Lost in Space – Deutscher Wahlkampf im Netz

Der bisherige Umgang deutscher Parteien mit dem Netz ist eher wenig beeindruckend. Im Superwahljahr 2009 – Europawahl, Bundestagswahl, diverse Länder- und Kommunalwahlen – zeigen die Deutschen, was sie von Obamas wahlkampf gelernt haben.

Dabei gibt es natürlich große Unterschiede zu beachten. Obama hat die besten Leute der Zunft für viel Geld engagieren können. Und er hat seinen Wahlkampf so ausgerichtet, dass das Netz darin eine große Rolle spielt.Zudem hat er zwei Jahre vor der Wahl mit dem Aufbau des Web-Wahlkampfs begonnen. Und natürlich hat er den klassischen Wahlkampf fortgeführt. Hier ist seine Einführungsrede bei der Vereidigung:

In Deutschland müsste ein Internetwahlkampf von seinen Botschaften natürlich anders aufgezogen werden. Patritiotismus und Pathos kommt hierzulande kaum an.

Doch das ist nicht das eigentliche Hindernis. Deutsche Parteien leben hauptsächlich von kommunalen Mitgliedern, die die Hauptlast des Wahlkampfes tragen. Sie stehend frierend im Regen, lassen sich von älteren Menschen zuschwätzen, die sonst niemanden zum Reden haben und von Passanten beschimpfen, die sie persönlich für die Politik der Bundesregierung verantwortlich machen. Vielleicht noch schlimmer ist die kalte Ignoranz, die ihnen von desinteressierten Leuten entgegenschlägt.
Hier ein Vcast von Thorsten Schäfer-Gümbel:

Es fehlt eine junge engagierte aber lockere Basis, die den Wahlkampf im Web übernehmen könnte. Das System in den USA ist anders. Präsidentschaftswahlkämpfe mobilisieren oft viele Anhänger, und deren Freunde und deren Freunde. Doch auch in Deutschland gibt es viele Jüngere, die sich engagieren möchten, ohne in eine Partei oder andere Gruppierung einzutreten. In den USA hat man verstanden, wie man diese jungen Leute zeitweise mobilisieren kann.
Zudem fehlt den Parteien das Geld, um Experten zu engagieren, die die Basisarbeit übernehmen könnten. Erschwerend kommt der Faktor hinzu, dass es Deutschland noch relativ wenige Spezialisten für Online-Marketing, Online-Kommunikation und Online-Campaining gibt. Eine Adword-Kampagne bei Google zu starten macht einen noch nicht zum Onlinemarketingspezi.
Und last not least fehlt das Interesse und der Mut, neue Technologien auszuprobieren. Einige Diskussionen unter Journalisten über Twitter oder Facebook sind erschreckend. Nicht so sehr, weil sie diese Tools ablehnen, sondern weil sie sie ablehnen, ohne sie überhaupt ausprobiert zu haben und offenbar ohne zu wissen, worum es dabei eigentlich geht.

3 Gedanken zu „Lost in Space – Deutscher Wahlkampf im Netz“

  1. Leider aber kann man schon das erste Video nicht sehen, es ist beseitigt.. (pff…ich hasse wenn es so passiert in youtube)

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