Magnum p. i. – warum die Serie bis heute funktioniert

Viele Serien der 80er wirken heute antiquiert und wären wohl nicht mehr erfolgreich. Kinight Rider oder Street Hawk zum Beispiel
Magnum ist eine Krimiserie, die in gewisser Weise das Band zwischen den 70ern und 90ern bildet. Viele Menschen zwischen 30 und 50 sind mit den Serien der 80er aufgewachsen: A-Team, Hart aber herzlich, Knight Rider, Ein Colt für alle Fälle, Simon und Simon oder Ein Trio mit vier Fäusten. Obwohl sie alle sehr unterschiedlich sind, strahlen sie alle einen heute etwas muffig wirkenden Charme aus. Allen gemein sind die etwas flachen Geschichten. Außerdem sind die Serien als klassische Serienplots angelegt, die Folgen stehen zusammenhanlos nebeneinander.
Magnum dürfte eine der ersten populären Serien sein, wo dieses Schema durchbrochen wurde. Ähnlich wie später bei Deep Space Nine gibt es Personen, die in größeren Abständen wieder auftauchen.
Die Serie gewinnt ihren Charme weniger aus den oft nicht so spannenden Geschichten, sondern aus dem Zusammenspiel der Charaktäre und den Running Gags, von denen die Serie durchzogen ist. Magnum ist ständig pleite, eher schlampig und geht körperlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg. Er verhandelt vor allem in den ersten Staffeln mit Higgins ständig über die Nutzung der Ressurcen des Anwesens und nimmt Leistungen von T.C. und Rick ständig in Anspruch, ohne eine echte Gegenleistung anzubieten. Die Charaktäre prallen ähnlich wie beim A-Team aufeinander und die Komik erwächst aus diesem Zusammentreffen, wobei das A-Team die Selbstironie stärker herausstellt
Wie bei einer Zwiebel schälen sich nach und nach die Eigenschaften und die Vergangenheit der Hauptfiguren heraus. Erst allmählich erfährt man mehr über die Vergangenheit der vier Hauptfiguren. Der etwas blasse Rick gewinnt im Rahmen der Serie erst nach und nach an Charakter, Higgins wird einem erst später allmählich sympathisch und auch TC wirkt am Anfang noch ein wenig flach. In den ersten Staffeln wirken die drei oft nur als Stichwortgeber und Nebenfiguren der Serie, während sie später nach und nach wichtigere Rollen einnehmen.
Ähnlich wie bei den Simpsons funktioniert jede Episode als eigenständige Folge, aber anders als bei den Simpsons ist eine Weiterentwicklung auf der Metaebene zu erkennen.
Das Vietnam-Thema zieht sich durch die komplette Serie, Magnum, Rick und T.C. sind Kriegskameraden, der Krieg nur wenige Jahre her. Vor allem in der ersten Staffel, die Ende der 70er Jahre spielt, erlebt Magnum Flashbacks, die sich um seine Erfahrungen in Vietnam drehen. Wie im realen Leben lassen diese Flashbacks allmählich nach, ohne das die Vietnamproblematik vollständig verschwindet. Obwohl T.C. und Magnum das Vietnam-Trauma verfolgt, sind sie kaum in der Lage, sich das gegenüber einzugestehen.
Die Spannungen zwischen Magnum und Higgins sind zu Beginn wesentlich schärfer und weichen nach und nach einer freundschaftlichen Rivalität, einem respektvollen Wetzen der Klingen. Higgins freundet sich nach und nach auch mit T.C. und Rick an, was aufgrund der unterschiedlichen Charaktäre und Lebensstile sehr überaschend ist. In der Rückschau lässt sich die gesamte Serie als die Suche nach einem Sinn für sein Leben durch Magnum verstehen. “On the road of experience, trying to find my way, sometimes I wish, I could fly away” ein Countrysong von John Denver ist das Hauptthema der letzten Magnum-Folge.
Magnum ist zugleich das perfekte Gegenstück zu den hard boiled-Detektiven a la Philip Marlowe. Er geht körperlichen Auseinandersetzungen und Problemen oft aus dem Weg, ohne dass er ihnen entkommen kann. Er ist zwar chronisch pleite, lebt aber auf die Kosten von Robin Masters und seiner Freunde ein teils aufwendiges Leben. Die beiden Welten der hard boiled Stories und der 80er Deteektiv-Serien prallen zusammen in den Folgen, in denen Luther Gilles auftritt.
Anders als die harten Macho-Typen wird Magnum oft unterschätzt wegen seines legeren Auftretens. Er ist fast immer in Hawaii-Hemd und kurzen Hosen unterwegs und deswegen nicht ganz ernst genommen.
Dennoch scheint er sich während der Serie weiter zu entwickeln. Er legt sich nach und nach ein seriöseres Image zu und versucht zuletzt sogar, einen langweilen Job als Hoteldetektiv zu bekommen.
Viele Folgen und die Serie als Ganze sind an die klassische Heldenreise angelegt. Oft wider Willen wird Magnum in Schwierigkeiten hineingezogen. Er kämpft einerseits gegen die Schurken der Gegenwart, aber auch gegen die Dämonen der Vergangenheit, die ihn und seine Freunde heimsuchen.
Last not least ist Magnum eine Geschichte über Männerfreundschaft. Obwohl die vier Hauptfiguren grundverschieden sind, werden sie durch die gemeinsamen Erlebnisse zusammengeschweißt und sie halten trotz Konflikten immer zusammen.
Interessant ist auch, das wichtige nebencharaktäre der Serie sterben. Das kennt man so aus keiner Serie dieser Zeit.
Einige der Folgen weichen vom typischen Schema der Serie ab. So finden sich die vier Hauptcharaktäre auf einmal in Kamboscha mitten in einem Kriegsgebiet wieder. Ein andermal wird die Serie eine Omage an Sherlock Holmes. Und dann findet sich Magnum plötzlich in den 30er Jahren.
Gelegentlich gleitet die Serie auch ins Soapige ab, wenn Magnums Ex-Frau Michelle die Bühne betritt. Nicht alle Folgen sind gleichermaßen gelungen, aber das ist bei 160 Folgen auch zu erwarten. Die Serie folgt ein wenig zu oft dem Klischee der hübschen Mandantin, die durch den bärigen Detektiv gerettet wird.
Interessant ist das Serienschema von Magnum dennoch. Während andere Serien dieser Zeit wie Raumschiff Enterprise – das nächste Jahrhundert, aber auch viele andere Serien folgen einem sehr starren Serienschema, das praktisch in keiner Folge durchbrochen wird. Bei Magnum werden einzelne Figuren in einzelnen Episoden näher betrachtet. Auch Nebenfiguren wie Mack, Tanaka oder Luther Gilles werden teilweise in den Vordergrund gerückt. Beim A-Team waren die meisten Nebenfiguren praktisch nur Animateure für die Hauptfiguren.

Ist Higgins Robin Masters

Robin Masters ist der offizielle Eigentümer des Grundstücks, das von Higgins verwaltet wird. Magnum ist für die Sicherheit zuständig. Masters ist so gut wie nie auf seinem Grundstück und taucht nur in wenigen Folgen überhaupt auf. Erst in der siebten Staffel stellt Magnum die Frage, ob Higgins der eigentliche Robin Masters ist. Als Magnum Higgins direkt fragt, sagt dieser zunächst Ja, um dieses Geständnis später zu widerrufen.

Könnte Higgins Robin Masters sein? Aus der Serienlogik heraus lässt sich das eindeutig verneinen. Robin Masters existiert offensichtlich als Person, und es gibt zahlreiche Personen, die ihn schon lange kennen.

Möglich ist aber, dass Higgins der eigentliche Eigentümer des Grundstücks und Autor der Schmöker ist, die angeblich aus Robins Feder stammen. Higgins ist ein englischer Lord, der sich möglicherweise geniert, als Autor von Schundliteratur betrachtet zu werden. Es gibt zahlreiche Analogien zur Shakespeare-Debate. Demnach hat ein englischer Adliger die Stücke geschrieben, die von dem untalentierten Shakespeare inszeniert wurden.

Higgins kann in seiner Rolle als Gutsverwalter die Vorzüge des Reichtums genießen, ohne von Journalisten und anderen Leuten belästigt zu werden. Sein Vermögen sollte ausreichen, um die eigene extravaganten Hobbies zu pflegen und Robin Masters durch die Weltgeschichte tingeln zu lassen.

Es gibt ein paar episoden, die dagegen sprechen: Einmal verspielt Robin das Grundstück bei einem Baseballspiel, allerdings war das Spiel gezinkt. Ein anderes Mal behauptet Higgins, das Grundstück gehöre ihm vor einigen seiner Militärkollegen. Anschließend gesteht er ein, dass ihm Ehrlichkeit wichtiger ist als Prallerrei und das er nur Gutsverwalter ist.

In beiden Fällen hätte Higgins eingestehen können, dass er der ware Herr ist und Robin somit kein Recht habe, das Grundstück zu verspielen. Vielleicht hätte er das auch gemacht, wenn die Gefahr, das Grundstück zu verlieren real geworden wäre. Andererseits gilt das Gentleman Agreement, demnach ist ein Spiel ein Spiel und die Regeln müssen auch eingehalten werden, wenn es unangenehm wird.

Man mag argumentieren, dass das Versteckspiel auch unehrlich ist und damit gegen Higgins Auffassung von Ehre verstoßen würde. Das widerum denke ich nicht. Higgins hätte es als Spiel betrachten können, welches er so lange weiter spielt, bis er eindeutig geschlagen würde.

Für die Higgins-Theorie spricht, dass Higgins ein typischer Erzähler ist und auch viel schreibt. Sein Hang, langweilige Kriegsanekdoten zu erzählen deutet auf eine Affinität zum Erzählen hin. Als ein Kamerad ermordet wird und ein zweiter Kamerad auftaucht und mit Higgins die Hintergründe aufklärt schreibt Higgins anschließend diese Geschichte auf, das ist die erwähnte Omage an Sherlock Holmes. Er hat also Talent zum Schreiben.

Vieles spricht also dafür, dass Higgins der Autor der Masters-Werke und Eigentümer des Grundstücks ist.