Nachdem ich mich im ersten Teil mit Dekographiken und im zweiten Teil mit inhaltlichen Bildern befasst habe, kommen im glorreichen dritten und letzten Teil die funktionalen Graphiken dran.
Funktionale Graphiken sind Graphiken, mit denen eine Funktion verbunden ist;-) Sie werden auf praktisch allen Webseiten eingesetzt, bekannt ist das Druckersymbol für Druckfunktionen und das RSS-Symbol, das wohl für Schallwellen stehen soll.
Diese Symbole sind äußerst eingängig, weil wir sie teilweise schon aus anderen Kontexten kennen: den Desktop-Anwendungen, wo sie von Normal-Sehenden und Maus-Liebhabern ausgiebig genutzt werden.
Abgesehen von Blinden und stark sehbehinderten Menschen kommen diese Graphiken praktisch allen Menschen zu Gute, wenn sie gut gewählt und eingängig sind. Sie machen aus einer komplexen Interaktion mit der Website einen einfachen und intuitiven Prozess. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten erleichtern sie ungemein die Bedienung der Seite.
Wahl der Symbole
Um ein Symbol verwenden zu können, sollte es hinreichend bekannt sein. Webdesigner mögen viel Energie in eine hübschere Metapher zum Einkaufswagen investieren. Das bringt aber nur etwas, wenn die Funktion “Ware in eine Zwischenablage speichern, um sie beim Abschließen des Bestellvorgangs mit weiteren Waren zu bestellen” dem NUTZER deutlich wird. Diese ausschweifende Funktionsbeschreibung macht den Sinn dieser simplen Metapher vom Warenkorb deutlich. Statt langatmige Erklärungen abzugeben, versteht jeder Mensch mit ein wenig eShopping-Erfahrung, was mir der Erschaffer der Seiten mit dem Warenkorb-Symbol mitteilen möchte.
Das gilt natürlich nur für Funktionen, die hinreichend etabliert sind. Nehmen wir an, ich erfinde eine vollkommen neue Funktion, wenn ich etwa eine neue Webanwendung etabliere. Dann kann bzw. muss ich mir eine eigene Symbolsprache ausdenken, sofern keine Vorbilder vorhanden sind. In diesem Falle komme ich kaum daran vorbei, dem Nutzer einen Lernprozess zu unterwerfen, indem er bei der Nutzung der Anwendung nach und nach auch die Funktionen der Symbole kennen lernt und die verwendete Bildsprache versteht. Eine Bildsprache muss ebenso konsistent und intuitiv verständlich sein wie die Alltagssprache. Ich würde mir nicht zutrauen, so etwas zu entwickeln.
Die größe der Funktionsgraphiken
Ich denke, es leuchtet auf Anhieb ein, dass jede Graphik so groß sein muss, dass sie mit der Maus gut anzuklicken ist. Die Graphiken müssen einen gewissen Abstand zueinander haben und sie sollten bei normaler Auflösung auf einem mittelgroßen Bildschirm gut zu erkennen und gut anzuklicken sein. Das sie mit der Tastatur per Tab-Taste erreichbar sein sollten, ist ebenso selbstverständlich, ich schreibe es aber trotzdem. Für Menschen mit motorischen Schwierigkeiten, die mit einer Maus oder einem speziellen Eingabegerät arbeiten, sind Winzgraphiken ein Graus. Frustrationen dieser Art führen mit Sicherheit dazu, dass selbst der geduldigste Nutzer der Site den Rücken zukehren wird, um nie wieder zurückzukommen.
Auszeichnung
Hier gilt das, was ich bereits in älteren Beiträgen ausgeführt habe. Blinde benötigen das Alt-Attribut, alle Nutzer brauchen den title, um bei Verwendung der Maus zu erfahren, welche Funktion sich hinter der Graphik verbirgt. Ein Briefxymbol könnte eine Kommentarfunktion, ein Leserbrief-Angebot oder ein E-Mail-Formular sein. Für Funktionstexte gilt immer das Gleiche: möglichst kurz, möglichst prägnant, möglichst eindeutig.
Weniger – dafür besser
Vor zwei, drei Jahren war es noch üblich, die Seite mit Social Bookmark-Symbolen zu überladen. Es gibt sicher viele Leute, die bis heute nicht wissen, was sich dahinter verborgen hat, zumal Dienste wie StumbleUpon oder Digg in Deutschland ohnehin keine Rolle spielen. Mittlerweile haben viele diese Dienste wieder entfernt und nur noch Facebook und Twitter auf ihren Seiten. Monopolisierung, ja sicher. Aber selbst diese Funktionen dürften nur einen Bruchteil der Leute interessieren. Und diejenigen, die wissen, was dahinter steckt sind wahrscheinlich selbst in der Lage, etwas in diesen Diensten zu posten.
Man sollte daher auf die wesentlichen Funktionen der Seite fokussieren und bei jedem einzelnen Symbol und jeder Funktion überlegen, ob diese Funktion gebraucht wird, ob sie an der richtigen Stelle steht und ob sie von hinreichend vielen Leuten genutzt oder verstanden wird.
Fazit
Diese kleine Bilderserie sollte eigentlich nur zwei Beiträge lang werden. Ich habe hier nur an der Oberfläche gekratzt und aus der Sicht eines Blinden beschrieben, wie vielleicht die Ansprüche andere Menschen mit Behinderungen aussehen mögen. Das Thema sieht zwar sehr komplex aus, ist in Wirklichkeit aber recht simpel, wenn man sich an die Basics hält: Bilder mit Bedacht einsetzen, sie ordentlich beschreiben und sie groß und deutlich genug anbieten, damit jeder sie möglichst gut erkennen kann.
Links
- Will you read 45 pages on how to writing alternate Text?
- Text alternatives for images: some examples
- Text alternatives for images: a decision tree
- Accessibility for web writers, part 2: Text alternatives for images
- Writing text alternatives for maps
- Zum ersten Teil: Platzhalter und dekorative Graphiken
- Bilder barrierefrei verwenden Teil 2 – inhaltliche Graphiken

[...] weiterlesen: Bilder barrierefrei einsetzen Teil 3 – funktionale Bilder | Blind-Text [...]
Toller und einleuchtender Artikel – danke! Hat mich motiviert, meine zwei neuen Blogs mal mit Blick auf “barrierefreie Bilder” anzuschauen – du lieber Himmer, da muss ich echt nacharbeiten!
Dabei WEISS ich dass alles, lange schon. Da ich aber Blogs schreibe, die bisher weitgehend vom Text leben und kaum von Bildern, ist mir das als “Stütze und Ankerpunkt” des Auges zunehmed erforderliche “dekorative Bildelement” selber unwichtig.
Entsprechend wenig Sorgfalt verwende ich darauf, denke daran nicht im Kontext “Barriere”, sondern eher als “nötiger Ballast”. Und übersehe glatt, dass der blinde Leser das nicht ebenso sehen kann, sondern z.B. durch ein nicht ausgefülltes ALT-Tag plus ein Title-Tag namens “492189_R_K_B_by_Gerd-Altmann_pixelio.de” völlig im Unklaren gelassen wird, um was es sich handelt.
Immer wieder gut, im Web jemanden zu treffen, der mal wieder auf den Pfad der Tugend verweist! :-)
Hey, danke. Ich denke, ein Großteil der Zugänglichkeits-Fehler beruhen auf Unachtsamkeit. Ein netter Hinweis durch einen Betroffenen verbunden mit einer kleinen Hilfestellung sollte häufig ausreichend sein, damit die größten Fehler oder Probleme behoben werden.
[...] und funktionalen Graphiken beschäftigen. Zum zweiten Teil: Inhaltliche Graphiken Zum dritten Teil funktionale Graphiken. Dieser Beitrag wurde unter Barrierefreiheit & Zugänglichkeit, Blinde & Sehbehinderte, [...]