Drupal – das Allround-CMS ohne Chance

Grupal ist im Prinzip eine feine Sache. Ein Allround-CMS, das im Gegensatz zu anderen Systemen sowohl schlank als auch flexibel ist.
Drupal hat sich auf breiter Fläche nie durchgesetzt und wird das meiner Ansicht nach auch auf absehbare Zeit nicht tun. Man kann ein aufgebohrtes WordPress problemlos als kleines CMS benutzen. Man kann aber auch nur Blogs damit führen.
Mit Drupal kann man von Haus aus eine simple Website bauen, mehr geht nicht. Sprechende URLs, Meta Tags, WYSIWYG-Editor, was anders wo Standard ist, muss in Drupal über Module eingebunden werden. Dabei werden die Module in einem anderen Rhythmus aktualisiert als das CMS selbst. Drupal ist ein schlankes System und damit auch sehr sicher. Das gilt aber nicht unbedingt für die Module, ohne die man keine größeren Projekte aufziehen kann. Spannend wird es dann, wenn mehrere Module aktiviert werden müssen, damit das eigentliche Modul funktioniert, welches man benutzen möchte.

Die deutsche Community mag unheimlich nett sein, sie ist aber auch vergleichsweise winzig. Es gibt einen einzigen Podcast mit vier Ausgaben, der offenbar schon einige Jahre alt ist. Die alten Hasen in der Webentwicklung warnen gerne vor TYPO3, die Einstiegshürden seien zu hoch. Was nicht heisst, dass sie bei Drupal niedrig wären. Wer sich in der Logik des Systems zurecht findet, ist den Rest der Zeit damit beschäftigt, passende Module für sein Produkt zu suchen.
Für Webentwickler und Designer mag es sich durchaus lohnen, sich in Drupal einzuarbeiten. Der Otto-Normal–Website-Betreiber möchte aber nicht mit den Feinheiten des CMS konfrontiert werden, vor allem dann nicht, wenn einige seiner Schritte sich nicht rückgängig machen lassen.

Bei recht vielen Webanwendungen ist die deutschsprachige Community nicht groß genug, um auf alle Fragen auch Antworten zu bekommen. WordPress ist die große Ausnahme. Bei Piwik – einer Webanalyse-Software – sieht es schon sehr schlecht aus. Und Drupal wird ebenfalls nicht so stark promoted. Wer also des Englischen nicht mächtig ist, sollte sich von Drupal lieber fern halten.

Das große Manko von Drupal ist meiner Meinung nach der Mangel an fertigen Distributionen.
Was bei Drupal tatsächlich fehlt, sind fertig geschnürte Pakete, die auf bestimmte Aufgaben zugeschnitten sind. Die benötigten Module müssten bereits im Installationspaket enthalten sein. Im Gegensatz zu TYPO3 hat Drupal allerdings nicht einmal eine installierbare Testumgebung.

Für mich ähnelt Drupal einem neu gebauten Haus, dass ohne Heizung und Stromversorgung daher kommt. Man kann zwar darin wohnen, aber wirklich bequem ist es nicht. Im Winter ist es zu kalt, im Sommer ist es zu warm und für jede Verbesserung, die man vornehmen möchte, muss man ewig nach dem richtigen Werkzeug suchen.
Für Drupal gilt daher: ganz oder gar nicht. Wer des Englischen nicht hinreichend mächtig ist und viel Zeit hat, sich hier einzulesen, eine Testumgebung aufzusetzen und viel auszuprobieren und herum zu spielen, für den ist Drupal nichts.