Warum Organisationen ewig leben

Menschen werden geboren, Menschen sterben. Organisationen scheinen von diesem Zyklus ausgeschlossen zu sein. Organisationen leben heute, auch wenn ihre Existenz sich überlebt hat, von Anfang an überflüssig war, sie sich selbst überflüssig gemacht oder wenn sie ihre Aufgaben auch nicht erfüllen kann. Woran liegt das?

Entwicklungshilfeorganisationen sind ideale Beispiele dafür. Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit ist ein elitärer Club, über die die Bundesregierung große Wirtschaftsprojekte ankurbeln oder ihre überflüssig gewordenen Leute parken kann. Entwicklungshilfe wird hier betrieben  – Entwicklungshilfe für Deutschland.


TransFair ist ein anderer Verein, der sich der Entwicklung verschrieben hat. Wer denkt, dass hier freiwillig und uneigennützig Leistungen vollbracht werden, ist vollkommen auf dem falschen Dampfer. Transfair e. V. beschäftigt 18 Festangestellte. Man kann beruhigt davon ausgehen, dass jeder dieser Leute mehr verdient als 100 Kaffeebauern, die sie unterstützen wollen.

Der Faire Handel dient vor allem der Prestige-Aufwertung bestimmter Geschäfte, etwa einem Discounter, der anderswo zweifelhafte Prozesse vollführt. FairTrade ist ein Wohlfühlprogramm für betuchte Mittelschichtler, die sich ihrer Ausbeutung anderer schämen.

Dass TransFair und Lidl miteinander Geschäfte machen, hat nur jene überrascht, die glaubten, FairTrade wäre dazu da, faire Lebensbedingungen durchzusetzen.

Bestehen diese Organisationen aus eine Gruppe zynischer Verschwörer? Normalerweise nicht. Wie in jeder Organisation gibt es diese Zyniker natürlich. Je länger man in einer Organisation ist, desto stärker glaubt man an deren Mission. Der Zweck einer Organisation müsste es sein, sich selbst überflüssig zu machen. Das geht natürlich nicht. Im Gegenteil: Organisationen streben nach Macht und mehr Macht. So wie die drei Organe des Staates Judikative, Exekutive und Legislative.

Doch während sich die drei Staatsorgane gegenseitig kontrollieren, wuchern Organisationen vor sich hin. Wenn sie eine kritische Größe und ein bestimmtes Alter überschritten haben, halten sie sich für unverzichtbar.

Aber tatsächlich würde es gar nicht auffallen, wenn FairTrade von heute auf morgen verschwinden würde. Zwei leere Regalmeter, ein paar Alibi-Euro weniger und vielleicht wären sogar die Kaffee-Bauern besser dran.

Denn sie müssten sich nicht für ein paar Cent mehr abrackern, ohne über das Lebensminimum herauszukommen. FairTrade bindet den Bauern an das Land, es hält ihn davon ab, ein eventuell besseres Leben in der Stadt zu suchen.

Fairtrade ist vor allem ein Gewinn für einige wenige Westler und für einige tausend Leute, die sich ein gutes Gewissen kaufen möchten, eine Art moderner Ablaßhandel.

Literatur

Jean-Pierre Boris. (Un)fair Trade. Das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen. Goldmann 2006

William Easterly. wir retten die Welt zu Tode.

Ein Gedanke zu „Warum Organisationen ewig leben

  1. Es ist nicht einfach, die Wahrheit zu finden. Vielleicht wird man sie nie finden. Alles lässt sich vielschichtig betrachten.

    Warum muss das Leben in der Stadt besser sein?
    Wo anders in der Welt gibt es Landflucht (Beispiel: Staudammgroßprojekt in China: Jangtse). In den Städten entstehen viele Slums!
    Wäre das Leben auf dem Land da nicht besser gewesen?

    Als ich noch jünger war, hat es mir das Buch „Schwarzbuch Markenfirmen“ von Klaus Werner und Hans Weiss angetan. Dort wird beschrieben, wie die finanziell mächtigen Konzerne arme Menschen ausbeuten.
    Was will man als Kunde denn sonst machen? Soll ich etwa wieder die konventionelle Schokolade wählen?

    Meine Regel lautet: „Lieber verzichte ich ganz auf die Waren aus exotischen Ländern und kaufe nur dann solche, wenn „Fairtrade“ und „aus kontrolliert biologischem Anbau“ draufsteht.

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