Orientierung und Mobilität – wird der Blindenstock überflüssig?

Mittlerweile gibt es eine Reihe technischer Hilfsmittel, die Blinden die Orientierung und Mobilität erleichtern können. Mit blindengerechten Navigationssystemen ist es möglich, sich auch in unbekannten Gegenden zu bestimmten Orten lotsen zu lassen. Es soll auch funktionstüchtige Geräte geben, welche die Dimension des blindenstocks erweitern können.
Dazu muss man wissen, dass ein Blindenstock ein eher unzureichendes Mittel ist, um seinen Besitzer vor Hindernissen zu schützen. Der blindenstock tastet eine Fläche von etwa zwei Schritten ab, deckt aber nur unzureichend die Gegend um die Hüften und oberhalb der Hüften gar nicht ab. Der Stock ist hervorragend, um Stolperfallen wie Treppen zu erkennen, aber praktisch ungeeignet für herabhängende Hindernisse. Wenn ich auf einen parkenden LKW zugehe, dann befindet sich der Stock wegen der Höhe der Reifen bereits unter dem Fahrzeug, bevor ich gestoppt werde. Der unsanfte Kontakt mit Rückspiegeln oder Marquisen gehört zum Alltag des blinden.
Elektronische Hilfsmittel können allerdings nur einen zusätzlichen Nutzen bieten. Kein blinder, der den Umgang mit dem Stock gelernt hat wird jemals auf den haptischen Kontakt mit seiner Umwelt verzichten. Der Blindenstock ist zudem das einzige tatsächlich bekannte Kennzeichen für einen Blinden, damit Passanten, Autofahrer und andere auch mitbekommen, dass sie aufpassen müssen.
Zudem kann man sich niemals auf ein elektronisches Hilfsmittel verlassen. Ein Navi ist nichts anderes als ein computer und Computer machen oft nicht das, was sie tun sollen. Es reicht schon, dass die Batterie leer ist und schon ist man auf sich selbst zurückgeworfen. Von diversen Bugs, von denen alle diese Systeme immer mal betroffen sind, wollen wir gar nicht reden. Frei nach Murphys Law wird alles passieren, was passieren kann und üblicherweise dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.
Navis können die Mobilität erhöhen, aber nicht die Orientierung. Bisher mangelt es einfach an brauchbaren, blindengerechten Informationen. In ein unbekannten Gegend müsste ein Blinder zum Beispiel wissen, wo eine blindengerechte Ampel oder ein Zebrastreifen ist. Eine komplexe und unbekannte Kreuzung zu überqueren, dürfte für einen Blinden unmöglich sein und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie ein elektronisches Hilfsmittel, so ausgefeilt es sein mag das möglich machen sollte.
Der Blindenstock ist also das bei weitestem beste Hilfsmittel, das es gibt und wird uns noch lange Zeit erhalten bleiben.

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One Response to Orientierung und Mobilität – wird der Blindenstock überflüssig?

  1. Sabine Görg says:

    Glücklicher weise, gibt es noch Menschen die auch wissen das Elektronischehilfsmittel nicht immer zuverlässig einsetzbar sind.
    Daher bin ich der Meinung das der Blindenführhund das effektivste “Hilfsmittel” auser dem Blindenstock ist!!!
    Außerdem hat man in Begleitung des “Hundes” immer die Chance auf soziale Kontakte, ein weiterer wichtiger Punkt der für einen “Hund” spricht, ist das man jeden Tag an die frische Luft kommt, und man ist auch als Singel niemals alleine, wenn man den Hund als gleichberechtigten Partner akzeptiert und ihn nicht als Sache sieht!

    15. Oktober 2010 “Der Tag des weissen Stockes”

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