Mein Rückblick auf die Konferenz „Mit allen Sinnen“ im Historischen Museum Frankfurt

Am 12. und 13.12.2016 durfte ich als Referent an der Konferenz „Mit allen Sinnen“ des Historischen Museums Frankfurt teilnehmen. Hier lest ihr einen kleinen persönlichen Rückblick.
Viele Menschen wissen nicht, dass die Museen in gewisser Weise Vorreiter sind, was Inklusion und Barrierefreiheit angeht. Viele Einrichtungen kümmern sich schon seit Jahren um das Thema und haben so einen Vorsprung vor anderen Einrichtungen.
Auf der anderen Seite kämpfen Museen wie alle Institutionen mit knappen Mitteln.
Aus dieser Perspektive ist es spannend zu beobachten, wie viel die Museen heute schon leisten. Aus allen Beiträgen war der Wille und das Engagement spürbar, Museen inklusiver und zugänglicher zu machen.
Wie meine Leser wissen, bin ich ja eigentlich kein kultivierter Mensch. Zwar habe ich mich als Vorbereitung mit den zahlreichen Leitfäden zu barrierefreien Museen beschäftigt. Aber wie wir wissen ist alle Theorie grau.
Ich bin eher Generalist als Spezialist. Da ich mit dem Thema Kulturvermittlung nicht wirklich vertraut war, war ich in gewisser Weise ein Exot auf der Konferenz. Aber es schadet sicher nicht, auch mal den Blick von außen auf bestimmte Themen zu bekommen.
Meine Herangehensweise an Barrierefreiheit besteht immer in der Aussage, dass von Barrierefreiheit jeder Mensch profitieren kann. Es geht primär um behinderte Menschen. Aber zum Beispiel kann eine Online-Ausstellung nicht nur von Menschen mit Einschränkungen besucht werden. Auch Personen, die ansonsten kein Museum besuchen würden, haben online eine niedrige Einstiegshürde.

Persönliche Einsichten

Ich selber durfte am zweiten Tag den Einführungsvortrag halten sowie am Nachmittag zwei Mal einen Workshop zum Thema digitale Barrierefreiheit durchführen.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich selbst in den Workshops am meisten lerne. Heute saßen zum Beispiel zwei Gehörlose in meinem Workshop Da die Kommunikation zwischen Gehörlosen und Blinden nicht immer ganz einfach ist, habe ich bisher wenig Bezugspunkte zu Gehörlosen gehabt. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass es nicht so sehr um das 1:1-Übersetzen geht, sondern die Informationen auch an die Struktur der Gebärdensprache angepasst werden müssen.

Mein Fazit

Alles in allem war es eine sehr gelungene Veranstaltung. Solche Events sind nicht nur wegen der Inhalte interessant. Es geht auch darum, alte Bekannte wieder zu treffen und neue Menschen kennen zu lernen. Als Blinder ist es vor allem spannend, Leute wieder zu treffen, an die man sich selbst nicht mehr erinnert. „Wir kennen uns doch von…“ war einer der häufigsten Sätze, die ich gehört habe.
Den reichhaltigen Input muss ich erst einmal verarbeiten. Auf jeden Fall habe ich viele neue Ideen mitgenommen, die ich im nächsten Jahr ausrollen werde.
Meinen herzlichen Dank an das Historische Museum Frankfurt dafür, dass ich dabei sein durfte.