Adobe verschläft einmal mehr die Barrierefreiheit

Ich war drauf und dran, mir mein erstes E-Book anzuschaffen, doch immerhin hat mich die Erfahrung klug gemacht und ich habe mich einmal eingelesen. Der Standard, den die meisten E-Book-Reader unterstützen ist epub. Epub basiert auf XML und kann mit einem Schutz – DRM – ausgestattet werden. Alles schön und gut, die Verlage wollen sich eben absichern.

Die Schreckensmeldungen gehen weiter: Ich benötige ein Programm namens Adobe Digital Editions, um die Bücher herunterzuladen und lesen bzw. auf meinen – nicht vorhandenen – E-Book-Reader lesen zu können. Selbst damit hätte ich noch leben können.

Ich bin schlau genug, in englischen Foren nachzuforschen und finde heraus – wer hätte anderes erwartet – Adobes Digital Editions ist nicht für Screenreader zugänglich. Ich kann es nicht fassen, die Version 1.7 dieses Programms ist erschienen und es arbeitet noch immer nicht mit einer Sprachausgabe zusammen. Es macht den Eindruck, als ob Adobe – und mit ihr die Verlage – die letzten zehn Jahre in sanftem Donnröschen-Schlaf verbracht hätte.

Die Bücher im EPUB-Format sind also, sofern DRM-geschützt, für Blinde unbrauchbar. Eine bittere Enttäuschung für all jene, die erwartet hatten, endlich einmal auch in den Genuß von Büchern zu kommen, die ihnen sonst nicht zugänglich gewesen wären.

Einmal mehr muss man die Gängelung der Verlage, Hard- und Software-Hersteller der Verbraucher konstatieren. Offenbar haben die Verlage auch nach zehn Jahren nichts von der Musikindustrie gelernt.