Zen in der Kunst der Selbstdisziplin

Östliche Philosophien wie Buddhismus, Yoga und Ayurveda haben in den letzten Jahrzehnten Einzug im Westen gehalten. Dabei fällt auf, dass häufig nur noch Versatzstücke übrig bleiben. Zumeist steht der Wellness-Gedanke im Vordergrund.

Man sollte dies nicht in Bausch und Bogen verurteilen. Was vom Westen im Osten ankommt, dürfte kaum weniger entstellt sein. Es bleibt jedem Menschen selbst überlassen, welche Lebensphilosophie er sich zusammenbaut.

Man muss sich vorstellen, dass eine Philosophie aus einer bestimmten Tradition und Gesellschaft heraus entwickelt und das sie um so schwerer umzusetzen ist, je stärker sich eine Gesellschaft von diesen Entstehungsumständen unterscheiden.

Philosophien und Lebensarten wie Yoga oder Zen erfordern nicht ein dreitägiges Coaching, sondern jahrelange Arbeit und tägliche Übung. Ein sehr schönes Buch dazu stammt von Eugen Herrigel “Zen in der Kunst des Bogenschießens”. Herrigel war Mitglied der NSDAP und hat eine große Rolle bei der Verklärung Japans gespielt.

Er macht allerdings deutlich, dass das Begreifen östlicher Philsophien nicht intellektuell erfolgt. Die Beschäftigung mit kanonischen Texten ist zwar notwendig, tatsächlich ist aber die Ausübung der vorgeschriebenen Künste notwendig.

Lao Tse “Tao te ching” ist so ein Werk, dass sich intellektuell nicht verstehen lässt, da es auf Widersprüchen basiert. Wer sein Ziel erreichen will, soll es nicht versuchen. Sieger ist, wer nicht kämpft, der Kluge ist, wer sich nicht bildet und so weiter. Ähnliches finden wir in den japanischen Koans.

Man kennt ja die berühmte Frage, ob es ein Geräusch gibt, wenn im Wald ein Baum umfällt, aber niemand es hört. Oder die eine Hand, die klatscht.

Ob Meditation, Yoga oder Kontemplation sind einige der Wege, die den östlichen Philosophien zufolge noch Erleuchtung führen. Dabei ist jahrelange Übung erforderlich, was mit einem westlichen Lebensweg oft unvereinbar ist. Und im übrigen auch für den durchschnittlichen Süd- oder Ostasiaten kaum eine Rolle spielt.