Benutzt die Maschine uns?

Ja, meint zumindest Karl Olsberg. Der Thriller-Autor hat ein neues Buch veröffentlicht, hier eine Rezension dazu. Olsbergs Lieblingsthema scheint die Beherrschung der Menschen durch die Apparate zu sein und insbesondere die Herrschaft der Computer. In seinem Buch “Das System” – eine Mischung aus “Odysee im Weltraum” und “Staatsfeind Nr. 1″ stellt Olsberg dar, wie künstliche Intelligenz bei Computern aussehen könnte. Die Maschine erlangt ein Bewusstsein von sich selbst, ist in der Lage, andere computergestützte Systeme und sogar Menschen zu ihren Werkzeugen zu machen. Dabei verfolgt die Maschine nur einen Zweck – sich selbst zu erhalten. Neben dieser Aufgabe hat Leben noch zwei weitere zentrale Funktionen: Selbstorganisation und Fortpflanzung. Letzteres erledigt sich wohl bei Computern, das Problem der Selbstorganisation steht allerdings noch aus.
Die Maschine benutzt dabei Menschen, um ihren Selbsterhalt zu sichern. Die künstliche Intelligenz, wie sie Olsberg vorschwebt, entsteht durch maschinelle Evolution. Solche Konzepte gibt es tatsächlich in der Programmierung. Programme sollen z. B. selbstständig erkennen, welches das beste Instrument zur Lösung eines bestimmten Problems ist.
In der Wissenschaft wird bereits diskutiert, ob Computer den Forscher überflüssig machen könnten:

Diese Modelle, obwohl theoretisch bestens untermauert, führen letztlich aber mitunter zu Resultaten, die ein Wissenschaftler im Detail oft kaum noch nachvollziehen
kann – ähnlich wie Mathematikprogramme, die inzwischen Beweise formulieren, die selbst Experten fast zu hoch sind. So verlassen sich Klimaforscher heute
nicht mehr nur auf Hochrechnungen von Trends, wenn es um den Treibhauseffekt geht, sondern sie modellieren mittels Computerhilfe das komplexe Zusammenspiel
zwischen Gletschern, Landvegetation, Ozeanen und Eisschilden. Ebenso geben sich Lebenswissenschaftler nicht mehr damit zufrieden, nur Genome auszubuchstabieren. [...] Doch je komplexer Simulationen
werden, desto weniger sind sie als Ganzes zu durchschauen. Die Methode läuft Gefahr, zur Black Box zu werden – sie liefert Ergebnisse, doch keiner kann
mehr deren Zustandekommen beschreiben.

Die Gefahr des “Verrechnens” wird vom Autoren allerdings nicht erwähnt, die Möglichkeit, dass minimal falsche Formeln oder Berechungsgrundlagen in diesen Simulationen zu fatalen Fehlern und falschen Entscheidungen führen können.
Der Wissenschaftler Martin Hirsch äußert sich in einem Beitrag des DeutschlandRadio zu Suchmaschinen ähnlich:

Ich habe selbst einige Überlegungen dazu angestellt: ich komme allerdings zu dem Schluss, dass das ganze System heute zumindest nicht funktionieren würde. Systeme können sich nicht selbst erhalten, sie können sich nicht selbst organisieren und sie können sich nicht einmal selbst sichern. Sie benötigen Strom, der ihnen nur von Menschen bereit gestellt werden kann. Menschen müssen Algorithmen schreiben, damit sich Systeme selbst sichern können. Und Menschen müssen hingehen, um Teile des Systems auszutauschen, die defekt sind. Olsberg und auch Richard Powers gehen davon aus, künstliche Intelligenz sei im Grunde nur eine primitive Form von menschlicher Intelligenz. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Künstliche Intelligenz besteht aus einer Reihe komplexer Algorithmen, die für bestimmte berechenbare Probleme Instrumente finden oder sogar entwickeln können. Sie sind und können keine Kopie menschlicher Intelligenz sein. Vielleicht sollten wir von Maschinen-Denken sprechen, dem Hirnforscher Martin Hirsch schwebt so etwas bei Suchmaschinen vor:

Unsere Maschine wird es eines Tages so
machen: in dem einen Dokument hat sie diese Information gelesen,
in einem zweiten Dokument hat sie eine andere Information gelesen,
in einem dritten Dokument hat sie noch eine andere Information
gelesen. Und wenn ich jetzt diese drei unterschiedlichen
Informationen aus diesen drei unterschiedlichen Dokumenten
herauslöse und neu zusammenstöpsle, hintereinander schalte, dann
entsteht ein neuer Sinnzusammenhang. Und dieses
dokumentübergreifende Zusammenführen von Information zu neuem
Wissen, das ist für mich Denken.

Tatsächlich halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass noch zu unseren Lebzeiten ein System entstehen wird, das in der Lage ist, diese Ansprüche zu erfüllen: Selbsterhalt, Selbstreproduktion, Selbstorganisation. Dazu muss ein System Informationen redundant und verteilt speichern. Wenn ein Teil des Systems zerstört wird, muss das System in der Lage sein, an anderer Stelle die Aufgaben des ausgefallenen Teils zu übernehmen. Das System muss Roboter und Maschinen betreiben können, um Ersatzteile für sich selbst, für die Roboter, die Maschinen und für die Energieversorgung
Ich denke, dass früher oder später ein solches System gebaut werden wird, weil die größte Angst der Militärs heute der Cyberkrieg ist, auf den keiner so recht vorbereitet ist. Ähnlich wie das Internet und das TCP/IP entstanden ist, um ein ausfallsicheres Netz zu haben, wird es darum gehen, ein ausfallsicheres und selbst heilendes System zu schaffen.
Die Idee der Maschine, die den Menschen zu ihrem Selbsterhalt benutzt ist nicht ganz neu. Sie wurde in den Matrix-Filmen durchdacht.

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