Raumordnung – Shared Spaces

Die Straße gehört den Autos, der Bürgersteig den Fußgängern, der Radweg den Radfahrern. Wer seinen angestammten Platz verlässt und die Sphäre des Anderen eindringt, bekommt gewaltig Ärger. Das ist normal – oder etwa nicht? Wer in Irland war, kennt das: Die Ampel kennt einen Zwischenzustand, bei dem die Leute die Straße überqueren und zugleich die Autos fahren können.

Großstädte sind heute mehr oder weniger für den perfekten Verkehrsfluß optimiert. Die Bürgersteige sind schmal, die Fußgängerampeln schwenken nur kurz auf grün, es gibt wenige große freie Plätze und relativ wenige Grünflächen. Die Deutschen ähneln zudem eher Höhlenbewohnern: sie bringen viel Zeit in geschlossenen Räumen. Im Süden ist – oder war es zumindest – anders. In Spanien ist es üblich, sich abends auf der Straße zeigen: sehen und gesehen werden, ein Schwätzchen halten, das gehört dort zum guten Ton. Hierzulande möchte man sich hingegen nicht längere Zeit draußen aufhalte. Glauben wir der These, dass Design das Bewusstsein bestimmt, gibt es hier einen Wechselprozess zwischen Architektur und menschlichem Verkehrsverhalten.

Ein Schritt zur Rückeroberung der Straße sind die shared spaces. Dieses Konzept der Stadtentwicklung setzt auf die Aufhebung von Grenzen. Radfahrer, Passanten und Autofahrer nutzen eine gemeinsame Fläche. Die Menschen sind wieder dazu gezwungen, miteinander zu kommunizieren. Nonverbal zwar, aber immerhin mehr, als sie es heute tun.