Pharmarketing – wie man Pillen andreht

Kaum eine Branche betreibt dermaßen unorthodoxes Marketing wie die Pharmaindustrie. Sie schicken ihre Vertreter direkt in die Praxen von Ärzten, verteilen dort ihre Informationsmaterialien, üben mehr oder weniger sanften Druck aus oder bieten mehr oder weniger großzügige Geschenke an – was in den Dunstkreis der Bestechung reicht.Nachlesen kann man das Ganze bei dem Medizinjournalisten Jörg Blech, der interessant aber unaufgeregt über diese Vorgänge berichtet.

Die nächste Angriffsfront bilden natürlich die Patienten. Da direkte Medikamentenwerbung sehr stark beschränkt ist, fingen sie an, Selbsthilfegruppen zu finanzieren oder sich in diesen Kreisen zu engagieren, um subtilen Einfluß zu nehmen.

Der nächste folgerichtige Schritt ist die Nutzung von Plattformen im Web. Daß die Pharma-PR das Blogging für sich entdeckt, war nur eine Frage der Zeit. Ob eigene Blogs – auf Opfer bestimmter Krankheiten gemacht – oder Kommentare in echten Opferblogs, die Pharmabranche ist dabei. So berichtet die Initiative Nachrichtenaufklärung.

Weitere Kritikpunkte an der Pharmaindustrie sind die mangelnde Preistransparenz und die Manipulation von Studien

Als Lektüreempfehlung:

Jörg Blech: Die Krankheitserfinder. Fischer. Frankfurt 2004
sowie: Heillose Medizin. Fischer TB. 2007

ebenfalls empfohlen seien die Bücher von Professor Klaus Dörner:
Die Gesundheitsfalle. Econ. 2003
Das Gesundheitsdilemma. Ullstein. 2004

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der einzige Weg, sich als chronisch Kranker vernünftig zu informieren ist, zum Experten der eigenen Krankheit zu werden. Selbstverständlich reicht es nicht aus, nur Quellen aus dem Web zu konsultieren. Vielmehr kann man die örtlichen Bibliotheken, insbesondere die Universtitätsbiblitothek aufsuchen, die häufig Fachliteratur bereit hält. Jeder chronisch Kranke hat zudem die Möglichkeit, seinem Arzt ernste Fragen zu stellen und aussagekräftige Erklärungen zu verlangen – und sofern sie nicht gegeben werden, den Arzt zu wechseln. Von jeder Art der Selbsttherapie ist hingegen dann abzuraten, wenn es um ernsthafte gesundheitliche Probleme geht.