Ich befreie das Web von Barrieren – Interview mit Marc Haunschild

Cover des Buches "Das Web barrierefrei gestalten"Ich freue mich, heute das erste Interview auf meinem Blog veröfffentlichen zu können. Meinen Fragen per Mail stellte sich Marc Haunschild, der sich schon seit längerem mit dem Thema barrierefreie Webgestaltung beschäftigt und soeben das Buch „“Das Web barrierefrei gestalten“ veröffentlicht hat. Ich drücke die Daumen, dass es Deine Erwartungen erfüllt, Marc.
Domingos: Sag bitte ein paar Sätze zu Dir selbst. Wie bist Du zum Thema Barrierefreiheit gekommen?
Marc: Ich habe 2001 im öffentlichen Dienst angefangen und habe mich also gleich von Anfang an auf das Thema gestürzt. Zunächst aus einer Mischung aus Neugier und natürlich auch weil es eben gemacht werden musste. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer wurde mir allerdings, dass Barrierefreiheit Blödsinn ist.
Ich verstehe das, was man als Behinderung bezeichnet, nur als eine überdurchschnittlich ausgeprägte Schwäche, wie sie jeder von uns hat. Das heißt, der Unterschied zwischen einer Behinderung und dem, was so leichthin „normal“ genannt wird, ist bestenfalls ein gradueller Unterschied.
Ob jemand einen Rollstuhl benötigt, spielt doch gar keine Rolle. Steven Hawking kann wie ein normal gehender Mensch überall hin – es sei denn, jemand legt ihm einen Stein in den Weg oder baut ihm eine Stufe vor eine Tür.
Das ist gemeint, wenn man sagt: Menschen sind nicht behindert, Menschen werden behindert.
Wir Menschen schaffen uns unser Lebensumfeld. Warum designen wir unsere Welt mit Stufen?
Warum nicht ohne Stufen bauen? – Nicht nur für die wenigen Rollstuhlfahrer, sondern auch weil gehende Menschen viel seltener stürzen oder sich Zehen anstoßen.
Um auf die Frage zurück zu kommen, wie ich zur Barrierefreiheit gekommen bin: Ich befreie das Web von Barrieren, weil ich nicht mir selbst und allen anderen Menschen Steine in den Weg legen möchte.
Zugängliche Webseiten sind die einzig richtigen Webseiten.
Domingos: Es gibt ja schon eine Reihe von Büchern zum barrierefreien Webdesign, unter anderem das Buch „Barrierefreiheit verstehen und umsetzen“ von Probiesch und Hellbusch. Wieso hast Du ein weiteres Buch für notwendig gehalten?
Marc: Ich habe eine Agentur in Mönchen-Gladbach zu dem Thema sensibilisiert und beraten und wurde gefragt, ob es nicht eine Checkliste zum Thema Barrierefreiheit gibt. Da hatte ich die Idee, mal eben was ganz kurz zusammen zu schreiben, einen Leitfaden für Entwickler (die meisten Entwickler hassen dicke Bücher). Es hat sich dann herausgestellt, das es ziemlich lange dauert, etwas kurzes zu dem Thema zu schreiben, das alle wichtigen Aspekte abhandelt. Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr als 40 Seiten zu schreiben. Das schien mir realistisch. Es wurden dann fast 70 Seiten – vollgestopft mit Infos, Handungsanweisungen, Code und weiterführenden Links.
Das Buch von Jan und Kerstin ist 800 Seiten dick, meines nicht einmal ein Zehntel davon. Es ist also ein ganz anderes Konzept.
Zu allen wesentlichen Aspekten gibt es Verweise auf Webseiten, wo wichtiges ausführlich erläutert wird, wenn man sich über die Hintergründe informieren möchte. Ich verweise reichlich auf Texte von Jan, Kerstin, Marco Zehe, aber auch vielen Persönlichkeiten aus dem englischsprachigen Raum wie Heydon Pickering, Steve Faulkner oder Leonie Watson.
Auch zu Primär-Quellen, wie die diversen Standards, Gesetze im Web oder Richtlinien der EU gibt es die nötigen Referenzen.
Aber es sollte genügen, das Buch zu lesen, um Webseiten barrierefrei zu entwickeln. – Ich hoffe auf reichlich Rückmeldung, wenn jemand noch Fragen hat. Dann wird die nächste Auflage noch besser.
Domingos: Wo würdest Du sagen ist der Schwerpunkt Deines Buches?
Marc: Das Buch enthält viele Handlungsanweisungen. Zum Beispiel: verwende HTML bestimmungsgemäß. Benutze also das Button-Element, wenn der Nutzer eine Funktion auslösen soll und einen Link, wenn du auf etwas verweisen möchtest. Vermische das nicht und komm erst gar nicht auf die Idee, bedeutungsfreie Elemente wie div oder span mit JavaScript interaktiv zu machen.
Domingos: Wie viele Vorkenntnisse braucht man, um von Deinem Buch zu profitieren?
Marc: Vorausgesetzt werden HTML- und CSS-Kenntnisse.
Domingos: Wo findet man weitere Infos über Dich und Dein Buch?
Marc:
Über mich? – Tante Google kennt mich gut! ;-)
Ich habe zwei Seiten – meine geschäftliche unter www.mhis.de und mein Blog unter www.haunschild.de – auch hier gibt es viele Tipps zum Thema Barrierefreiheit, aber auch HTML, CSS und andere Webtechniken.
Außerdem bin ich auf Facebook.
Das Buch ist beim HERDT Verlag für Bildungsmedien erschienen und kann dort bestellt werden. Hier die Links zur gedruckten und digitalen Version:
Gebunden
E-Book
Domingos: Danke Dir für das Interview!
Marc: Ich habe zu danken, Domingos!