Wikipedia in der Sinnkrise

Die Wikipedia gehört zu den meistbesuchten Sites im Netz. Gibt man bei Google einen beliebigen Suchbegriff ein, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Wikipedia-Artikel zu diesem Thema der erste Google-Treffer ist. Über die Gefahren ist schon viel diskutiert worden: Schüler, Studenten, selbst Wissenschaftler und Journalisten recherchieren nicht mehr, sondern schreiben Fakten aus der Wikipedia ab. Dabei sollten die Meisten wissen, was die Wikipedia ist: ein Sammelsurium aus vielfach Richtigem und vielem Falschen.
Viele Nutzer verwechseln dabei eine hohe Position bei Google mit einer hohen Qualität der Information. Doch der erfahrene Rechercheur verlässt sich nie auf eine einzige Quelle, sei es nun die Wikipedia oder die Encyclopaedia Britannica .
Neben dem Qualitätsproblem gibt es das Problem der reinen Quantität: So glauben auch viele Wikipedianer, die Qualität und Relevanz der Wikipedia steige mit der Zahl der Artikel. Dabei sagt die Zahl der Artikel natürlich gar nichts über die Güte oder Bedeutung dieser Artikel aus.
So gibt es ganze Artikel-Serien zu einzelnen Fernsehserien wie den Simpsons, Star Trek, Star Wars oder „Per Anhalter durch die Galaxis“. Die Artikel zu Fernsehserien sind gespickt mit Informationen wie Episoden-Guides, Listen von Haupt- und Nebendarstellern und sogar Listen von Synchronsprechern.
Andere Artikel werden wegen mangelnder Relevanz gelöscht, woran sich gerade eine Debatte entspannt hat. Der Verein „Missbrauchsopfer gegen InternetSperren“ MOGiS, war anscheinend nicht wichtig genug, um in der Wikipedia verbleiben zu können und wurde gelöscht.
Damit ist das ganze Relevanzproblem der Wikipedia zusammengefasst: Ein nicht eingetragener Verein, der temporär in der Zeitgeschichte eine gewisse Rolle gespielt hat ist weniger wichtig als fiktive Figuren aus Literatur und Fernsehen.
Für MOGiS ist das sicherlich kein Beinbruch, die Wikipedia muss allerdings dringend ihre Relevanzkriterien überarbeiten.