Rettet die deutsche Sprache – lernt Fremdsprachen!

Die selbsterklärten Sprachpfleger beklagen allenthalben den Verfall der deutschen Sprache. Unter starker Kritik stehen die Marketingleute, die für den pseudo-englisch-deutschen Mischmasch verantwortlich gemacht werden. In Frankreich gibt es – etwas kurios anmutenden – Versuch, englische Begriffe wie Internet oder Computer einzufranzösischen. Davon wurden wir bisher verschont.

Sicherlich ist so manches ziemlicher Unsinn, was die Marketingleute so hervorzaubern. Schlimmer ist aber das Bürokratendeutsch und der Fachjargon, die sich in den normalen Sprache breit machen. “In Kenntnis setzen” ist Bürokratendeutsch für sagen.

Wer sich die Sprachpfleger anguckt oder anliest, stellt auch fest, daß kein normaler Mensch so spricht wie diese Intellektuellen es tun. Sie treffen es auch selten. es ergibt kaum Sinn, Worte eins zu eins aus dem Englischen zu übersetzen. Mit dem englischen Wort “Community” ist ein wenig mehr gemeint als “Gemeinschaft”, der “Computer” ist etwas mehr als eine Rechenmaschine und fast schon ein deutscher Begriff. Das englische Wort “manipulation” bedeutet übrigens etwas anderes als das deutsche Manipulation. Manipulation meint im Englischen lediglich Veränderung im positiven wie im negativen Sinne, während die Manipulation im Deutschen immer negativ konotiert ist, im Sinne von Fälschung.

Das Problem heute ist die mangelnde Bereitschaft, Fremdsprachen gut zu lernen. Je größer ein Land, desto weniger Fremdsprachen werden gesprochen. Das schränkt aber drastisch die Möglichkeiten ein, die Strukturen der eigenen Sprache kennen zu lernen. Die hyperkomplexen Regeln der deutschen Orthographie, Syntax und Grammatik kennt kaum ein Deutscher.

Wer aber ein Gefühl für die eigene Sprache entwickeln will, muss deshalb Fremdsprachen lernen.

Erstaunlich im übrigen, dass einige der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller Ausländer sind: Da wären etwa Feridun Zaimoglu oder Ilja Trojanow zu nennen. Die besten Bücher sind in Deutschland Übersetzungen, die überwiegend sehr gut gemacht sind. Die Übersetzer, die hinter dem Originalautoren zurückbleiben, sind dadurch die wichtigsten Sprachpfleger.