Zusammenarbeit in Gruppen

Viele Aufgaben können heute besser in einer Gruppe gelöst werden. Ob das in stundenlangen Meetings oder asynchron übers Netz geschieht, ist letzten Endes egal. Um die Gruppenarbeit zu verbessern, sollte man bestimmte Regeln beachten, die generell für die Zusammenarbeit von Menschen gelten.

Struktur im Chaos

Anarchismus und Basisdemokratie sind interessante Ideen. Sie funktionieren aber nur bedingt. Am Ende braucht man jemanden, der eine Entscheidung für das eine oder das andere trifft. Das muss nicht unbedingt eine einzelne Person sein. Der Parteienforscher Joachim Raschke hat festgestellt, dass es in jeder Partei einen strategischen Kern etwa fünf Personen gibt, welche die grobe Steuerung übernehmen. Raschke spricht von einem strategischen Zentrum.

Alles Pareto

Das Pareto-Prinzip ist eine Regel, die auf viele Lebensbereiche angewendet werden kann. Demnach verrichten 10 – 20 Prozent der Menschen 80 – 90 Prozent der Arbeit. Das ist vielfach mißverstanden worden:

  1. Es ist zum einen in der Wertschöpfung zu sehen. Die Entscheidungen eines hohen Managers haben finanziell höhere Konsequenzen als die Entscheidungen eines Müllmanns.
  2. Das heißt aber nicht, dass der Manager auf den Müllmann verzichten kann. Im Gegenteil: der Müllmann könnte auf den Manager eher verzichten als umgekehrt. Der Manager, der die Presseaussendung macht, den
    Müll wegbringt und die Toilette sauber macht kommt nicht mehr dazu, seine eigentliche Aufgabe zu erledigen.

Im Endeffekt – und diesen Satz sollte sich jeder Entscheidungsträger auf den Handrücken schreiben – ist jeder ersetzbar. Nochmal – jeder ist ersetzbar.

Zeit ist ungleich Effektivität

Ein damit verwandter Denkfehler ist der Glaube, wer mehr arbeite, leiste auch mehr. Effizienz besteht aber darin, aus der Zeit die meiste Leistung herauszuholen. Der eine erledigt die Arbeit in 30 Stunden, der andere in 50, wen würdest du eher einstellen? Deswegen ist es auch wenig beeindruckend, wenn die jungen Anwälte bei John Grisham 80 Stunden die Woche arbeiten.

Was ist zu tun?

Wichtig ist vor allem, die Mitarbeiter regelmäßig zu motivieren. Gute Ideen sollten aufgenommen und diskutiert werden. Auch wenn sie nicht komplett umgesetzt werden können, sollte man zumindest versuchen, sie teilweise in andere Ideen einfließen zu lassen. Grundsätzlich sollte es eine offene Kritikkultur geben.

Informelle Strukturen zulassen

Je größer die Gruppe ist, desto mehr sollte man informelle Strukturen zulassen. Aus jeder chaotischen Gruppe geht am Ende eine Form der Selbstorganisation hervor. Wer versucht, den kompletten Prozess zu steuern, erlebt folgendes: die Mitarbeiter übernehmen am Ende keine Verantwortung mehr, sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift und warten darauf, neue Befehle zu erhalten. Jegliche Eigeninitiative wird abgewürgt. Aber auch der komplette kreative Prozess wird abgewürgt, denn die Mitarbeiter erkennen schnell, dass ihre Ideen keine Anerkennung finden. Sie leben in einer Führerkultur, wo nur der Chef kreativ ist.

Amerikanisches Lob stinkt

Zu viel Loben nervt. Die Amerikaner haben generell eine andere Lebenseinstellung. Sie loben viel und finden erst mal alles ganz toll. Was für die Amerikaner erst einmal kulturell angemessen sein mag, kommt hierzlande eher als Anbiederung an. Lob für banale Aufgaben kommt eher negativ an.
Das selbe gilt für Understatement. Das ist eher in Großbritannien angesagt. Understatement soll Mitarbeiter und Vorgesetzte auf eine Stufe stellen. Es klingt aber häufig antrainiert – was es meistens auch ist. Der Mitarbeiter ist sich immer bewusst, dass er mindestens eine Stufe unter seinem Vorgesetzten steht und empfindet dessen Understatement als künstlich und gönnerhaft.

Weiterlesen

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  • The Power of connected Minds
  • James Surowiecki. Die Weisheit der Vielen. Bertelsmann 2009
  • Etienne Wenger. Digital Habitats; Stewarding Technology for Communities. Cpsquare 2009