Die drei Fragezeichen und das Urheberrecht

Ein weiterer geheimnisvoller Fall für Justus, Peter und Bob? Leider nein, am fall der Drei Fragezeichen kann man sehen, welch Kuriosa das Copyright hervorbringt.

Die Serie wurde vor gut 40 Jahren von dem Schriftsteller Robert Arthur in den USA entwickelt, war dort allerdings nicht so erfolgreich wie in Deutschland. Hier sind wohl Millionen von Menschen im Alter von 20 – 40 Jahren mit den Hörspielen der Drei Detektive ins Bett gegangen. Deshalb wurde die Serie, als sie in den USA nicht mehr fortgeführt wurde, in Deutschland weiter geführt.Ich erinnere mich noch, wie ich mich gefreut habe, als ich Ende der 90er Jahre in einem Woolworth die Hörspielkassetten durchsah und plötzlich auf das bekannte Cover stieß, das erkennt man auch nach zehn Jahren problemlos wieder. Ich habe mir natürlich gleich alle vorhandenen Cassetten geschnappt und bin dann regelmäßig dorthin gepilgert, um zu gucken, ob es neue Cassetten oder CDs gab.

Dabei hat die Serie ein Redesign erfahren, die Jungs wurden flotter, bekamen einen gewöhnungsbedürftigen Soundtrack – aus Urheberrechtsgründen wurden sogar die alten Hörspielfolgen mit der neuen Musik ausgestattet. Angeblich waren die Tantiemen-Forderungen des Produzenten der ersten Hörspielmusik zu hoch. Kurioserweise wurden auch die ersten Folgen der Serie – der Super-Papagei und so weiter – mit neuer Musik ausgestattet, was sehr anachronistisch wirkt. Die typische 70er Jahre Kinderserie wie die Story mit dem Rubin oder dem Zirkus passt mit dem Kraftwerk-Verschnitt mit Roboter-Attitüden einfach nicht zusammen, wer das wohl verhunzt hat?

Und dann wurden die Drei umbenannt nach ihren amerikanischen Originalen, bis dahin hat wohl kaum jemand geahnt, dass Justus Jonas in den englischen Originalen Jupiter Jones und Peter Shaw eigentlich Peter Cranshaw heißt. Die drei Fragezeichen hießen dann die Dr3i, sieht ein wenig kryptisch aus, oder? Ursache war ein Rechtsstreit zwischen den Verlag und Hörspielproduzenten. Die Drei Fragezeichen wurden zu die Dr3i.
Und auch die Musik wurde wiederum geändert. Das war das einzig Gute an den neuen Folgen. Die Musik ist mittlerweile sehr passend, auch wenn die Fans wohl immer an der alten Musik hängen werden. Aber die wäre heute wohl ebenso anachronistisch wie der Technoverschnitt in den 70ern.

Die neuen Folgen sind alles in allem eigentlich nicht schlecht, aber für Kinder eher ungeeignet. Da sind doch einige sehr psychisch aufgeladene Fälle dabei. An die Umbenennung gewöhnt man sich aber recht schnell. Inzwischen scheint auch der letzte Rechtsstreit geklärt zu sein. Meine Damen und Herren, das hätten Sie auch einfacher, billiger und schneller haben können.

Inzwischen dürfte es mehr in Deutschland produzierte Folgen der drei Fragezeichen geben als amerikanische Folgen. Und das nicht wegen, sonderntrotz überkomplizierter Urheber- und Markenrechte. Vor allem die Hörspiele scheinen sich sehr gut zu verkaufen. Und die Drei Sprecher treten aus den Schatten der drei Detektive und kommen zu einem Ruhm, den sie wohl als Kiddies nie erwartet hätte.

Ähnliche Streitigkeiten haben schon zuvor die Einführung neuer Techniken verhindert. Die DVD hätte schon viele Jahre zuvor erscheinen können, doch die Filmindustrie bestand auf die Einführung eines Kopierschutzes. Das sogenannte CSS wurde aber sehr schnell geknackt, so wie alle Schutzmaßnahmen, die man sich nachgehend für teures Geld ausdachte.

Der Scheintod der Minidisc und der Tod des DAT-Rekorders ist von den Herstellerfirmen und den Contentindustrien selbst zu verantworten. Sony stattet seine MD-Player bis heute mit dem Serial Copy Management System aus, welches es verhindert, daß man von einer analog oder digital aufgenommenen Disc eine digitale Kopie anfertigt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, Sony verhindert, daß man von seinen eigenen Aufnahmen digitale Kopien anfertigt. Heute gibt es Minidisc-Player mit USB, es ist aber nicht möglich, Daten vom Player auf den Computer zu bekommen. MP3 vom PC muss zunächst verlustbehaftet in Sonys eigenes ATTRAC-Format konvertiert werden. Und das alles, weil Sony in der Musikindustrie aktiv ist.

Diese Fälle zeigen, dass sich die Macher selbst die Einnahmequellen abschneiden. Es gibt Zehntausende von Menschen, die für die Serien ihrer Kinderzeit wie Matlock, Remington Steele und so weiter viel Geld ausgeben würden. Aber ihnen wird die Möglichkeit gar nicht gegeben, weil irgendwer an irgendwas die Recht hat oder nicht hat. Am Ende – und das ist wirklich dumm – verdient niemand Geld damit, obwohl die Serien ja schon fix und fertig da liegen und nur noch gemolken werden müssten.