Die Bürde des weißen Mannes

Das Gute zu wollen schließt nicht aus, etwas Schlechtes zu erreichen (Jose Ortega Mariannas)

Manchmal hat man den Eindruck, diverse Entwicklungs- und Umweltorganisationen würden Models beschäftigen, mit denen sie ihre Hochglanzbroschüren und Websites bebildern können. Eine reine Unterstellung.

Fakt ist aber, dass die Kinder auf den Fotos immer gleich aussehen: Dunkelhäutig, dem Kindchenschema entsprechend, deutliche afrikanische Züge, Kulleraugen. Das scheint der beste Weg zu sein, um Spenden einzutreiben.

Den wenigsten ist klar, welch gewaltige Marketing- und Pr-Maschinen hinter den Kinderdörfern, Fair Trade und ähnlichen Projekten steht. Damit wollen wir uns ein andermal beschäftigen.

Was mich immer geärgert hat, ist die Negerisierung der Menschen, die von dieser Hilfe profitieren sollen.

Denn die Bilder und dazu gehörigen Texte bestätigen das jahrhundertealte Klischee vom hilflosen Schwarzen, der unbedingt die Hilfe und das Geld des Weißen benötigt, um seine zahlreichen Probleme gelöst zu bekommen.

Übertrieben? Spitzfindig? Möglicherweise. Allerdings werden den Schwarzen, wenn sie nicht gerade als naturverbunden und dauergeil dargestellt werden typische Merkmale eines Kindes unterstellt: ein geringer Verstand, mangelnde Planungsfähigkeit, impulsives und unbedachtes Handeln usw.

Diese Stereotype werden natürlich über Nachrichten über Kriege, korrupte Machthaber und Hungersnöte verstärkt. Die Entwicklungshilfeorganisationen tragen aber ihren Teil dazu bei.

Denn um möglichst viele Spenden zu erhalten, müssen sie die Situation so darstellen, als ob sie immer schlimmer wird. Die Bürde des weißen Mannes wird dann nach 50 Jahren Dekolonisierung auf andere Weise fortgeführt. Man schaue sich die Broschüren verschiedner Tierschutzorganisationen an, die von der Aufmachung und vom Inhalt her ganz ähnlich aussehen.

Nur zur Klarstellung: Ich unterstelle nicht, dass diese Organisationen rassistisch sind, obwohl das sicherlich auf mehr Mitarbeiter zutrifft, als sie gerne zugeben möchten. Ich unterstelle, dass sie rassistische Stereotype am Leben halten und verstärken, das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Auf die Spitze getrieben wird das Ganze dadurch, dass in den Organisationen selbst kaum Nicht-Deutsche beschäftigt sind. Faktisch heißt das, dass sie dort, wo sie Integration leisten könnten, total versagen: Bei der Integration von Migranten – oder Behinderten – in die deutsche Gesellschaft. Das ist ein Armutszeugnis, welches ihnen jeden Tag aufs Neue vor die Nase gehalten werden sollte.