ReCap: Barrierefreie IT 2015

Heute war ich auf der Veranstaltung “Barrierefreie IT 2015” des Unternehmens T-Systems. Wie immer kann ich euch meinen ganz persönlichen Rückblick nicht ersparen.
Da ja mittlerweile fast alle Veranstaltungen zum barrierefreien Internet eingeschlafen sind, muss man die Wenigen, die noch stattfinden um so stärker loben. Es ist auch zu begrüßen, dass der Veranstalter nicht einer der üblichen Verdächtigen – irgendwelche obskuren Ministerien – ist, sondern ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit vor allem privatwirtschaftlicher Kundschaft. Die nächste Welle der Barrierefreiheit – wie auch immer sie konkret aussehen mag – wird durch oder über die Wirtschaft rollen.
Die Mischung der Themen war für mich ein wenig überraschend. Die Vorträge drehten sich um Smartphones, künftige und gegenwärtige Innovationen oder eLearning, mir wurde der rote Faden nicht so deutlich.
Immerhin: die Veranstaltung war gut besucht, was bei so einem eher trockenen Thema und dem guten Wetter nicht unbedingt zu erwarten war. Bei den Vortragenden gab es wenig Überraschungen, aber die Teilnehmerschaft war soweit ich mitbekommen habe eher aus der Wirtschaft als aus den Ministerien. Die sind ja bekanntermaßen seit der BITV 2.0 fertig, was die Barrierefreiheit angeht. Daher ist es nur vernünftig, sich um andere drängende Themen zu kümmern.
Die Veranstaltung hat sich eher an Einsteiger gerichtet. So war doch überraschend für mich, das ich mir einen ganzen Vortrag über Apples Bedienungshilfen anhören musste. Das ist aber natürlich meine Innensicht, für die Menschen, die dort gesessen haben, war das sicherlich wirklich neu und überraschend.
Gleiches gilt für den Vortrag von Prof. Frank Schönefeld. Innovationen wie 3D-Druck, Echtzeit-Übersetzung oder KI sind uns Computernarren schon lange bekannt und locken uns nur ein müdes Lächeln hervor. Interessanter wäre gewesen zu zeigen, wie diese Innovationen auch Behinderten helfen könnten. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, dass die Herstellung komplexer Prothesen dank 3D-Druck wesentlich billiger werden könnte. Aber wie gesagt, das ist die Innensicht von Domingos. Vielleicht bin ich zu streng, was solche Dinge angeht.
Interessant ist, dass die T-Systems ein ganzes Heer von Usability- und Accessibility-Spezialisten beschäftigt, die mehrere hundert Anwendungen pro Jahr testen.
Herr Meixner, der Leiter dieser Abteilung, bemerkte nebenbei, dass Unternehmen verppflichtet seien, ihren Mitarbeitern barrierefreie Software zur Verfügung zu stellen. Mir ist eine solche Vorschrift nicht bekannt, eventuell hat er das aus der Bildschirmplatz-Arbeitsverordnung oder aus Vorschriften zur Software-Ergonomie abgeleitet.
Eine Bemerkung von Herrn Meixner ist allerdings meines Wissens nach falsch. Er verwies darauf, dass der Screenreader die Informationen im Wesentlichen über den Grafik-Treiber abgreift. Soweit ich weiß, haben das die Screenreader vor langer Zeit getan, alle aktuellen Screenreader ziehen die Informationen über die jeweilige Accessibility-API.
Ein wenig gewundert habe ich mich über die Location, das Schokoladenmuseum ist nicht der Ort, wo ich eine solche Veranstaltung erwarten würde, aber immerhin schön zentral und süß.
Da es – wie ich anfangs sagte – so wenige Veranstaltungen zu barrierefreier IT gibt, weise ich zum Abschluß auf zwei Veranstaltungen hin, die aber eher Fach-Charakter haben.

Die Konferenz “Software Development and Technologies for Enhancing Accessibility and Fighting Info-exclusion” des Fraunhofer Instituts wird in in unserer Nachbar-Stadt Sankt Augustin stattfinden. Sie findet statt am 10. Juni.
Die zweite Veranstaltung heißt “Workshop ‘Teilhabe an der allgegenwärtigen Kommunikation'”. Veranstalter ist der Arbeitskreis „Inklusion in Social Media“ der Gesellschaft für Inklusion. Die Veranstaltung wird in Cottbus stattfinden und ist für Ende September/Anfang Oktober geplant.
Wo ich gerade dabei bin: Am Rande mit Barrierefreiheit zu tun haben die PDF Days 2015 der PDF Association. Sie finden Mitte Juni in Köln statt.

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