Apple VoiceOver – werden Blinde jetzt zu Macfans?

Send to Kindle

Seit einiger Zeit besitzt das apple-eigene Betriebssystem Mac OS X einen eingebauten Screenreader. Das ist eine Software, die den Inhalt des Bildschirms in Sprache oder Braille ausgeben kann. Damit ist Apple der einzige Computeranbieter, der seine Konsumer-Geräte von Haus aus – prinzipiell – für Blinde zugänglich macht. So ziemlich jedes andere Gerät, vom PC zum Handy, muss mit einer recht teuren Software ausgestattet werden, um zugänglich zu sein. Die allermeisten Geräte wie Navis, PDAs oder MP3-Player sind überhaupt nicht für Blinde nutzbar. Apple hat hier einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Auch einige I-Pods sowie das IPhone werden von Haus aus mit VoiceOver ausgestattet. Es geht mir sicher nicht darum, Werbung für diese Geräte zu machen, da ich Apples Preispolitik kritisch sehe und keines dieser Geräte bisher selbst ausprobieren konnte. Die Revolution besteht schlicht darin, dass Apple in diesem Fall Behinderte nicht diskriminiert. Denn faktisch ist es eine Diskriminierung, wenn man ein Mehrfaches des Normalpreises für ein Gerät bezahlen muss, nur um es benutzen zu können. Wenn man Apples Preispolitik kritisiert, dann stehen Einem bei der Preispolitik der Hilfsmittelhersteller die Haare zu Berge.
Bisher gibt es im deutschen Raum offenbar relativ wenige Blinde, die VoiceOver getestet haben. Die ersten englischen Tests klingen vielversprechend, aber kritisch. Dabei muss man Apple zugute halten, dass die auf Windows basierenden Screenreader auf mehr als 15 Jahre Erfahrung zurückblicken können. Für den operativen Einsatz scheint VoiceOVer also bisher nicht geeignet zu sein. Die aktuelle Version 10.6 scheint bereits einige Verbesserungen gebracht zu haben.
Es wäre eine seltene Ironie der Geschichte, wenn das bei Graphikern beliebte Mac OS ausgerechnet bei Blinden Anklang finden sollte.

Send to Kindle
Download as ePub