Alles Scheiße – wie das ZDF blinde Menschen diskriminiert

Dass Hundekot ein Politikum sein kann, ist wohl nicht neu. Doch im ZDF glaubt man, daraus eine große Story machen zu können. Ganz nebenbei schadet man damit der Inklusion blinder Menschen.

David hat nicht immer recht

Bei so einer Story läuft jedem Journalisten das Wasser im Mund zusammen: Auf der einen Seite die hilflose blinde Frau, auf der anderen Seite die böse Mega-Behörde, welche die blinde Person diskriminiert. Und dann auch noch wegen so einem banalen Thema wie Hundekot.
Nun ist zunächst nahe liegend, dass blinde Menschen keinen Hundekot wegräumen können. Das ist aber durchaus falsch: In der Regel soll der Hund sein Geschäft an Orten verrichten, wo das kein Problem ist, etwa im Wald. Ein Hund, der auf den Bürgersteig macht, ist entweder schlecht erzogen oder krank.
Nun mag es selten vorkommen, dass der Hund einfach irgendwo hin macht und der Blinde das nicht merkt. In diesem Fall ist das aber anders: Die junge Dame ist durchaus angesprochen und darauf hingewiesen worden. Sie weiß also, dass der Hund dahin gemacht hat und weigert sich, das wegzumachen. Das ZDF hat sich also an der Nase herumführen lassen.
Andere Besitzer von Blindenhunden haben durchaus kein Problem damit, Hundekot zu beseitigen. Sie können sich den Kot vom Hund zeigen lassen, ihre Nase, Einweghandschuhe und weitere Hilfsmittel verwenden.
Als Blinder ärgere ich mich regelmäßig darüber, dass ich in Hundekot trete. Er ist nicht nur ein hygienisches, sondern auch ein gesundheitliches Problem. Hundekot kann Schädlinge enthalten, die auch für Menschen krankheitserregend sind.
Es sollten nur die Menschen befreit sein, die wegen körperlicher oder psychischer Erkrankungen nicht in der Lage sind, den Kot aufzuheben. Blinde gehören eindeutig nicht dazu.

Was soll der Scheiß?

Nun kann man die Story als den üblichen Junk in der Boulevard-Berichterstattung abtun. Allerdings hat das ZDF der Blindenbewegung erheblichen Schaden zugefügt. Für den Blinden ist die Rolle des Opfers attraktiv, aber was ist die Kehrseite?

  • Blindenhunde sind offensichtlich schlecht erzogen, wenn sie irgendwo in die Landschaft machen.
  • Blinde sind nicht in der Lage, hinter sich sauber zu machen.
  • Blinde sind nicht in der Lage, sich selbst um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Da muss schon das ZDF vorbei kommen, um sie vor der böswilligen Behörde zu retten.

Nun mag der Zuschauer Mitleid mit dieser Dame haben. Aber auf Mitleid lässt sich keine gleichberechtigte Beziehung aufbauen. Tatsächlich ist das Mitleid und der mangelnde Glaube an die Fähigkeiten Blinder der Grund dafür, dass Blinde kaum Jobs oder Wohnungen auf dem freien Markt finden. Oder würden Sie jemanden auf Ihre Kunden bzw. Kollegen loslassen, der nicht hinter sich sauber machen kann? Möchten Sie so jemandem eine Wohnung vermieten? Möchten Sie ihn als Kollegen haben?
Wenn mehr Blinde beim ZDF beschäftigt wären, wäre so eine Story hoffentlich nicht erschienen. In meinen Augen ist es nicht die Behörde, die hier diskriminiert hat, es sind die Sendungs-Verantwortlichen. Sie haben offensichtlich keine Ahnung und eine sehr geringe Meinung von den Fähigkeiten blinder Menschen. Mit ihrer Sendung haben sie kein gutes Werk getan, im Gegenteil. Sie haben der Grundgesamtheit der Blinden geschadet.

Ein Gedanke zu „Alles Scheiße – wie das ZDF blinde Menschen diskriminiert

  1. Haben Sie einen Blindenführhund?
    Wissen Sie, wie die Hunde von Führhundschulen erzogen und ausgebildet werden? Es gibt keinen einheitlichen Standard, nach dem Blindenführhunde ausgebildet werden müssen. Wenn ein Ausbilder sagt der Hund soll ohne Leine bzw. an der Laufleine sein Geschäft machen, dann möchte ich den Blinden sehen, wie er den Umkreis absucht. Denn im Führgeschirr darf er sein Geschäft nicht verrichten.

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