Fahrradfahrer und Blinde – eine fast unendliche Liebesgeschichte

Angeblich soll es ja einen epischen Kampf zwischen Blinden und Fahrradfahrern geben, so ähnlich wie zwischen Highlander und dem anderen Highlander. In Wirklichkeit sind Blinde und Fahrradfahrer die besten Buddies. Deswegen möchte ich hier mit einigen Mythen bei den Fahrradfahrern aufräumen, bevor wir anfangen, uns gegenseitig die Köpfe abzuschlagen.

Der Bürgersteig gehört den Fahrradfahrern

Fahrradfahrer wundern sich oft, warum so viele Leute auf ihrem Fahrradweg, volksmündlich als Bürgersteig bezeichnet, herumlaufen. Als tolerante Menschen klingeln sie einfach so lange, bis diese Unbefugten vor Schreck umfallen. Weil Blinde bekanntermaßen nicht sehen, klingelt man einfach besonders laut und oft, damit sie das noch besser hören.
Da der Bürgersteig den Fahrradfahrern gehört, ist es nur natürlich, dass sie ihr Fahrrad dort abstellen. Es sollte so stehen, dass niemand, der breiter ist als 10 Zentimeter daran vorbeikommt, ohne auf die Straße zu gehen. Damit wird das Fahrrad besser belüftet. Wen stört es, wenn Rollstuhlfahrer nicht vorbei können, Blinde am Lenker hängenbleiben, über das Vorderrad stolpern oder Kinderwagen auf die Straße ausweichen müssen. Das trainiert doch die Gelenke.

Eine Haaresbreite Abstand reicht

Blinde lieben es, wenn Fahrradfahrer auf lautlosen Rädern einen Zentimeter an ihrer Schulter vorbei rasen. Aber warum gehen diese doofen Blinden nicht straight gerade aus, sondern weichen ab und zu nach links oder rechts ab? Haben die keine Augen im Hinterkopf oder zumindest Blinker am Allerwertesten, damit man sieht, welche Richtung sie als Nächstes einschlagen wollen?
Genauso super finden es Blinde, wenn man eine Handbreit an der Spitze ihres Blindenstocks vorbeifährt. Auch Blinden-Führhunde wissen das zu schätzen. Der Schreck bringt Herrchen und Hündchen den heiß begehrten Adrenalinstoß. Wer braucht da noch Kaffee?
Niemand kann von Fahrradfahrern erwarten, dass sie langsamer fahren, ausweichen, stehen bleiben oder gar kommunizieren.

  1. Sind Fahrradfahrer stumm und wir wissen ja, wie schwierig es ist, Gebärdendolmetscher zu bekommen, vor allem welche, die auf dem Gepäckträger Platz nehmen wollen.
  2. Haben es Fahrradfahrer immer eilig. Nicht auszudenken, was passiert, wenn man die ersten 60 Sekunden von den Simpsons verpasst.

Fazit: Blinde lieben Fahrradfahrer

Ja, ich bekenne es öffentlich: wir lieben Fahrradfahrer. Sie sorgen für den Adrenalinkick am Morgen, halten unsere Reflexe frisch und sorgen dafür, das unser Gehör nicht verkümmert.
War dieser Beitrag eigentlich ironisch gemeint? Vielleicht.

Endlich – CAPTCHAs werden zum sinnvollen Spam-Test

Wer kennt das nicht, tanzende Buchstaben vor buntem Hintergrund erhöhen seit Jahren den Knobelspaß im Internet. Ganze Familienabende sollen schon mit dem Lösen der bunten Bildchen verbracht worden sein. Wer braucht da noch memory oder Wetten dass…? Und auch wenn man nicht zur erhofften E-Mail-Adrese, zum Kauf des Tickets oder zum Gewinn des iPhone niX kam, die sinnfreien Zeichencodes aus Bild oder Ton waren doch immer unterhaltsam. Vor allem Blinde und Schwerhörige haben sich ordentlich amüsiert, indem sie entnervt ihren PC kurz und klein schlugen.
Doch nun ist Schluss mit Lustig, wie Blind-Text aus verlässlicher Quelle erfuhr. Auch den Captcha-Anbietern ist nämlich nach Milliarden Dollar teuren Studien und Billionen falscher Eingaben durch Menschen aufgegangen, dass automatische Bots besser in der Lage sind, Captchas zu lösen als Menschen. Die fixen Jungs aus Silicon Valley haben sich deshalb überlegt, den Anti-Spam-Mechanismus einfach umzukehren. Künftig heißt es: Wenn Du das lesen respektive verstehen kannst, bist Du ein Bot. Dann gibts keine kostenlose E-Mail-Adresse, keine Nackedei-Bildchen und kein iPhone niX. Nur, wer den Code falsch eingibt – also richtig – ähm, also ihr wisst schon, bekommt den heißen Preis.
Blind-Text sagt: Bravo Jungs! Es kann nur noch einige Jahrzehnte dauern, bis man im Valley kapiert, was Farbkontraste, benannte Schaltflächen und Labels für Formulare bedeuten. Aber wie wir sehen, zahlt sich Geduld aus.

Mein Rückblick auf das #bcbn18

Wie immer war es mir ein Vergnügen, auf dem Barcamp Bonn dabei gewesen zu sein. Die Stimmung ist immer sehr gut und allmählich ist es wie ein zu groß geratenes Klassentreffen. Die Lokation der Hochschule Bonn Rhein Sieg ist gut gewählt.
Wie immer gibt es auch einen Rückblick auf die einzelnen Sessions, die ich besucht habe. Ich verlinke die Twitter-Accounts der Speaker, soweit vorhanden und für mich auffindbar. Falls jemand falsch verknüpft wurde, gern Bescheid sagen. Im Sessionplan stehen in der Regel leider gar keine oder nur die Vornamen.
Die erste Session drehte sich um das Thema eLearning. Die Dikskussion drehte sich hauptsächlich um den Sinn und Unsinn von Lernvideos. Außerdem wurde deutlich, dass große Learning Management Systeme wie Moodle für die meisten Zwecke zu komplex sind. Viele Aufgaben ließen sich auch mit Learnpress für WordPress erledigen.
Die zweite Session von Johannes drehte sich um unterschiedliche Fragen der digitalen Bildung. Es lief auf die Kernfrage hinaus, wie man MINT-Themen für Mädchen und junge Frauen attraktiver machen kann. Als Fazit würde ich mitnehmen, dass die Szene sich in Bonn stärker vernetzen möchte. Es gibt viele einzelne Leuchtturmprojekte, die den jeweils anderen Aktiven nicht bekannt sind und deshalb wenig genutzt werden. Johannes hat vor, die Szene etwa mit einem Stammtisch besser zu vernetzen.
Die dritte Session drehte sich um Home-Schooling. Ich bin nicht von der Sinnhaftigkeit überzeugt und war es auch nach der Session nicht. Die Schule hat tausend Probleme, die lassen sich aber nicht lösen, indem man seine Kinder zuhause behält.
Session Nr. 4 von @scribophil handelte über die Frage, wie man Arbeitnehmer finden kann. Der Mangel an Fachkräften ist ein allgemeines Problem. Die Unternehmen des Mittelstandes sind aber zu konservativ in ihrer Art, nach geeigneten Bewerbern zu suchen.
Die fünfte Session von @domingos2 drehte sich um das Thema Inklusion und Bildung. Wie immer schlecht vorbereitet überließ der Moderator den Anderen das Reden. Es kamen im Wesentlichen zwei Fragen auf: Wie kann man behinderte Menschen im Ehrenamt einbinden. Das ist ein schwieriges Thema, da es fürs Ehrenamt oftmals keine finanziellen Hilfen oder Assistenzen gibt. Wir einigten uns darauf, dass behinderte Menschen am besten wissen, welche Hilfen sie benötigen und was sie leisten können. Eine generelle Lösung gibt es nicht. Vielmehr ist Improvisation gefragt und möglich.
Die zweite Frage drehte sich um das Schulsystem. Ein Vater berichtete, dass seine Söhne in einer Klasse mit zwei verhaltensauffälligen Kindern beschult wurden. Dabei habe es zweifellos viele Probleme gegeben. Doch habe es im Großen und Ganzen gut funktioniert. Ein Teilnnehmer verwies darauf, dass die starke Leistungsorientierung in der Schule zu einer der Kernprobleme nicht nur für behinderte Schüler gehört. Und schon waren 45 Minuten vorbei.

Smartphones in der Schule – wie sie den Unterricht für Blinde und Sehbehinderte erleichtern

Smartphones und Tablets im Unterricht sind ein kritisches Thema. Doch gerade für den inklusiven Unterricht für Blinde und Sehbehinderte bieten sie viele Vorteile.

Texte schnell erfassen

Probleme gibt es, wenn der Lehrer spontan einen Text verteilen möchte. Er kann dem Kind den Text vorher zuschicken, im Netzwerk bereit stellen oder das Kind digitalisiert ihn einfach mit der Kamera des Smartphone selber. Die Qualität der Texterkennung ist mit den aktuellen Geräten und einer App wie SeeingAI von Microsoft mittlerweile recht gut. Eine Einscannhilfe zur Positionierung der Kamera ist sinnvoll und immer noch wesentlich flexibler als ein Flachbettscanner.

Texte und Bücher immer dabei

Ab und zu sehe ich Kinder und fühle ich an meine Schulzeit erinnert. Ich sehe vor allem viel zu große, volle und wahrcheinlich auch schwere Schultaschen mit weiß Gott wie vielen Schulbüchern. Das Faible Sehender für bedrucktes Papier konnte ich noch nie nachvollziehen, aber muss das heutzutage noch sein?
Digital ist vieles einfacher. Ganze Bibiliotheken finden bequem auf einem Smartphone Platz. Ein Tablet macht es wesentlich einfacher, Texte zu vergrößern, sie strukturiert durchzugehen, sich Lesezeichen und Notizen zu machen und so weiter. Im Übrigen ist die Bildschirmqualität der aktuelleren iPads wesentlich besser als die Bildschirme der meisten Computer und Notebooks. Die Schlepperei von Büchern ist wirklich nicht mehr zeitgemäß.

Das Smart Device als Fernglas

Für Sehbehinderte ist die Situation häufig noch komplizierter. Sie brauchen vielleicht eine Lupe oder ein Bildschirm-Lesegerät. Wenn sie in unterschiedliche Klassenräume müssen, ist das natürlich schwierig, denn das Gerät müssten sie ja mitnehmen. Auch das könnte durch ein mobiles Gerät erleichtert werden. Sie können die Tafel einfach abfotografieren oder sich Texte digital zuschicken lassen.

Schreiben

Das Schreiben längerer Texte auf diesen Geräten ist aber auch mit der besten Bildschirm-Tastatur schwierig. Da zudem die Autokorrektur und automatische Vorschläge integriert sind, wird die Rechtschreibung nicht vernünftig überprüfbar. Das ist vor allem für Shulen wichtig. Diktieren geht in der Klasse eher nicht.
Das Problem lässt sich aber recht einfach mit einer externen Tastatur lösen.

Lesen

Da die blinden Kinder nicht alles per Sprachausgabe machen sollen, benötigen sie noch eine externe Braillezeile. Das ist wesentlich flexibler als einen eigenen Brailledrucker zu betreiben oder gar die Dokumente extern aufbereiten und ausdrucken zu lassen.
Ich kann schlecht einschätzen, wie viele Zeichen so eine Braillezeile darstellen sollte. Eine kleine Braillezeile mit 40 Zeichen sollte aber für die meisten Fälle reichen. Die 80er-Zeilen sind zu sperrig. Normalerweise ist es aber besser, je mehr Zeichen dargestellt werden können.
Für die Sehbehinderten ist das Lesen auf einem Gerät ohne Hintergrundbeleuchtung deutlich einfacher. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie anstrengend die Arbeit mit einem Bildschirmlesegerät ist. Ein eBook-Reader auf der Basis elektronischer Tinte mit eingebauter Beleuchtung ist deutlich angehmer. Die Displays sind mittlerweile von der Lesequalität her dem Papier überlegen – meiner Einschätzung nach. Die eBook-Reader erlauben eine fast beliebige Anpassung der Schriftgröße, Schriftart, der Textformatierung und so weiter.

Fazit

Das ganze Paket, also ein Tablet, eine große Brailletastatur, für die Blinden noch eine Braillezeile und für die Sehbehinderten noch eine Art Stütze, um das Tablet bequem positionieren zu können passt problemlos in einen Kinderrucksack, kann gut transportiert werden und ist insgesamt gesehen wesentlich billiger als das meiste, was heute von Hilfsmittelfirmen angeboten wird. Nur die Braillezeile geht wirklich ins Geld, aber mit dem Orbit-Reader scheint sich auch hier eine günstige Alternative zu entwickeln.
Das Schöne daran ist auch, dass es natürlich nicht auf die Schulbildung begrenzt bleibt. Auch die Erwachsenenbildung, die sich mit der Inklusion noch ein wenig schwer tut, kann natürlich mit den gleichen Mitteln funktionieren. Es sind natürlich erst einmal die Teilnehmer selbst gefordert, sich mit der Technik zu beschäftigen.

Was bringen eigentlich Bildbeschreibungen für Blinde?

In meinen Workshops zum barrierefreien Internet habe ich einen Extra-Abschnitt zum Thema Bildbeschreibungen für blinde und sehbehinderte Menschen. Fast immer werde ich gefragt, ob für Blinde die Inhalte von Bildern überhaupt interessant sind. Die Frage ist berechtigt. Wie soll ein Blinder zum Beispiel wissen, wie ein Vulkan, eine Herde Elefanten oder der Sternenhimmel aussehen? Hier kommt die Antwort.

Arten von blindheit

Generell können wir für unsere Zwecke drei Gruppen von Blinden unterscheiden:

  • die Blinden mit Sehrest
  • die Vollblinden, die noch visuelle Erinnerungen haben
  • die Vollblinden, die keine visuellen Erinnerungen haben

Bei den Sehrestlern ist der Sehrest sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ich setze einmal voraus, dass noch einzelne Objekte unterschieden werden können. In diesem Fall haben sie zumindest von lebensnahen Objekten wie etwa Autos, Bäumen oder Elefanten eine klare visuelle Vorstellung. Das sind alles Objekte, die man nicht ohne Weiteres durch Abtasten in ihrer Gesamtheit erfassen kann. Schwierig kann es bei nicht-lebensnahen Objekten oder Verhältnissen kommen, da diese visuell komplexer sind: Vulkanausbrüche, eine elefantenherde oder die Mondlandung zum Beispiel.
Ähnliches gilt für die Vollblinden, die sich ihre visuellen Erinnerungen erhalten haben. Die Zahl der visuellen Eindrücke hängt ein wenig vom Alter ab. Doch im Allgemeinen kann man sagen, dass ein Jugendlicher in Natura, über Bücher, Illustrierte oder über das Fernsehen das Meiste gesehen hat, was es für einen Menschen aus seinem Kulturkreis zu sehen gibt. Auch wenn es Blinde wie John Hull gibt, die ihre visuellen Eindrücke komplett vergessen haben, ist das eher die Ausnahme. Es gibt auch Blinde, die sich ihr visuelles Vorstellungsvermögen vollständig erhalten haben wie etwa Zoltan Torey. Der Neurologe Oliver Sacks hat das in einem Essay sehr schön zusammengefasst.
Kommen wir also zur dritten Gruppe, den Vollblinden, die nie visuelle Eindrücke sammeln konnten.

Die Welt zum Anfassen

Die Sache ist wiederum recht einfach, wenn es um lebensnahe Objekte geht. Zum einen gibt es natürlich von fast allem eine Spielzeug-Version, die im Prinzip wie das Original aussieht: Es gibt Mini-Bäume, Mini-Hubschrauber, Mini-Autos und Mini-Häuser. Das ist also einfach.
Weiterhin gibt es Tastbücher. Sie enthalten fühlbare Modelle von Tieren oder Landschaften. Die gibt es meines Wissens auch für sehende Kinder.
Mittlerweile haben sich auch Tastmodelle etabliert. Sie sind wesentlich günstiger geworden, etwa durch die Möglichkeiten des 3D-Drucks. Im Unterricht für blinde Kinder sind sie fest etabliert. Das erinnert mich an meinen alten Chemielehrer von der Blindenschule in Marburg. Er hat sich unglaublich viel Mühe gegeben, tastbare Modelle von Atomen und deren Bestandteilen herzustellen, zu einer Zeit, wo diese Modelle noch wesentlich schwieriger in der Anfertigung waren.

Die erlesene Welt

Nun gibt es aber Dinge, die sich wesentlich schwieriger tastbar machen lassen. Kommen wir zum Vulkanausbruch zurück. Der lässt sich sicher irgendwie nachstellen. Aber ein entsprechendes Modell wäre dann doch wesentlich aufwendiger in der Herstellung.
Doch wofür gibt es die Literatur? Ich nenne Geschichten gerne das inklusivste Medium. Sie müssen in der Regel ohne Bilder auskommen. deshalb muss alles, was in einer Geschichte vorkommt mit Worten beschrieben werden. „Der Vulkan brach aus“ wird dabei niemandes Phantasie anstacheln. Die glühende Lava, die sich über die Berghänge ergießt hingegen schon.
Da wir alle mehr oder weniger mit Geschichten aufwachsen, gehören solche Ereignisse, auch wenn wir sie nie selbst erlebt haben also zu unserem kollektiven Erfahrungsschatz. Die meisten Vollblinden dürften deshalb eine recht lebendige Vorstellung davon haben, wie ein Vulkanausbruch aussieht. Wir können uns sogar Sachen vorstellen, die es nicht gibt wie Drachen, Trolle und den Weltfrieden.
Gleiches gilt für eher abstrakte Sachverhalte: Niemand wird literarisch die Form eines Ferraris beschreiben, der Autor kann davon ausgehen, dass die meisten Leser wissen, wie so ein Sportwagen aussieht. Doch steht der Ferrari nicht nur für eine teure Automarke. Er ist ein Symbol für Reichtum, Sportlichkeit, Schnelligkeit und was auch immer man noch damit assoziiert. Und diese Assoziationen sind den Blinden natürlich auch aus Geschichten bekannt. Ich könnte eine Harley Davidson nicht vom nächstbesten Elektroroller unterscheiden. Ich weiß aber, welchen Kult manche Leute um die Harley machen. Und woher? Natürlich aus unzähligen Filem, Büchern und Geschichten. Und deshalb macht es natürlich einen Unterschied, ob auf dem Bild einfach nur ein Motorad oder eine Harley zu sehen ist.

Der Charme der Gleichmäßigkeit

Ein häufiges Missverständnis in der Barrierefreiheit besteht darin, dass man Text möglichst groß und Ton möglichst laut anbieten sollte, damit Hör- und Sehbehinderte glücklich sind.
Bei diesen Behinderungen lässt sich wenig verallgemeinern, da die konkreten Auswirkungen von Seh- und Hörbehinderungen sehr unterschiedlich sind. Ein wichtiger Faktor ist aber, dass die Adaptionsfähigkeit häufig eingeschränkt ist. Auge und Ohr können sich normalerweise recht schnell an Wechsel der Helligkeit oder Lautstärke anpassen. Bei Behinderten ist diese Fähigkeit oft eingeschränkt. Sie brauchen wesentlich länger für die Anpassung. Das ist dann ärgerlich, wenn diese Anpassung häufig notwendig ist.
Extrem wird das Ganze, wenn man mit Verstärkung arbeitet. In der klassischen Musik etwa gibt es häufig Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen. Ein Hörbehinderter müsste bei jedem Wechsel den Lautstärkeregler anpassen. Das ist dann schwierig, wenn er die Lautstärke ohnehin schon stärker aufgedreht hat, als ein Hörender das machen würde. Wer mit einer starken Textvergrößerung am Bildschirm arbeitet, müsste bei jeder Änderung der Schriftgröße die Darstellungsgröße anpassen.

Was heißt das konkret?

Für Designer bedeutet das, dass wir mit möglichst geringen Größenänderungen schriftlicher Inhalte arbeiten sollten, insbesondere bei Fließtext. Die Größenänderungen sollten möglichst graduell sein, natürlich noch erkennbar, aber mit geringer Varianz.
Für die Toningenieure heißt das, sie sollten möglichst wenig Dynamik bei der Lautstärke einsetzen. Leise Stimmen können natürlich hochgepegelt und laute runtergepegelt werden, insgesamt sollte aber ein gleichmäßiges Niveau angestrebt werden. Schlimmer als verrauschte Aufnahmen sind Aufnahmen, bei denen sich die Tonqualität ständig ändert, weil etwa unterschiedlich gute Mikrofone verwendet wurden.

An Hilfsmitteln führt leider kein Weg vorbei

Nun ist es bei der Bandbreite an Sinneseinschränkungen schlicht nicht möglich, eine Lösung zu schaffen, die allen gerecht wird. Ich wiederhole das noch mal: Es ist nicht möglich, eine Lösung zu schaffen, mit der alle zurechtkommen. Zwei Aspekte helfen uns aus dieser Klemme.
Das ist zum Einen die Anpassbarkeit zumindest auf digitalen Interfaces. Die Schrift muss nicht riesig sein, aber es muss einfach möglich sein, sie zu vergrößern oder zu verkleinern oder vielleicht auch Kontraste einzustellen. Mit einfach meine ich, das solche Möglichkeiten zu jederzeit aktivierbar sein sollen.
Zum Zweiten sind das die Hilfsmittel. Da es schlicht nicht möglich ist, alle möglichen Größen bzw. Lautstärken anzubieten, führt kein Weg an passenden Hör- bzw. Vergrößerungshilfen vorbei. Dabei ist es wünschenswert, dass diese Geräte besser in der Lage sind, sich automatisch an die Gegebenheiten anzupassen.

Gemeinsam oder einsam – gegen mangelnde Barrierefreiheit vorgehen

Unter anderem in der Liste der Interessengemeinschaft sehgeschädigter Computerbenutzer gab es eine teils heftige Debatte darüber, was bei mangelnder Barrierefreiheit speziell von Webangeboten zu tun ist. Unter anderem wurde viel Kritik an den Vereinen geübt, weil deren Einsatz für Barrierefreiheit zu gering bzw. wirkungslos sei. In diesem Beitrag möchte ich die Frage diskutieren, ob man sich lieber allein für Barrierefreiheit einsetzen sollte oder sich am besten an einen interessensvertretenden Verein wendet.

Der Einzelkämpfer

Ich kenne beide Seiten: Ich beschwere mich gern und häufig, wie meine Mitleser wissen. Andererseits landen bei mir häufig Beschwerden, sowohl über meine Website als auch über Kunden-Websites.
Der Erfolg solcher Beschwerden ist recht unterschiedlich. Bei öffentlichen und öffentlich-rechtlichen Einrichtungen wird häufig vergleichsweise schnell und kompetent reagiert. Das heißt, man kriegt eine Antwort. Ob der Umstand, der die Beschwerde ausgelöst hat abgestellt wird, ist eine andere Frage.
Insgesamt konnte ich bei Smartphone-Apps den größten Erfolg beobachten. Vor allem unter iOS scheinen die Entwickler gern bereit zu sein, die Apps nachzubessern. Das mag daran liegen, dass Apple das Nachbessern besonders leicht macht, das kann ich aber nicht beurteilen.
Außerdem sind Beschwerden besonders erfolgreich, wenn sie von mehreren Personen vorgebracht werden. Wenn eine Person sich beschwert, kann das Problem speziell bei ihr liegen. Wenn ein Dutzend Personen sich beschweren, ist das schon mal sehr viel substantieller.
Zudem helfen exakte Problembeschreibungen. „Es funktioniert nicht“ bringt mir also nichts. „Button XY“ ist nicht beschriftet, das hilft mir schon mal weiter.

Der Verein hat mehr Autorität

Insgesamt gesehen hat ein Verein immer mehr Autorität als eine beliebige Zahl von Einzelpersonen. Natürlich hat ein Dachverband wie der DBSV mehr Einfluß als ein lokaler Verein. Dennoch hat eine Organisation insgesamt eine höhere Überzeugungskraft als eine einzelne Person.
Und doch hat alles Grenzen. Bei einer öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Organisation findet ein Verband sehr schnell Gehör. Eine privatwirtschaftliche oder nicht-profitorientierte Organisation hingegen interessiert sich eher für private Konsumenten bzw. Interessenten oder Spender. Da es hier auch in der Regel keine Verbindungen bzw. regelmäßigen Kontakte gibt, ist es deutlich schwerer, bei solchen Organisationen Gehör zu finden. Es gibt ja auch keine rechtliche Verpflichtung für solche Organisationen, sich um Barrierefreiheit zu kümmern.
All in all ist es aber auch so, dass viele vor allem lokale Vereine gar nicht die Ressourcen haben, sich noch stärker um Barrierefreiheit zu kümmern. Es fehlt häufig das Wissen, um Probleme so verständlich zu machen, dass sie auch von den Verantwortlichen auf der anderen Seite verstanden werden. Zudem dürfte allein schon die Anzahl solcher Anfragen die Vereine überfordern. Schon jetzt wird vielerorts nicht einmal das Notwendige gemacht.

Fazit

Bei öffentlichen oder öffentlich-rechtlichen Organisationen erreicht man insgesamt gesehen mehr, wenn man über den Verein geht. Dabei geht es eher um große Probleme, etwa wenn eine komplette App schwer oder gar nicht bedienbar ist. Bei kleineren Problemen etwa mit einzelnen Webseiten oder Dokumenten wendet euch direkt an die betreffende Einrichtung.
Bei privaten Anbietern wendet euch direkt mit einer präzisen Fehlerbeschreibung an die Organisation. Überredet so viele Leute wie möglich, sich zu beteiligen, also ebenfalls die Organisation anzuschreiben. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber ihr solltet in jedem Fall auf eine Antwort bestehen.

Das Ende der Selbstgespräche – Engagement jenseits ausgetretener Wege

Inklusions-Konferenz ist, wenn immer die gleichen Leute über immer die gleichen Dinge reden und die immer gleichen Appelle an Leute richten, die davon aber nichts mitbekommen, weil sie nicht da sind. Doch es geht auch anders. Hier meine Ideen, wie wir andere Leute erreichen und aufhören, Selbstgespräche zu führen.

Raus aus dem eigenen Dunstkreis

Fach-Veranstaltungen zum Thema digitale Barrierefreiheit gibt es immer weniger. Schade für die Community, für die der Austausch natürlich wichtig ist. Andererseits verschafft uns das Zeit, auch aus dem eigenen Dunstkreis zu treten. Es gibt zahllose Veranstaltungen zum Thema Internet, auf denen wir Präsenz zeigen können.
Nach dem Motto, wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, sollten wir auf diese Veranstaltungen gehen und für unsere jeweiligen Themen werben. Wichtig ist dabei, auf Augenhöhe und nicht mit erhobenem Zeigefinger mit den Menschen zu sprechen.
Nicht zu vernachlässigen ist dabei, dass man natürlich kompetent über das jeweilige Thema sprechen können muss. Wenn ich keine Ahnung etwa von eCommerce und deren Fragestellungen habe, kann ich mit den verantwortlichen Personen auch nicht kompetent sprechen. Last not least ist das persönliche Auftreten wichtig. Wir sind keine Bitt-Steller und wenn sich jemand nicht für unser Thema interessiert, müssen wir damit leben. Und auch was das Äußere angeht, sollten wir uns anpassen. Wer in Schlabber-Jeans auf den Anzugträger trifft, wird vom Letzteren leider nicht ernst genommen.
Daneben diskutiere ich recht viel in Facebook-Gruppen zu anderen Themen mit. Gelegentlich kommen dort auch Fragen zum Thema Inklusion oder Barrierefreiheit auf. Ich gebe dann auch meinen Senf dazu. Ich äußere mich aber auch zu anderen Themen, wenn ich etwas zu sagen habe.

Mal andere Leute ranlassen

Wie in den Polit-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen sieht man auch in den üblichen Diskussionsrunden immer die gleichen Personen. Vielleicht ein Dutzend Nasen dürfen die gesamte Behinderten-Szene vertreten. Und das auch bei fachspezifischen Themen, zu denen sie sich eigentlich nicht im Detail kompetent äußern können. Ich nenne sie gerne die Alphas. Es gibt aber für jeden Bereich kompetente behinderte Menschen, die sich fachspezifisch äußern können und auch sprechfähig sind. Es liegt in der Verantwortung der Alphas, auf diese Personen zu verweisen statt jedes Podium für sich selbst zu beanspruchen.
Nicht zuletzt werden Fach-Kollegen in Fachkreisen ernster genommen als Universalisten. Also Leute, die über alles ein wenig wissen, aber eigentlich keinen vertieften Einblick haben. Ich selbst habe ein wenig im Kulturbereich gearbeitet, kann aber nur theoretisch über die Erwartungen im Kulturbereich an Barrierefreiheit sprechen. Eine entsprechende Einladung würde ich nicht annehmen, sondern auf meine kompetenten kulturschaffenden Kollegen verweisen.

Mit anderen Themen verknüpfen

Die Themen Barrierefreiheit und Inklusion sind vielfältig mit anderen Themenbereichen verknüpft: Sei es Alter, Gebrauchstauglichkeit, Mobilität und vieles andere.
Indem wir diese Verknüpfungen herstellen, können wir die Leute, die sich für diese Themen interessieren auch für das Thema Behinderung anspitzen. Ein Koch interessiert sich etwa wahrscheinlich dafür, wie ein Blinder kocht. Ein Mobilitätsexperte sucht vielleicht gerade nach Leuten, denen er spezifische Fragen stellen kann, ohne ihnen 100 Euro die Stunde zu zahlen.
Auch hierfür verweise ich auf spezielle Veranstaltungen, Diskussionsgruppen im Internet und Ähnliches.
Entscheidend ist, dass man nicht in der eigenen Komfortzone verbleibt, sondern einmal nach links und rechts schaut.

Bildschirm-Lesegerät im Eigenbau

Ich bin ja ein Freund einfacher und alltagstauglicher Lösungen. Hilfsmittel sind in der Regel teuer und unpraktisch. Heute erzähle ich euch, wie ihr das iPhone oder ein anderes Smartphone in ein einfaches Bildschirm-Lesegerät umwandeln könnt.
Ein Bildschirm-Lesegerät ist ein Gerät, mit dem Sehbehinderte sich Texte elektronisch vergrößert anzeigen lassen können. In der Regel besteht es aus einer Kamera-Einheit, einem Wagen, auf dem die Texte unter der Kamera bewegt werden sowie einem Bildschirm, auf dem die vergrößerten Inhalte ausgegeben werden. Zudem gibt es neben der Vergrößerungsfunktion die Möglichkeit, die Farbkontraste einzustellen.
Wir brauchen – Überraschung ein iPhone. Es geht auch jedes andere Gerät, das über eine gute Kamera und integrierte Beleuchtung verfügt. Web-Cams scheiden aus, da sie keine eigene Beleuchtung mitbringen. Gebraucht wird außerdem ein möglichst schwenkbarer Halter für das Lesegerät, etwa eine Handy- oder Tablethalterung mit Schwanenhals. Wichtig ist, dass die Halterung die Kamera und den Blitz nicht verdeckt.
Das Gerät wird also wie gehabt in die Halterung eingespannt und über dem Lesestück positioniert. Da sich das Gerät mit der Halterung verschieben lässt, brauchen wir keinen beweglichen Wagen für das Lesegut, wie es bei Bildschirm-Lesegeräten üblich ist.
Als Lese-App wird die integrierte Kamera genutzt. Für die Beleuchtung schalten wir die Taschenlampe des iPhones ein. Mit den Filtern der Kamera-App können wir auch beeinflussen, wie das Bild dargestellt wird. Es gibt etwa einen Schwarz-Weiß-Filter, der die Farben reduziert und so Fließtext besser erkennbar macht.
Mit entsprechenden Komponenten lässt sich das Bild natürlich auch auf einen größeren Monitor übertragen. Da die iPhones in der Regel die bessere Kamera haben, lässt sich das Lesegut auch auf ein iPad übertragen, das hat ein größeres Display.
Cool wären Filter oder eigene Apps, mit denen sich der Schrift-Kontrast noch besser anpassen lässt. Die App könnte zum Beispiel auch automatisch Text erkennen und ihn noch schärfer stellen. Wenn man ohnehin schlecht lesbaren Text hat, hilft die Vergrößerung oft nicht weiter, weil sie auch die Unschärfe vergrößert.
Doppelt cool wäre eine Anwendung, die Text auch von nicht-flachen Elementen wie Dosen so erscheinen lassen könnte, als ob es sich um eine normale Papierseite handeln würde, also quasi die Krümmung entfernen. Das ist nämlich eines der Haupt-Ärgernisse, zu kleiner Text auf einer ungeraden Oberfläche mit schlechtem Kontrast.

Brauche ich eine Vorlese-Funktion für meine Website

Mittlerweile werde ich recht häufig gefragt, ob eine Vorlesefunktion für die Website sinnvoll ist. Eine bestimmte Firma scheint ihre Akquise-Tätigkeit massiv ausgebaut zu haben.
Man sieht ihn immer öfter, einen Button, mit dem man sich eine Webseite bzw. deren Inhalt vorlesen lassen kann. Doch wem nutzt diese Funktion und lohnt es sich, sie anzuschaffen?

Wer nicht lesen kann, wird gar nicht so weit kommen

Blinde brauchen diese Funktion natürlich nicht, sie haben ihren eigenen digitalen Vorleser. Sehbehinderte und Lesebehinderte könnten profitieren. Doch gerade die Lese-Behinderten oder funktionale Analphabeten (FA) profitieren eher weniger von solch einer Funktion. FAs können nur auf Wort- oder Satzebene lesen. Und auch das Schreiben fällt ihnen schwer. Doch ist die ganze Architektur des Webs auf Text ausgelegt. Wir geben Text in die Suchmaschine ein, wir müssen das Ergebnis aus Text auswählen und wir landen sehr wahrscheinlich auf einer Webseite mit Text. Soweit kommen viele FAs aber gar nicht, sie scheitern eventuell schon am ersten Schritt, der Texteingabe. Nun gibt es zwar die Sprachsuche von Google, doch die Ergebnisse muss man immer noch selbst auswählen.
Nun gehen wir aber mal davon aus, dass diese Funktion wirklich für diese Gruppe nützlich wäre. Dann stoßen die FAs aber auf das Problem, dass die absolute Mehrheit der Websites keine solche Funktion hat. Die FAs wären also auf die wenigen Websites beschränkt, die eine Vorlese-Funktion integriert haben. Und dass will man wirklich niemandem zumuten.

Auch vorgelesene Texte sind nicht automatisch verständlich

Ein spezielles Problem lesebehinderter Menschen ist auch, dass sie nicht mit komplexeren Texten und den in ihnen verwendeten Begriffen vertraut sind. Ob ihr einen Text über mathematische Probleme selber lest oder ob er euch vorgelesen wird, wenn ihr nicht in der Materie seid, macht das keinen Unterschied für die Verständlichkeit.
Hinzu kommt, dass die Vorlesefunktion oftmals Probleme hat, Ausdrücke korrekt zu fassen. Jeder Screenreader weiß, dass er bei dem Punkt einer Abkürzung nicht mit der Stimme runtergeht, als ob es ein neuer Satz wäre. Die Vorlesefunktionen machen genau das, womit die kognitive Belastung steigt. Der Zuhörer ist kognitiv darauf vorbereitet, dass ein neuer Satz kommt, doch es ist immer noch der gleiche Satz und bis er das merkt, ist schon wieder ein halber Satz vorgelesen worden.
Insgesamt ist die Sprachmelodie einfach grauenhaft. Das liegt nicht an der Stimme, sondern an schlecht gemachten Regeln dazu, wann die Stimme hoch- und runtergeht oder was betont werden soll. Da leistet tatsächlich jeder Screenreader, den ich je verwendet habe bessere Arbeit.
Ganz übel wird es, wenn fremdsprachige Begriffe enthalten sind. Natürlich hat die Funktion keine Regeln zur Aussprache englischer, französischer oder gar arabischer Begriffe. Solche Ausdrücke werden entweder ignoriert, wenn sie in nichtlateinischen Buchstaben geschrieben sind oder sie werden mit deutscher Betonung vorgelesen. Der Screenreader hingegen hat viele Regeln auch für Fremdwörter und kann bei entsprechender Auszeichnung der Begriffe sie auch mit korrekter Betonung vorlesen. Alle diese Erfahrungen durfte ich übrigens mit dem Marktführer ReadSpeaker machen.

Die Funktion ist unkomfortabel

Zurücklesen machen wir ungern, aber wir können es, wenn nötig. Doch die Vorlesefunktion kann den Text nur in einem Rutsch vorlesen, stoppen oder von vorne beginnen. Zeilenweise, absatzweise oder anhand der Überschriften zu navigieren ist mit der Vorlesefunktion nicht möglich. Eine MP3-Datei zum Download anzubieten ist keine brauchbare Alternative.

Vorlesen ist inklusive

Doch das stärkste Gegen-Argument gegen eine Vorlese-Funktion ist, dass praktisch jedes etwas verbreitetere System eine bessere Vorlese-Funktion integriert hat: iOS, der Mac, Android, Windows, Linux, überall finden wir einfache und teils sehr einsteigerfreundliche Screenreader. Der Narrator unter Windows zum Beispiel hat ein visuelles Benutzermenü. Zugegeben, Orca mit eSpeak ist für ungeübte Ohren nicht perfekt, aber der Marktanteil von Linux ist ohnehin nicht so hoch. Alle anderen Systeme haben natürlicher klingende Stimmen an Bord.

Fazit: Zahlen sind alles

Das Problem mit den Anbietern ist auch, dass sie keine validen Zahlen darüber vorlegen, wie viele Personen die Funktion tatsächlich nutzen. Als ich einen Verkäufer danach fragte, nannte er mir irgendeine absurd hohe Zahl, die nur mit viel Zahlenakrobatik zustande gekommen sein konnte. Wenn ihr also überlegt, solch eine Funktion zu verwenden, testet sie erst mal. Wenn eine nennenswerte Zahl von Usern die Funktion tatsächlich verwendet, mag sie ihr Geld wert sein.
Nicht zu bestreiten ist, dass der digitale Vorleser auch eine gewisse symbolische Funktion hat. Das gilt aber tatsächlich nur für Leute, die sich mit der Materie beschäftigt haben. Der normale User wird das für eine nette Spielerei halten und gar nicht in Verbindung mit Barrierefreiheit bringen.