David Gelernter über künstliche Intelligenz

Der Computerforscher David Gelernter hat dem Deutschlandfunk ein längeres Interview gegeben, in dem er vor allem über die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz sprach. Obwohl Gelernter zu den Vordenkern des Web gezählt wird, hat die deutsche Wikipedia keinen Eintrag zu ihm, so viel zur Überbewertung von Quantitäten. Gelernter erlangte traurige Berühmtheit als eines der Opfer des Unabomber.
Gelernter sagt, dass künstliche Intelligenz durchaus hilfreich ist, um bestimmte – mathematisch fassbare – Probleme zu lösen. Allerdings werden Computer niemals menschlich denken können, weil sie weder Körper noch (Selbst-)Bewusstsein haben.
Es besteht also eine klare Trennung zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz, die durchaus nützlich ist:

Nun, ich würde schon sagen, diese ganze Beschäftigung mit Computern und Computerwissenschaft, dass das schon sehr, sehr, sehr wichtig war, weil selbst das letztendlich, die menschlichen Hirne und das menschliche Denken, das hat es ja schon auf jeden Fall weitergebracht, weil wir ganz oft davon ausgegangen sind – wir haben es einfach mal als Hypothese aufgestellt – den Computer wie ein menschliches Gehirn in irgendeiner Form zu betrachten, hat das einfach geholfen, dass man ein ganz neues Denken über das menschliche Denken und über das menschliche Hirn erst mal ermöglicht hat. Und das war unglaublich nützlich, auch wenn es jetzt nicht unbedingt gelungen ist und meiner Meinung nach auch nicht notwendig ist, einen menschenähnliches Hirn bei digitalen Computer oder bei digitalen Speichermedien zu entwickeln. […] Und da ist einfach der Computer ein nützliches Werkzeug, uns da weiterzubringen, weil es ist durchaus möglich, noch viel bessere Software zu entwickeln, noch viel intelligentere Software zu entwickeln, zum Beispiel Software, die uns hilft, diesen enormen Datenstrom, den es jetzt gibt, einfach besser zu filtern, besser zu bewältigen, besser zu kontrollieren. Da kann eben dann Software eben helfen, den Menschen näherzukommen, ohne eben selbst eine menschenähnliche Software zu sein. Quelle

Ein wenig redaktionelle Bearbeitung hätte dem Interview nicht geschadet, was er aber sagt: Es ist gar nicht nötig, dem Computer menschliche Intelligenz beizubringen.
Tatsächlich ist das Verhalten komplimentär oder wechselseitig: Der computer ist ein nützliches Werkzeug des Menschen, der Mensch kann heute ohne Computer gar nicht mehr existieren. Alle komplexen Systeme von der Energieversorgung über den Straßenverkehr bis hin zur Landwirtschaft basieren zumindest im Westen in irgendeiner Form auc Computern. Deshalb sind es nicht nur die Computer, die weiter entwickelt werden müssen. Es sind vor allem die Menschen, die mit diesen Geräten arbeiten. Es ist zu bequem, sich auf die Intelligenz der Algorithmen zu verlassen, um etwa seine Investitionen zu platzieren oder den Informationsstrom zu filtern. Doch Algorithmen werden von Menschen gemacht und Menschen können Fehler machen.