Vier Minuten

so lange dauern die meisten Popsongs. Vorbei die Zeiten, wo man sich stundenlang klassischer Musik hingab, schwelgend ob der Brillanz der Violinen, der Klangstärke des Klaviers und der Stärke der Interprtation.
Im Internet-Videozeitalter passiert etwas Ähnliches mit der Filmkunst. Videos auf YouTube dauern selten länger als fünf Minuten und das liegt sicher nicht nur daran, dass man sie auf wenig bequemen Bürostühlen auf schlecht auflösenden 17-Zoll-Bildschirmen betrachtet.
TV und Kino sind heute allgemein schneller als noch vor 20 Jahren: Ob Citizen Kane oder Guess who is coming to Dinner, die Handlung tropft gemählich da hin. Leute unterhalten sich und tun ansonsten relativ wenig. Auch die Tageschau, der 20 Jahre alte Ausgaben auf dem Dritten gelegentlich zu sehen bekommt, glänzt durch oft mintuenlange Statements in Form eintöniger Monologe.
Heute dagegen gibt es in allen Formaten einen steten Wechsel zwischen Aktion und Dialog.
Vorläufiger Höhepunkt ist YouTube, das Video für die Fahrt im Bus oder der Straßenbahn. Die Laienregisseure hätten wohl auch kaum Zeit noch Lust, eine komplexe Handlung über mehrere Szenen zu entfalten.
Der Semilaie weiß schließlich, dass man auch für einen kurzen Beitrag von vier Minuten – ob Video oder Audio – einige Stunden investieren muss: Ein Skript muss geschrieben und verfeinert werden, Standorte müssen gewählt und modifiziert werden, Aufnahmen müssen gemacht, geschnitten und aufpoliert werden.

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