Wie mache ich eine Audiodeskription – eine Anleitung

Es scheint derzeit keine Anleitung zur Erstellung von Audiodeskriptionen im Internet zu geben. Zumindest bin ich via Google nicht fündig geworden. Wenn ihr bessere Anleitungen habt, könnt ihr mir das gerne per Kommentar oder Mail mitteilen.

Diese Anleitung stammt aus meinem Buch, wo ich die Leser sieze. Also nicht wundern.

Was ist die Audiodeskription?

Die Audiodeskription ist eine akustische Beschreibung von visuellen Inhalten. Sie wird in Videos eingesetzt, damit Blinde verstehen, worum es in dem Film geht.
Die AD wird vor allem für Videos benötigt, die einen geringen Sprachanteil haben. Das ist auch wichtig, da die Beschreibung in den Teilen des Filmes untergebracht wird, in denen nicht gesprochen wird.
Planen Sie bereits bei der Konzeption des Filmes genügend Zeit für die AD ein. Hat das Video einen hohen Sprach- und Aktionsanteil, wird nicht mehr genügend Zeit für eine AD vorhanden sein.
Die Soundqualität der AD sollte der Soundqualität des Films entsprechen.

Die ersten Schritte

Eine AD lässt sich mit jeder Audio-Schnittsoftware erstellen. Folgendes Vorgehen erscheint sinnvoll:

  1. Prüfen Sie zunächst, ob eine AD notwendig und möglich ist. Bei Videos mit hohem Sprachanteil fehlt einfach die nötige Pause, um eine AD unterzubringen. Sie ist aber auch in solchen Fällen nicht nötig.
  2. Halten Sie die Szenen fest, die beschrieben werden müssen, verwenden Sie am besten eine Stoppuhr, um die Länge der nutzbaren Passagen zu messen. Wichtige Informationen sind auch Namen gezeigter Personen oder Orte, sowie alle visuell relevanten Informationen, die nicht vom Sprecher vermittelt werden.
  3. Schreiben Sie die Texte für die Audiodeskription. Wie alle Texte müssen diese sorgfältig redigiert werden. Die AD soll nicht werten, sondern objektiv beschreiben. Schreiben Sie also nicht
    „Die fröhliche Gruppe schaut in die Kamera.“
    Schreiben Sie lieber:
    „Die Gruppe schaut lachend in die Kamera.“
  4. Ist der Text geschrieben, müssen die einzelnen Passagen eingesprochen werden. Verwenden Sie eine Aufnahmetechnik, die der Aufnahmequalität des Videos entspricht. Ist die AD verrauscht und der Clip nicht, wirkt das ein wenig merkwürdig. Der Sprecher sollte neutral und langsam sprechen. Faktoren wie die Abspielgeschwindigkeit können hinterher noch überarbeitet werden. Der Sprecher kann sich an den Off-Sprechern in den typischen Fernseh-Dokumentationen orientieren. Er ist ein neutraler Erzähler und nicht Teil des Filmgeschehens. Er beschreibt das zu Sehende und wertet nicht.
  5. Im letzten Schritt müssen die eingesprochenen Passagen mit dem Film synchronisiert werden.

Die meisten Videobearbeitungsprogramme erlauben das Arbeiten mit mehreren Tonspuren. Mehr ist auch nicht notwendig, um eine AD mit dem Film zusammenzufügen. Die Lautstärke der Videospur wird an den Stellen reduziert, an der die AudioDeskription eingefügt wird. Es muss sicher gestellt werden, dass der Sprecher gut zu verstehen ist und keine akustisch wichtigen Informationen des Videos übertönt werden.

Was gehört in die AudioDeskription und was nicht

Es ist natürlich nicht möglich, alle visuellen Informationen in der AD unterzubringen. Bei einem typischen Whodunit -Krimi sollen die Zuschauer herausfinden, wer der Täter ist. Dazu müssen Blinde alle Informationen zur Verfügung gestellt bekommen, die auch sehende Zuschauer zum Mitraten erhalten.
Eine Möglichkeit, Schlüsselinformationen für die AD zu erhalten ist auch das Drehbuch. Was für einen Film besonders wichtig ist, wird auch im Drehbuch notiert.
Hören Sie sich einmal den Film ohne Bild an, dann bekommen Sie ein Gefühl dafür, welche Informationen für den Zuhörer wichtig sind.
Zudem sollten Sie sich einen Clip mit Audiodeskription ansehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie so etwas aussieht. Der Tatort zum Beispiel wird regelmäßig mit Audiodeskription ausgestrahlt.

Feedback einholen

Last not least können Sie versuchen, einen blinden Testhörer zu gewinnen, der Ihnen Feedback zur Audiodeskription geben kann. Das sollte passieren, bevor Sie die Audiodeskription einsprechen, damit Sie die Arbeit nicht doppelt machen müssen.
Vergessen Sie aber nicht: Der Blinde kann nur beurteilen, ob der Text der AudioDeskription in Ordnung ist. Da er den Film selbst nicht sehen kann, ist er darauf angewiesen, dass Sie gute Arbeit machen.

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