Inklusion von unten – wir sind die Zukunft

In einem älteren Beitrag habe ich gezeigt, wie jeder zur Barrierefreiheit beitragen kann. Heute wiederhole ich das gleiche Spiel für die Inklusion, das gleichberechtigte Zusammenleben von Behinderten und Nicht-Behinderten – das ist ein Beitrag zur aktuellen Blog-Parade der Aktion Mensch Inklusion 2025. Ein Resümee gibt es hier.

Inklusion Top-Down

Die diversen Regierungen und NGOs tun recht viel für die Inklusion. Nicht nur, dass sie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert haben – ein schönes Wort. Sie machen auch Aktionspläne, erstellen regelmäßige Berichte und Schatten-Berichte – äh ja.

Mit anderen Worten: Man kann als Behinderter ein Leben lang durch die Weltgeschichte spazieren, ohne etwas von diesen Aktivitäten mitzubekommen und man kann sogar Paris sehen und sterben, ohne zu wissen, was ein Aktionsplan oder ein Schattenbericht sein soll.

Hingehen, wo es manchmal riecht

Währenddessen kocht es an vielen Orten, wo behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden sollen. Hier und nicht in Berlin werden die entscheidenden Kämpfe ausgetragen, wenn es um die Zukunft der Inklusion geht. Die behinderten Schüler von heute werden – das hoffe ich zumindest – ganz selbstverständlich mit Nicht-Behinderten aufwachsen. Deren Eltern – die Entscheidungsträger und Führungskräfte von morgen, werden schon in naher Zukunft darüber entscheiden können, ob sie einen Job an einen Behinderten geben, ihn als Arbeitskollegen oder Mieter haben wollen.

Es ist also weniger der Teilhabe-Bericht als die behinderten Kinder vor Ort, die die meiste Entscheidungsarbeit leisten. Sie überzeugen durch ihre pure Anwesenheit, wenn sie schreiend mit ihren Schulkameraden über den Schulhof toben. Nicht nur die behinderten Kinder, auch ihre nicht-behinderten Mitschüler werden ganz anders mit Behinderten umgehen, als es die heute Erwachsenen tun.

Niemand kann erwarten, dass das Ganze konfliktfrei abläuft. Alle großen Veränderungen gehen mit Zwistigkeiten einher, die für viele der Beteiligten auch anstrengend oder schmerzhaft sind. Am Ende wird aber – darauf kommt es an – etwas heraus kommen, was für alle Beteiligten besser ist als die Gegenwart. Und was ist schon ein Sieg, für ddn man sich nicht anstrengen musste – gar nichts.

Was nicht inklusiv ist, wird inklusiv gemacht

Junge Behinderte sind immer weniger bereit, spezielle Angebote für Behinderte in Anspruch zu nehmen. Stattdessen gehen sie einfach in den nächstbesten Sportclub und fragen, warum es keine Rampe oder inklusive Gruppe gibt. Und oftmals rennen sie angelehnte Türen ein.

Wenn man sich ein wenig umschaut bekommt man schnell den Eindruck, viele Behinderte würden die Geellschaft als Feind betrachten. Hat mich der Typ jetzt über den Haufen gerannt, weil ich blind bin? Nein, vermutlich ist er nur ein ignorantes Arschloch, dass jeden Anderen auch über den Haufen gerannt hätten. Oder er ist zu dumm, um einen Blindenstock zu erkennen, auch das kommt vor. Aber den meisten Menschen ist es egal, ob jemand behindert ist oder nicht und Viele sind offen dafür, Behinderten entgegenzukommen, wenn man ihnen nicht ins Gesicht keift.

Dieser Dogmatismus „Sei lieb zu mir oder du bist ein Behindertenfeind“ ist für junge Behinderte nicht mehr angesagt. Sie gehen mit ihrer Behinderung sehr offen um, sind bereit, anderen bei der Inklusion auf die Sprünge zu helfen und können auch damit leben, wenn jemand Behinderte offensichtlich nicht leiden kann.

Jeder von uns kann also zur Inklusion beitragen und sollte es auch tun, denn die Inklusion wird sich nicht von selbst einstellen. Wir betreten Neuland, wie unsere Kanzlerin sagen würde und es spricht nichts dagegen, auch Spaß dabei zu haben.

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