Hörensagen – was weißt du über den?

Am Mittwoch starb Steve Jobs. Nun habe ich persönlich mit dem Mann natürlich nichts zu tun gehabt. Aber ich werde immer zwei Dinge mit ihm verbinden:
Mit dem iPhone, dem iPad und dem Mac hat er einen großen Schritt Richtung Universal Access gemacht. Wenn Steve Jobs nicht an die Spitze von Apple zurückgekehrt wäre, ist es zweifelhaft, ob es das jemals gegeben hätte. Apple war bis dato ein teures Produkt, gekauft hauptsächlich von Designern und Leuten, die es sich leisten konnten. Mit den modernen Eingabehilfen sind alle Produkte von Apple mit aktuellen Betriebssystemen eine Plattform, die für viele Behinderte zugänglich ist.
Das zweite ist seine bekannte Rede an der Uni Yale. Man mag denken, dass das auch nur Imagepolitik war, aber darauf kommt es gar nicht an. Wichtig ist, dass er die Leute damit berührt hat und wie viele Redner können das schon?Welcher Wall-Street-Banker würde ernsthaft sagen, dass man seinen Traum leben solle?

Was mich aber eigentlich zu diesem Beitrag bewegt ist die Frage, wie wir zu unserem Urteil über Menschen kommen. Jobs hat zu seinen Lebzeiten polarisiert, und er wird das in zehn Jahren noch tun. Kurioserweise kennen die meisten Kritiker ihn nicht persönlich.
Es ranken sich zahllose Anekdoten um berühmte Persönlichkeiten, die angeblich deren Charakter beschreiben. Oftmals wissen wir gar nicht mehr, wer diese Geschichten in die Welt gesetzt hat. Dann heißt es nur noch „Man erzählt sich“. Häufig genug dürfte es sich um Gegner oder frustrierte ehemalige Mitarbeiter handeln.
Im Grunde wissen wir also nicht, wie Jobs wirklich war und wir werden es nie wissen.
Mohandas Gandhi zum Beispiel war eine durchaus ambivalente Figur, wie er selbst in seiner Autobiographie deutlich macht.
Wir haben uns angewöhnt, durch Anekdoten über Menschen zu urteilen, wie orientieren uns nicht daran, was diese Menschen tatsächlich getan haben.
Es gibt etwas, was ich als die Ästhetik des Dagegenseins definieren würde. Wenn alle Welt behauptet, die Erde sei rund, dann würde es immer noch ein kleines Grüppchen geben, welche das Gegenteil behauptet. Die Freunde der Scheibenwelt würden sich je nach Gusto als kritische Geister, als eingeschworene Gemeinschaft oder als etwas Vergleichbares sehen. Wenn jemand sagt: „Alle sind der Meinung dass…“, juckt es euch da nicht auch in den Fingern zu sagen, ihr seid nicht dieser Meinung. Nicht, weil ihr wirklich dagegen seid, sondern weil das, was die Mehrheit annimmt, eigentlich falsch sein muss, weil wir ja klüger sind als die Masse und so weiter.

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