Republikaner und Demokraten

Heute gelten die amerikanischen Demokraten als eine Art Gegenstück zur europäischen Sozialdemokratie. Namen sind bekanntermaßen Schall und Rauch, die britische Labour Party hat relativ wenig mit Arbeitern zu tun. Dennoch gelten sie als politisch liberaler, eher keynesianisch orientierte und bürgerrechtlich orientierte Parteien.

Das war nicht immer so: Ursprünglich waren die Republikaner die Partei der Sklavenereigegner und der Einigkeit der Bundesstaates USA. Die Demokraten waren hingegen die Partei des sklavenhaltenden Südens, dessen Bevölkerung voller Verachtung auf die Yankees aus dem Norden herabsahen.

Dieses Verhältnis drehte sich im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. F. D. Roosevelt gilt bereits als politisch Liberaler. John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson führten umfangreiche Sozialprogramme ein und sahen sich gezwungen, die Gleichberechtigung der Afroamerikaner durchzusetzen. Der ultrakonservative Barry Goldwater trat 1964 gegen Johnson an. Die Johnschen Sozialprogramme ließen die Republikaner zum Sammelbecken der Gegner dieser Programme werden, konservative Demokraten aus dem Süden verließen oder wechselten die Partei.

Der konservative Rollback wurde schließlich durch Ronald Reagan eingeleitet. Reagan gelang es, die konservativen Amerikaner anzusprechen, zumal die großen Früchte von Sozialprogrammen und Gleichberechtigungsprogrammen ausblieben.

Das amerikanische Parteiensystem ist ein wenig anders als das kontinental-europäische. In den USA ist die Parteienbindung weniger groß als in Deutschland, Politiker vertreten oft eher die Interessen ihrer jeweilgen Bundesstaaten als der Parteiräson zu gehorchen. Das politische Spektrum innerhalb der Parteien ist riesengroß: Konservative Demokraten und liberale Republikaner kommen häufiger vor, als man glauben mag. Arnold Schwarzenegger, republikanischer Gouverneur von Kalifornien hat einige der härtesten Umweltgesetze der USA erlassen. Das liberale New York City wird von Michael Bloomberg regiert, ein Millionär, der ursprünglich bei den Demokraten saß, aus politischen Gründen zu den Republikanern wechselte um anschließend wieder auszutreten und heute unabhängig ist.