Webstatistik – wie viel sie wissen wollen

Sie – das sind die Werbetreibenden, und sie wollen über Sie wissen, über den Website-Besucher. Die Messung von Zuschauerzahlen im Fernsehen ist schon relativ alt, im Web ist sie nach wie vor schwierig.

Bekanntermaßen wird die Messung im Fernsehen von der Gesellschaft für Konsumforschung GFK übernommen. Sie haben eine Stichprobe von einigen Hundert oder Tausend Menschen, welche die deutsche Gesellschaft repräsentieren. Deren Fernseh- und Videoverhalten wird gemessen. Deren Einkommen ist bekannt, ihr Alter ist bekannt und das sind die Daten, die wir als Einschaltquoten kennen.

Diese Zahlen werden unter anderem verwendet, um zielgruppengerechte Werbung zu konzipieren und – wichtiger – die Kosten für TV-Werbung zu ermitteln.

Im Web funktioniert das nicht. Serverseitige Besucherstatisiken liegen meilenweit daneben. Tracking-Dienste sind auf JavaScript angewiesen, andere Methoden benötigen eine installierte Toolbar oder ein Add-On wie Alexa. Den Mehrwert dieses Systems muss man noch herausfinden.

Mein Serverprotokoll sagt mir, ich hätte etwa 6000 Besucher im Monat – sehr unwahrscheinlich. Google Analytics spricht von rund 1100 Besuchern – erfasst aber weder PDF noch SWF-Dateien, Bilder und läuft auch bei WordPress nicht ordentlich. Alexa funktioniert bestenfalls bei englischen Seiten, die ich nicht anbiete.

Obwohl energisch daran gearbeitet wird, unser Surfverhalten aufzuspüren, war ma bisher nicht erfolgreich. Gut so, denn es gibt keinen Grund, warum die Werbeexperten mehr über uns wissen sollten, als wir ihnen freiwillig sagen möchten.

Dabei ist Lösung eigentlich gar nicht so schwierig: Der Anbieter von Werbefläche – etwa einer Website – analysiert und bereinigt seine Serverstatisiken von Bots und anderem Traffic-Müll. Er bietet dem Werbetreiber zudem einen Trackingdienst über ein neutrales Tool an, über das dieser direkt die Daten einsehen kann. Dieses Tool könnte auch von Dritten angeboten werden. Die beiden verhandeln einen Schlüssel aus, nach dem ein bestimmter Preis für eine bestimmte Zahl von Besuchern anfällt. Klickmanipulation wird technisch ausgeschlossen, IP-Adressen werden verschleiert, Kontrollierbarkeit ist für beide Seiten gegeben.

Was gibt es eigentlich an den Zahlen, dass wir so gern an sie glauben? Jeder Webmaster freut sich heimlich darüber, wenn die Besucherzahlen seines Webauftritts zunehmen. Dabei weiß man ganz genau, dass diese Zahlen oft massiv daneben liegen.