sollen erscheint es am sinnvollsten, meherere Ebenen anzubieten. Wer nicht zu tief in ein Thema eintauchen möchte sollte relativ schnell erkennen können, worum es in der Grafik geht und was ihre Kernaussage ist. Wer hingegen tiefer eintauchen möchte findet auf einer tieferen Ebene die für ihn interessanten Informationen.

Obwohl ich selbst weder mit Grafiken noch mit Bildern etwas anfangen kann glaube ich, dass wir erst am Anfang stehen. Viele Redakteure unterschätzen das Medium Grafik, böse Zungen behaupten, wir würden unsere Texte nicht illustrieren, sondern dekorieren und das dürfte in den meisten Fällen auch zutreffen. Die neuen Standards HTML5, CSS3 und vor allem Canvas werden viele neue Möglichkeiten eröffnen, die wir als Informationsvermittler richtig zu nutzen lernen müssen.

Um die Analogie der Visual Literacy aufzugreifen, wir können zwar in Grafiken lesen, aber wir können nicht in Grafiken schreiben.

Zum Weiterlesen

Was bedeutet intuitive Bedienung für Blinde?

Vorlesen mit webReader

In einem älteren Artikel habe ich versucht, das Wahrnehmungsmodell von Sehbehinderten zu beschreiben. Im folgenden wollen wir uns das Gleiche für Blinde angucken.

So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus

So sieht der erste Teil meiner Website für Blinde aus


Bei Blinden gibt es eine ganze Reihe von Faktoren, die ihre Möglichkeit zur Bedienung programmierter Oberflächen einschränken oder erweitern können. Dazu gehört jenseits der Barrierefreiheit dieser Oberfläche aktuelle Technik, insbesondere aktuelle Hilfstechnik und ihre persönlichen Fähigkeiten, mit der Technik umzugehen. Beides ist selten optimal. Was Blinde mit Sehenden teilen ist oftmals mangelnde Geduld, sich mit einer Sache intensiv zu beschäftigen.

Das Surfverhalten auf unbekannten Seiten

Nehmen wir folgendes an: Der Blinde möchte eine Website besuchen, die er nicht so gut kennt. Er ist gewöhnt daran, dass viele Seiten für ihn nicht einwandfrei funktionieren.

Das klassische Modell der Interaktion geht davon aus, dass der Blinde die Website erst einmal erkundet, sich also den Aufbau ansieht, die Navigation überfliegt und vielleicht auch überprüft, ob es z. B. Sprunganker und andere Hilfen gibt.

Das ist allerdings nicht der Fall, ich kenne keinen Blinden, der so vorgeht. Der Blinde hat wie jeder andere Surfer ein spezifisches Erkenntnisinteresse und versucht das so schnell wie möglich zu befriedigen. Dazu sucht er gezielt nach dem Inhaltsbereich, wo die meisten interessanten Infos stehen.

Auf der Suche nach dem Inhalt

Für den Sehenden erscheint die Website als ein Neben- und Übereinander von Informationssegmenten, das Banner steht über dem Inhalt, der Inhalt steht neben der Navigation und so weiter. Für den Blinden gibt es hingegen nur Linearität, das heißt, ein Element befindet sich vor oder hinter einem anderen Element. Das gilt im übrigen auch für kleine Touchscreens wie beim iPhone. Der Blinde tippt irgendwo auf den Screen und erfasst ein bestimmtes Element, zum Beispiel einen Link. Er wischt dann nach rechts und erfasst das nächste Element, das könnte etwa ein Textabsatz sein.
Um die Anordnung von Elementen auf einer Website sozusagen haptisch erfassen zu können braucht er ein größeres Display, wobei 5- oder 6-Zoll-Displays schon ausreichen dürften. Hier haben wir den Vorteil, dass wir die Position des Inhalts recht gut erraten können. Auf dem iPhone muss man sich meistens mit einer Wischgeste begnügen, auf dem iPad kann man sich relativ sicher sein, dass der Inhalt im mittleren Drittel des Displays beginnt. Von da aus kann der Anfang des Artikels gesucht werden.
Braillezeile
Bei den klassischen Screenreadern gibt es oft auch einen Modus zur Erkundung des gesamten Bildschirms, bei NVDA ist das der Flächenmodus, bei Jaws der Jaws-Cursor. Sind diese Modi aktiviert bewegt sich der Blinde mit den Pfeiltasten zeilenweise über den Bildschirm und kann damit sehr viele Elemente erfassen. Das ist ganz nützlich, wenn man weiß, dass es bestimmte Elemente gibt, die nicht mit dem normalen Modus erreicht werden können, aber der Blinde kann natürlich nicht wissen, ob solche Elemente vorhanden sind.

Es ist gar nicht so trivial, wie es auf den ersten Blick wirkt. Der Blinde muss nicht nur nach dem Inhalt suchen, er weiß nicht einmal, ob dieser Inhalt auf dieser Seite überhaupt vorhanden ist. Nehmen wir an, wir haben gerade ein Kontaktformular abgesendet und der einzige Text jenseits von Links oder klickbaren Elementen ist „Vielen Dank für Ihre Nachricht“, dann hat der Blinde kaum eine Chance, diesen Text zu finden. Er weiß also nicht genau, ob seine Interaktion mit der Seite erfolgreich war oder nicht. Der einfachste Weg, ihm mitzuteilen, dass er auf einer neuen Seite ist wäre übrigens die Änderung des Seitentitels. Ich halte mich mit konkreten schlechten Beispielen oft zurück, aber einige Seiten haben das wirklich schlecht gelöst, ein Beispiel dafür ist Wikio.

Zwei Wege durch die Website

Lassen wir das iPhone einmal beiseite, dann gibt es für den Blinden im wesentlichen zwei Strategien, eine Website zu erkunden. Dazu muss man wissen, das es neben der visuellen Struktur der Website auch eine nicht-visuelle Struktur auf der HTML-Ebene gibt. Man könnte es eine semantische Struktur nennen, die für den Blinden ähnlich funktioniert wie die visuelle Struktur für Sehende. Die Funktion eines Elements wird dabei nicht durch ihr Aussehen, sondern durch ihren Namen beschrieben. Wenn der Screenreader zum Beispiel auf eine Checkbox trifft sagt er “Checkbox” und gibt außerdem die Information aus, dass diese Box aktiviert oder nicht aktiviert ist. Der Name des Elements beschreibt also dessen Aufgabe oder Funktion.

Die erste Methode zur Erkundung von Webseiten ist sehr grob und vor allem für schlecht oder gar nicht semantisch strukturierte Seiten gedacht. Die Pfeiltasten sowie die Bild-Auf und Ab-Tasten und der Tabulator dienen dazu, sich stückweise durch die Website zu hangeln. Mit den Cursor-Tasten erwischt man alles, also auch jede Menge Leerzeilen, unbenannte Grafiken und anderes wenig hilfreiches. Viele auch aktuelle Foren sind zum Beispiel schlecht bis gar nicht strukturiert, so dass der Blinde sich durch zahllose für ihn nutzlose Elemente lavieren muss.
Mit den Bild-Tasten kann die Website grob überflogen werden. Wenn sie halbwegs einfach aufgebaut ist ist damit eine recht gute wenn auch grobkörnige Orientierung möglich. Mit der Tabulatortaste können alle anklickbaren Elemente wie links oder Formularelemente erwischt werden. Die Screenreader Jaws und NVDA haben außerdem einen Tastenbefehl, mit dem man Links und andere anklickbaren Elemente überspringen kann. In vielen Fällen findet man mit dieser Taste den Inhaltsbereich.

Die zweite Methode funktioniert bei gut strukturierten Webseiten.
Dabei versuchen Blinde mittels der Navigationstasten des Screenreaders den Inhalt zu erkunden. Wir suchen zum Beispiel gezielt nach Überschriften. Dabei gibt es zwei problematische Situationen: Es gibt gar keine Überschriften oder Hunderte davon, zum Beispiel bei Ministerien. Der Screenreader ermöglicht es, nach vielen Elementen wie Eingabefeldern, Überschriften verschiedener Ebenen und vielen anderen Elementen gezielt zu suchen.

In der Praxis verfolgen wir eine Mischstrategie. Es geht nach wie vor um unbekannte Seiten, deren Aufbau wir ja gerade nicht erkunden oder gar erlernen wollen. Ob der Mensch H1 für seinen Inhalt verwendet oder H6 interessiert uns nicht, ob die Navigation als Liste umgesetzt ist kann uns solange egal sein, wie wir uns nur für den konkreten Inhalt der aufgerufenen Unterseite interessieren. Auch bei Seiten, die ich täglich besuche weiß ich nicht, ob sie eine H1 für die Content-Überschrift verwenden oder nicht.

Die Parallelen zur Orientierung in unbekannten Umgebungen sind übrigens recht groß. Jenseits einiger großer Bahnhöfe gibt es in Deutschland so gut wie kein Areal mit Blinden-Leitsystem, das Leitsystem hat in etwa die Funktion der Semantik auf Webseiten. Daher muss der Blinde sich in unbekannten Gebäuden ähnlich durchlavieren wie auf Webseiten, durch Trial and Error.

Semantik statt Farbe und Form

Die intuitive Bedienung fällt für einen Blinden vollkommen anders aus als für einen Sehenden. Die Gestaltgesetze gelten kaum. Die Farbe oder Positionierung von Elementen oder ihre optische Gestaltung spielt für den Blinden keine Rolle. Der Blinde kann nicht über die Icons erkennen, was ein Programm oder eine Einstellung tut, er sieht keine Pfeile oder angedeuteten Bewegungen für Menüs oder viele andere Hilfen, die eine Benutzeroberfläche für Sehende intuitiv benutzbar macht. Oftmals weiß er nicht, dass ein Element eine Untereinheit eines größeren Segments ist. Wenn ich mit den Bild-Tasten einen Link erwische weiß ich oft nicht, ob er zur Navigation, zum Inhalt oder zur Fußzeile gehört.

Die Arbeit mit Menüs oder den Navigationstasten ist nicht immer optimal, da wir zum Beispiel nicht wissen können, ob es an irgendeiner anderen Stelle des Programms hilfreiche Funktionen gibt, die uns die Arbeit erleichtern könnten. Einige Funktionen scheinen gar nicht über Menüs zugänglich zu sein, zum Beispiel die Überarbeiten-Funktionen in Word 2003, mit der Korrekturen anderer Autoren übernommen oder verworfen werden können.

Bei Webseiten haben wir ein ähnliches Problem, wenn die Entwickler unsauber gearbeitet haben. Nehmen wir an, wir hangeln uns mit der Navigationstaste für Formulare durch ein langes Formular. Dann übersehen wir alle Elemente, die nicht als HTML-Formular-Element umgesetzt wurden, zum Beispiel eine Auswahlliste, die nur über JavaScript realisiert wurde.

Immer vorausgesetzt, die Systeme sind barrierefrei programmiert helfen dem Blinden ähnlich wie im Web semantische Auszeichnungen. Ein Menü ist also nicht nur visuell als Menü zu erkennen, sondern der Screenreader erhält die Information, dass es sich bei einem Objekt um ein Menü, einen Schalter oder eine Checkbox handelt. Ein frisch installierter Screenreader gibt auch zumeist weiterführende Informationen zu den Objekten wie „Bewegen Sie sich mit den Pfeitasten durch das Menü“ und so weiter.

Surfen auf bekannten Seiten

Das klingt alles schlimmer als es ist. Zum einen bewegen sich die meisten Läute den Großteil ihrer Zeit auf ihnen wohlbekannten Seiten. Dabei wirkt es sich nicht so extrem negativ aus, wenn die Seite schlecht strukturiert ist. In der Zeit, die ein Mausnutzer zum Ansteuern eines Links braucht habe ich den Link zwei Mal aufgerufen.

Es gibt ein ganz nettes Buch zur Webkonzeption von Jens Jacobsen. An einer Stelle berichtet er darüber, warum benutzerfreundliche Systeme manchmal scheitern. Ein Grund dafür ist, dass vor allem die Alt-Nutzer radikale Neuerungen ablehnen, weil sie die Macken des alten Systems beherrschen. Wir passen uns den Programmen an, statt die Programme an uns anzupassen.
Das trifft auch auf Blinde zu: häufig benutzen sie uralte Programme und Screenreader, weil sie keine Lust zum Umlernen haben. Das mag man für legitim halten, aber am Ende schadet es doch ihnen selbst am meisten. Der Knackpunkt ist die Frage, ob eine blindengerechte intuitive Gestaltung ihnen beim Umstieg helfen würde.

Wofür das Ganze?

Einige Läute werden einwenden, dass man das eigentlich nicht braucht. Schließlich wissen wir ja nach x Jahren Nutzung, wo die einzelnen Menüpunkte von Word oder Excel sind. Es spielt also keine Rolle für uns, ob es Kacheln, Fenster oder Symbolleisten sind, Hauptsache, das Teil ist bedienbar. Das stimmt in Bezug auf Programme, die wir täglich nutzen. Aber es gibt auch Programme oder Websites, die wir vielleicht nur einmal benötigen und hier hilft uns eine intuitive Bedienung ungemein.

Für graphische Benutzeroberflächen gibt es deshalb nur eine praktikable Alternative, die Touchscreens. Natürlich gibt der Screenreader bei Berührung die gleichen Informationen aus wie bei einer Tastatursteuerung. Allerdings hat der Blinde hier die Möglichkeit, die gesamte Programmoberfläche zu erkunden. Er gewinnt damit nicht nur einen Eindruck, wie die Programmoberfläche aufgebaut ist, sondern kann alle Bedienelemente erkunden, auch diejenigen, die er ansonsten nie entdeckt hätte.

Natürlich stellen Touchscreens Anforderungen eigener art, sobald es über die übliche Drei-Button-App hinaus geht. Ein Desktop-Programm kann ähnlich wie eine Website Hunderte von Elementen enthalten. Aber hier kommt uns tatsächlich die grafische Oberfläche zugute. Normalerweise sind Programme oder Websites nicht wie Kraut und Rüben angeordnet, sondern folgen in ihrem Aufbau einer gewissen Logik. Verwandte Funktionen sind nebeneinander angeordnet, Funktionen aus unterschiedlichen Bereichen sind in Symbolleisten untereinander gruppiert und so weiter.

Ein großflächiges Braille-Display könnte ebenfalls eine gute Lösung sein. Allerdings sind die Braille-Module so teuer, dass das für niemanden erschwinglich sein wird. Für die Darstellung von Vektorgrafiken sind diese Displays außerdem viel zu grobkörnig. Es gibt noch einige alternative Ansätze für haptische Displays, die aber meines Wissens nach weit von der Marktreife entfernt sind.

Das alles könnte zu dem Schluss führen, dass es sinnvoll ist, spezielle Anwendungen für Blinde zu entwickeln, weil graphische Benutzeroberflächen für sie nie optimal nutzbar sein werden. Genau das Gegenteil ist richtig, wir brauchen neue Strategien, um graphische Interfaces besser nutzbar zu machen.

Aktuell können wir zwei parallele Entwicklungen beobachten. Auf der einen Seite nehmen webbasierte Technologien immer mehr Raum ein, auf der anderen Seite ist zu befürchten, dass es zu einer erneuten Spezialisierung kommt. Es gibt keine Textversionen für Blinde, stattdessen gibt es spezielle Navi-Apps, Lese-Apps und andere Insellösungen. Auch wenn die Blinden aktuell die Vorteile dieser speziellen Apps genießen mögen, so droht diesen Insellösungen doch das gleiche Schicksal wie den Textversionen von 1999, sie werden nicht weiterentwickelt oder vergessen und am Ende gibt es nutzlose Insellösungen für Blinde und nicht-barrierefreie Anwendungen für alle anderen.

Ich lehne nicht generell Sonderlösungen für Behinderte ab, sie sind dort sinnvoll, wo sie besondere Bedürfnisse von Behinderten erfüllen, die von klassischen Apps gar nicht oder unzureichend abgedeckt werden. Nicht-Behinderte brauchen zum Beispiel meistens keine Apps zur unterstützen Kommunikation.

Einige Anwender lehnen Apps generell ab, auch diesen Standpunkt teile ich nicht. Apps haben einen Vorteil, sie können besser auf die Accessibility-APIs zugreifen als Web-Apps das können. Dort, wo Apps diesen Vorteil ausnutzen, sind sie durchaus sinnvoll, der Rest ist Spielzeug für langweilige Nachmittage. Die Blinden tun gut daran, weiterhin die Barrierefreiheit allgemeiner Anwendungen zu fordern und Sonderlösungen konsequent abzulehnen.

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Der Klang des Raumes – Sinne ersetzen

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Wer schon mal versucht hat, einem vollblind zur Welt gekommenden Menschen
Farben zu erklären weiß, wie schwierig das ist. Blinde können Formen haptisch erfassen, Gehörlose spüren die Rhytmen der Musik als Vibration. Intelektuell kann der Blinde erfassen, das ein bestimmter Rotton für Gefahr steht oder grün Frische repräsentiert, aber Farben und auch Musik wirken nicht intellektuell, sondern auf der emotionalen Ebene und diese Emotionen sind schwer zu erfassen, wenn der entsprechende Sinn fehlt oder gestört ist.

Sprache kann zwar ein adäquater Ersatz für Bilder sein, sie ist es aber nicht immer. Ich konnte mich zum Beispiel nie mit Audiodeskription für Filme anfreunden. Das mag auch daran liegen, dass die meisten Filme, die damit ausgestattet werden nicht mein Fall sind. Mein Problem ist, dass sich die Audiodeskription immer wie ein Fremdkörper über den Film legt und nicht organisch eingefügt ist. Häufig wird so getan, als ob Blinde durch AD eine ähnliche Wahrnehmung des Filmes hätten wie Sehende, das ist aber falsch.

Ein vielversprechender Ansatz, dieses Problem anders als rein verbal-deskriptiv anzugehen ist der Ersatz eines Sinnes durch einen anderen funktionierenden, der aber ähnlilch wirken kann. Ein einfacher, wenn auch unzulänglicher Ersatz für Musik oder Stimmaufnahmen ist etwa die Hullkurve, die einen Klang als Diagramm darstellt. Wer schon mal Interviews geschnitten hat kennt die charakteristische Form des “äh”, das ungefähr wie der Buchstabe h aussieht. Profis können in der Hullkurve einer Stimmaufnahme noch mehr Muster erkennen, was den Schnitt erleichtert.

Als Ersatz für Farbe bieten sich fast natürlich Klänge an. Hohe Töne und Geigen für helle Farben, tiefe Töne und Bässe für dunkle Farben.

Aus Klängen werden Räume

Wenn wir schon bei Klängen sind, können wir diese auch zur Beschreibung von Räumen nutzen. Ich bin an anderer Stelle schon auf die Klicksonar-Technik eingegangen, dabei verwenden blinde Menschen Klickgeräusche und deren Echo, um eine Art dreidimensionales Abbild einer Ortschaft zu erhalten. Wenn wir einen Raum in Musik übersetzen könnten wir zum Beispiel sagen, die Musik wird leiser, je weiter der Raum ist oder ein Gegenstand entfernt ist und lauter, je kleiner der Raum bzw. je näher der Gegenstand steht.

Für Gehörlose kann Musik in Gebärdensprache übersetzt werden. Wie das praktisch funktioniert, kann ich mangels eigener Erfahrung nicht sagen. Für mich vorstellbar wäre auch, Musikinstrumente als Farben zu übersetzen. Ich hatte oben schon erwähnt, wie Farben in Klänge übersetzt werden könnten. Daher ist auch der umgekehrte Weg denkbar, Musik wird in Farben übersetzt und mit Gebärdensprache ergänzt. Zusammen mit der Bewegung von Tänzern bzw. den Gebärden ergibt sich ein optisches Äquivalent zur Musik. Ein amerikanisches Projekt, das Musik für Gehörlose zugänglich machen möchte ist das Deaf Performing Artists Network.

Sinnesersatzgeräte

Der klassische Blindenstock hat sich wacker gehalten, erst in den letzten Jahren kommen neue elektronische Orientierungshilfen wie Ultraschall-Systeme auf dem Markt. Diese Systeme geben ein haptisches oder akkustisches Feedback, wenn zum Beispiel ein Objekt im Weg ist. Durch ein komplexeres Feedback wäre es theoretisch auch möglich, die Form und damit vielleicht sogar die Art des Gegenstandes zu erfassen. Wenn das mit Klicksonar geht, sollte es auch mit Ultraschall funktionieren. Bekannte Geräte aus diesem Bereich sind zum Beispiel K-Sonar oder iGlasses Ultrasonic Mobility Aid. Ich habe die beiden Geräte nie benutzt und kann daher nichts zu ihrer Tauglichkeit sagen. Wer es selber bauen möchte, Sonar Eye ist eine offene Variante dieser Systeme.

Ein vielleicht noch vielversprechnderer Ansatz sind die Sinnesersatzgeräte oder sensory substitution devices. Ein israelischer Forscher arbeitet an einem System, dass Farbe, Position und Form eines Objektes als Töne und Tonfolgen ausgibt.

Das klingt zunächst nicht so spektakulär, aber tatsächlich können die Nutzer nicht nur einzelne Gegenstände erkennen, was für einen Blinden schon super ist. Mit einigen Stunden Übung können sie sogar Gesichtsausdrücke erkennen. Wir stehen noch am Anfang dieser Entwicklung, so dass schwer zu sagen ist, wie viel Kompensation möglich ist, aber die Ansätze klingen auf jeden Fall vielversprechend.

Gibt es ein Revival der Braille-Schrift?

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Heute, am 4. Januar, ist Welt-Braille-Tag. Es ist wohl dem Braille-Jahr 2012 und dem Winterloch geschuldet, dass das Thema kaum Aufmerksamkeit erfährt.
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Braille spielt heute jenseits von Nischenbereichen in Deutschland kaum eine Rolle. Vor ein paar Jahren hatte ich noch vermutet, dass Braille in Deutschland mehr oder weniger verschwinden würde.

Der Hauptgrund ist, dass die Zahl der blind geborenen Kinder und der blinden Jugendlichen stetig zurückgeht. Vor allem die Jugendlichen in den Blindenschulen lernen Blindenschrift. Auch junge Erwachsene lernen sie noch, wenden sie aber meiner Erfahrung nach kaum an. Das wiederum hat einen sehr einfachen Grund, jedes zehn Jahre alte Notebook ist weniger sperrig und laut wie eine Punktschriftmaschine. Sogar die alten mechanischen Schreibmaschinen produzieren weniger Lärm als die Blindenschriftmaschinen. Braillemaschine
Ältere Blinde lernen die Punktschrift entweder gar nicht oder nur pro Forma. Das ist aus meiner Sicht nachvollziehbar, man braucht einiges an Übung, um Braille flüssig lesen zu können und man muss auch etwas davon haben.

Ohr statt Finger?

Wofür aber brauchen wir Braille, wenn wir kostenlose Sprachausgaben, Hörbücher und iPhones haben? Meiner Ansicht nach ist Braille nach wie vor eine sinnvolle Sache. Erfahrene Leser werden mir zustimmen wenn ich sage, dass man sich auf eine andere Art in ein Buch versetzt wenn man es selber liest – mit den Augen oder den Fingern – als wenn man es hört. Ich höre sicher mehr als 100 Bücher im Jahr, die meisten so trivial, dass es mir peinlich sein sollte. Das ist sehr bequem, weil ich währenddessen auch den Abwasch machen, die Wohnung aufräumen oder meine Schuhe putzen kann. Ein selbst gelesenes Buch hingegen verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Ich kann mir zum Beispiel bei Hörbüchern nie die Namen der Charaktere oder Ortschaften merken, das mag aber auch an meinem fortgeschrittenen Alter liegen. Außerdem kann man mit Braille sehr viel besser die Orthographie selbst geschriebener Texte prüfen als mit der Sprachausgabe. Mir ist öfter aufgefallen, dass Blinde die Schreibweise neuer oder selten eingesetzter Wörter nicht kennen.

Das Problem mit Braille ist für mich persönlich, dass es kaum interessante Bücher gibt und wenn es sie doch gibt haben sie den Umfang der Enzyklopedia Britannica, die leider nicht in meinem Briefkasten passt. Außerdem lese ich so langsam, dass ich vielleicht zwei Bücher im Jahr schaffen würde. Dennoch bin ich sehr dafür, Braille wieder zu beleben, die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht.

Auf dem Weg zu günstigen Braillezeilen

Aktuell dominieren noch die teuren Braillezeilen, die irgendwo bei 5000 Euro anfangen. Es gibt aber diverse Ansätze, günstigere Braille-Displays auf den Markt zu bringen. Einen davon habe ich in einem Artikel über CrowdFunding vorgestellt. Ein Projekt aus Bristol verfolgt ebenfalls das Ziel, ein Braille-Display für 300 Dollar auf den Markt zu bringen. Die meisten Innovationen in diesem Bereich sind nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Mittelständler unerschwinglich. Vor einiger Zeit ging Hyperraille über die Newsticker, ein großflächiges Braille-Display, das aer, sollte es jemals auf den Markt kommen so viel kosten wird wie ein hochpreisiger Sportwagen. Aber die meisten Innovationen in diesem Bereich erreichen ohnehin nie die Marktreife.
Braillezeile
Es ist außerdem sehr positiv zu bewerten, dass kostenlose Screenreader wie Orca, NVDA und VoiceOver mittlerweile eine ganze Reihe von Braillezeilen unterstützen. Windows 8 hat mit dem Narrator mittlerweile auch einen Screenreader integriert, der aber meines Wissens nach bisher keine Braille-Unterstützung hat. Zumindest die älteren Braillezeilen sind auch was die Kompatiblität angeht eine reine Katastrophe, weil jeder Hersteller sein eigenes Treiber-Süppchen kocht. Auch deshalb sind Braillezeilen mit offener Software ein Muss.

Günstige Screenreader und Displays sind der Schlüssel zu mehr Braille und eröffnen insbesondere Menschen in armen Ländern neue Perspektiven. Dort ist die Blindheit noch wesentlich stärker verbreitet als in Deutschland.

Fehlt nur noch die Bereitschaft, Braille zu lernen. Das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Meinerzeit habe ich es wahrscheinlich nur gelernt, weil in meiner Jugend kaum jemand wusste, was ein Personalcomputer war. Die Vorteile habe ich oben schon aufgezählt, Braille macht einen Text buchstäblich haptisch erfassbar. Man kann auch ohne leben, aber was hat man dann als Blinder eigentlich den Sehenden voraus? Die Gehörlosen haben ihre auf der Gebärdensprache basierende Gehörlosenkultur, aber was haben wir eigentlich? Projekte wie Street Art mit Braille zeigen, das in Braille noch sehr viel Potential steckt.

Wie Sehbehinderte im Internet unterwegs sind

Vorlesen mit webReader

Richtlinien wie die WCAG sind ein wichtiges und hilfreiches Hilfsmittel für die barrierefreie Gestaltung. Sie bleiben aber oft eher abstrakt. Um das Ganze ein wenig anschaulicher zu machen möchte ich modellhaft beschreiben, wie Sehbehinderte im Internet unterwegs sind. Diese Beschreibung stellt exemplarisch einen bestimmten Ausschnitt aus dem Surfverhalten dar und ist überhaupt nicht vollständig oder erschöpfend. Normalerweise duze ich meine Leser, der Text ist ein Teil eines kleinen Projekts von mir, wo ich das anders gehandhabt habe und mir fehlt im Augenblick die Zeit, den Text entsprechend anzupassen, also nicht wundern.
Vergrößertes Broweserfesnter
Sehbehinderte stehen vor besonderen Problemen, die völlig anders sind als die Probleme von Blinden. Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer bestimmten Webseite unterwegs und müssen etwas anklicken. Kein Problem, Sie klicken es einfach an, das machen Sie sicher 1000 Mal am Tag.

Als stark Sehbehinderter tun Sie nun folgendes: Sie suchen den Mauscursor, diesen kleinen weißen Pfeil, der hinter dem hellen Hintergrund des Bildschirms kaum zu erkennen ist. Wenn Sie den Cursor gefunden haben, suchen Sie erneut die Stelle, auf die Sie klicken wollten, denn anders als ein Sehender können Sie nicht beides gleichzeitig im Blick behalten. Wenn Sie Glück haben, wissen sie noch, wo der Cursor steht und führen ihn auf die zu klickende Fläche. Ist die Klickfläche sehr klein, ist es oft mühsam, sie genau anzuklicken.
Erschwert wird das Ganze, wenn die Betroffenen Vergrößerungssoftware einsetzen. Je stärker die Vergrößerung ist, desto schlechter können die Betroffenen erkennen, an welcher Stelle der Website sie sich befinden. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Landkarte mit allen Ortschaften von NRW und müssten etwa den Ort Rheinbach finden, ohne genau zu wissen, wo der eigentlich genau liegt. Ich sage Ihnen jetzt, er liegt in der Nähe von Bonn. Sie suchen jetzt nach Köln, weil Sie ungefähr wissen, wo das liebt und Köln größer als Bonn ist. Dann suchen Sie nach Bonn und dann nach Rheinbach. So müssen Sehbehinderte verfahren, wenn sie sehr kleine Elemente auf Websites suchen, sie orientieren sich an größeren Elementen. Surfen auf unbekannten Seiten kann so zum anstrengenden und nervtötenden Geduldspiel werden.

Wir machen uns selten bewusst, was Vergrößern eigentlich bedeutet. Gehen wir davon aus, dass eine Website genau so groß ist wie der Bildschirm, sagen wir 17 Zoll, dann verdoppelt sich die Fläche bei einem Vergrößerungsgrad von 2 auf 34 Zoll. Bei zehnfacher Vergrößerung hat unsere Website eine Diagonale von170 Zoll.

Zusammen mit dem Cursor der Maus bewegen sie auch den vergrößerten Bildauschnitt, das heißt, sobald die Maus bewegt wird, etwa um ein Element anzuklicken verschiebt sich auch das anzuklickende Element. Sehbehinderte müssen das Kunststück fertig bringen, sich die Position zweier Elemente zu merken, die sie fast nie gleichzeitig sehen können. Eine wirkliche Katastrophe sind die Ausklappmenüs, hier wird das Ganze zur Mausakrobatik.

Meiner Erfahrung nach können sich die meisten Sehbehinderten nicht mit der Tastatursteuerung anfreunden, weil sie mit der Maus sozialisiert wurden. Bei der Tastatur gibt es aber auch ein ähnliches Problem. Nehmen wir an, wir wollen einen Link aus dem Inhaltsbereich anklicken, dann müssen wir mit der Tastatur alle möglichen Elemente überspringen und darauf achten, wo sich der Tastaturfokus gerade befindet. Gleichzeitig müssen wir uns die Position des Links im Text merken, den wir anklicken wollten. Das klingt anstrengend und ist es auch.

Nun mag man meinen, das Problem habe sich mit den Touchscreens erledigt. Das ist aber nicht der Fall. Der Vorteil der Touchscreens besteht darin, dass nicht mehr zwei Elemente, nämlich das zu aktivierende Element und der Cursor bzw. der Tastatur-Tab zusammengeführt werden müssen. Es gibt ein Problem dabei und das ist die Hand. Auch wenn Sehbehinderte die Nasenspitze nicht auf dem Gerät aufliegen haben – das kommt durchaus vor – verdecken Finger und Hand immer einen Teil des Screens und natürlich zwangsläufig das Element, das angepatscht werden soll. Ich weiß ehrlich nicht, wie Sehende das hinbekommen, aber gerade auf kleinen Screens muss der Fingertipp sehr exakt erfolgen. Bei einem großen Touchscreen wie etwa bei Automaten ist das noch möglich, weil die Elemente links, rechts und oben noch erkennbar sind, aber wie soll man z.B. einen Text mit einer Bildschirmtastatur eingeben, wenn man sehbehindert ist? Insofern waren die alten Handys noch besser für Sehbehinderte geeignet, die Positionen der Buchstaben auf dem Zehnerblock hat man schnell auswendig gelernt, so das man blind tippen und gleichzeitig auf den Screen schauen konnte.

Sehbehinderte lassen sich auch nicht davon überzeugen, dass sie mit einem Screenreader besser dran wären. In einigen Bereichen waren die Blinden schon fast immer besser dran, sie konnten sich Texte schneller vorlesen lassen. Da heute viele Seiten zumindest die grundsätzlichen Anforderungen von Barrierefreiheit erfüllen, ich meine Überschriftenebenen oder Navigationen als Listen und zahlloser hilfreicher Funktionen der Screenreader sind Blinde heute in vielen Fällen mit weniger Barrieren konfrontiert als Sehbehinderte. Aber die meisten Sehbehinderten möchten das nicht hören. Das scheint die gleiche Krankheit zu sein, die dafür sorgt, dass Sehbehinderte lieber gegen Hindernisse laufen als sich einen Blindenstock zu beschaffen und damit als Blinde geoutet zu werden.

Barrierefreiheit verbessern mit Web Analytics

Vorlesen mit webReader

Web Analytics sind Dienste, mit denen sehr detaillierte Statistiken über die Nutzung eines Webangebots erhoben werden können. Ursprünglich hatten sie ungefähr den Funktionsumfang von serverseitig generierten Reports, können mittlerweile aber wesentlich mehr. Aber kann man sie auch zur Verbesserung der Barrierefreiheit verwenden?
Balkendiagramm
Analytics kann gezielt dazu genutzt werden, mögliche Barrieren aufzuspüren. Dazu nehmen wir uns gezielt die Bereiche der Website vor, die am meisten Probleme machen können. Das sind vor allem Bereiche mit JavaScript/Flash sowie Formulare. Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich vor allem dort, wo der Nutzer mit der Site interagiert.

Es gibt generell zwei Möglichkeiten, das Tracking zur Verbesserung der Barrierefreiheit zu verwenden. Das allgemeine Tracking einer bereits bestehenden Website sowie das Testen in einem geschlossenen Bereich.

Das allgemeine Tracking

Die großen Dienste erlauben das Beobachten – also Tracken – von Aktionen. Dazu gehört zum Beispiel das Verhalten beim Ausfüllen von Formularen oder der Umgang mit bestimmten Elementen der Webseite wie die Navigation. Das Maus-Tracking gehört mehr oder weniger zum Standard, aus irgendeinem Grund werden Tastatureingaben nicht standardmäßig getrackt.
Mit einer Heatmap kann man erkennen, wo die Menschen hingeklickt haben. Wenn es da nichts zu klicken gab, besteht Optimierungsbedarf.

Damit lässt sich auch beobachten, wie hoch die Dropout-Rate bei Ausklappmenüs ist. Wenn ein signifikanter Anteil der Nutzer daneben klickt gibt es Verbesserungsbedarf.

Ein weiterer fehlerträchtiger Bereich sind Formulare. Das Scheitern an Formularen gehört sicherlich zu den häufigsten Barrierefreiheitsproblemen überhaupt. Mit Analytics lässt sich generell beobachten, wie hoch die Zahl der Fehlversuche beim Ausfüllen von Formularen ist. Die Ursache ist nicht immer eindeutig an den Daten ablesbar, aber bei einer auffälig hohen Fehlerrate sollte ohnehin ein Experte ran, der mögliche Probleme mit einer heuristischen Analyse erkennen kann.

Ein Problem bei der Optimierung der Barrierefreiheit besteht allerdings darin, dass die statistische Signifikanz zu gering ist. Wir wissen natürlich nicht, ob unser Besucher blind, motorisch eingeschränkt ist oder eine andere Behinderung hat. Gehen wir davon aus, dass bis zu fünf Prozent unserer Besucher eine Behinderung haben, schlägt sich diese Zahl wahrscheinlich nicht als messbarer Wert in unseren Daten nieder. Diese fünf Prozent setzen sich aus unterschiedlichen Behinderungen zusammen, es kann sein, dass Blinde problemlos zurecht kommen, während motorisch Behinderte scheitern. Wir erkennen also eher Usability- als Barrierefreiheits-Probleme. Für ein Dropout-Menü halte ich eine Fehlerrate von fünf Prozent schon für alarmierend, zumindest die Navigation einer Website sollte problemlos funktionieren. Auch bei Formularen halte ich einen möglichst geringen Wert für wünschenswert. Die meisten – auch behinderten – Nutzer sind oft nicht so aufmerksam, wenn es um das Ausfüllen geht. Aber offensichtlich sind sie bereit, das Formular auszufüllen und ein mehrfaches Scheitern legt nahe, dass der Webdesigner nicht sauber gearbeitet hat.

Eine Möglichkeit, die ich allerdings verworfen habe ist die Beobachtung der Seiten, bei denen die meisten Nutzer die Website verlassen. Hier fehlt einfach die Aussagekraft, es kann alle möglichen Gründe haben, warum die Besucher die Website an dieser Stelle verlassen. Sie haben vielleicht gefunden, was sie gesucht haben oder erkannt, dass sie das Gesuchte hier nicht finden oder die Unterseite bildet den Schlusspunkt eines logischen Informationsblocks und ist daher ein natürlicher Ausstiegspunkt.

Ein Bereich, der ebenfalls nur indirekte Informationen liefert ist das Tracking der User Agents. Darunter werden Daten zum Betriebssystem, Browser, Browserversion und teils auch eingesetzte Plugins gesammelt. Außerdem werden Werte wie die Bildschirmauflösung oder die Internet-Bandbreite getrackt. Daraus läst sich zumindest ableiten, ob die Benutzer mit veralteter Technik auf der Website unterwegs sind. Plugins für PDF und Flash sind zwar noch weit verbreitet, aber dank NoScript und Flashblock kann heute kaum noch jemand sagen, ob sie tatsächlich noch zum Einsatz kommen.

Veraltete Software sowie langsame Internetverbindungen deuten zumindest auf einen eingeschränkten Zugang zu neuen Techniken hin, was ja auch schon eine Barriere sein kann. Die Lösung lautet so oder so responsives Webdesign und möglichst geringe technische Anforderungen an die Technik der Besucher zu stellen.

Testen im Beta-Bereich

Eine alternative Möglichkeit ist, die Webseite oder den Prototypen in einem geschlossenen Beta-Bereich zu testen. Ähnlich wie beim Usability-Test erhalten die Testpersonen die Möglichkeit, eine Webseite mit ihren Hilfsmitteln zu testen. Nur müssen sie dazu nicht in ein Testlabor fahren, sondern können das bequem von zuhause aus mit ihren eigenen Hilfsmitteln machen. Die Kommunikation mit dem Testleiter kann über Skype oder per Telefon erfolgen. In diesem Fall werden gezielt Menschen mit Behinderung dazu eingeladen, die Website zu evaluieren, wobei verschiedene Indikatoren wie Ausfüllzeiten, Fehlversuche und so weiter gemessen werden können.

Bei Screenreader-Nutzern würde es sich außerdem anbieten, ein Browser-Plugin zu entwickeln, dass die Interaktion zwischen Nutzer und Browser aufzeichnet. Ich vermute zum Beispiel, dass die meisten Blinden nur einen Bruchteil der Screenreader-Funktionen tatsächlich nutzen. Entweder kennen sie die Fuktionen nicht oder sie brauchen sie nicht. Leider haben wir keine brauchbaren Daten dazu.

Messbare Erfolge

Wenn Formulare und andere Interaktionsbereiche verbessert wurden, indem zum Beispiel das CAPTCHA entfernt wurde, kann über Analytics beobachtet werden, wie sich die Zahl der erfolgreichen Interaktionen entwickelt. Wenn grobe Fehler ausgebübgelt wurden, kann sich die Erfolgsrate sehr gut entwickeln. Aber wie schon oben beschrieben, das Problem der statistischen Aussagekraft bleibt bestehen. Daher sollten die Zeiträume für die Beobachtung so lang sein, dass sich aussagekräftige Besucherzahlen ergeben. Bei Websites mit vielen tausend Besuchern sind auch Verbesserungen im einstelligen Prozentbereich als Erfolg zu werten.

Fazit

Web Analytics kann nur eingeschränkt dazu verwendet werden, um die Barrierefreiheit einer Website zu verbessern. Sie kann aber als Teil einer größeren Strategie der Qualitätssicherung verwendet werden. Das bietet sich für Bereiche mit starker Interaktion an. Die anderen Bereiche der Website, die nur konsumiert werden müssen sollten entsprechend schon barrierefrei sein, ansonsten wäre es auch witzlos, ausgerechnet die komplexeren Bereiche zu verbessern. Insgesamt kann das Testen von Live-Versionen von Websites auch für die barrierefreiheit sehr sinnvoll sein.

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