Spenden für Informations- und Meinungsfreiheit

Bisher erhalten vor allem Hilfsorganisationen und Katastrophenhelfer in Deutschland spenden. Ein neuer Zweig könnte sich auftun: das Spenden für den investigativen Journalismus und für Projekte zur Informationsfreiheit.

Investigativer Journalismus kostet viel Geld und Zeit, viele Medienhäuser können oder wollen sich das nicht mehr leisten. Auch die Einführung eines öffentlich-rechtlichen Modells mit einer Finanzierung über Gebühren ist unwahrscheinlich.

Derzeit befindet sich das Projekt Wikileaks im Streik. Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, geheime Dokumente und brisante Unterlagen aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft öffentlich zugänglich zu machen.

In einem Interview mit Stefan Mey erläutert Wikileaks-Mitbetreiber Julian Assange, warum vor allem Medienhäuser ein Interesse am Erhalt von Wikileaks haben sollten:

Aus zwei Gründen: Sie sehen uns als eine Organisation, die es ihnen leichter macht, das zu tun, was sie tun. Und sie sehen uns als schwächstes und empfindlichstes Glied im System. Wir nehmen uns die publizistisch schwierigsten Fälle vor. Wenn wir juristisch besiegt werden, könnten sie die nächsten sein. In anderen Worten: Wenn Wikileaks.org aufgrund eines Gerichsverfahrens geschlossen wird, wird vielleicht bald dieselbe Argumentation genutzt, um nytimes.com zu schließen oder auch Spiegelonline.

Hohe Kosten entstehen nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für Gerichtskosten und das Aufrechterhalten des Angebots bei steigenden Zugriffen. Das sind für die Öffentlichkeit zumeist unsichtbare Kosten. Man erwartet einfach, dass eine Site auch bei hohen Zugriffszahlen hochperformant ist, juristische Auseinandersetzungen bleiben oft unbemerkt, wenn keine der großen Medien darüber berichtet.

Wikileaks tritt damit in eine Lücke, die bisher von den Medien nur unzureichend gefüllt werden konnte: die Analyse und Veröffentlichung von Geheimnissen, die keine sein sollten. Dabei bleibt es die Aufgabe der großen Medien, dieses Material zu analysieren und auch in die breite Öffentlichkeit zu tragen.
In den USA entsteht derzeit ein Stiftungswesen zur Förderung des investigativen Journalismus. Auch wenn sich die Blogger selbst gerne gegenseitig auf die Schultern klopfen, das ist kein Job, den man nebenbei und ohne praktische Erfahrung ausüben kann. Die amerikanische Stiftung ProPublica bietet entlassenen Journalisten die Möglichkeit, ihre Arbeit mit Geldern der Stiftung weiterzuführen und gibt die Ergebnisse an die großen Medien weiter. Ob das ein Modell für Deutschland sein kann, steht in den Sternen. Die Amerikaner haben eine andere Tradtion des Stiftens. Staatliche Gelder hingegen sind immer an Bedingungen geknüpft. Der Staat, der seine eigene Opposition finanziert, ist noch immer utopisch.
Auch für Deutschland gilt: Eine transparente Gesellschaft schafft sich nicht selbst, sondern muss konsequent eingefordert werden.

This entry was posted in Social Web, The Thinking Turn. Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>