Zugänglichkeit – über Shells, GUIs und Audio

Das Leben des blinden Computernutzers bleibt immer spannend. Er darf sich jedes Mal aufs Neue überraschen lassen, ob er ein bestimmtes Programm bedienen kann oder nicht. Viele Programme lassen sich zumindest teilweise über Tastatur bedienen, viele andere aber nicht. Spaßig wird es, wenn sich Teile des Programms per Tastatur erreichen lassen, andere Funktionen aber hinter Icons auf der Programmoberfläche versteckt sind. Im zweifelsfall wird der Blinde nie erfahren, dass es solche Funktionen gibt. Blinde sind nämlich ebenso wenig geneigt, Dokumentationen zu lesen wie Sehende.

Dabei könnte alles so einfach sein, wenn die Programmierer und Entwickler die Tastatur nur als einen Zugangsweg betrachten würden, der mit der Maus gleich berechtigt ist. Spannend wird es jetzt, weil sich zwischen Maus und Tastatur nun der Dritte Weg über Touchpads etabliert. Alle komplexen mobilen Betriebssysteme werden ohne Anpassung für Touchscreens scheitern.

Es ist ein offenes Geheimnis: Benutzer von Tastatur und der Kommandozeile kommen nach einer gewissen Einarbeitung schneller zum Ziel als die Benutzer graphischer Oberflächen. Eine große Ausnahme ist die Fotobearbeitung. Die Textverarbeitung hingegen ist ein gutes Beispiel: Ein Darstellungsproblem ließe sich in HTML wesentlich schneller lösen als etwa in einem Word-Dokument.
Die Kommando-Zeile ist die Alternative zur GUI, die Tastatur ist die Alternative zur Maus, der audivitive Zugang ist die Alternative zum optischen Zugang.
Wenn man heutzutage mehrere Hundert Euro für ein Betriebssystem ausgibt, dann sollte man auch den Zugang bekommen, den man benötigt. Microsoft aber hat bis heute im Gegensatz zu anderen keinen auditiven Zugang zu seinen Betriebssystemen. Im Gegenteil, viele grundlegende Funktionen sind nur per GUI und Maus zugänglich. Das Unternehmen hat viel Geld in eine graphische Benutzeroberfläche gesteckt, die kein Mensch wirklich braucht, aber keinen Euro in einen Zugang, der auch Blinden zugute kommt.
Nebenbei bemerkt nutzen solche Zugänge auch Menschen mit Lern- oder Leseschwäche, die sich damit auch die Oberfläche erschließen oder sich lange Texte vorlesen lassen können.

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