Fünf Jahre verbloggt – eine Bestandsaufnahme

Schreibende HandOft fängt man etwas an ohne genau zu wissen, warum man es tut. Wenn man es Jahre später immer noch macht kann sich das ursprüngliche Motiv verändert haben. Ich blogge mittlerweile seit rund fünf Jahren und nutze eine Blogparade der Kollegin Alexandra Steiner, um eine kurze Bestandsaufnahme zu machen.

Wie es anfing

Wie wahrscheinlich die meisten Leute habe ich eher unbedarft mit dem Bloggen angefangen. Jedes Thema, was mir gerade durch den Kopf ging konnte verbloggt werden. In der Rückschau würde ich sagen, das meiste davon war Mist und man verpasst nichts, wenn diese Beiträge wieder verschwinden würden.

Erst vor vielleicht drei Jahren habe ich mich auf das Thema Barrierefreiheit für Behinderte eingeschossen. Das Problem der Barrierefreiheit im Besonderen und des Themas Behinderung im Allgemeinen ist der geschlossene Expertenkreis. Man diskutiert teilweise hochspezielle Probleme, die aber außerhalb der Peergroup niemanden interessieren. Da man sich aber immer in dieser Peergroup bewegt mekrt man das einfach nicht.

Das wollte ich angehen, in dem ich die Zugänglichkeit mit anderen Themen verknüpfte. Zum Beispiel wollte ich mit meinen Artikeln zu Ein- und Ausgabemethoden zeigen, dass jeder von Barrierefreiheit profitieren kann, weil er je nach seinen Vorlieben die beste Ein- und Ausgabemöglichkeit wählen kann, sofern diese Möglichkeiten universell zur Verfügung stehen. Wenn sie überall zur Verfügung stehen spielt es andererseits keine Rolle mehr, ob der Nutzer eine Behinderung hat oder nicht.

Das größte Problem beim Bloggen ist für mich nicht, dass ich kein Geld damit verdienen kann. Das wäre zwar nett, aber mit Barrierefreiheit kann man höchstens Werbung für Treppenlifte machen. Mich persönlich stört eher der Mangel an Feedback in Form von Kommentaren oder Mails. Dabei geht es weniger um Zuspruch oder Ablehnung: mir geht es eher darum zu erfahren, wo es den Leuten auf den Nägeln brennt, welche Probleme sie konkret haben und welche Fragen sie beantwortet haben wollen.

Auch von Behinderten kriege ich so gut wie kein Feedback. Ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt mitlesen, vermutlich nicht. Das ist bedauerlich, denn woher soll ich über ihre Probleme erfahren wenn es nicht von ihnen kommt? Es ist bedauerlich, dass es kaum interessante Behindertenblogs gibt. Von den Blogs, die ich kenne finde ich die meisten zu subjektiv und auch zu pessimistisch. Man möchte die Schreiber spontan in den Arm nehmen und sie trösten, das war aber nicht das Bild, das wir von Behinderung vermitteln wollten oder? Natürlich können und sollen die Leute über ihre Probleme schreiben. Schwierig wird es dann, wenn sie verlangen, dass Behinderte nicht immer als Opfer dargestelt werden, sie selbst aber nichts anderes tun als sich als Opfer darzustellen. Nicht jeder hat eine Behinderung, aber jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Und wie geht es weiter

Ich stand ein paar mal davor, den Blog zu schließen. Man sieht es den Texten nicht an, aber oft stecken vier bis acht Stunden Arbeit in einem Beitrag. Diese Zeit fehlt für andere Projekte. Andererseits bleibt der Drang, bestimmte Sachen aufzuschreiben oder zu diskutieren. Ich bin fest überzeugt, dass jeder Text, der eine Botschaft von Belang enthält das Leben des Lesers zumindest minimal verändert. Manchmal braucht man vielleicht auch mehrere Anstöße und einer meinner Texte ist vielleicht einer dieser Mosaiksteine.

Ich glaube, jeder Blogger träumt davon, einen Schlüsseltext zu schreiben, der das Leben eines Lesers entscheidend verändert, auch wenn man das wahrscheinlich nie erfahren wird. Vielleicht schreiben wir deshalb unverdrossen weiter, auch wenn wir nie großes Feedback bekommen, unsere Leserzahlen minimal bleiben und unser Thema nischiger als nischig ist.

6 Gedanken zu „Fünf Jahre verbloggt – eine Bestandsaufnahme

  1. Hi,
    bin per Zufall auf dein Blog gestossen und zwar durch die Blogparade von Alexandra Steiner und las soeben deinen interessanten Artikel. Ich bin aber nicht behindert, las trotzdem gerne. Ich kann dir nur mitteilen, dass du nicht allein bist, mit weniger Feedback und minimalen Besucherzahlen etc.pp. Bei mir auf Internetblogger.de hält sich das Ganze ebenfalls in Grenzen. Ja, das ist wahr, dass wir Blogger trotz allem weiterschreiben und nich aufgeben und dabei stirbt doch die Hoffnung zuletzt. Ich bin schon seit 6 Jahren als Blogger unterwegs und will damit nicht aufhören, auch wenn manchmal die Zeit fehlt, um tagtäglich zu bloggen. Mache einfach weiter mit deinem Blog und vll. wird sich schon bald etwas ändern :-).

    1. Hi,

      danke, die Frage ist natürlich immer, wie hoch man seine Erwartungen hängt. Auf der einen Seite weiß jeder Blogger, dass die Beiträge ihr Publikum nicht von selbst finden. Andererseits hat man sich, wenn man so lange dabei ist auch eine gewisse Leserschaft aufgebaut, auf die man durchaus stolz sein kann. So schlecht kann man ja nicht sein, wenn noch regelmäßig Leser kommen und ein wenig stöbern. Schöne Grüße Domingos

  2. Es gibt immer Zeiten, in denen man nichts zu schreiben hat. Aber dann kommen auf einmal viele Themen. Um 5 Jahre zu bloggen, muss man schon ein starkes Durchhaltevermögen haben. Auf keinen Fall aufgeben.

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