Windows kommt ohne eigenen Screenreader aus

Update: Da dieser Beitrag noch recht häufig aufgerufen wird, möchte ich kurz darauf hinweisen, dass für Windows 8 ein Screenreader und verbesserte Zoommöglichkeiten für Sehbehinderte angekündigt sind. Da Win8 auch auf den Windows-Tablets eingesetzt wird, kann man von einer grundsätzlichen Nutzbarkeit ausgehen. Erfahrungsgemäß wird es noch einiges an Zeit dauern, bis Windows komplett mit Screenreader nutzbar ist, aber im Augenblick kann niemand außer Microsoft selbst sagen, wie gut Win8 von Haus aus für Blinde bedienbar sein wird. Bis dahin sollte man auf NVDA setzen.

Ein Screenreader ermöglicht blinden Nutzern die Verwendung eines Computers. Mittlerweile haben Apple und Linux-Distributionen von Haus aus eingebaute Screenreader. Nur der Platzhirsch Microsoft verzichtet konsequent darauf.
Die wenigsten Leute sind sich bewusst, wie teuer so ein Screenreader ist. Für den Preis eines Screenreaders kann man sich mehrere Computer mit Vollausstattung auf den Tisch stellen, die bringen nur nichts, wenn man blind ist und keinen Screenreader hat.
Die horrenden Preise von Hilfsmitteln sind ein Dauerthema. Faktisch führt das dazu, dass Blinde fünf bis zehn Jahre hinter der aktuellen Technik zurückbleiben. Bei Windows XP hat das sicherheitsrelevante Folgen. Viele der Nutzer des Internet Explorer 6 oder anderer unsicherer Software dürften Blinde sein, die nicht updaten können oder wollen, weil ihre veraltete Hilfsmittelsoftware die jeweils aktuellen Programme nicht unterstützt. Jede Änderung des Systems kann zur Folge haben, dass der Screenreader stumm bleibt. Es gibt einen freien Screenreader für Windows, den NVDA, der allerdings noch nicht reibungslos einsetzbar ist.
Für Blinde ist es zudem ein großer Schritt, wenn sie von einem Betriebssystem auf ein anderes wechseln. Graphische Benutzeroberflächen erleichtern für den Normaluser den Umstieg, der Blinde muss aber nicht nur ein neues Betriebssystem, sondern auch die neue Bedienungsphilosophie seines Screenreaders kennenlernen.
Auch für das neue OS von Microsoft für mobile Geräte scheint keine blindengerechte Bedienung vorgesehen zu sein. Hier könnte MS ordentlich Federn lassen, denn Apples iPhone und Googles Android haben bereits oder sollen eine von Blinden bedienbare Oberfläche bekommen.

2 Gedanken zu „Windows kommt ohne eigenen Screenreader aus“

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