Wind aus den Segeln

Die Piratenpartei scheint den ersten Taumel der Bundestagswahl noch nicht verkraftet zu haben. Zwei Prozent erreichte sie bundesweit, ein Achtungserfolg, auch wenn viele bereits auf den Einzug in den Bundestag gehofft hatten. Ein solches Ergebnis wäre nicht unmöglich gewesen, hätte der Partei aber vermutlich auch nicht gut getan.
Jetzt erbetet die taz bereits das Ende der Partei, nachdem die Vorbereitungen auf die Landtagswahlen in NRW nicht so glücklich verlaufen sind. Das echte Problem könnte aber Dabei übersieht die taz, wie ihr Protege, die Grünen, sich in seiner Anfangszeit angestellt hat, alles andere als glücklich.
Die Piraten haben das härteste Stück Arbeit noch vor sich: das Erlangen der Offline-Kompetenz, den Aufbau lokaler Parteistrukturen, das Erlangen politischer Kompetenz, den Ochsentrott von der Kommunalpolitik in den Bundestag, das Knüpfen von Kommunikations-Netzwerken, eventuell auch das Abwerben von Polit-Veteranen aus anderen Parteien. Das Ganze erfordert viel Disziplin, Organisations- und Kommunikationstalent, Geduld und Ausdauer. Es hätte der Partei vermutlich mehr geschadet als genutzt, wenn politisch und parlamentsunerfahrene Piraten auf den Bundestag losgelassen worden wären. Denn sie hätten keine älteren Parteikader vorgefunden, die sie in die Spielregeln und Netzwerke hätten einführen können, ohne die in einem solch großen Gremium nichts läuft.
Es kann durchaus zehn Jahre und mehr dauern, bis entsprechende Erfahrung über Kommunal- und Landespolitik aufgebaut sein wird. Man darf gespannt sein, ob die Piraten so lange durchhalten werden oder ob sie sich zu den zahlreichen Kleinparteien gesellen, die jedes Mal aufs neue antreten, ohne große Erfolge feiern zu können: die Tierschutzpartei, die Grauen Panther oder die bibeltreuen Christen.
Aber auch die Grünen haben klein angefangen: 1990 flogen sie aus dem Bundestag, erst 1998 kam die erste Regierungsbeteiligung auf Bundesebene und viele Beteiligungen an Landesregierungen konnten sie bisher auch nicht aufweisen.