Tiere helfen Menschen – Hunde in der Therapie

Tiere spielen im Bereich von Behinderung und Therapie in Deutschland eine erstaunlich geringe Rolle. Nur rund ein Prozent aller Sehbehinderten in Deutschland hat einen Blindenführhund. Begleithunde für Menschen mit psychischen oder gesundheitlichen Problemen spielen praktisch keine Rolle. In der Therapie von Menschen mit psychischen Problemen werden kaum Tiere eingesetzt.

Zwei Blindenführhunde
Zwei Blindenführhunde

Eines der Kernprobleme besteht in dem hohen Anschaffungspreis. Die Hunde müssen speziell trainiert werden und kosten entsprechend einen fünfstelligen Betrag.

Blindenführhunde und Begleithunde stellen zudem besondere Anforderungen. Der Blinde muss grundsätzlich selbstständig mobil sein, denn der Blindenführhund ist weder ein Navigationssystem noch kann er etwa eigenständig entscheiden, ob eine Straßenüberquerung sicher ist. Der Hundebesitzer muss zudem grundsätzlich in der Lage sein, die physischen und psychischen Bedürfnisse des Hundes zu befriedigen: Der Hund muss gefüttert, gepflegt, ausgeführt und regelmäßig zum Tierarzt gebracht werden.

Der Mangel an qualifizierten Fachpersonal in den psychotherapeutischen Praxen und der damit einhergehende Mangel an geschulten Trainern und für die Therapie geeigneten Mensch-Hund-Teams tut ein übriges.

Dabei können Hunde entscheidend zur Verbesserung einer Therapie beitragen: Bei authistischen Kindern oder Personen mit Kommunikationsstörungen können Hunde schneller eine Öffnung herbeiführen als viele Menschen. Zwischen Mensch und Hund gibt es weit weniger Berührungsangst als zwischen einzelnen Menschen.

Der Hund kann zudem dabei helfen, Kontaktsperren zu überwinden. Blinde werden häufig von Hundebesitzern oder völlig fremden angesprochen, wobei der Hund als Eisbrecher dient.

Hunde können die Lethargie brechen, in die viele ältere Menschen wegen Einsamkeit oder mangelnder Beschäftigung geraten. Sie haben jemanden, um den sie sich kümmern können, sie bekommen regelmäßig Bewegung, sie genießen die Freude, mit einem lebendigen Wesen zu interagieren und können körperlichen Kontakt haben, ohne sich schämen zu müssen.

Es gibt aber auch ganz handfeste Gründe: Einige Hunde spüren, wenn ihr Besitzer – bei Diabetes – einen vielleicht lebensgefährlichen Unterzucker haben. Hunde sollen sogar spüren, wenn ein epileptischer Anfall sich bei ihrem Besitzer ankündigt.

Der Forschungsbedarf ist in Deutschland noch recht hoch, so dass die deutsche Literatur dazu noch überschaubar ist. Die Diplomarbeit von Bianca Müller „Die Bedeutung von Tieren für die therapeutische Arbeit mit älteren Menschen “ gibt einen schönen und gut lesbaren Einblick. Im Kynos-Verlag sind zudem einige Bücher zu dem Thema erschienen.