mein Vortrag auf dem OpenTransferCamp Inklusion

Heute gibt es die Folien zu meinem Vortrag “Barrierefreiheit im Internet – Tipps und Tools”. Die Präsentation habe ich im Rahmen des OpenTransferCamp Inklusion in Dortmund am 21. März 2015 gehalten.
Die Präsentation steht auf SlideShare und kann hier als PowerPoint-Präsentation heruntergeladen werden.

Ich stelle sie unter eine MDWIW-Lizenz = Macht damit, was ihr wollt, bearbeiten, ergänzen in den Papierkorb verschieben…

OpenOffice vs. Office 2013 was ist besser für barrierefreies PDF?

Lange Zeit hatten OpenOffice und sein Bruder LibreOffice die Nase vorne, was die Möglichkeit zur Erzeugung barrierefreier PDF anging. In Microsoft Office 2007 musste die Funktion nachgerüstet werden, erst seit Office 2010 ist die Funktion fest integriert.

Mittlerweile scheint mir aber Microsoft Office das bessere Werkzeug zu sein. Seit Office 2010 ist eine Prüffunktion integriert, die es erlaubt, eventuelle Probleme bei der Barrierefreiheit aufzuspüren und zu korrigieren.

Seit Office 2013 verfügt MS Office zudem über einen integrierten PDF-Editor. Zwar kann man mittlerweile auch mit OpenOffice PDFs öffnen, aber das Bearbeiten dieser Dokumente ist wenig komfortabel, da die Dokumente standardmäßig im Zeichen-Programm geöffnet werden. Dort stehen keine Formatvorlagen aus Writer zur Verfügung, es lassen sich also auch keine PDF-Tags exportieren.

Barrierefreiheit als Treiber von Innovation

Barrierefreiheits-Experten überlegen immer, wie sie Unzugängliches barrierefrei machen können. Es geht aber auch andersherum, Ideen aus der Barrierefreiheit können Menschen helfen, die keine Behinderung haben, aber trotzdem vor ähnlichen Problemen stehen.

Ursprünglich wollte ich diesen Beitrag auf dem gestrigen Barcamp Bonn halten, leider hat mich meine Erkältung ausgeknockt, so das ich einfach einen Blog-Beitrag daraus gemacht habe.Der Vorteil ist, dass ich hier das Ganze wie und warum von Barrierefreiheit weglassen kann, welches bei einem fachfremden Publikum obligatorisch ist.

Wie Blinde Webseiten erschließen

Auch wenn jeder Blinde sein ganz individuelles System aus Betriebssystem, Screenreader und Konfiguration hat, gibt es doch generell drei Strategien zur Erschließung von Webseiten.

  1. Unstrukturiert
  2. Strukturiert
  3. Zielgerichtet

Quick and Dirty – Tab und Cursor-Tasten

Die Quick-and-Dirty-Strategie ist optimal für fremde Websites, die man vermutlich nie wieder aufsuchen wird sowie für schlecht strukturierte Seiten. Dazu gehören übrigens auch die meisten für mobile Endgeräte optimierten Seiten.

Für diese Strategie benötigt man lediglich die Tab-, Cursor-Rauf- und Runter- Sowie die Bild-Auf und Ab-Tasten. Auf Touch-Screens fährt man lediglich mit dem Finger über das Display, bis man die interessante Stelle gefunden hat.

Barrierefreiheits-Probleme dokumentieren

Wir kennen das, ein Problem bei der Barrierefreiheit zu beschreiben ist verbal recht schwierig. Mit den technischen Beschreibungen kann das Gegenüber meistens nichts anfangen und der Programmierer – sofern man überhaupt mit ihm in Kontakt kommt – ist ebenfalls überfordert.

Hier ein schönes Beispiel von den Stadtwerken Bonn. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass ich die Stadtwerke darauf hingewiesen habe, sie aber eine Reaktion bislang nicht für nötig gehalten haben. Hier passiert folgendes: Wenn ich einen Start eingebe und zum Ziel springe, verändert sich ohne mein Zutun der Inhalt des Start-Eingabefeldes, ohne dass ich das merke. Natürlich kommt beim fahrplan nur Murks heraus, wenn das Teil aus dem Start “Bonn” “Paderborn” macht, auch wenn Bonn und Paderborn total ähnlich sind.
Ein einfaches Tool zur Dokumentation solcher Probleme sind Programme zur Aufnahme des Bildschirm-Inhalts, auch als Screen Capturing bezeichnet. Solche Programme werden gerne für Tutorials verwendet, für andere Zwecke sind sie aber ebenso geeignet.
Der Platzhirsch für Windows heißt Camtasia, für unsere Zwecke reicht das kostenlose CamStudio, es ist in Grenzen auch für Blinde bedienbar.
Wir laden uns also das aktuelle Programm herunter und installieren es wie geahbt. Die Menüs sind komplett über Tastatur bedienbar. Unter “Region” können wir einstellen, welcher Teil des Bildschirms aufgenommen werden soll. Ist es ein normales Desktop-Programm, ist Full Screen die richtige Wahl. Ansonsten reicht “Window”, um etwa den Inhalt des Browser-Fensters aufzunehmen. Blinde sollten darauf achten, dass nichtsPrivates auf der Aufnahme zu sehen ist, eure Nacktbilder und peinlichen Lesezeichen solltet ihr also ausblenden, es sei denn, ihr habt eine Person eures Vertrauens, die vor der Veröffentlichung noch mal auf das Video guckt.
Zur Aufnahme von Audio gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Ihr könnt den Screenreader mitaufzeichnen lassen oder per Mikrofon Kommentare einsprechen. Letzteres erscheint mir sinnvoller, da jeder Screenreader für ungeübte Ohren ungewohnt und unverständlich klingt. In der Regel werden Sehende ohnehin nicht verstehen, was ihr da macht. Die Audioquelle kann unter “Options” ausgewählt werden. Oder ihr gebt einfach wie ich an dieser Stelle eine verbale Beschreibung mit.
Man könnte auch den Sprachbetrachter von NVDA verwenden, der legt sich aber leider über den für Sehende spannenden Teil des Bildschirms und mir ist keine Möglichkeit für Blinde bekannt, dieses Fenster zu verschieben.
Sehende haben außrdem die Möglihckeit, Kommentare in das fertige Video einzubetten, das geht über “Tools”.
Die Aufnahme ist kinderleicht. Am besten startet ihr zuerst das Programm oder den Browser, den ihr dokumentieren wollt, anschließend CamStudio. Unter “File” findet ihr den Punkt “Record”, die ihr aktivieren müsst und schon startet die Aufnahme. Wechselt jetzt schnell zum aufzuzeichnenden Projekt und führt das durch, was ihr dokumentieren möchtet. Wenn ihr fertig seid, wechselt zurück zu CamStudio und wählt auf “File” “Stop”. Anschließend wählt ihr einen Speicherort – das wars. Leider gibt es keine Shortcuts für das Programm, das wäre echt praktisch.
Das fertige Video kann man je nach Geschmack auf YouTube hochladen – euer Kunde wird sich sicher freuen – per Dropbox oder einen ähnlichen Dienst bereit stellen oder klassisch per USB-Stick verchicken.
Diese Methode ist nicht für alle Zwecke geeignet, dürfte aber in einigen Fällen hilfreich sein.

Braille-Tag 2015 – überall und nirgendwo

BraillezeileHeute am 4. Januar ist mal wieder der Welt-Braille-Tag, Zeit, ein wenig zurück und in die Zukunft zu schauen.

Man kann ohne Weiteres sagen, dass Braille mittlerweile im Alltag angekommen ist. Dank Medikamentenverpackungen und Visitenkarten mit Braille-Aufdruck dürfte mittlerweile jeder ein wenig Braille im Haus haben.

Auf der anderen Seite scheint das Interesse Blinder an der Brailleschrift nachgelassen zu haben. Kostenlose Sprachausgaben wie VoiceOver, Talkback, NVDA und der schnarchige MS Narrator sind mittlerweile massenhaft und kostenlos verfügbar.

ReCap – Zukunftskongress der Inklusion

ZukunfskongressWer am 2. und 3. Dezember auf Twitter war und sich für Barrierefreiheit interessiert, hat sicher etwas vom Zukunftskongress Inklusion 2025 mitbekommen. Die Diskussionen waren recht vielfältig, so dass ich hier nur ein paar Gedankenfetzen auffangen möchte, mit denen wir als Accessibility-Experten und Interessierte uns schon heute beschäftigen werden müssen. Wenn die Videos im Internet stehen, werde ich hier darauf hinweisen.

Verschärft die Inklusion die Exklusion?

Wie so oft stellt sich auch bei der Barrierefreiheit die Frage, ob die Inklusion der Einen die Exklusion der Anderen verschärft.

Die drei Todsünden in wissenschaftlichen Hörbüchern

Zwei übereinander liegende CDsIch bin ein großer Fan von Hörbüchern. Wenn ich nicht gerade arbeite, läuft bei mir von morgens bis abends ein Hörbuch. Um so bedauerlicher ist es, dass Hörbücher für die wissenschaftliche arbeit leider nicht geeignet sind.

Todsünde 1: Zwischenschieberitis

Ein Sehender liest ein Buch nicht Wort für Wort. Wer ein wenig Lese-Erfahrung hat, überspringt kleine Satzteile, die redundant sind. Ein Beispiel dafür ist das “sagte” in Romanen. Man kann seitenlange Dialoge mit “sagte er, sagte sie, sagte er, sagte er, sagte sie” abhandeln, ohne dass es jemandem aufstoßen würde, das ist auch kein schlechter Stil. Schlechter Stil ist dagegen “schrie er, weinte sie, grunzte er, schmachtete sie”.

Inklusion von unten – wir sind die Zukunft

In einem älteren Beitrag habe ich gezeigt, wie jeder zur Barrierefreiheit beitragen kann. Heute wiederhole ich das gleiche Spiel für die Inklusion, das gleichberechtigte Zusammenleben von Behinderten und Nicht-Behinderten – das ist ein Beitrag zur aktuellen Blog-Parade der Aktion Mensch Inklusion 2025. Ein Resümee gibt es hier.

Inklusion Top-Down

Die diversen Regierungen und NGOs tun recht viel für die Inklusion. Nicht nur, dass sie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert haben – ein schönes Wort. Sie machen auch Aktionspläne, erstellen regelmäßige Berichte und Schatten-Berichte – äh ja.

Game Over mit verbundenen Augen

Wie schon berichtet habe ich als Experte für digitale Barrierefreiheit am Montag an einer Veranstaltung zu Audio-Games in Hannover teilgenommen. Mit 40 bis 50 Besuchern war das Interesse doch recht groß.

Die Besucher hatten die Gelegenheit, mehrere Spiele auszuprobieren. Ein wirklich fieses Spiel ist Game Over, es ist so gestaltet, dass man nicht gewinnen kann. Barrieren gehören hier zum Konzept. Vielleicht sollten wir mal was Analoges fürs Internet basteln, obwohl, da gibt es ja schon genug real existierende und ernst gemeinte Anschauungsobjekte.