Mein Rückblick auf das BarCamp Bonn 2016

Gestern fand das zweite Bonner BarCamp statt, an dieser Stelle noch mal ein Dank an das großartige Organisations-Team für den tadellosen Ablauf. Man kriegt ja als Außenstehender nicht so mit, wie viel Arbeit dahintersteckt, aber es dürfte nicht wenig gewesen sein.
Ich bin tatsächlich mit einem speziellen Motiv auf das BarCamp gegangen: Ich hatte in diesem Blog und schon anderswo gesagt: Es ist ganz schön, eigene Barrierefreiheits-Veranstaltungen abzuhalten. Die interessieren aber einen relativ illustren Kreis von Leuten. Normalerweise steigert man sich dort relativ schnell in einen Fach-Diskurs, der für Außenstehende so verständlich wie Mandarin ist. Deshalb ist es eine gute Idee, den Berg zum Propheten zu bringen, da der Prophet nicht zum Berg kommt. Hier noch meine Präsentation als PowerPoint-Datei.

Gesagt getan: Ich habe ja schon einige Vorträge zum Thema digitale Barrierefreiheit gehalten. Bei all diesen Veranstaltungen konnte ich von einem interessierten Publikum ausgehen – wie beim Open Transfer Camp. Oder das Publikum konnte nicht weglaufen wie bei internen Veranstaltungen oder Firmen-Workshops. Es ist also ein Wagnis, sich an Leute zu wenden, die tendenziell nur wenig über das Thema wissen und sich vielleicht gar nicht dafür interessieren. Bei einem BarCamp ist es ja so, dass das Publikum selbst entscheidet, ob eine Session stattfindet oder nicht. Wenn sich keiner dafür interessiert, dann findet auch keine Session statt.
Es waren dann doch Einige, die sich dafür interessiert haben. Ein Gradmesser für die Qualität einer Veranstaltung ist die Zahl an Feedbacks aus dem Publikum. Wenn da nix kommt ist die Gefahr relativ groß, dass sie sich geistig in andere Sphären verabschiedet haben und der Referent sie eingeschläfert hat. Es kamen dann doch einige Rückfragen, so dass ich nicht zu viel Blödsinn erzählt haben dürfte.

Weitere Sessions

Damit der Text nicht so kurz wird, wollte ich noch eine kurze Runde über die Sessions anderer Teilnehmer drehen, die ich besucht habe.
Mit Johanna Schäfer @joscchh sind wir an einem kalten, aber sonnigen Wintermorgen am Posttower durch die Rheinaue gelaufen, wobei sie über ihre Bachelor-Arbeit berichtet hat. Im Kern ging es darum, wie Bonn grüner werden kann.
Kristine Honig @KristineHonig hat darüber berichtet, wie das dezentral organisierte Touristik-Unternehmen tourismuszukunft die Zusammenarbeit gestaltet. Bei solchen Unternehmen, wo der eine in Köln und der nächste auf Mallorca sitzen kann ist natürlich vor allem die soziale Komponente wichtig. Ihr Fazit: Ein dezentrales Unternehmen kann sehr gut funktionieren, wenn die richtigen Leute die richtigen Tools verwenden sowie Kommunikation und Arbeitsabläufe mit den entsprechenden Tools optimiert sind. Es werden zum Beispiel auch gezielt Kontakte zwischen Personen gefördert, die sich in einem konventionellen Unternehmen vielleicht nicht unterhalten würden.
Zwei Jungs vom OK LAB Bonn hatten ihre Idee eines Maker Spaces Bonn vorgestellt. In einem Maker Space geht es darum, dass man Technik-Analphabeten wie mir beibringt, Geräte zu reparieren, deren technischen Aufbau zu erläutern oder eigene Geräte zu bauen. Der Verein ist in Gründung und die Macher suchen gerade eine passende Location sowie erste Geldgeber. Das Publikum hat in dieser Session so viele Tipps geliefert, dass es eigentlich für drei Maker Spaces reichen müsste. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht.
In der nächsten Session stellte Ralph Grundmann @rgrundmann das Co-Working Bonn vor. Beim Co-Working geht es anders als man vielleicht denkt nicht darum, einen billigen Schreibtisch zu bekommen. Vielmehr ist es quasi Unternehmensatmosphäre für Menschen, die klassischerweise Einzelkämpfer sind. Austausch und das Soziale stehen im Vordergrund. So wurde der Space in Poppelsdorf tatsächlich von den Co-Workern völlig neu und passend zu ihren Anforderungen neu gestaltet.
Die letzte Session von Holger @welovepubs drehte sich um Bonner Bier und Craft Beer. Craft Beer ist ein Teil der Maker-Bewegung, es geht darum, dass Bier lokal gebraut wird, um eine alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Die großen Bier-Marken haben ja nach und nach alle lokalen Biersorten verdrängt und eine lebhafte Bierkultur verschwinden lassen, die durch Craft Beer wieder auflebt. Der Referent hat verschiedene Biersorten aus Bonn vorgestellt. Ich glaube dass das Thema Potential hat in einer Zeit, wo Lokal Produziertes an Bedeutung gewinnt.

Fazit

Für mich hat sich der Besuch des BarCamp auf jeden Fall gelohnt und nicht nur deshalb, weil ich meine Session abhalten konnte. Als Blinder ist man ja immer dankbar für die obligatorische Vorstellungsrunde am Anfang, dann hat man zumindest mal die Stimme der meisten Leute gehört und bekommt dadurch eine ganz gute Vorstellung davon, was sich da für Leute rumtreiben. Was ich mir fürs nächste Mal wünschen würde: Eine etwas barrierefreiere Location für die Veranstaltung. Das Forum Internationale Wissenschaft Bonn scheint mir zumindest für den Eingang, den wir benutzt haben nicht für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer geeignet. Die Türen für die Herrentoiletten waren so schmal, dass ich mit den Schultern an die Türrahmen gestreift bin, also auch nicht rollstuhlgeeignet. Dem Forum stände es auch gut an, Hörschleifen für Schwerhörige bereit zu halten, ich habe allerdings nicht mitbekommen, ob sie so was haben und ob es zur Verfügung gestanden hätte.
Ansonsten war es aber eine runde Veranstaltung und ich bin schon gespannt darauf, ob es nächstes Jahr wieder ein Barcamp in Bonn geben wird.

3 Gedanken zu „Mein Rückblick auf das BarCamp Bonn 2016

  1. Ich hatte mich auch für Deine Session gemeldet und hätte sie echt gerne besucht. Leider liefen unsere Sessions dann gleichzeitig. Aber danke für die Präsentation. So kann ich es wenigstens nachlesen.

  2. Lieber Domingos, es war schön, dass du dabei warst und erst recht, dass du aktiv etwas beigetragen hast! Freut mich auch, dass es dir gefallen hat.

    Um deine Kritik zur Barrierefreiheit zu beantworten: Grundsätzlich ist das FIW schon für Rollstuhlfahrer geeignet, allerdings nicht die für die Allgemeinheit zugänglichen Toiletten, das stimmt. Was technische Unterstützung angeht, ist das FIW sicherlich auch für die meisten Fälle gewappnet. Was wir als Organisatoren jedoch versäumt haben, ist abzufragen, ob Teilnehmer bestimmte Bedürfnisse haben, die wir vorbereiten müssen. Ich gelobe in dieser Hinsicht Besserung!

    Ansonsten bis demnächst mal wieder! :)

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