Ein kleiner Rückblick auf das Care Camp 2017

Was macht jemand, der relativ wenig mit dem Gesundheitswesen zu tun hat auf einem Barcamp, das sich genau um dieses Thema dreht? Das habe ich mich auch gefragt. Und auf eine konventionelle Konferenz zu diesem Thema wäre ich auch sicher nicht gegangen. Aber bei Barcamps ist alles anders.
Das Coole an Barcamps ist, dass man immer mit Leuten zusammen sitzt, die sich genau in diesem Moment für genau dieses Thema interessieren. Wer schon mal in die gelangweilten Gesichter von Konferenzteilnehmern geblickt hat weiß, was ich meine.
Hier ein kleiner Rückblick auf die Sessions, die ich besucht habe.
Der erste Beitrag drehte sich um das Thema eHealth. Hier wurden alle möglichen Themen diskutiert, wobei wir uns nicht einig darüber waren, was eHealth eigentlich ist bzw. nicht ist. Es wurde über alle möglichen Themen diskutiertl Ein etwas stärkerer Fokus auf ein bestimmtes Thema oder einen bestimmten Aspekt hätte der Diskussion nicht geschadet. Leider weiß ich nicht, wer die Session veranstaltet hat.
Session Nr. 2 drehte sich um das Thema Storytelling in der Medizin. Es ging um die Frage, wie Patientengeschichten dazu beitragen können, dass sich die Situation der Patienten im Gesundheitssystem verbessert. Sessiongeber war das Storyatelier.
Session Nr. 3 wurde von einem gewissen Domingos de Oliveira angeboten. Thema der Diskussion war die Situation Behinderter im Gesundheitssystem. Hier war interessant, die unterschiedlichen Problemlagen zu sehen. Domingos verwies darauf, dass ein behinderter Patient als Ausnahme gesehen wird. Und das, obwohl ein Großteil der Patientenältere Menschen sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens eine Einschränkung haben. Einer der Teilnehmer verwies darauf, dass die Krankenhäuser tatsächlich nur darauf eingerichtet sind, eine einzige Erkrankung zu behandeln. Das System sei nicht dafür geeignet, eine Person zu betreuen, die von mehreren Erkrankungen betroffen ist.
Domingos meint, dass man so weit kommen müsse, dass eine Behinderung nicht mehr als Ausnahme, sondern als Normalfall angesehen wird. Leider hat er nicht näher ausgeführt, was er damit meint.
Interessant war auch der Bericht eines Vaters von zwei Kindern mit Down-Syndrom. Seine Tochter hatte eine Zeit lang in einem Altersheim gearbeitet. Es wäre eigentlich wünschenswert, dass mehr behinderte Menschen im Gesundheitswesen arbeiten.
Sein Sohn hat eine stärkere Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit, so dass er bei Erkrankungen immer begleitet werden muss, damit die Eltern für ihn übersetzen. Das ist leider ein Problem, mit dem viele Eltern beschäftigt sind, die sich um ihre erwachsenen Kinder kümmern. Was passiert, wenn die Eltern selbst nicht mehr dazu in der Lage sind?
Auch sind die Krankenhäuser nicht darauf vorbereitet, eine Begleitperson ohne Mehrkosten aufzunehmen. Bei kleinen Kindern ist das zwar keine Seltenheit. Aber eine Person, die auf ständige Unterstützung angewiesen ist, hat große Probleme, ihre Begleitperson mitzunehmen. Aber jeder kennt die Situation in Krankenhäusern, die Schwestern und Pfleger sind selten dazu in der Lage, mehr als das Minimum zu leisten. Die Personaldecke ist zu dünn.
Wie immer gab es Sessions, die ich gern besucht hätte, leider hat der Trick mit der Aufteilung auf mehrere parallele Sessions nicht funktioniert. Es gab eine Session zur automatischen Erkennung von Emotionen sowie eine Session, in der eine Person über ihren Suizid-Versuch und die Folgen berichtete.
Insgesamt war es ein sehr spannendes Barcamp mit einer guten Themenmischung. Mein Dank geht an die Organisatoren für den reibungslosen Ablauf.

4 Gedanken zu „Ein kleiner Rückblick auf das Care Camp 2017

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung so habe ich was über deine Session und die Diskussion erfahren. Es waren wie immer viele interessante Themen parallel und man kann sich ja leider nicht teilen:)

  2. Kürzlich mußte ich in einer Augenklinik mit einer Krankenschwester diskutieren, weil sie darauf bestand mich im Rollstuhl zu schieben, da dies schneller ginge als mich zu Fuß in die üAmbulanz zu begleiten. Hier sehe ich großen Aufklärungs- und Schulungsbedarf im Umgang mit Menschen mit Behinderung.

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