So war er für mich – der Hakathon neue Nähe

Hacker, sind das nicht schlecht frisierte Typen, die in kryptischen Begriffen über Dinge reden, die kein Außenstehender versteht? Und überhaupt, was soll ein Typ wie ich, der gerade mal HTML kann auf einem Hackathon? Würde ich überhaupt irgend etwas verstehen oder die ganze Zeit nutzlos in der Ecke hocken? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich gefragt wurde, ob ich am Hackathon neue Nähe von Aktion Mensch und Microsoft teilnehmen möchte. Er fand am wochenende 25.11.-27.11. in der Berliner Zentrale von Microsoft statt.
Nun, ich wurde überrascht und doch wurden meine Erwartungen enttäuscht. Technisch waren vor allem die Lightning Talks. Bei denen bin ich nach ca. zehn Sekunden geistig abgehängt worden. Enttäuscht wurde meine Erwartung, dass Hacker vor allem Hackanesisch sprechen würde. Ein paar Worte habe ich sogaar verstanden.

Zeigt her eure Probleme

Es gab viele interessante Gespräche. Behinderte Menschen haben viele Probleme. Zumindest kann ich das von mir behaupten. Und Hacker sind die geborenen Problemlöser. Du erzählst ihnen etwas und du siehst ihnen zu, wie sie schon während des Gesprächs nach Möglichkeiten suchen, wie sich das Problem lösen lässt. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele interessierte Fragen zum Thema Blindheit beantwortet zu haben. Auch wenn das manchmal anstrengend ist, hat es aber auch Spaß gemacht.
Besonders beeindruckt hat mich Gregor Bisswanger. Sein Bruder Werner hat nach einer Hirnhautentzündung im jungen Alter starke motorische und kommunikative Einschränkungen. Gregor hat eine Möglichkeit entwickelt, dank der Werner selbständig kommunizieren kann. Und diese Lösung steht allen Menschen zur Verfügung, die ähnliche Probleme wie Werner haben.

Ich persönlich habe eine Anwendung zur Indoor-Navigation für Blinde unterstützt. Es ging darum, dass Blinde Menschen zum Beispiel ein bestimmtes Café finden, über dieses Café spezifische Informationen abrufen und sich dort autonom orientieren können.
Eine weitere geniale Idee besteht darin, akustische Informationen für Gehörlose in bestimmte Vibrationsmuster umzusetzen. Wenn es zum Beispiel an der Tür klingelt, soll das Armband, dass der Gehörlose trägt ihn durch ein bestimmtes Vibrieren darauf aufmerksam machen.
Nun will ich nicht alle Ideen vorstellen, die dort bearbeitet wurden. Ich möchte nur sagen: Liebe Hacker, Hut ab vor eurem Engagement. Nächtelang unentgeltlich an Lösungen zu arbeiten – das ist gelebtes Engagement. Es war mir eine Ehre, dabei gewesen zu sein und zumindest ein kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zu guten Lösungen gewesen zu sein.

Mangelware Behinderte

Wie immer bei mir gehts nicht ohne Seitenhieb auf die Behinderten-Szene: Ein wenig schade fand ich, dass sich kaum behinderte Programmierer haben blicken lassen. Berlin dürfte voller solcher Personen sein. Sie hatten aber anscheinend Besseres zu tun als dabei zu helfen, ihre eigenen Probleme zu lösen. Ich habe es kräftig in meinem Netzwerk gestreut und lauter Ausreden bekommen, warum es nicht geht.
Das muss natürlich jeder selbst entscheiden. Aber auch beim Thema digitale Barrierefreiheit habe ich den Eindruck, dass behinderte Menschen vor allem gut darin sind, Forderungen an Andere zu stellen. Wenn es darum geht, die Probleme im Detail zu beschreiben – wir sprechen gar nicht von Lösungsstrategien – dann hört man auf einmal nichts mehr. Das entspricht leider nicht meinem Verständnis von Inklusion. Inklusion heißt auch Geben und nicht nur Nehmen. Offenbar hat man sich zu sehr daran gewöhnt, dass Andere die eigenen Probleme lösen.

2 Gedanken zu „So war er für mich – der Hakathon neue Nähe

  1. Schön, dass mal der Punkt angesprochen wurde, dass sich zu wenige behinderte Programmierer hervortun würden. Auch ich wünsche mir ein wenig mehr Solidarität der Behinderten untereinander, wenn es darum geht, Projekte zu stemmen.

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