Was soll daten denn? – wie der deutsche Datenschutz Innovationen ausbremst

Der Datenschutz ist in Deutschland ähnlich heilig wie das Reinheitsgebot für Bier. Während das beim Bier durchaus sinnvoll sein kann, hat man beim Datenschutz jeden Sinn aus den Augen verloren. Das verhindert die Entwicklung sinnvoller Anwendungen, die jedem von uns nutzen können.

Die halbe Welt hat sich über Deutschlands Vorgehen gegen Google Streetview schlapp gelacht. Es kann in einigen Fällen sinnvoll sein, Straßenzüge zu verpixeln, wenn es sich etwa um Frauenhäuser oder ähnlich defizile Einrichtungen handelt. Aber normale Gebäude? Damit lenkt man schließlich zusätzliche Aufmerksamkeit auf die verpixelten Gebäude.

Der Datenschutz killt Startups

Daten sind das Benzin des 21. Jahrhunderts. Fatalerweise begünstigt die Datenschutzbewegung die Big Player, die weltweit agieren und sich zumindest teilweise über Landesgesetze hinweg setzen. Sie testen die Grenzen aus und ein Gerichtsverfahren gehört für sie zum Alltag wie der morgendlche Kaffee.

Kleinere Player, die lokal oder national Ideen entwickeln, wie Daten dazu beitragen können, das Leben zu verbessern haben gar keine Chance. Sie kommen nicht an die Daten der Big Player heran und selber sammeln können oder dürfen sie nicht. Bis sie es einmal geschafft haben, genügend Daten zu sammeln, sind sie bereits in die Pleite geklagt worden. Entweder von Bürgern, die paranoid sind oder sonst nichts zu tun haben. Oder von Konkurrenten, die in der Regel das Wettbewerbsrecht als Hebel benutzen.

Nehmen wir an, ich möchte eine Anwendung entwickeln, um Staus zu reduzieren. Ich möchte dazu die GSM-Daten nutzen. Wenn X Personen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der A1 befinden und sich kaum von der Stelle bewegen, ist dort wahrscheinlich ein Stau. Ich gebe diese Info in Echtzeit an die restlichen Autofahrer weiter, die dann abfahren oder gar nicht erst drauf fahren. Das selbe im Zug: die Deutsche Bahn ist bekanntlich service-unfähig. Nehmen wir an, in einem ICE ist die vordere Hälfte überfüllt und die hintere fast leer. Das habe ich schon erlebt. Wir können dann ebenfalls über die Zahl der Handys diese Info ermitteln und für eine gleichmäßige Besetzung des Zuges sorgen. Aber so was braucht man in Deutschland anscheinend nicht. Hier sammelt man lieber Cent-Stücke statt Daten.

Für Menschen, die an Alzheimer oder Demenz leiden könnte eine App interessant sein, die regelmäßig Fotos schießt, Töne aufzeichnet oder ähnliche Erinnerungshilfen generiert. Möglich wäre das mit der Datenbrille von Google, Google Glasses.

Der deutsche Datenschützer würde hier sofort Bedenken äußern, wenn das Smartphone anderen Menschen in die Hände fiele.

Blöd bleibt blöd

Was glaubt ihr, welche Organisationen die meisten Daten in Verknüpfung mit eurem Namen sammeln? Google? Nein, denn Google weiß nicht, wo du wohnst oder zumindest kennt es die Adresse nicht. Facebook? Dasselbe. Microsoft? Absolut nicht.
Die größten Datenkranken sind die Auskunfteien, vor allem die Schufa sowie die Online-Versandhändler und praktisch alle systematisch angelegten Rabattsysteme wie Payback. Die kennen tatsächlich deine Adresse, in der Regel auch das Geburtsdatum, eventuell die Mailadresse. Schon einer dieser Faktoren würde ausreichen, eine Person mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf immer und ewig zu identifizieren.

Der Versandhändler deiner Wahl weiß zum Beispiel, welche Produkte du gekauft und dir angeguckt hast. Daraus lässt sich natürlich viel ableiten, was ja auch schon kräftig genutzt wird. Es werden Profile angelegt, aus denen Empfehlungen abgeleitet werden können. Bei anderen Rabattsystemen, die von großen Supermarktketten angwendet werden wissen die Jungs, wann du wie oft in den Laden kommst und welche Produkte du gekauft hast. Ob sie das tatsächlich speichern weiß ich nicht, aber 0,5 Prozent Rabatt kriegt man schließlich nicht zum Nulltarif. Lustigerweise scheinen viele zu glauben, diese kommerziellen Einrichtungen würden besser mit dem Datenschutz umgehen als der Staat. Für ein paar schlappe Euro oder eine halbgare Rabattaktion schleudern die Leute ihre Daten weg und schreien zugleich auf, wenn sie jemand nach ihrem Geburtsdatum fragt.
Als Google vor einiger Zeit seine Datenbrille vorstellte, kamen die typischen Reaktionen: die Amis sagten, toll, was man alles damit machen könnte. Die Deutschen sagten, oje, was man alles damit machen könnte.

In Deutschland wird praktisch täglich gegen die Datenschutzbedingungen verstoßen. Ähnlich wie beim Urheberrecht ist das ganze Gesetzeswerk unpraktikabel geworden und es wird eher noch verschlimmert.

Die Mehrkosten, die durch Datenschutzrichtlinien entstehen, verteuern die Produkte und Dienstleistungen. Wir alle bezahlen dafür mit unseren Steuern, ohne dass wir positives davon zu ewarten haben.

Die deutsche Passion für den Datenschutz ist für mich absolut nicht nachvollziehbar. Mein Eindruck ist, dass sich da ein paar paranoide Menschen ihre Ersatzreligion geschaffen haben. Ich hatte das schon einmal beschrieben: je intensiver man sich mit einer Sache beschäftigt, desto mehr steigert man sich hinein, bis man jedes reale Maß aus den Augen verliert.

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Johnnes Masing plädiert für so viel Datenschutz wie nötig, soviel Freiheit wie möglich.