Parallele Gesellschaften

Jeder von uns hat eine persönliche Erlebniswelt und ist zugleich von anderen Welten des Erlebens ausgeschlossen.

Eine Welt kann dabei so definiert werden, dass sie kulturell anders ist. Das heißt nicht unbedingt „ausländisch“, sondern vor allem, dass sie in ihren spezifischen Ausdrucksweisen anders ist.

Jemand, der keine Ahnung von Kunst hat, fühlt sich von dem Verhalten des Kunstverständigen abgestoßen. Diese Leute pflegen ein bestimmtes Verhalten, bewegen sich in bestimmten Kreisen und sprechen in einer Art Geheimsprache.

Man kann leicht den Eindruck gewinnen, es herrsche eine Art Verschwörung vor, dazu angetan, dich aus diesem illustren Kreis herauszuhalten. Und so ist es auch.

Der Kenner erkennt den Unkenner an dessen verständnislosen Blick, an seiner Unfhäigkeit, die Verhaltensvodes und Sprachstile nachzuahmen.

Das ist kein Spezifikum der Kunst, sondern in vielen anderen Peer Groups verbreitet: den verschiedenen Wissenschaften, diversen Sportarten, aber – und darauf wollen wir hier heraus – in der Schicht der Besser Betuchten.

Was Michael Hartmann als klassenspezifischen Habitus bezeichnet hat, der Gehobene oder der sich dafür hält, spült es aus jeder Hautpore hervor. Er hält sich für etwas Besseres.