Selbst ist der Publisher – meine Erfahrungen mit dem Tredition Verlag

Anmerkung: Da der Artikel recht alt ist, möchte ich darauf hinweisen, dass er nicht aktualisiert wird. Die hier beschriebenen Konditionen und Prozesse sind nicht aktuell und ich habe weder Zeit noch Lust, sie auf den neuesten Stand zu bringen. Ihr müsst euch also selber informieren.

Jetzt ist es soweit: mein erstes und hoffentlich nicht letztes eBook ist erschienen. Ich rechne so mit eine bis zwei Millionen Lesern und ca. 30 Käufern. Aber Scherz beiseite.
Pocketbook Pro 602 mit einem Ausschnitt aus Im Zeichen der Vier von Artur Conan DoyleIch habe mich für den Tredition Verlag entschieden, weil er mir das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland zu haben scheint. Scheint, weil ich noch nicht sicher bin, ob meine Erwartungen voll erfüllt werden – aber dazu später mehr.

Der Tredition-Verlag bietet die Herausgabe von Büchern, eBooks und Hörbüchern an. Er nimmt nach eigener Aussage fast jedes Buch an, wenn es bestimmte Mindeststandards erfüllt. Das ist natürlich eine gute Nachricht für Nischenautoren, die nicht mit großen Auflagen oder einem etablierten Verlag rechnen können. Es gehört zum Spiel bei solchen Verlagen, dass man alles selbst machen muss. Dazu gehört natürlich das Schreiben, aber auch das Redigieren, Illustrieren, das Marketing und so weiter. Tredition ist der Verlag, der sich um Druck bzw. um Distribution des Buches kümmert, den Rest muss der Autor selber übernehmen. Das ist trotz Verlag Selfpublishing. Für Selbständige ist das ja normal, alle anderen müssen umlernen,zumindest wenn sie tatsächlich eine nennenswerte Zahl von Büchern verkaufen wollen. Manchem reicht es ja schon, ein Buch mit dem eigenen Namen darauf ins Regal zu stellen. In diesem Fall ist er aber bei Books on Demand besser aufgehoben.

Tredition sorgt dafür, dass die Print-Bücher gedruckt und eBooks in den großen Shops angeboten werden. eBooks werden in vier gängige Formate konvertiert und u.a. bei Amazon und im Apple Store angeboten. Letzteres ist wichtig, weil man ansonsten als deutschsprachiger Autor nur mit Umwegen in iBooks reinkommt. Ein eBook zu veröffentlichen kostet aktuell pauschal 99 Euro. Ich denke, das ist angemessen. Eine ISBN gehört zum Lieferumfang. Wird das Buch im Tredition-Shop verkauft, fällt die Provision höher aus. Außerdem kümmert sich der Verlag um Zahlungsabwicklung, Auslieferung und so weiter. Verkauft man ein Buch in einem externen Store, erhält man pauschal 25 Prozent des Netto-Verkaufspreises. Wichtig ist hier im Hinterkopf zu behalten, dass die Preise für eBooks inklusive 19 Prozent Merhwertsteuer sind.

Warum nicht bei Amazon

Bei Amazon kann man seine Bücher auf der Kindle-Plattform kostenlos einstellen und den Preis selber festlegen. Die Provision ist in Ordnung, wenn man die starke Reichweite von Amazon bedenkt. Außerdem kann jederzeit ein Update des eBooks durchgeführt werden, das heißt, man lädt eine neue Version des Buches hoch und die Käufer des alten Buches erhalten die neue Version, meines Wissens nach ohne extra zahlen zu müssen. Meiner Ansicht nach ist das zeitgemäß, vor allem bei teureren Sachbüchern sollte man eine Zeit lang kostenlose Updates bekommen und ähnlich wie bei Software nur bei wirklichen Neuerungen bezahlen.

Jetzt kenne ich die aktuellen AGBs des Kindle-Shops nicht, aber ich vermute, Amazon möchte zumindest für eine bestimmte Zeit die ausschließlichen Verkaufsrechte. Für diese Zeit darf ich nirgendwo das Buch zusätzlich einstellen.

Kleines Update: Tatsächlich möchte amazon 90 Tage die Exklusiv-Rechte, wenn das Buch bei KDP Select angeboten wird. Der Autor kann über dieses Programm das Buch eine Zeitlang kostenlos anbieten bzw. von Prime-Kunden kostenlos ausleihen lassen. Der Grund für diese Regelung ist vermutlich die Buchpreisbindung.

Wenn ich mir andererseits die Verbreitung von iOS und Android angucke, sehe ich bei Apple und Google eine stärkere rolle bei elektronischem Lesestoff. Bei meiner Zielgruppe – Blinde und Sehbehinderte – spielt Apple eine zusätzlich höhere Rolle, da die Kindle-App für iOS und das Kindle-Gerät für Blinde nicht nutzbar sind. Außerdem habe ich die Kindle-Anwendung für Windows nicht dazu bekommen, mit NVDA zusammenzuarbeiten, obwohl sie screenreadertauglich sein soll.

Aus meiner Sicht ist es so oder so nicht sinnvoll, sich auf eine Plattform zu beschränken. Die Stärke von Tredition liegt sicher darin, dass sie sich darum kümmern, dass die eBooks auf allen möglichen Plattformen eingestellt werden, eine Aufgabe, die für einen einzelnen Autoren sehr aufwendig ist. Wenn auch noch jede Plattform ihre eigenen Abrechnungsmodi hat, wird es endgültig zur Sisiphus-Aufgabe, die man gerne abgeben wird.
Einen lesenswerten Bericht zur Veröffentlichung auf der Kindle-Plattform hat Wolfgang Tischler vom Literaturcafé geschrieben.

Die Vorteile von Tredition

Der Tredition-Verlag ist relativ jung. Aber obwohl er schon einige Titel im Angebot hat, habe ich relativ wenige Erfahrungsberichte gesehen. Der Ansatz ist gut, das Konzept noch verbesserungsfähig. Fangen wir mit den aus meiner Sicht positiven Seiten des Verlages an.

Mir gefällt der Ansatz, einmal einen gewissen Betrag zu bezahlen und dann nie wieder behelligt zu werden. Das ist der generelle Ansatz von Tredition: es gibt die Pauschale, die gezahlt wird, sobald das Buch eingereicht wurde. Solange man nichts ändern oder das Buch in einem anderen Format veröffentlichen möchte, entstehen keine Folgekosten.

Der Autor kann die Formatierung seines Buches relativ schnell selbst erledigen. Am Ende lädt man ein PDF hoch – warum auch immer sie dieses Format gewählt haben – wählt aus den Vorlagen ein Cover, lädt ein Bild für die Vorderseite hoch – das ars. Man kann auch selbstgestaltete Cover hochladen. Der Publikationsprozess ist soweit sehr einfach gestaltet – es sei denn, man ist blind, dann sollte man sich sehende Hilfe holen. Die Tastatursteuerung funktioniert aber ganz gut.

Sehr schön ist der Provisionsrechner, mit dem man ausrechnen kann, wie teuer ein Buch wird und wie hoch der Preis und daraus resultierend die Provision ausfällt. Das ist mal Transparenz.

Ein Vorteil kann auch sein, dass der Verlag mit der Plattform PAPERC zusammenarbeitet. Dort kann man – wenn man nicht blind ist – viele Fachbücher kostenlos online lesen oder zumindest reingucken.

Die Nachteile

Ein Nachteil ist sicher, dass es keine kostenlose Neuauflage gibt. Aus der Sicht von Tredition kann ich das verstehen. Jede Änderung erfordert, dass das Buch neu konvertiert wird, was natürlich zusätzliche Kosten verursacht. Trotzdem erscheinen mir 99 Euro für eine Neuauflage eines eBooks zu teuer. Ich würde den Satz für Neuauflagen reduzieren. So lohnt es sich im Augenblick für die Autoren von Sachbüchern kaum, innerhalb der drei Jahre Vertragslaufzeit neue Informationen oder Korrekturen des Buches rauszubringen. Mag aber sein, dass der Schwerpunkt des Verlags auf Belletristik liegt.

Ein zweites Problem ist die etwas chaotische Webseite, offensichtlich fehlt da ein guter Online-Redakteur. Es gibt widersprüchliche Informationen zur Gestaltung der Bücher. An einer Stelle werden bestimmte Formatierungen empfohlen, an anderer Stelle sieht es so aus, als ob die Formatvorlagen sowie die Formatierungsregeln vorgeschrieben sind. Ungewöhnlich fand ich zum Beispiel den vorgeschriebenen Blocksatz, der bei einspaltigem Text und Belletristik eher selten ist. Bis heute weiß ich nicht, ob die Formatvorlage nun Pflicht ist oder nicht, ich habe sie dann einfach verwendet.

Der Vertrag ist vermutlich ein Standardautoren-Vertrag. Ungewöhnlich erscheint mir die lange Mindest-Vertraslaufzeit von drei Jahren. In dieser Zeit darf ich jenseits des Verlages keine andere Fassung meines Buches rausbringen. Vermutlich will der Verlag damit seinen Anteil an den Bucheinnahmen sichern. Immerhin: der Standardvertrag sowie die AGB stehen offen auf der Webseite, jeder Autor kann sich also schon vorher überlegen, ob er da mitmachen will oder nicht. Ähnlich wie bei einem Mobilfunkvertrag würde ich hier unmittelbar nach Vertragsschluß kündigen, damit der Vertrag nach der Mindestlaufzeit ausläuft. Mehrjährige Verträge sind nicht mehr zeitgemäß.

Enttäuschend fand ich den Tredition-eigenen Shop. Er scheint ziemlich voller Bugs zu sein, zumindest bin ich immer auf der Startseite gelandet, wenn ich meinen Buchtitel angeklickt habe. Irgendwie hatte ich auch Probleme, mein Buch über das Suchfeld zu finden, da es nur einen Oliveira als Autoren gibt, hätte ich mich eigentlich finden müssen.
Es war mir auch nicht möglich herauszufinden, ob sie bei Tredition DRM für die eBooks verwenden oder nicht. In den AGBs stand zwar nichts davon, aber das muss ja nichts heißen.

Eher peinlich ist der Umstand, dass sie ihre Hörbücher ausschließlich im eigenen Shop anbieten. Der Shop ist für Blinde kaum benutzbar, so dass eine der größten Zielgruppen für Hörbücher sie nicht kaufen kann. Deswegen habe ich auch keine Zeit darauf verschwendet, aus meinem Buch ein Hörbuch zu machen. Zudem hat wohl noch niemand von Tredition-Hörbüchern gehört.

Außerdem scheint sich ein übereifriger Suchmaschinen-Optimist ausgetobt zu haben. Viele Seitentitel klingen so, als ob sie extra für Googler geschrieben wurden, Keyword-Stuffing und seltsame Satzkonstruktionen, das sieht ziemlich unseriös aus.
Ich bin noch unentschieden, ob ich mein nächstes Buch dort veröffentlichen werde, weil das eBook auch nach knapp drei Wochen noch nicht in anderen eBook-Stores zu finden ist. Sollte das tatsächlich mal passieren, könnte ich mich wieder für Tredition entscheiden. Definitiv kann ich das natürlich nicht entscheiden, da es bis dahin wieder neue Publishing-Plattformen geben kann. Einen nicht mehr ganz taufrischen Überblick bietet das Upload-Magazin.

Kleines Update vom 18.11.2012: Nach langem Überlegen habe ich mich entschlossen, mein nächstes Buch nicht bei Tredition anzubieten. Zwar ist das Buch zwischendurch in den Stores aufgetaucht, aber es hat dann doch etwas länger gedauert und der Hauptgrund dürfte mein kritischer Artikel hier gewesen sein. Andere Anbieter wie Bookrix, Neobooks oder ePubli zeigen, wie vernünftiger Service und eine aktive Community aussehen können. Eine dreijährige Vertragslaufzeit erscheint mir aus heutiger Sicht nicht sinnvoll. Das muss aber jeder von euch selbst entscheiden.

Erfahrungen mit ePubly- Update vom 16.12.2012

Wie schon oben beschrieben habe ich mich entschieden, unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr bei Tredition zu veröffentlichen. Wer einen Blick in die rechte Seitenleiste wirft sieht schon, dass mein neues Buch zum Einstieg in die Online-Redaktion gerade erschienen ist. Ich freue mich über zahlreiche Käufe.

Der Prozess des Einstellens bei ePubly war sehr einfach. Anders als Tredition bietet ePubly keine Buchvorlage, so dass man die Formatierung komplett selbst übernehmen muss.

Nachdem ich das Buch geschrieben und das Cover erstellt hatte, habe ich mich bei ePubly angemeldet. Das lief soweit problemlos. Zum Veröffentlichen außerhalb von ePubly benötigt man eine ISBN, die man sich selber besorgen kann – Kostenpunkt ca. 80 Euro. Ich habe hingegen eine ISBN von ePubly gegen 20 Euro pro Jahr gemietet, wenn ich meinen Autorenvertrag kündigen sollte, fällt die Nummer zurück an ePubly.

Ähnlich wie bei Tredition wird das fertige Buch hochgeladen und es werden diverse Texte wie die Kurzbeschreibung erstellt. An dieser Stelle darf ich eine kleine Warnung einschieben: Word ist mal überhaupt nicht zum Schreiben von Büchern geeignet und leider doppelt ungeeignet zur Erstellung valider ePub-Dateien. ePubly akzeptiert aber nur valide ePub-Dateien. Das Einfachste wäre wahrscheinlich, das Buch in einem HTML-Editor zu schreiben oder ein Programm zu verwenden, das echtes ePub exportieren kann. Ich habe dann mangels Geduld den Konvertierungsservice von ePubly in Anspruch genommen – Kostenpunkt einmalig 60 Euro.

Die Konditionen bei ePubly sind aus meiner Sicht gut: kurze Kündigungsfrist, die üblichen Tantiemen beim Verkauf eines Buches und das Einstellen in diverse Buchshops. Das Buch tauchte sehr schnell bei Amazon und Google auf und wird im Laufe der Zeit noch in weiteren Shops zu finden sein. Außerdem hat ePubly nur die Verbreitungsrechte am eBook, die Rechte für ein Printbuch, ein Hörbuch und natürlich die Filmrechte habe ich behalten.

Es gibt noch eine recht aktive Community, die ich aber mangels Zeit und Interesse nicht näher betrachtet habe. Es lief soweit alles rund. Die Konditionen sind in Ordnung, warten wir mal ab, wie viele tausend Bücher ich verkaufen werde.

Hinweise zum selbst Publizieren

Da ich öfter Nachfragen dazu bekomme, möchte ich hier noch ein paar allgemeine Hinweise zum Selfpublishing geben. Eine ausführliche Anleitung gibt es hier.

Zunächst sollte man sich immer über die eigenen Ziele im Klaren sein. Für mich ist ein eBook in erster Linie ein Marketinginstrument, es ist zwar schön, wenn ich damit Geld verdienen würde, aber nicht unbedingt notwendig. Aus diesem Grund habe ich auch kein Geld für ein professionelles Layout, Lektorat oder eine Illustration ausgegeben, diese Kosten hätte ich nie und nimmer wieder einspielen können.

Wer hingegen viele Titel verkaufen möchte und Wert auf Ästhetik legt, sollte nicht an der falschen Stelle sparen. Das fängt damit an, dass man möglichst viele Freunde und Bekannte gewinnt, die kritisch die Story des Buches prüfen und einen auf Fehler, Inkonsistenzen, schlechte Formulierungen und so weiter aufmerksam machen.

An einem guten Lektorat führt kaum ein Weg vorbei. Wir sollten uns bewusst sein, dass sogar Bestseller-Autoren ihre Bücher lektorieren lassen, wir also nicht darauf verzichten können.

Kaufentscheidend sind der Titel und das Cover des Buches. Man sollte also viel Hirnschmalz in einen guten Titel und einige Hundert Euro für einen guten Grafiker ausgeben, der ein entsprechendes Cover entwirft. Die meisten Leute gucken zuerst auf das Cover, dann auf den Titel und dann vielleicht auf die Kurzbeschreibung. Wer in diesen wichtigen zwei Sekunden die Aufmerksamkeit des potentiellen Käufers nicht halten kann, wird bald auf den hinteren Rängen der eBook-Shops untergehen.

Wirklich, der leichteste Schritt im ganzen Prozedere ist das Hochladen auf eine beliebige Plattform. Falls man nicht gerade Techies als Kunden hat, lohnt es sich nach wie vor, ein Buch als gedrucktes Exemplar etwa über Print on Demand anzubieten. Das Gros des deutschen Buchhandels ist Druck, insbesondere im Belletristik-Bereich. Wer Lesungen veranstalten möchte, sollte auch gedruckte Exemplare seines Buches dabei haben, um sie direkt an die geneigten Leser zu bringen. Ich empfehle daher, eine professionelle Druckvorlage erzeugen zu lassen, daraus eine eBook-Vorlage zu produzieren ist hingegen nicht so aufwendig.

Und dann heißt es Trommeln, Trommeln, Trommeln. Deutsche Bescheidenheit und englisches Understatement mögen Tugenden sein oder nicht, Bücher im Selfpublishing verkauft man damit nicht. Der Autor selbst muss sich zur Marke machen. Er muss auf Facebook mit seinen Käufern sprechen, er muss sein Buch in den genre-eigenen Foren vermarkten und er muss immer die Balance zwischen Eigenwerbung und Selbstbeweihräucherung halten. Ich kann gut verstehen, wenn man darauf gerne verzichten möchte, aber in diesem Fall hat man wesentlich schlechtere Karten. Man kann aber auch das Marketing für das Buch aus der Hand geben, was aber natürlich auch Geld kostet.

Was man nicht machen sollte: Positive Rezensionen zum eigenen Buch schreiben, andere Autoren und die Konkurrenz schlecht machen, negative Kommentare löschen (wenn sie legitim sind).

Und natürlich sollte man das Kleingedruckte beachten. Da geht es um Autorenverträge, ausschließliche Verbreitungsrechte, Nebenrechte und vieles mehr. Vor allem bei Plattformen, die neu gestartet sind rate ich davon ab, längerfristige Verträge abzuschließen. Die Plattformen schießen gerade aus dem Boden, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass viele von ihnen den harten Preiskampf nicht überleben werden. Also, keine Verträge mit Ausschließlichkeitsforderungen abschließen, wenn man nicht als Konkurrenzmasse verschleudert werden möchte. Versuche möglichst viele Rechte zu behalten, sprich mit dem Verlag, wenn dieser dir die Rechte wegnehmen möchte und schieß ihn in den Wind, wenn er auf deine Forderungen nicht eingeht.

Das andere ist die Anmeldung beim Finanzamt. Wer sich nicht frühzeitig um diese Angelegenheiten kümmert, für den kann es ein böses Erwachen geben, wenn das Finanzamt einen plötzlich als Gewerbe einstuft und man alle möglichen Abgaben rückwirkend nachzahlen muss. Das Problem ist kurz gefasst folgendes: Ein freier Schriftsteller ist ein Freiberufler. Ein Autor, der seine Bücher selbst verlegt kann aber als Verlag eingestuft werden, also als Gewerbe. Das Hochladen auf eine eBook-Plattform kann bereits als Verlagstätigkeit eingestuft werden. Es gibt da diverse Fallstricke, so dass hier die Rücksprache mit einem Steuerberater und ggf. mit dem Finanzamt nötig ist. In den entsprechenden Foren wird das Thema heiß diskutiert, im Ergebnis gibt es aber bisher noch zu wenig Erfahrung, um eindeutige Empfehlungen zu machen. So oder so, die Einnahmen aus dem Verkauf von eBooks müssen versteuert werden, zumindest daran gibt es keinen Zweifel. Wer angestellt ist und nebenbei ein paar Euro durchs Schreiben dazu verdient, der kann eventuell die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, einfach einen Steuerberater fragen.

Für jemanden, der vom Schreiben lebt und der als Freiberufler oder Gewerbe angemeldet ist, sollte es auch möglich sein, eingekaufte Leistungen wie Lektorat oder Illustration von der Steuer abzusetzen. Wie es bei anderen Freiberuflern oder Angestellten aussieht, kann ich aber nicht einschätzen.

Ich rate davon ab, ein vollständiges Werk kostenlos anzubieten. Wegen der Buchpreis-Bindung ist das ohnehin nur eingeschränkt möglich, aber es bringt auch relativ wenig. Die meisten User greifen alles ab, was kostenlos ist, sind aber fast nie bereit, eine Gegenleistung zu erbringen. Ich vermute, die meisten dieser Bücher werden gar nicht gelesen, geschweige denn rezensiert. Wir denken immer, die Leute wären dankbar, wenn sie etwas kostenlos bekommen und würden sich auf die eine oder andere Weise revanchieren. Einige tun das auch, die meisten aber nicht. Leute, die etwas kostenlos haben wollen oder etwas kostenloses abgreifen sind nicht die Zielgruppe, die ein Autor für sein Marketing im Blick haben sollte.

Andererseits sollte man mit dem Preis auch nicht zu hoch gehen. Mehr als fünf Euro für ein selbstverlegtes eBook sollte es nicht sein. Das erhöht die Chance, von Gelegenheitskäufern gefunden zu werden. Man kann einzelne Kapitel kostenlos anbieten oder den ersten Band einer mehrbändigen Reihe, aber nur, wenn der zweite Band bereits käuflich erhältlich ist.

Noch ein Wort zu Enhanced eBooks: Es gibt einen kleinen Hype um multimedial erweiterte eBooks. Ich glaube nicht daran, dass solche Bücher erfolgreich sein werden, sofern es sich überhaupt um Bücher handelt und nicht um Multimedia-Shows. Der Leser will lesen, wenn er Videos, Sounds oder Animationen haben möchte, findet er sie massenhaft im Internet. Man sollte bedenken, dass die eReader auf eInk-Basis solche Bücher gar nicht vernünftig darstellen können.

Abgesehen davon sind die Produktionskosten für solche Inhalte unermesslich hoch. Schon Lektorat und Illustration sind nicht ganz billig, aber schon ein professionelles dreiminütiges Video kostet mehrere tausend Euro. Die Käuferzahlen müssten um ein Vielfaches höher sein, damit sich solche Produktionen lohnen. Ich sehe weder den Markt noch den Bedarf.

Selfpublishing – das nächste große Ding?

Vor ein paar Jahren hatten wir uns noch über einen Lehrer lustig gemacht, der einfach seinen eigenen Verlag gründete, nachdem sein Buch überall abgelehnt worden war. Selfpublishing könnte das nächste große Ding nach Web 1.0 und 2.0 werden. Es hat den Charme des Unperfekten, aber Authentischen. Die klassischen Verlage haben sicher ihre Existenzberechtigung, aber es gibt sicher einen Bedarf nach Veröffentlichungsmöglichkeiten, der von ihnen nicht gedeckt wird.

Selfpublisher können den Informationsbedarf sehr viel schneller stillen als es Verlage können. Da wären z.B. die Programmiersprachen Go oder Dart von Google. Zu denen gibt es sicher reichlich Infos im Internet, aber viele Leute ziehen es vor, die Infos zusammengefasst und strukturiert in gedruckter Form oder auf dem eBook-Reader zu lesen. Ansonsten könnten sich 90 Prozent der IT-Magazine nicht mehr am Kiosk halten.

Das Selfpublishing ist – um auf das eigentliche Thema dieses Blogs zu kommen – auch ein idealer Kanal für Behinderte. Es gibt einige Behinderte, die unheimlich gute Texte schreiben – in ihren Blogs oder auf Portalen – die aber ein Großteil der Menschen nie zu Gesicht bekommen. Die Internet-Spezies vergessen oft, dass es viele Offliner gibt, die überhaupt nicht mitbekommen, was sich auf Twitter oder Facebook tut. Das ist sogar die Mehrheit. Diese Menschen kann man am ehesten offline einfangen. Da es kaum Self-Fernsehen oder Self-Radio gibt, ist Selfpublishing eine ideale Plattform, um auch andere Menschen zu erreichen. Lektorat und Illustration können, wenn nötig, rausgegeben werden.

Der deutsche ePublishing-Markt entwickelt sich gerade erst, so dass man nicht eindeutig sagen kann, welches Modell sich durchsetzen wird. Vermutlich wird es alles geben von der “Ich mache alles selber und lade das fertige Produkt hoch”-Plattform bis zum Rundum-Sorglos-Paket, für das der Autor allerdings im Gegensatz zum klassischen Verlag bezahlen muss. Das kann sich für diejenigen lohnen, die sich aufs Schreiben konzentrieren möchten und damit rechnen können, dass sie die Kosten über den Verkauf wieder reinbekommen oder denen die Kosten egal sein können.

Tatsächlich ist das Rennen noch vollständig offen. Niemand kann sagen, welches Modell sich am Ende durchsetzen wird. Deutschland ist ein recht konservativer Buchmarkt, der Anteil digital verkaufter Bücher spielt im Buchumsatz aktuell kaum eine Rolle. Gerade hier liegt die Chance von Selfpublishern. Sie können mit relativ günstigen eBooks gegen die etablierten Verlage antreten, deren ordentlich lektorierte und professionell illustrierte Bücher und eBooks das drei- bis zehnfache kosten. Die Analogie von Apps zu großen Programmen bietet sich dabei an.

Was ich bisher nicht sehe sind tatsächlich Menschen, die nur vom ePublishing leben könnten. Falls sich da keine neuen Geschäftsfelder wie Sponsoring durch Unternehmen oder Werbung in den Büchern auftut, wird die große Mehrheit der Autoren – wie die Mehrheit der klassischen Autoren auch – das Schreiben nur als Nebenerwerb ausüben.

Interessant finde ich eBooks als alternative Finanzierungsquelle von Blogs oder anderen textlastigen Webprojekten. Mit Flattr konnte ich mich bisher nicht anfreunden – mehr Aufwand als Ergebnis, Spenden sind für Notleidende gedacht, Werbeanzeigen und Google Adwords nerven einfach nur. Die Leute zahlen lieber für eine spürbare Gegenleistung als für etwas, wovon sie ausgehen, dass es ihnen kostenlos zusteht. Statt mir also ein paar Euro zu spenden, könnt ihr jetzt mein Buch kaufen und gefälligst eine gute Rezension schreiben. Dann bin ich unermesslich reicher, kann stolz auf meine zahllosen Buchverkäufe sein und ihr habt auch was davon.

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