Den Leser gefangen halten – wo bleibt der echte Online-Journalismus?

Mittlerweile leisten sich alle großen Zeitungen und Magazine einen Bereich, wo sie über Entwicklungen im Bereich Web und Unterhaltungselektronik berichten. Auch wenn sich jeder zweite Beitrag um Facebook und I-Pod dreht, ist diese Entwicklung im Sinne des Nutzers. Außerdem muss der Schreiber nicht einmal aufstehen, um die Artikel zu schreiben.
Das Erstaunliche ist, dass ein Großteil der Publikationen auf externe Links verzichtet. Das DeutschlandRadio, die taz, die Zeit, der Freitag und viele andere Nachrichtenportale teilen eine panische Angst – der Leser könnte die eigene Site auf Nimmerwiedersehen verlassen.
Dabei scheint für den Journalismus nicht zu gelten, was gute, wissenschaftliche Praxis ist, der Verweis auf die eigenen Quellen. Zwar wird gerne auf dpa oder andere Nachrichtenagenturen verwiesen, ansonsten aber erwecken die Schreiber den Eindruck, sie hätten sich sämtliche Informationen selber – quasi vor Ort – zusammengesucht. Gelegentlich gibt es einen Hinweis im Text, den man einerseits schnell überliest, der aber andererseits nicht mit einem Link unterlegt ist, obwohl es sich klar um eine Online-Quelle handelt.
In den Redaktionen scheint eine merkwürdige Haltung vorzuherrschen. Denn schließlich handelt es sich um eine Serviceleistung: wer eine Original-Pressemitteilung nachlesen will, muss sich mit Suchmaschinen herumschlagen, statt direkt auf die Quelle verwiesen zu werden. Wer nach seriöser oder tiefergehender Information sucht, kann vom Journalisten keine Hilfe erwarten.
Ich habe den leisen Verdacht, dass viele Journalisten sich von Bloggern zu ihren Artikeln inspirieren lassen. Offensichtlich ist das im Technik- und Webbereich, wo heise, Golem oder Netzpolitik über ein Thema berichten, das oft erst Tage später in die Mainstream-Magazine Eingang findet.
Es wäre eine Sache der Redlichkeit, auf einen solchen Umstand hinzuweisen. Fairplay und gute wissenschaftliche Praxis sollten auch im professionellen Journalismus Einzug halten, möchte er nicht an Glaubwürdigkeit und Qualität einbüßen.