Kulturflatrate als Allheilmittel?

In einem Beitrag bei Netzpolitik beschäftigt sich Volker Grassmuck mit den Argumenten gegen die Kulturflatrate. Wichtig ist dabei vor allem der Umstand, dass die Kulturflatrate keineswegs an die Stelle des heutigen Systems der Kulturverwertung tritt, sondern parallel dazu existieren wird.
Es wird immer Leute geben, die sich Alben, DVDs oder Hörbücher kaufen. Die einen sammeln solche Güter, die anderen wollen eine bestimmte Qualität haben, die von MP3 und DIVX nicht erfüllt wird.
Es wäre eine interessante Frage, ob sich durch illegale Downloads die Ausgaben für Kulturgüter verringert hat. Das dürfte eher nicht der Fall sein. Es scheint sich mehr die Verteilung geändert zu haben: Heute gibt man mehr Geld für DVDs und BluRays aus, der Buchabsatz ist relativ stabil. Zudem gibt es einen gewaltigen Markt für gebrauchte Produkte. Vor allem Musik und Bücher sind bei entsprechenden Plattformen für einen Bruchteil des Originalpreises – teilweise in hervorragender Qualität – zu haben. Davon profitiert zwar der Käufer, die Musik- und Buch-Verlage aber nicht, schließlich können sie eine CD nicht zweimal verkaufen.
Und bisher wurde die Hardware-Industrie außer Acht gelassen, Musik- und DVD-Player, E-Book-Reader und Platenspieler zehren natürlich auch vom Kulturbudget. Tendentiell dürften die Ausgaben für Kulturgüter also eher gestiegen als gesunken sein, nur die Musikindustrie bekommt weniger davon ab. Um so bedauerlicher für sie, dass sie seit Napster 10 Jahre damit verbracht hat, ihre Kunden als Raubkopierer zu brandmarken anstatt ein alternatives Absatzmodell zu entwickeln. YouTube zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie groß der Wunsch nach überall verfügbaren Musik-/Videos ist.