Websites mit Usern testen

Websites werden immer komplexer. Heute können dank AJAX und flotter Browser ganze Anwendungen im Netz laufen. Zum Beispiel Google Office, die Verwaltungsprogramme für server und teilweise schon Fotobearbeitungen. Handfest wird es dann, wenn ganze Shops im Internet aufgebaut werden und nur dort zu finden sind. Hier hängt das gesamte Geschäft davon ab, dass der Nutzer

  1. die Seite schön findet
  2. sein Produkt findet
  3. problemlos zu einem Abschluss gelangt

Dennoch wirken viele Shops unausgegoren. Ich denke, die Ursache liegt schlicht darin, dass diese Angebote nicht von Nutzern getestet worden sind.
Das ist bei Software bereits seit Jahren üblich. Selbst Microsoft stellt seit geraumer Zeit seine Office-Anwendungen und das Betriebssystem Windows 7 für Tests zur Verfügung. Der Hauptgrund für das grandiose Scheitern von Vista war schlicht, dass die Software von Technikern und Designern entwickelt wurde, aber meilenweit an den Nutzern vorbei ging. Adobe stellt meines Wissens nach keine Betas zum Testen bereit, was erklären mag, warum viele ihrer Programme als kompliziert gelten und alles andere als stabil laufen.
Meines Wissens nach ist es zumindest in Deutschland noch immer unüblich, Websites von Nutzern testen zu lassen. Amerikanische Seiten wirken oftmals – nicht immer – wesentlich durchdachter in ihrer Funktionalität. Das liegt sicher daran, dass hier im Hintergrund wesentlich mehr Geld steht.
Nun mag man einwenden, dass bei großen Projekten die besten Techniker und Webdesigner und speziell auf Usability – sprich Nutzerfreundlichkeit – geschulte Leute sitzen. Das mag sein, trifft aber nicht den Kern der Sache: die genannten drei Gruppen ziehen an verschiedenen Strängen. Die Techniker mögen es eher einfach und würden am liebsten eine Shell hinstellen, der Nutzer soll die Dokumentation lesen und kann dann auf alle Finessen der Site zugreifen. Der Designer will vor allem eine gut aussehende Seite, wo das Verhältnis von Bildern, Texten und Spalten perfekt abgestimmt ist. Der Usability-Experte möchte einen Haufen redundanter Informationen: Texte, funktionale Icons und Standardfarben, die den Nutzer zum Ziel führen. Marketing und PR möchten ihre schicke Corporate Identity und das Corporate Wording unterbringen.
Im Grunde ist nur so zu erklären, warum Läden wie Tauschticket oder >a href=“www.booklooker.de“>Booklookernicht besonders attraktiv sind. Bei Tauschticket kann man nicht einfach nach Produkten suchen, sondern muss eine Kategorie auswählen und sich für eines der Suchfelder entscheiden. Andere Läden hätten hier eine einfache Filterfunktion für die Suchfunktion eingesetzt.
Der Marktriese Amazon macht ebenfalls Unsinn: Er blendet unterhalb der echten Suchergebnisse weitere Ergebnisse ein, die nichts mit der eigentlichen Suche zu tun haben. Wenn es also 50 Treffer zum Suchbegriff „Matlock“ gibt, aber nur eine DVD tatsächlich Matlock enthält, dann wurde der Kunde in seiner Erwartung getäuscht. Dagegen wäre ansonsten nichts einzuwenden, wenn diese verwandten Ergebnisse von den eigentlichen Suchresultaten abgehoben werden.
Wer bei EBay einen Artikel einstellen möchte, muss ein ellenlanges Formular ausfüllen. Für manche mag das besser sein, andere hätten lieber ein Formular, welches die verschiedenen Teile des Formulars wie Artikelbeschreibung, Zahlungsmodalitäten und so weiter auf mehere Seiten aufteilt. Für EBay wäre es ein leichtes, optionale Formulare anzubieten, aber der Marktführer tut das nicht.
Der Blinde stößt auf Dutzende handwerklicher Fehler. Bei einer Site wurden Formularfelder falsch oder gar nicht ausgezeichnet. Bei einer anderen Seite lassen sich Funktionen der Site nicht per Tastatur aufrufen. Wieder andere Seiten sind vollkommen falsch strukturiert. Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf die Webdesigner. Da man die beauftragte Agentur im seltensten Falle kennt, trifft es letzten Endes die Firma, die hier schlampig gearbeitet hat.
Deswegen sollten neutrale Benutzer möglichst frühzeitig in die Entwicklung einbezogen werden. Mit einem Gewinnspiel oder anderen Goodies kann man den Anreiz erhöhen, ein differenziertes Feedback zu geben.

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