Was darfs denn kosten?

Kosten-Nutzen-Rechnungen sind eine Sache, die man normalerweise nicht auf menschliche Belange anwenden möchte. Tatsächlich stellt aber fast jeder Mensch unbewusst eine Kosten-Nutzen-Rechnung an, er stellt sich die einfache Frage, ob der Aufwand die Sache lohnt. Bei einem Menschen erfolgt diese Rechnung nie völlig rational, denn seine Entscheidungen können objektiv irrational sein, für ihn aber einen Sinn ergeben. Anders sieht es bei großen Investitionen aus: Hier sollte kühl kalkuliert werden, was kostets, was bringts?

Viele soziale Organisationen scheuen diese Argumentation, weil sie dadurch ihre moralische Autorität untergraben sehen. Wer möchte ein Preisschild an Behindertenfürsorge, Altenpflege oder Umweltschutz stellen.

Der Ökonom James Heckmann hat den Wert der Bildung errechnet. Das simple Ergebnis, je mehr man in die Bildung und Förderung Benachteiligter investiert, desto geringer sind die Folgekosten in Form von Fürsorge, Kosten durch Kriminalität, Kosten für Gerichtsverfahren, Gefängnisaufenthalte usw. Das klingt einerseits zynisch ist und ist andererseits schnell einleuchtend. Zudem ist aber klar, dass je besser gestellt die Personen sind, die diese Bildung erhalten, desto weniger bringt das Geld, welches zusätzlich investiert wird. Mit anderen Worten und das sollte eigentlich jedem klar sein: Je ärmer man ist, desto mehr sollte man gefördert werden und je ärmer man ist, desto mehr bringt die Förderung.

Ein anderer Fall, in dem man ungern ökonomisch argumentiert ist der Umweltschutz. Eine nicht ganz neue Erkenntnis haben Forscher im Auftrag der Allianz und des WWF hervorgebracht: Maßnahmen zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels sind billiger als die Folgen des Klimawandels. Überraschend ist tatsächlich, dass der WWF mit einem privaten Unternehmen kooperiert. Der britische Ökonom Nicolas Stern hatte bereits vor einigen Jahren einen entsprechenden Report vorgestellt.

Manchmal ist man gezwungen, die ökonomische Keule auszupacken, wenn alle anderen Argumente nicht greifen. Das bedeutet sicher nicht, dass man seine Argumente darauf reduzieren lassen soll. Dcoh Leidenschaft, innerste Überzeugung und gute Argumente reichen leider oft nicht aus.

Update: Zum Thema Umweltschutz wurde beim DRadio gerade ein Buch vorgestellt: „Produktivkraft Natur“, erschienen bei Hoffmann und Campe, rechnet den ökonomischen Nutzen von Tieren und Pflanzenwelt aus. Umweltschützer werden sich vor den Kopf schlagen, Ökonomen sich nachdenklich am Kopf kratzen. Der rein ökonomische Widerspruch ergibt sich aus dem Verhältnis von Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft. Dem einzelnen Unternehmen kann es durchaus nutzen, seinen Dreck in den Fluß zu kippen, weil es so teure Entsorgungskosten schafft. Der Volkswirtschaft schadet es indirekt, weil der Fluß teuer entgiftet werden muss, der Fischfang und die Landwirtschaft leiden, Gesundheitsschäden am Menschen dazukommen und eine ganze Reihe weiterer, unabsehbarer Folgen.