OpenAccess – offener Diebstahl

Rudolph Walther regt sich in einem Artikel in der taz gewaltig auf. Leider hat der gute Mann in seinem heiligen Zorn zwei Dinge wild vermischt: Die Google-Buchsuche und OpenAccess.

Die Google-Buchsuche basiert auf Büchern, die von Google eingescannt und digital zur Verfügung gestellt werden. Google hat das im Schatten von Halblegalität gemacht, sich aber mittlerweile mit amerikanischen Rechteinhabern geeinigt. Nach wie vor macht Google aber diese Bücher eben nicht frei zugänglich, wenn Urheberrecht oder Copyright bestehen. Nur gemeinfreie Bücher sind offen zugänglich. Der Rest ist lediglich für Recherche zugänglich, ähnlich wie bei Amazon stehen Ausschnitte zur Verfügung, nicht aber der Volltext.

OpenAccess hingegen ist der Zugang zu – in erster Linie – wissenschaftlichen Arbeiten. Es gibt nun gar keinen Zusammenhang zur Google-Buchsuche.

Herr Walther scheint auch kein Freund von digitalen Archiven zu sein. Zurecht verweist er darauf, dass alte Datenträger und Dateiformate nur schwer zugänglich sind.

Um so mehr müsste gerade er sich über die Google-Buchsuche freuen. Hätte Google das Kölner Stadtarchiv durchgescannt, würden wir heute zumindest digital darin stöbern können, statt sprichwörtlich in Schutt und Staub nach Überresten zu suchen.

Ein guter Teil der von Google eingescannten Bücher sind derzeit nicht lieferbar, weil sie mangels Rentabilität nicht nachgedruckt werden. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass viele dieser Titel sang- und klanglos in Vergessenheit geraten würden, wenn Google sie nicht im Web lebendig hält.

Jeder Student ärgert sich heute über geklaute, dauerausgeliehene, nicht lieferbare und nicht vorhandene Bücher in der Bibliothek. Neben mangelnder technischer Ausstattung ist der schwierige Zugang zu Fachliteratur eines der größten Probleme wissenschaftlicher Forschung.

Und die Wissenschaft ist nun das Musterbeispiel für ein Gemeingut. Es sind überwiegend Steuerzahler, welche die deutsche Wissenschaft finanzieren.

Wer sich für die Problematik interessiert, mag sich zwei Bücher der Bundeszentrale für politische Bildung herunterladen:

Urheberrecht im Alltag, unter anderem herausgegeben von Volker Grassmuck
Wissen und Eigentum, herausgegeben von Jeanette Hofmann, die Texte dieses Buches stehen unter Creative Commons License

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