Access-News vom 2. September 2010 – Werbung, Vektorgraphiken und eBooks

Niemand weiß, wie sich der Deal zwischen Yahoo und bing auf den Suchmaschinenmarkt auswirken wird. Yahoo wird mittelfristig die Suchtechnik von Bing übernehmen und alle eigenen Suchdienste beenden. Damit endet aber auch Yahoos große Zeit als Suchmaschine endgültig, es ist unwahrscheinlich, dass man die eigene Suchmaschinentechnik weiterentwickelt, wenn sie nicht einmal eingesetzt wird.

Im Gegenzug übernimmt Yahoo die Werbevermarktung und macht sich Gedanken um zugängliche Werbung.

Der Quasi-Monopolist Google und Konkurrent Google sucht derweil in Vektorgraphiken. Vektorgraphiken basieren im Gegensatz zu Pixelgraphiken auf geometrischen Berechnungen. Das XML-Format SVG ermöglicht es ähnlich wie Flash, komplexe Vektorgraphiken in Webseiten einzubinden. Das ergibt sehr viel weit reichendere Möglichkeiten, Diagramme oder komplexe Graphiken zugänglich zu machen. Diese werden heute immer noch als JPEG oder PNG eingebunden, womit weder Google noch Blinde etwas anfangen können. SVG ermöglicht außerdem das freie Skalileren – sprich Vergrößern oder Verkleinern – von Graphiken ohne Qualitätsverlust. Der kommende Internet Explorer 9 wird SVG zumindest teilweise unterstützen.

Mit SVG, CSS3, HTML5, CANVAS und ein wenig JavaScript dürfte das Web einen wahren Quantensprung machen. Die Designer werden nicht daran vorbei kommen, diese Möglichkeiten zu nutzen, das Zauberwort heißt hier Suchmaschinenoptimierung. Wenn Graphiken durchsuchbar werden wird das Ranking einer Website verbessert.

INCOBS liefert eine Marktübersicht über E-Book-Reader mit Größe, Graustufenanzeige und Text-to-Speech-Funktion. Lustigerweise fehlt der Marktführer Amazon Kindle . Tatsächlich gibt es zwei eher unbekannte Geräte mit TTS, das Pocketbookund der Onyx Book. Vermutlich läßt sich keines der Geräte ohne Weiteres von Blinden bedienen, aber für Sehbehinderte und Menschen mit Leseschwäche könnten die Geräte interessant sein.

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Poor Content – die Schwäche des Online-Journalismus

Viele Leute wissen nicht, dass die großen Online-Angebote von Zeitungen und Magazinen von eigenständigen Redaktionen betreut werden. Wozu sollte diese Info auch gut sein? Es ist allerdings so, generell pflegt jedes große Medium seine eigene Online-Redaktion, die zumindest organisatorisch von der Print-Redaktion unabhängig ist. Das heißt natürlich nicht, dass Artikel nicht mehrfach verwertet werden oder das ein Offliner nicht für Online schreibt oder umgekehrt.

Zehn Jahre und keinen Schritt weiter

Man kennt das: da ist ein interessanter Artikel und man hätte gerne die Zahlen und Fakten auf einen Blick, weil sie im Artikel zu kurz gekommen sind. Gut, dass unsere service-orientierten Medienseiten genau das anbieten.
Besonders gut gefällt mir, dass in Online-Artikeln die Quelle nicht nur passiv genannt, sondern aktiv verlinkt wird. Die kryptischen und eher nichts sagenden Abkürzungen dpa und ddp müssen echten Quellennachweisen und Verweisen auf Pressemitteilungen, anderen Webpublikationen und sogar user-generierten Inhalten wie Weblogs, Podcasts und YouTube-Videos weichen. So weiß der Leser nicht nur, woher der clevere Journalist seine Infos hat, sondern kann sich selber ein Bild machen.

Aber mal im Ernst, das alles ist nicht nur Zukunftsmusik, es wird in renommierten Publikationen bis auf weiteres nicht auftauchen. Die Mutlosigkeit der Printer, wie ich sie nennen möchte, ist mit Händen greifbar. Im Grunde haben sie das Print-Modell ohne großartige Modifikationen auf Online übertragen. Das Höchste der Gefühle sind “verwandte Artikel” und Schlagworte, die vermutlich automatisch erstellt wurden. Denkt man sich diese beiden Erfindungen weg – die im übrigen auch schon fünf Jahre alt sind – könnte man ohne Weiteres glauben, im Jahr 2000 zu sein. Die Einbindung verwackelter YouTube-Videos oder das Betreiben von Journalisten-Weblogs kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Medien-Branche eine Innovationsschlafmütze ist.

Jeder echte Onliner bekommt Zahnschmerzen, wenn er einmal mehr nach der Quelle einer Information suchen muss, anstatt sie – wie es im übrigen jeder vernünftige Blogger tut – ordentlich im Artikel verlinkt zu finden. Jede Online-Publikation scheint davon zu träumen, sie könne den Leser auf ewig in ihrer Site gefangen halten, weil er nicht weiß, wie man mit der Adressleiste umgeht.

Was tun?

Nun bin ich kein Mensch, der nur meckern möchte. Hier also ein paar Vorschläge, wie die Online-Publikationen zu echten Service-Dienstleistern für den Leser werden können, sich aus der Papier-Steinzeit befreien und vielleicht endlich auch vernünftig Geld einnehmen können:

  • Quellen: Der heutige Leser möchte wissen, woher eine Information kommt. Er erwartet einen Link auf die Quelle, sei es nun ein Weblog, eine Pressemitteilung, ein Tweet oder etwas anderes.
  • Factbox: Jeder Journalist weiß, wie schwierig es ist, Zahlen in großen Mengen in Artikeln unterzubringen. Diese Zahlen können in einer Factbox untergebracht werden, wo sie übersichtlicher sind: Wie viele Studierende gibt es, wie viele werden in den nächsten Jahren erwartet, wer will was studieren? Ein weicher Bericht über Einzelschicksale ist schön und gut, aber wir wollen den Gesamtkontext erfahren und der drückt sich in harten Zahlen aus. Die zahlen lassen sich auch mit Diagrammen oder Schaubildern veranschaulichen.
  • Hintergründe: Die Redakteure verweisen mit Vorliebe auf eigene Artikel, aktuelle Artikel oder Artikel, wo ein Stichwort des gelesenen Artikels prominent vorkommt. Dass im aktuellen Artikel und den drei Artikeln unfein gesagt vier Mal das selbe steht, stört ihn weniger. Ich stelle mir stattdessen eine Art Storyline vor: Dabei werden die Beiträge, die zum aktuellen Artikel im Bezug stehen, auf einer Art Zeitachse angeordnet, Hintergrund-Berichte und vertiefende Informationen werden hervorgehoben und die Artikel werden in einen Gesamtbezug zueinander gestellt. So findet der Leser, was er sucht: Hintergründe, Details, verwandte Themenfelder… Im übrigen könnten diese Verweise – oh Schock – auch auf externe Quellen verweisen! Sei es nun ein gelungener Wikipedia-Artikel, eine Publikation des eigenen Hauses, aber auf einer anderen Website oder eben tatsächlich eine private Website, die aber qualitativ gute Informationen liefert.

Das sind nur einige Vorschläge, die weiter gedacht, ausprobiert oder verworfen werden müssen. Es ist sicher nicht meine Aufgabe, die Verlagshäuser vor ihrer Denkfaulheit zu retten. Im Augenblick sind die einzelnen Publikationen austauschbar und bis zur Unkenntlichkeit identisch. Was aber für die Generation Print gereicht hat, wird für die gerade anwachsende Generation Online noch lange nicht genug sein. Deshalb muss Online weiterentwickelt werden. Und dazu müssen sowohl die technischen als auch die inhaltichen Möglichkeiten wesentlich besser genutzt werden, als das heute in Deutschland passiert.

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Access News vom 26. August 2010 – Navi ohne GPS

Für Open Source droht neues Ungemach: Oracle verklagt Google wegen der Verwendung von Java in Android. Es war wohl absehbar, dass Oracle das von ihm gekaufte Sun früher oder später wie eine Zitrone auspressen würde: jetzt fragt sich jeder, was nach der Einstellung von Open Solaris als nächstes kommt. Google wird die Klage wenig schaden. Allerdings spielt Java im Open-Source-Bereich eine große Rolle und ziemlich sicher werden auch Zugänglichkeits-Anwendungen betroffen sein. Die Klage verunsichert vor allem die Programmierer, die zuvor auf Java als plattformübergreifende Programmiersprache gesetzt haben. Auch wenn bisherige Programme nicht betroffen sein mögen – als Laie ist das schwer zu sagen – weiß niemand, in welche Richtung Oracle künftig die Lizenzpolitik für Java steuern wird.

Brotkrummen statt GPS

Microsoft hat ein von Sensoren strotzendes Handy vorgestellt, mit dem sich ein Weg exakt zurückverfolgen läßt – ohne GPS. Das Gerät ermittelt die Daten über Luftdruck, Geschwindigkeit und weitere Parameter. Zweifelhaft ist die Tendenz, die Daten über das Internet auf zentralen Servern zu speichern. Es ist eigentlich wahrscheinlich, dass man sich an einem Ort befindet, wo kein GPS, aber Internet vorhanden ist?
Wie dem auch sei: kann man so viel Power in einem Gerät vereinen, dürfte das Gerät auch für die Orientierung Blinder und stark Sehbehinderter interessant werden. Dafür wären vor allem Sensoren interessant, welche die Entfernung bewegter und unbewegter Objekte – Menschen, Autos, Gebäude – ermitteln könnten.

iPad für Autisten

Autisten sind in der Lage, sich über Tablets auszudrücken. Der direkte taktile Kontakt mit der Oberfläche mit dem Gerät und die leichte und intuitive Bedienung erlaubt es auch Menschen mit Lernschwierigkeiten, sich schnell mit dem Computer zurecht zu finden. Das könnte ein sehr interessantes Forschungsfeld für neue Therapieformen werden.

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Das Redaktionssystem – ungeliebtes Stiefkind der Zugänglichkeit

Die Zugänglichkeit vieler großer Websites hat sich trotz diverser Negativ-Beispiele wie Facebook oder eBay drastisch verbessert. Das zeigt sich vielleicht daran am deutlichsten, dass der BIENE-Wettbewerb seine Teilnahme-Kriterien verschärft hat. Es werden nicht mehr nur Websites, sondern User-Maschinen-Interaktionen bewertet, deren Zugänglichkeit eine größere Herausforderung sein kann.

Viele große Redaktionssysteme wie WordPress oder Drupal sind bei Standard-Themes im Frontend ohnehin barrierefrei. Viele Websites wie die der Aktion Mensch, Yahoo, Google und andere setzen auf WAI ARIA, obwohl das noch kein offener Standard ist.

Leider sind die Backends vieler Redaktionssysteme dem Trend nicht gefolgt. Die im wesentlichen textbasierten Systeme von WordPress und Drupal sind leicht zu bedienen, wenn man als Blinder genügend Erfahrung hat. Allerdings könnte zum Beispiel WordPress stark verbessert werden. Seitdem die Menüs horizontal und nicht mehr vertikal angeordnet sind, etwa seit WP 2.7, nimmt der Texteditor zu wenig Platz ein. Bei stärkerer Vergrößerung schieben sich die Menüs in das Texteditorfeld, so dass der rechte Teil des geschriebenen Textes verdeckt wird. Die Anordnung der Widgets geschieht über Drag and Drop, was für Blinde schlicht nicht möglich ist.
Wie ich gehört habe, soll Joomla allerdings wesentlich schlimmer sein, weil das Backend wesentlich graphischer orientiert ist.

Der wahre Horror sind von Agenturen gebastelte Systeme. Hier gilt das Motto: Hauptsache, es funktioniert – irgendwie. Es mag sein, dass die meisten Unternehen kaum Sehbehinderte oder Blinde beschäftigen, aber auch unter körperlich gesunden Menschen soll es Leute geben, die liber mit der Tastatur als mit der Maus arbeiten. In den Agenturen scheinen jedoch nur Mausnutzer zu sitzen, die zudem ein Faible für komplexe Bedienung haben. Einige Firmen schicken ihre Mitarbeiter zu tagelangen Schulungen, damit sie den Umgang mit dem Redaktionssystem lernen. Erfahrungsgemäß ist es damit nicht getan, es entstehen immer noch Nachfragen. Unfälle mit versehentlichen Klicks auf die falsche Schaltfläche, unsaubere Textformatierungen und waschechte Fälle von Frustration, weil die Dinge nicht so laufen, wie man das möchte, sind an der Tagesordnung. Wenn wir einer Agentur fünfstellige Beträge hinlegen und das unser Ergebnis ist, haben wir an der falschen Stelle gespart.

Auch viele Tools, die für Webmaster interessant sind, lassen sich nicht oder nur teilweise barrierefrei bedienen. Die von der Firma Parallels vertriebenen Produkte zur Serververwaltung Confixx und Plesk sind an Desktop-Look angeleht. Plesk arbeitet sehr stark mit JavaScript/AJAX und friert zum Beispiel die Oberfläche ein. Der Blinde bekommt nicht mit, was da passiert, weil der Live-Indikator für Screenreader nicht zugänglich ist. Bei Confixx kann man nur die linke Spalte mit dem Menü erreichen, der Inhaltsbereich rechts bleibt überwiegend unsichtbar. Da bietet jede Shell mehr Benutzerfreundlichkeit für Tastaturnutzer.

Daran sieht man im übrigen, dass Open-Source-Produkte überwiegend besser abschneiden als kommerzielle Lösungen und die Eigenprogrammierungen der Agenturen. Dahinter steht vermutlich die verwegene Vorstellung, Menschen mit Behinderung würden sowieso nie mit diesen Produkten arbeiten.

Dazu muss aber noch selbstkritisch angemerkt werden, dass viele der Kunden – das sind wir ja in diesem Fall – sich nicht darüber beschweren. Kommt man in eine Firma, steht das Redaktionssystem halt da, wurde teuer eingekauft und ob da jemand noch mal nachbessern möchte, ist eher zweifelhaft.

Deswegen brauchen diese Firmen zum Einen mehr Know-How im Bereich Barrierefreiheit/Benutzerfreundlichkeit und zum Anderen müssen wir mehr bei diesen Unternehmen meckern. Die Richtlinien der BIT-V oder WCAG gelten genauso für das internet wie für andere Softwareprodukte. Ich bin ernsthaft der Überzeugung, dass das wirklich allen Nutzern dieser Systeme zugute kommen wird.

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Access News vom 19. August 2010 – Markup für Emotionen

EmotionML ist eine XML-basierte Sprache, mit der sich Elemente emotional taggen lassen. Das könnte durchaus interessant sein. Bekanntermaßen verstehen viele Menschen in Texten eingestreute Ironie oder Satire nicht und die Emoticons verbieten sich außerhalb des privaten Bereichs. Auch Bildern oder Videos ließen sich damit einstufen, ohne dass man auf langatmige Beschreibungen zurückgreifen müsste. Das Problem ist hier allerdings XML und dessen mangelnde Unterstützung durch Editoren. Ein Emoticon ist schnell geschrieben, ein Code-Schnipsel birgt die Gefahr von Tippfehlern.

Auch wenn das Heise-Forum keine Verwendung dafür hat, für Menschen mit Behinderung könnte das durchaus nützlich sein. Blinden kann zum Beispiel die Stimmung eines Bildes vermittelt werden, Gehörlose und Schwerhörige haben häufig Probleme mit dem Verstehen geschriebener Sprache ebenso wie Menschen mit Lernschwierigkeiten.

Streetview kommt

Und bringt durchaus Nutzen für Menschen mit Behinderung. Ich will mich an der Debatte nicht beteiligen, mich interessiert vor allem die Möglichkeit, die Orientierung im öffentlichen Raum zu verbessern.

Richtlinien für digitale zugängliche Medien

Das National Institute on Disability and Rehabilitation hat Richtlinien für zugängliche digitale Medien veröffentlicht. Die sind natürlich auf Englisch. Ich bin noch nicht dazu gekommen, mehr als das Inhaltsverzeichnis zu lesen, es klingt aber auf jeden Fall vielversprechend.

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