Dann bewerben Sie sich doch!

Ein merkwürdiges Phänomen greift in den letzten Jahren um sich, es ist die Bewerberitis. Der Aufwand, eine Stelle über eine stinknormale Bewerbung zu bekommen, ist größer und teurer als je zuvor.

Neben aufwändigen Mappen, Unmengen an Zeugnissen, Arbeitszeugnissen, Bescheinigungen, Zusatzqualis, seitenlangen Lebensläufen fordert jedes Unternehmen noch immer, dass man genau auf sein Profil eingeht, am besten auf einer Seite.

Die Bewerbung zeigt, wie ein an sich sinnvolles System zum Selbstzweck wird. Ein ganzer Wirtschaftszweig – Coacher, Fotografen, Bewerbungsbuch-Autoren, Jobvermittler, Schreibwarenproduzenten, die Deutsche Post – verdient daran mit. Hunderte von Stunden, die vielleicht ansonsten sinnvoller und produktiver verwendet wären – in echter Arbeit – verpuffen buchstäblich mit dem Ablehnungsbescheid.

Hat man den ganzen Mist auf 1-A-Papier in höchster Druckqualität gedruckt, es in einen knickfesten Umschlag gepackt und 2,20 drauf geklebt, es ist eine wahre Erlösung, wenn das hübsche Päckchen in den Briefkasten entlassen wird.

Doch was ist das? Seite 22 von 43 Seiten hat links zu wenig Rand. Tja, Herr Bewerber, so was gibts bei uns nicht. Stundenlange Arbeit und Kosten für Mappe, Porto, Toner sind in den wind geschossen, sobald der Personäler einen Fehler entdeckt. Und einer ist garantiert immer drin.

Oder dem Penäler gefällt einfach deine Nase nicht. Auch die angeblichen Profis – worin eigentlich? – sind von Launen und Bauchgefühl abhängig.

Die Frage ist, ob das System überhaupt noch tragbar ist oder ob man seine Zeit nicht besser verbringen kann.