Die Obama-Doktrin?

Fast alle historisch bedeutenden Präsidenten halten eine Schlüsselrede, die ihre künftige Politik in großen Zügen festlegt. Seit der Monroe-Doktrin ist es üblich, diese Reden als Doktrin zu bezeichnen.

 

Für Obama wäre es vielleicht ein wenig früh, eine solche Rede zu halten. Die Rede wird auch üblicherweise zum amerikanischen Volk auf amerikanischem Boden gehalten. Andererseits kann es durchaus sein, daß Historiker Obamas Rede am 3. Juni 2009 zur Obama-Doktrin erklären werden. Eine Schlüsselrede war es auf jeden Fall. Auf den Seiten der Uni Kassel findet man eine leicht gekürzte deutsche Übersetzung .

Das ist eine schwierige Verantwortung, die wir übernehmen müssen. Die menschliche Geschichte war oft geprägt von Nationen und Stämmen – und auch Religionen- die einander aufgrund ihrer eigenen Interessen unterjochten. In dieser neuen Ära ist dieses Verhalten aber völlig sinnlos. Angesichts unserer gegenseitigen Abhängigkeit wird jede Weltordnung, die eine Nation oder Gruppe über andere erhebt, unweigerlich scheitern. Ganz gleich, was wir also über die Vergangenheit denken, wir sollten nicht zu ihren Gefangenen werden. Unsere Probleme müssen durch Partnerschaft gelöst und Fortschritt muss geteilt werden.

Dieses "Wir" ist hierbei entscheidend. George W. meinte mit "wir" wir Amerikaner, Obama meint mit "wir" uns alle. Obama distanziert sich im Weiteren vom Militarismus seiner Vorgänger.

Wir wissen auch, dass militärische Macht alleine nicht ausreicht, um die Probleme in Afghanistan und Pakistan zu lösen. Das ist der Grund, warum wir vorhaben, jedes Jahr in den kommenden fünf Jahren 1,5 Milliarden US-Dollar zu investieren, um in Partnerschaft mit der Bevölkerung Pakistans Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Unternehmen aufzubauen und hunderte Millionen Dollar, um denen zu helfen, die vertrieben wurden. Aus diesem Grund stellen wir mehr als 2,8 Milliarden Dollar bereit, um den Menschen in Afghanistan zu helfen, ihre eigene Volkswirtschaft aufzubauen und die Dienste bereitzustellen, auf die die Menschen angewiesen sind.

Auch imKontext des Irakkrieges betont Obama die Priorität der Diplomatie gegenüber des Militärs.

Im Fortlauf der Rede kritisiert der amerikanische Präsident die Holocaustleugnung – ein Wink nach Iran – zugleich aber auch Israel wegen der Blockade der Zwei-Staaten-Lösung und den Terrorismus palästinensischer Attentäter. Ein geschickter Schachzug.

Obama übt – ein Umstand, der von den deutschen Kommentatoren nicht betont wurde- scharfe Kritik an demokratiefeindlichen, frauendiskriminierenden und antitoleranten Regimen, und das in einer der undemokratischsten Regionen der Welt.

Es ist einfacher, Kriege zu beginnen, als sie zu beenden. Es ist einfacher, die Schuld auf andere zu schieben, als sich selbst zu betrachten. Es ist einfacher zu sehen, was uns von jemand anderem unterscheidet, als die Dinge zu finden, die wir gemeinsam haben. Aber wir sollten uns für den richtigen Weg entscheiden, nicht nur für den einfachen. Es gibt auch eine Regel, die jeder Religion zugrunde liegt – dass man andere behandelt, wie man selbst behandelt werden möchte. Diese Wahrheit überwindet Nationen und Völker – ein Glaube, der nicht neu ist, der nicht schwarz oder weiß oder braun ist, der nicht Christen, Muslimen oder Juden gehört. Es ist ein Glaube, der in der Wiege der Zivilisation pulsierte, und der noch immer in den Herzen von Milliarden Menschen auf der Welt schlägt. Es ist der Glaube an andere Menschen, und er hat mich heute hierher gebracht.

Fazit: Obama vereint, wo Bush spaltete. Geschickt stellt er schon am Anfang eine Verbindung zwischen seiner Person und den Muslimen her, um schließlich die Gemeinsamkeiten zwischen Amerikanern und Muslimen herauszustellen.

 

Ein Gedanke zu „Die Obama-Doktrin?“

  1. Hallo,

    das waren noch Zeiten, als du diesen Beitrag geschrieben hast.
    Seit dem hat sich leider schon alles geändert…

    Ein “update”-Beitrag wäre schön :)
    Obama… “Es war einmal… ein “Yes, we can”.. und es kam “…but i will not”.

    Schönen Gruß…

    maki

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